Wie ist das da in Xanadu?

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Das kotzende Einhorn in Xanadu
Eine kleine Kurzgeschichte aus dem Leben meines Einhorns.

„Wie ist das da in Xanadu?“, fragte die Libelle. „Es ist vollgestellt mit Art Deco, eigentlich fast so wie im Film. Jeden Abend Rollerdisco. Nur dass die Sterne jeden morgen aufgehen und alle im Rhythmus der Gezeiten die Rollschuhe umschnallen und tanzen“, antwortete die adipöse Elfe wahrheitsgemäß.
Die Libelle interessierte sich sehr für das oft besungene und bedichtete Land und seinen bekanntesten Bewohner: Das kotzende Einhorn.

Die kleine adipöse Elfe streckte sich und für einen kurzen Moment rutschte eine Bauchrolle unter ihrem Leibchen hervor. Über Nacht hatte es geschneit und der ganze Mädchenwald war mit glitzrigem Puderschnee bedeckt als die ersten Sternenstrahlen vom Weiß zurückgeworfen wurden.

Es war Zeit zum Betrachten und Nachdenken. Das Einhorn, welches von seinen Eltern auf den Namen Einhorn getauft wurde, stand auf und schüttelte seine Mähne. Nachdem es die zaubrigen Schuppen zusammengefegt hatte und in einer Dose verstaute, trottete und trottelte es zum Öpvebeet.

„Und wieder keine Setzlinge“, ärgerte sich das Einhorn. Dabei düngte es doch ganz gut. Erbrach sich in liebevoller Bulimie über die gepflügte Erde und verteilte das regenbogenfarbende Erbrochene gleichmäßig. „Ich bin Eure Emesis“, kicherte es und dachte an die Menschlein.

Das Einhorn mochte die Menschlein in all ihrer wuseligen Unruhe in ihrem lustigen Bestreben und der Hilflosigkeit. Und dennoch machten sie ihn auch ängstlich und traurig. „Traurigkeit sollte man verprügeln können.“

Plopp, eine der adipösen Elfen ploppte neben dem Einhorn auf und piekste es in die Nase. „Es ist Zeit, Arbeit!“ Aufgeregt flatterte das Elfchen um den Kopf des Einhorns wobei es so schien als würde es von seinem eigenen Gewicht heruntergezogen. Hummelig.

Das Einhorn wusste was ihn erwartete und wie so vielen Menschen machte auch ihm sein Job keinen wirklichen Spaß. Vielmehr noch bestand sein Job darin keinen Spaß zu haben. Also pendelte es raus aus Xanadu auf die andere Seite und fing an zu weinen. Es weinte bitterlich Diamanten und Brillianten die es unter Schmerzen aus den Drüsen und Kanälen drückte. Prügeln wollte es sich, um sich schlagen und dabei schreien.

Schluchzend beruhigte es sich und sah über den Fluss rüber nach Xanadu. Sah Glück und notierte was es sah. Strich die Sätze durch und fasste nochmal zusammen. Sysiphonische Arbeit, aber irgendwer musste sie machen. Und würde das Einhorn mit seinen empirischen Forschungen Erfolg haben, so würde es irgendwann vor die kleinen Menschlein treten und ihnen den Weg zum Glück offenbaren.

Abends trocknete das Einhorn die Tränen und galoppierte zufrieden ob der getanen Arbeit über die Brücke zurück nach Xanadu. Dort aß es so viele schöne Gedanken bis ihm der Bauch weh tat und tollte mit den Elfen rum. Eine Enklave inmitten des anderen. Feierabend genießen. Ob es noch in die Rollerdisco gehen sollte? Das Einhorn schnappte sich zwei Paar Rollschuhe. Pink mit Glitzer.

„Vielleicht ist es auch einfach zu naiv“, dachte sich die Libelle lächelnd.

(Das tolle Bild ist von @susealiaspaul <38)

    2 Kommentare:

  • Quengelexemplar schreibt am 18. Mai 2010 um 13:42

    Die reine Öpve!!! <38 Ich möchte hier mehr von solchen Sachen lesen! Viel mehr!

  • poetin schreibt am 6. Juli 2010 um 01:56

    ich bin auf einmal komplett von glitzer überzogen. mehr! ob die adipöse elfe auch in die rollerdisco geht? juhu! <38

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