Thích Quảng Đức – der brennende Mönch

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Die Geschichte von Thích Quảng Đức hat mich immer beeindruckt. Aus Protest an der Unterdrückung von Buddhisten unter Ngô Đình Diệms Regierung zündete er sich am 11. Juni 1963 in Saigon selbst an.

Der damals anwesende Journalist David Halberstam dazu:

„Ich sollte diesen Anblick wieder zu Gesicht bekommen, aber einmal war genug. Flammen schlugen aus einem Menschen empor; sein Körper verdorrte und schrumpfte langsam, sein Kopf schwärzte sich und verkohlte. Der Geruch brennenden Menschenfleisches lag in der Luft; Menschen brennen verblüffend schnell. Hinter mir konnte ich das Schluchzen der Vietnamesen vernehmen, die sich nun zusammenfanden. Ich war zu erschüttert, um zu weinen, zu durcheinander, um mir Notizen zu machen oder Fragen zu stellen, sogar zu bestürzt, um überhaupt zu denken … Während er brannte, bewegte er keinen einzigen Muskel, gab keinen Laut von sich und bildete damit durch seine sichtliche Gefasstheit einen scharfen Gegensatz zu den klagenden Leuten um ihn herum.“

Mich haut die Geschichte und das Foto immer wieder dermaßen um und ich bin unglaublich beeindruckt von seiner Form des Protests. Mir fehlen dafür die Worte und alleine die Schilderung Halberstams lässt mich schaudern und schlucken, gleichzeitig bewundere ich aber Thích Quảng Đức für seine Entschlossenheit und seine Weigerung die Hinrichtungen und Verhaftungen seiner Glaubensbrüder weiterhin einfach hinzunehmen. Die Selbstverbrennung ist dabei ein unglaublich destruktiver und gewaltvoller Akt ohne Gewalt gegen andere anzurichten – außer wohlmöglich seelische. Unglaublich erschütternd!

Brennender Mönch, Saigon

Das berühmte Bild vom Fotografen Malcolm W. Browne wurde zum Pressefoto des Jahres 1963 gewählt. Reddit User mygrapefruit hat das Bild nun koloriert und kümmerte sich auch um Originaltreue, z.B war der Austin A95 im Hintergrund, in dem Thích Quảng Đức nach Saigon fuhr, tatsächlich himmelblau.

Einige von Euch kennen das Bild bestimmt auch als Cover für das erste Rage Against The Machine Album.

    12 Kommentare:

  • andreas schreibt am 10. Januar 2011 um 21:11

    Das ist unglaublich erschütternd, aber ist das – ohne hier den Protestakt irgendwie herabwürdigen zu wollen – nicht unglaublich uneffektiv und, ich weiß nicht, sehr unüberlegt und hoffnungslos?
    Was wäre wohl passiert, wenn Gandhi oder Nelson Mandela sich aus Protest selbst verbrannt hätten, statt den mühsamen Weg des friedlichen Widerstands zu wählen?

    Nur so als Denkanstoß.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 10. Januar 2011 um 21:22

    Ich finde Denkanstoss ist ein unglaublich eitles und arrogantes Wort.

    Und vielleicht ist es hoffnungslos, vielleicht auch verzweifelt. Ich würde mir nicht anmaßen drüber zu urteilen, ob es unüberlegt war. Die Effektivität zeigt sich darin, dass dieses Bild und seine Geschichte bis heute nichts von seiner Kraft verloren haben.

    Leider kann ich Dir nicht wirklich etwas über die Wirkung des Bildes 1963 erzählen, doch führten die buddhistischen Aufstände 1963 dazu, dass sich die USA von Präsident Diệm abwandten. Ich nehme an, dass die Popularität des Bildes bzw. der Tat von Thích Quảng Đức durchaus dazu beitrugen auf die Missstände in Vietnam aufmerksam zu machen.

  • andreas schreibt am 10. Januar 2011 um 23:23

    Na, ich glaube, da habe ich mich falsch ausgedrückt mit dem Wort „Denkanstoß“. Ich meinte eher Diskussionsanstoß und wollte deine Meinung gar nicht schlechtmachen, wenn das jetzt so rübergekommen ist.
    Die Methode der Selbsttötung oder Selbstverstümmelung als Akt politischen Widerstands finde ich aber doch verurteilenswert.
    Als Buddhist hätte er das eigentlich auch nicht tun dürfen, oder?

  • andreas schreibt am 10. Januar 2011 um 23:45

    P.S.: Du hast gazn recht, „Denkanstoß“ ist wirklich ein ziemlich arrogantes Wort, das war mir vorher gar nicht so klar.
    Jetzt hast du mir sozusagen einen Denkanstoß gegeben ;-)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 11. Januar 2011 um 00:09

    Eine Diskussion begrüße ich immer :-)

    Wenn ich jetzt nur bei „Selbstverstümmelung“ bliebe. Du erwähntest Mahatma Gandhi, ist Hungerstreik nicht auch eine „Selbstverstümmelung“ die gar zur „Selbsttötung“ führen kann (z.B. Holger Meins)? Gandhis passiver Widerstand bestand teilweise u.a. auch aus Hungerstreiks.

    Die Grenze ist auch beim passiven Widerstand gar nicht so einfach zu ziehen. Wo beginnt die Verstümmelung, wo die Selbstötung? Wenn man sich einem Regime entgegenstellt mit dem Bewusstsein, dass man mit Prügel, Folter oder gar dem Tode bestraft werden könnte. Ist das Entgegenstellen mit diesem Wissen nicht bereits eine Art der Selbstverstümmelung? Denn so arbeiten ja solche Systeme, mit Angst. Wer sich vor den Konsequenzen seines Tuns und Handels fürchtet, steht wohlmöglich gar nicht mehr auf.

    Interessant wäre zu wissen, ob Thích Quảng Đức sich der Massenwirksamkeit (und ich meine nicht die internationale Presse) bewusst war, sie sogar forcierte, er suchte auf jeden Fall die Öffentlichkeit.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 11. Januar 2011 um 00:17

    P.S.: Hab nachgeschlagen wegen Suizid und Buddhismus. Hätte auch gedacht, dass es nicht legitim ist. Aber laut Wikipedia:

    „Die Selbsttötung mit dem Ziel, die eigene Erleuchtung vor einem Rückfall (z.B. bei schwerer Krankheit) zu schützen oder um nach der Wiedergeburt zu einer höheren Daseinsform aufzusteigen, wird in den Schriften da und dort positiv gewertet. Voraussetzung für eine positive Wertung der Selbsttötung ist ein ‚klarer, konzentrierter und ruhiger Gemütszustand‘ und das ‚Vertrauen in einen Buddha‘. Unter diesen Voraussetzungen wird die Selbsttötung als nicht verwerflich oder karmisch schädlich bezeichnet.“

    Erstaunlich finde ich, dass das sehr zu Halberstams Schilderung passt, oder?

  • Tobias schreibt am 11. Januar 2011 um 09:31

    Thích Quảng Đức’s Geschichte ist wirklich erstaunlich und beweist wozu Menschen in der Lage sein können wenn es um ihre Überzeugungen geht.
    Ich glaube im übrigen auch das er direkt die Öffentlichkeit suchte, sonst hätte er sich ja nicht auf einen „großen“ Platz gesetzt sondern hätte es z.B. auch vor seinem Tempel tun können.
    Es zeigt aber immer wieder wie weit ein Mensch gehen kann wenn er nur willensstark genug ist für seine Überzeugungen und Ansichten ein zu stehen. Natürlich sollte hierbei jeder selbst entscheiden wie weit er dabei geht. Nur wenige würden sicherlich bis zur Selbsttötung gehen.
    Ich stelle mir allerdings immer wieder die Frage ob solch eine Selbstverbrennung heute noch die selbe Wirkung hätte wie damals. Könnte es immer noch etwas Bewegen in den Köpfen der Menschen?
    greez.

  • Nguyen Tuan schreibt am 21. Februar 2011 um 17:45

    Hier ist wahrheit.Thich Quang Duc hat sich nicht selbstverbrannt.Er wurde vor den Kommumisten Nguyen Cong Hoan mit den Trenxinne und Trancanin vergiftet.Thich Quang Duc war an diesem Tag bewusslos
    Er wurde vor den Spion Nguyen Cong Hoan verbrannt.Hier seht ihr wie es passiert war.

    http://www.youtube.com/watch?v=51YmJyA57Bc

    Quelle:
    http://daiviet.multiply.com/journal/item/287

  • Nguyen Tuan schreibt am 21. Februar 2011 um 17:54

    Ein Bericht vor einem Monat
    Ein Journalist schwer verbrannt im Schlaf.Die Regierung steckt dahinter.
    http://www.rfa.org/english/news/vietnam/burned-01212011164430.html

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 21. Februar 2011 um 17:57

    @Nguyen In welchem Zusammenhang steht dein zweiter Link mit dem ersten?

  • Eveline schreibt am 19. November 2011 um 23:04

    @ Tobias Durch Zufall (beim Googlen von Thich Quang Duc) bin ich auf diesen Blogpost gestoßen und habe mich beim Durchlesen der Kommentare doch sehr gewundert. Am 11. Januar 2011 hast du geschrieben: „Ich stelle mir allerdings immer wieder die Frage ob solch eine Selbstverbrennung heute noch die selbe Wirkung hätte wie damals. Könnte es immer noch etwas Bewegen in den Köpfen der Menschen?“
    Das war eine Woche nach dem Tod von Mohamed Bouazizi, dem Mann der durch seine Selbstverbrennung am 17.12.2010 die tunesische Jasminrevolution ausgelöst hat und damit Wegbereiter für den Arabischen Frühling war.
    Eine Selbstverbrennung als Ausdruck äußerster Verzweiflung wird wohl nie seine Wirkung verlieren.

  • TDH schreibt am 28. Mai 2016 um 08:30

    @Nguyen Tuan hör auf mit deinen Lügen. Immer der selbe Versuch, es ist mal genug. Euch glaubt keiner eure ausgedachten Geschichten!

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