Was liest Du gerade? III – Die HipHop Edition

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HipHop Buch
Foto von @evilmoe

Statt Bloggern werden heute bei Was liest Du gerade? meine Lieblingshiphopmenschen befragt. Was lesen Prinz Pi, Staiger und die Chimperator Crew derzeit? Welche Bücher beschäftigen sie?

Tua, den manche bestimmt als den Orson kennen, der bei Interviews kaum da ist, liest derzeit „Exit: Wohlstand ohne Wachstum“ von Meinhardt Miegel und sein Orson-Kollege Plan B widmet sich Charlie Chaplins Autobiografie „Die Geschichte meines Lebens“. Kaas liest neben „Die Philosophie des Andy Warhol von A bis B und zurück“ auch noch „Cash“ von Richard Price und schreibt mir dazu Folgendes:

„Als großer Fan von der Serie ‚The Wire‘ war mein interesse an dem Debüt des Drehbuch-Autoren sehr groß und ich bin wie erwartet völlig begeistert. Beim Lesen hat man das Gefühl New York sehen, hören, fühlen und schmecken zu können. Die Geschichte ist spannend und die Umschreibungen von Price wirken faszinierend authentisch. Wenn er z. B. einen Mord schildert hat man das zwingende Gefühl, dass der Autor das Erzählte selbst erleben musste.“

Obwohl Prinz Pi mitten im Release-Stress seiner neuen Platte „Rebell ohne Grund“ steckt, kommt auch er nicht drum rum ein Buch in die Hand zu nehmen. Derzeit ist es „Infinite Jest“ von David Foster Wallace, das er im Sommer schon mal angefangen und dann verlegt hatte:

„Sehr faszinierende Szenarien.“

Außerdem liest er mit „Die Brüder Karamasow“ noch die letzte Dostoijewski Übersetzung von Svetlana Geier die er noch nicht gelesen hatte.

Besonders ausführlich antwortete mir Marcus Staiger. Im Gegensatz zu den Vorangegangen nicht so für seine Rap-Künste bekannt. Dafür der Gründer von Royal Bunker, erster Manager von Kool Savas und jetztiger Redakteur für rap.de. Und wo wir doch irgendwie bei Lesen sind, ob früher sein MySpace Blog oder seine Artikel und Interviews bei rap.de – unglaublich toller und unterhaltsamer Schreiber und Über-Sympath. Angetan hat es ihm Jorge Mario Pedro Vargas Llosa von dem er „Der Krieg am Ende der Welt“ gerade fertig gestellt hat und dann gleich zu „Tante Julia und der Kuntschreiber“ weiterging.

Der Clou aber, Staiger hat selbst einem Roman mit dem Titel „Berlin 20/12“ geschrieben. Eine Dystopie, die in einem alternativen Deutschland spielt in dem Helmut Kohl noch an der macht ist. Er selbst fasst das so zusammen:

„Nachdem die SED Führungsspitze am 09. Oktober 1989 auf die Leipziger Montags-Demonstranten schießen ließ und Helmut Kohl Panzerverbände an der innerdeutschen Grenze in Stellung brachte, wurde Kohl zum mächtigsten Mann in der Bundesrepublik und zu einem autoritären Machthaber.

Aufgrund der politischen Entwicklung leben Ausländer im Jahr 2012 in teilweise abgesperrten Ghettos, der Überwachungsstaat ist perfektioniert und Deutschland ist immer noch geteilt. Die Bundestagswahl steht an und Helmut Kohl soll zum 8. Mal zum Kanzler der Bundesrebublik Deutschland gewählt werden.

Vor diesem Hintergrund bewegen sich fünf Menschen ein Wochenende lang durch das geteilte Berlin und werden Zeuge schwerer Ausschreitungen, die von Polizei und Bundeswehr brutal niedergeschlagen werden. Alle suchen sie nach Anerkennung, Liebe, Zugehörigkeit und erleben doch nur ihre eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit, in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.

Ein radikales Buch voller Gewalt, Drogen und Sex. Ein Buch über Freundschaft und Verrat, über Liebe und Pornografie, über ohnmächtige Wut und die fatalistische Nachlässigkeit einer Gemeinschaft, die glaubt Dinge tun zu müssen, weil die Umstände ihnen keine andere Wahl zu lassen scheinen.
Ein düsteres, trostloses Buch, voller Kraft und Wut. Radikal, hart und brutal.“

Klingt nach nem Stoff, den ich verschlingen würde. Und wie immer gebe ich die Frage direkt an Euch Leser weiter. Was liest Du gerade?

    9 Kommentare:

  • Miss Nyx schreibt am 16. Januar 2011 um 22:14

    Die Glasglocke, zum hundertsten Mal, so nebenbei. Wird nie schlecht, aber das weißt du ja selbst.

  • Duke schreibt am 17. Januar 2011 um 16:34

    ich les grad Steppenwolf von Herrmann Hesse und für die Schule nebenbei noch das Leben des Galilei von Berthold Brecht :) Beide Super

  • B-natix schreibt am 17. Januar 2011 um 23:51

    Gibts zu dem Buch vom Staiger schon was genaueres?
    Ich find nichts sonst im Netz,oder hab ichs übersehen?

  • B-natix schreibt am 17. Januar 2011 um 23:56

    Ahja lese momentan Zwergenzorn von Dennis L. McKiernan und danach ist Zwergenmacht dran.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 18. Januar 2011 um 03:44

    @B-Natix, Staiger hat es erst gerade fertig gemacht und es liegt beim Agenten. Er wollte mich aber auf dem Laufenden halten. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

  • shanny schreibt am 18. Januar 2011 um 11:56

    ehrlich gesagt lese ich im mom eher weniger bücher, mehr zeitschriften..
    aber im moment ist eins meiner lieblingbücher „Der kleine Prinz“ ,den ich auch noch aus meiner Kindheit kenne :)
    klingt komisch, ist aber so^^

  • dL schreibt am 19. Januar 2011 um 20:11

    Gerade Schätzings „Der Schwarm“ beendet (zum 2. Mal) und mich wieder über die letzten 60 Seiten geärgert, die irgendwie nur aus relativ sinnlosem Gewäsch bestehen. Next: Henning Venske, „Briefe aus dem Regierungslager“.

  • DRX schreibt am 21. Januar 2011 um 13:27

    wie hieß denn das Buch wo die Nazis den krieg gewonnen haben ? erinnerte mich staiger seine geschichte dran.

    Letzte woche hab ich „Kill your Friends“ zuende gelesen, Großartiges buch, vorgestern Warmduscher, nicht so wirklich klasse, vorallem sehr naiver schreibstil und der autor hat keine ahnung von musik :( dafür von fussball was das wieder ausgleicht :D und gestern mit dem 6 anhalter angefangen, weiß noch nicht was ich davon halten soll, ist mir bisher auch zu sehr auf Douglas adams gemacht, weiß nicht so richtig wie ich das beschreiben soll. … und jaaa ich hatte die letzte woche viel lange weile abends ;)

  • advocatus diaboli schreibt am 29. Januar 2011 um 22:26

    Hah – hat Geschmack, der Herr Pi…ebenfalls „Infinite Jest“

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