Guttenberg der Kopist?!

Guttenberg Doktor?!

Die Häme ist groß. Medienexperte Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg muss sich Plagiatsvorwürfen bezüglich seiner Doktorarbeit stellen. Die SPD sieht seine “Glaubwürdigkeit” gefährdet und die CSU vermutet eine “Schmutzkampagne”. Das liegt vor allem daran, dass der Bremer Jurist Andreas Fischer-Lescano, der die Arbeit an mehreren Stellen “ein dreistes Plagiat” nannte, scheinbar der SPD nahe stünde.

Interessant ist jedoch welcher Stein ins Rollen gebracht wurde. Hobbyjuristen und Teilzeitenttarner finden immer weitere Stellen. So wurde gestern bekannt, dass selbst die Einleitung aus einem FAZ Artikel aus dem Jahre 1997 zusammengesetzt sein soll. Prof. Barbara Zehnpfenning, die diesen Artikel schrieb, dazu:

Bei Google Docs kann man sich nun an der Suche beteiligen und es liegt für einige die Vermutung nahe, dass hier ein Ghostwriter an der Dissertation beteiligt sein könnte.

Hier besagtes Dokument in dem weitere Stellen ausfindig gemacht werden.

Eine relativ vollständige Zusammenfassung gibt es auch bei Raphael Wimmer.

Komischerweise fühlen sich nur wenige an die umstrittene Doktorarbeit von Guttenbergs Kollegin Kristina Köhler / Schröder erinnert. Auch damals ging es um Zweifel an dem eigenen Arbeitsanteil. So soll Schröder wesentliche Teile ihrer Arbeit von anderen, möglicherweise bezahlten Hilfskräften erledigt haben lassen. Gleichzeitig war sie in der Kritik, da ihre Parteiangehörigkeit ihrer Arbeit dienlich war. Schröder untersuchte, wie sich die Wertvorstellungen von CDU-Bundestagsabgeordneten von CDU-Mitgliedern an der Basis unterscheiden. Die dafür benötigten 1000 Fragebögen wurden freundlicherweise von der Bundeszentrale der CDU an ihre Mitglieder verschickt.

Scheinbar erinnert sich Guttenberg selbst durchaus an dieses unangenehme Kapitel und sagt vorsorglich:

“Und sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meiner Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.”

Quelle: Tagesschau

Ich lehne mich vorsorglich schonmal so weit aus dem Fenster und sage, dass all dies keinerlei Konsequenzen für Guttenberg haben dürfte. U.a. auch weil schlechtes wissenschaftliches Arbeiten keine Aberkennung eines Doktortitels zu rechtfertigen scheint. Meine Vorraussage: Es werden Fehler eingestanden. Man hätte ein paar Fußnoten vergessen und damit ist das Thema dann gegessen.
Zu groß wäre die Blamage nicht nur für Guttenberg und CSU, sondern vor allem auch für die Uni Bayreuth und Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle.

Oder wie es Carsten bei Too much information recht schön schreibt:

“Wenn dagegen kleine Angestellte sich mit liegen gelassenen Pfandflaschen und abgestandenen Brötchen im Gegenwert weniger Cents bereichern, dann ist das vorsätzlicher Vertrauensmissbrauch. Mit schusselig oder dämlich können Sie sich da nicht rausreden. Da braucht man in Deutschland Abitur für.”

Außerdem kann sich Guttenberg ja auf seinen Frisurenbruder Kai Diekmann und dessen Bild verlassen:

“Ich habe keine Ahnung von Doktorarbeiten. Ich flog durchs Abitur und habe nie eine Universität von innen gesehen. Also, ich kann von außen sagen: Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.”
F.J. Wagner in der Bild

Bis zu einem endgültigen Urteil gilt trotz aller Anzeichen dann die Unschuldsvermutung. Letztendlich kann ich jedoch wiedermal feststellen: Guttenberg ist kein Einhorn!

UPDATE:
Vor anderthalb Jahren hatte F.J. Wagner noch andere Ansichten zum Thema Dokortitel, wie der BILDblog berichtet.

UPDATE II:
Die Rheinische Post vermutet anhand einer Textpassage, dass Guttenberg vorsätzlich vorging.

UPDATE III:
Ich finde das riecht alles nach einem Ghostwriter. Denn so viel Dreistigkeit und unwissenschaftliches Arbeiten traue ich Guttenberg selbst nicht zu. Scheinbar hat er auch aus der Hausarbeit eines berliner Studenten aus dem Jahre 2003 geklaut. Guttenberg selbst verzichtet derweil auf seinen Doktor-Titel.

Update IV:
Dem SPIEGEL liegen Informationen vor, dass Guttenberg auch die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages für seine Doktorarbeit benutzte.

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Von: Daniel • Tags:

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