Der weiter wachsende Hamster

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Ganz genau, Wachstumsarschlöcher. Schönes Viral zu Jenseits des Wachstums?! – Nach dem Klick mal ein Stream den ich so runterschrieb für ein nie realisiertes Projekt. Aber es passt so schön.

Bleiben wir bei der Krankheit. Unendliches Wachstum ist nicht möglich. Bei keinem Organismus, weder Pflanze noch Tier. In keiner Firma, keinem Wirtschaftszweig, keiner Stadt in absolut keinem System. Irgendwann kollabiert es, geht unter in einem großen Knall. Und dabei wollen wir dann zusehen. Deshalb treiben wir das Wachstum voran. Wir sind Fütterer.

Eine Gruppe von Organismen der gleichen Art, die an einem Ort lebt, wird mit der Zeit wachsen. Sofern die Standortbedingungen es zulassen, wird die Population steigen. Erst langsam, dann immer schneller. Je mehr vorhanden ist, desto mehr fließt auch zu.

Und dann scheitern wir an der Wachstumsgrenze. Doch was passiert, wenn wir diese bereitwillig und bei vollem Bewusstsein überschreiten? Bereits im neunten Jahrhundert verschwanden die imposanten Mayastädte in Yukatan. Oftmals wird vermutet, dass eine gewachsene Bevölkerung der sogenannten Hochkultur einer zu geringen Anbaufläche gegenüberstand. In einzelnen Tälern, wie zum Beispiel in dem der Stadt Teotihuacán lebten bis zu 90% der Gesamtbevölkerung in solchen Metropolen. Der Mangel wurde zur Notlage. Ein ökologischer Verfall begann, der auch kulturelle Folgen mit sich zog. Und es bestand keine kulturelle Relevanz, die eine Fremdversorgung rechtfertigte.

All dies ist nicht nur beschränkt durch Ressourcen und Aufnahmekapazität. Nicht nur auf Ökologie.

Wird die Grenze erreicht breitet sich Stress zwischen den Individuen aus. Der Organismus erkrankt. Manche können mit dieser Notlage umgehen, andere nicht. Hunger, Arbeitslosigkeit, Depressionen, Pandemien, all das. Der Stress wird derart stark, dass man an ihm zugrunde geht. Das nennt man Distress.

Im Gegensatz dazu gibt es den Eustress, der dazu führt, dass wir uns an die Situation anpassen, abhärten, oder gar resistent werden.

Wir sind wahre Meister des Eustress, schütten Hormone aus oder versorgen uns mit Medizin, die das für uns übernimmt. Amphetamine die uns vorgaukeln alles sei in Ordnung und die Leistung steigern. Tranquilizer die uns ebenfalls beruhigen und beim Runterkommen helfen.
Industrie und Technik besorgen den Rest und verhindern, dass wir merken, wie tief wir ins Unglück geraten sind. Die unerträgliche Leichtigkeit täuscht uns nur über die Abhängigkeit hinweg in die wir uns begeben haben. Was bleibt ist eine lebenslange Funktionsstörung und die neue Unwissenheit. Die vermeintliche Verfügbarkeit von Allem treibt uns zu den Gedanken, dass dennoch etwas fehlt. Wer etwas sucht käme erst gar nicht auf die Idee zu suchen. Wer an Hunger leidet wird sich nicht mit den lächerlichen Ängsten eines Managers rumschlagen müssen, der sich mit Nutten und Koks zu beruhigen versucht. Es wird eine großartige Zeit für Therapeuten, Psychiater und Psychologen. Halleluja!

Dabei stecken wir unser Revier ab, vertreiben Individuen und lassen die Schwachen sterben. Man muss das nicht in Beispielen ausbreiten. Schlechte Nachrichten breiten sich ganz von alleine aus. Und alles nur um die Grenze zu überschreiten. Nur um in der ersten Reihe zu sitzen, wenn alles zerbricht und uns dann endlich gefällt. Was nur wenn man zu den Schwachen gehört? Hauptsache man ist am Ende dabei. Wir kennen es aus der Flora und Fauna, kennen es aus der Vergangenheit und es interessiert uns zu Recht nicht.

Und so werden wir durch die Straßen geführt, als wären sie Venen und wir das Blut in ihnen. Die Flächte wird größer, sie breitet sich aus und wächst zusammen bis nur noch ein großes Labyrinth übrig bleibt. Man wird von Effizienz und Kostensenkung sprechen. Gemeinsame Ressourcen, gemeinsame Prozesse und Leistungsprogramme. Strategische Entwicklung der Region, bis keine Region mehr erkennbar ist. Bald wird keiner mehr von Metropolis reden. Terrapolis muss der Name sein, den wir brauchen werden, wenn Präfixe wie Mega und Giga längst ausgedient haben.

Und wir können nicht anders, weil wir nicht wissen wie wir es könnten. Wir wissen nicht einmal, wo dieses Verlangen anfing. Der Eine (Theodor) bezeichnet das als Folge der Industriellen Revolution, der andere (Sigmund) spricht vom Destruktions- oder auch Todestrieb und ich glaube das es mit dem ersten Menschen, der sich niederließ begann. Und statt umher zu ziehen propagieren wir den unüberwindbaren Untergang. Still und heimlich und dennoch sicher.

[via doktorsblog]

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