30 Kommentare

Die Sache mit dem Feminismus

Von Daniel • 19.04.2011

Feminismus

Angestachelt durch die vielen Rants gegen die FeministInnen auf der re:publica muss ich doch auch noch mein Maul aufmachen. Da kommen Beschwerden aus Ecken von denen man es nie erwartet hätte: Es nervt und die jammern, bla bla bla.

Diese Einstellung ist ein grundsätzliches Problem von vielen Menschen. Es ist sogar oft bei Frauen selbst zu beobachten. Zustande kommt dies durch das was ich immer Blasendenken nenne. Ich muss nahezu keinem meiner Freunde was von Feminismus erklären. Für uns ist es logisch, dass jede Person ob Männlein, Weiblein oder sonst was den gleichen Wert in der Gesellschaft hat und haben sollte. Ob nun in der Arbeitswelt oder im Allgemeinen. Und auch ist klar, dass alte Klischees längst überholt sind. Was dann bei feministischen Debatten eintritt ist ein „Preaching to the Converted“. Das komischerweise oft nicht mit einem „Ja, verdammt nochmal. Du hast recht! So ist das.“ goutiert wird, sondern mit einem „Shut the fuck up, Du nervst!“ Und das kann es durchaus, aber eben nur in Deiner verfickten kleinen Blase. Geh raus und öffne Deine Augen. Schau Dir angeblich aufgeklärte Magazine an. Warum ist da die einzige weiblich besetzte Redaktionsstelle die der Moderedakteurin? Wie viele männliche Sekretäre kennst Du? Die Welt ist voller Klischees. Und festzustellen, dass mehr männlich geführte Blogs in den Blogcharts sind oder dass nur 6% Frauen bei der deutschen Wikipedia schreiben hat nichts Weinerliches. Wie kann eine Feststellung weinerlich sein?!

Verlass Deine Blase und Du wirst sehen, dass die wenigsten wie Du denken. Steig in ein Taxi und fahr durch die Stadt und irgendwann hast Du auch einen Taxifahrer der Dir sagt, dass der andere Verkehrsteilnehmer aufgrund seines Fahrverhaltens bestimmt eine Frau sei und dabei die Augen verdreht. Ich weiß ganz genau wie Du denkst, mich hat das auch lange genervt, weil es für mich selbstverständlich war. Aber wenn Du die Augen außerhalb Deiner kleinen Enklave öffnest, dann siehst Du dass es noch viel Arbeit gibt.

Auch fällt auf, dass manche Ranzenden ein Feminismusbild im Kopf verankert haben was dem Klischee der lila Latzhosen tragenden frigiden hässlichen Männerhasserin zu entsprechen scheint. Seriously, WTF?! Schlagt eine Missy auf, geht auf die Panels, auf Barcamps. Ich hab da keine solche Frau gesehen. Ich hab mich lange mit ihnen unterhalten und mich nicht gehasst gefühlt. Es ist noch so viel Arbeit. Du musst gar nicht mitmachen, aber lass wenigstens die anderen ihren Job tun und den haben gerade auf der RP11 Leute wie Jaclyn Friedman, wo ich nur das Ende sah, verdammt gut gemacht.



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    29 Kommentare »

  • daMax schreibt am 19. April 2011 um 09:42

    Hast wahrscheinlich recht, es gibt noch viel zu tun. Mir gingen die (zu) vielen Feministinnenpanels einfach – Achtung Machospruch! – auf den Zeiger. Natürlich sehe ich nicht überall lila Latzhosen, die gabs da ja auch gar nicht ;)

  • elv schreibt am 19. April 2011 um 10:16

    Ui, das erinnert mich an unsere Unterhaltung ( ;
    Ich kann einfach froh sein, dass mein Umfeld (Diese Blase würde dann Job und digitaler Freundes- und Bekanntenkreis umfassen)da schon ein ganzes Stück voran gekommen ist.

    Ich bleibe trotzdem der Meinung, dass es einen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt, mal mehr und mal weniger und manche schwimmen auch zwischen den Grenzen, doch einige Sachen kann man auch durch die weltoffenste Erziehung nicht ändern.

    Jede aufklärende und ehrgeizige Feministin mit spannendem gedankengut ist bei mir willkommen, doch leider traf ich auch auf klischeehaft blaffende ständig wiederholende und verbohrte Damen, die im Endeffekt wie Männerwelt nachahmen wollen. Das funktioniert für mich nicht.

    Was gibt es also besseres, als solch einen Text auf einem Blog eines Mannes, der auf Einhörne rund Glitzer steht?

    I like, so macht das Sinn.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. April 2011 um 10:19

    @elv, ja Du bist nicht ganz unschuldig an dem Rant ;)

  • elv schreibt am 19. April 2011 um 10:25

    Und ich kanns nicht leiden, wenn ich nicht mal so called mädchenhaft sein kann, ohne dass ich dann gleich als dümmer, schwächer und erfolgloser gelte.
    Ich selbst pushe mich ja seit dem Abi über die Karriereleitern, aber man darf auch Frauen, die andere Wege wählen nicht gleich schief ansehen, auch wenn ich mich selbst ab udn an dabei erwische.

  • YummyGeeks schreibt am 19. April 2011 um 10:36

    Zumindest in der Internetblase gehts voran:
    http://www.yummygeeks.de/wir-maedels-erobern-das-internet.html

  • Thegurkenkaiser schreibt am 19. April 2011 um 10:44

    Und selbst wenn sie latzhosen tragen. das ist ja überhaupt kein argument für oder gegen was. klischees sind doch das problem derer, die sie im kopf haben und anwenden.
    ansonsten hast du natürlich vollkommen recht.

  • Helga schreibt am 19. April 2011 um 11:21

    @daMax: Ich habe jetzt noch mal nachgezählt. Es gab insgesamt 170 Panels/Diskussionsrunden etc (und 1 Party, die zähle ich nicht mit). Davon hatten 2 Feminismus im Titel, 2 weitere haben sich damit befasst und wenn man großzügig sein will, war auch das Blogger_innengespräch feministisch (wobei das nur 1 der 4 Speaker_innen betrifft). 5 von 170 Veranstaltungspunkten sind gerade mal 2,9%, das ist natürlich voll viel und weil die fiesen Feminist_innen Dich gezwungen haben, da hinzugehen, kann ich es total verstehen, wenn man dann genervt ist. NICHT!

  • Sören schreibt am 19. April 2011 um 11:43

    Gefällt mir sehr gut, und kann ich so auch nur unterschreiben.
    Auch wenn ich mich manchmal dabei ertappe, dass ich es leid bin, ständig etwas gegen solche hirnlosen Mackersprüche zu sagen, weil man manchmal eben das Gefühl hat, dass es überhaupt nichts bringt… Was natürlich aber auch kein Grund ist, es nicht zu tun. Das selbe gilt natürlich auch für (andere Formen des) Sexismus oder Homophobie.

  • defa schreibt am 19. April 2011 um 12:16

    hey! – ich stimme dir eigentlich weitestgehend zu, aber müsste sich die aufforderung die “blase zu verlassen” nicht auch an die aktivist_innen richten? “preaching to the converted” ist ja nicht nur ein problem des publikums, sondern auch der jeweils vortragenden person.

    lg

  • cornichon schreibt am 19. April 2011 um 12:20

    recht haste!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. April 2011 um 12:22

    @defa Das Problem auf der Seite ist ja dann genau das was die Damen und (wenigen) Herren gerade vorgewerfen bekommen. Sie verlassen die Blase und schon haben sie die re:publica angeblich unterwandert.

  • Pillermann schreibt am 19. April 2011 um 13:05

    “Und das kann es durchaus, aber eben nur in Deiner verfickten kleinen Blase.”

    Warum “predigt” ihr dann eben genau dieser “Blase” ?

    Fefe hat mMn recht – “Machen, nicht meckern.”

    Ich füge hinzu – „Preaching to the Converted“ wird den Feminismus nicht sehr viel weiterbringen. Machen ! Aber da wo es auch etwas verändern KANN!

  • ich-war's schreibt am 19. April 2011 um 13:12

    Hab’ noch was vergessen: Es geht doch darum, die “Kräfte zu bündeln” und besser zu organisieren. Wenn man “zu den Konvertierten predigt” – auch wenn das ein ziemliches Vorurteil ist – dass Mütter ihre Jungs nicht erziehen könnten und ihr erst alle “Konvertieren” müsstet – dann sollte man eher über Organisation referieren, statt die schon bekannten Info’s in sprachlich abgewandelter Form rauszuhauen.

  • TakaTukaLand schreibt am 19. April 2011 um 13:14

    liebes einhorn,

    ich glaube du beschönigst hier einiges. dein konstrukt des blasendenkens ist nichts weiter als ein in-schutz-nehmen von leuten, die du wahrscheinlich magst. ich kann dabei (bei allgemeinen reaktionen und den von dir verlinkten) allerdings keine “converted” people sehen, also leute, die eigentlich alles schon begriffen haben und jetzt von der immer gleichen leier genervt sind.
    im gegenteil: sie vertreten die immergleichen und uralten antifeministischen ressentiments. das beginnt bei zuschreibungen wie “quengelich” und “weinerlich”, endet aber immer mit der aussage, dass mann selbst das nicht braucht (hab ich ja schonmal gehört) oder ganz klar nicht will.
    solche leute haben nichts verstanden und müssen auch von dir, liebes einhorn, keineswegs in schutz genommen werden. wer vom feminismus nichts mehr hören oder ihn wie immer an den rand schieben will (“lasst die re:publica die re:publica sein, und nicht das FemCamp” elcario.de), die_der vertritt nicht insgeheim ja doch die gleichen ansichten, denn dann wäre ihr_ihm klar, was die eigene aussage bedeutet.
    auch wer meint, dass sie_er diesen feminimus schon gehört und angeblich verstanden habe und dem ja auch zustimme, aber trotzdem vom “weinerlichen Feminismus” spricht, der doch mal bitte ganz anders zu laufen habe, denkt nicht nur in blasen, sondern spiegelt die besserwisserische ignoranz gegenüber feministischen anliegen wieder.
    und wer dann auch noch denkt, sie_er sei ja schon längst weiter und achso postgender und könne sich aus den gesellschaftlichen unterdrückungsmechanismen heraushalten (“Ich unterdrücke keine Frau, ich halte mich auch nicht für einen besseren Menschen, weil ich einen Dödel habe und deshalb habe ich auch keinen Bock, mir dauernd so ein Geschwätz anzuhören.” todamax.kicks-ass.net), hat ebenfalls nicht verstanden worum es überhaupt geht, sondern verschanzt sich hinter privilegien, anstatt diese zu verändern, abzugeben oder auf andere auszuweiten.

    und verdammt nochmal: was soll das herausholen des klischees “lila Latzhosen tragenden frigiden hässlichen Männerhasserin” als negativ-beispiel, das ja jetzt nicht mehr so ist? das ist nämlich kein klischee, sondern eine antifeministische zuschreibung. und was soll das aussagen? wenn diese feminist_innen schon so viel rumjammern, sollen sie wenigstens schicke klamotten tragen, gut aussehen, sexuell aktiv sein und nichts gegen männer* sagen, die sich dann doch wieder nur genervt abwenden und keine lust haben sich mit einer gesellschaftlichen realität auseinander zu setzen von der sie selbst profitieren?

    ich sehe leider kein blasendenken, keine enklave der aufgeklärten und emanzipierten blogoshpäre, sondern nur eine gesellschaftliche realität, die auch vor den ganz netten leuten nunmal nicht halt macht.

    ich kann eigentlich nur einem satz in diesem blogpost zustimmen: “Es ist noch so viel Arbeit.” :(

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. April 2011 um 13:25

    @Pillermann Da die re:publica kein Femcamp ist würde ich das als Verlassen der Blase bezeichnen.

    @ich war’s zu sagen die Phrase “Preaching to the Converted” beinhaltet ein Vorurteil und dann argumentieren, “dass Mütter ihre Jungs nicht erziehen könnten” hinkt ein wenig. Mein Papa hat mich genau so erzogen und meine Freunde, etc. Ich gebe Dir Recht, kann man als Vorurteil auslegen, aber das kann man ja offensichtlich mit allem, wenn man so will…

    @TakaTukaLand Sehe ich vollkommen anders. Acuh wenn Du Recht hast, dass ich diese Leute in Schutz nehmen mag. Aber ich kenne sie ja, weiß wie sie agieren und handeln. Es ist schwierig alle über einen Kamm zu scheren und sicherlich ist es dann wiederum die Blase in der ich mich bewege, dass ich denke, dass die Jungs und Mädels eigentlich in Grundzügen viel verstanden hätten und es deswegen nicht hören wollen. Bestimmt sind viele derjenigen, die ich hier scheinbar in Schutz nehme, eigentlich Wichser, für daMax den ich oben verlinke kann ich mit Sicherheit sagen: “Nope!”

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. April 2011 um 13:29

    @TakaTukaLand Und für mich kann ich ziemlich genau sagen, dass das was ich beschreibe auf mich zutraf. Das kann Kathrin von ihdl und Sonja Eismann von der Missy bestimmt bestätigen. Und es trifft bestimmt auch heute noch oft zu. Und vielleicht hätte ich das Klischee mit lila blabla in Anführungszeichen setzen sollen, dass sind tatsächliche O-Töne die ich so las und/oder hörte im Zusammenhang mit der rp11

  • laprintemps schreibt am 19. April 2011 um 13:32

    Sehr richtig und sehr wahr.

    Was mich vor allem massiv stört: Die Kritik kommt immer von gut betuchten, priviligierten Frauen, die in liberalen elternhäusern aufwachsen, deren Mütter, meits bereits emanzipiert, ihnen vermittelt haben, dass sie stark sind. Aber dieses Glück hat nicht jede junge Frau. Auch heutzutage nicht. Und ich finde es gelinde gesagt widerlich, wenn sich jetzt diese priviligierten jungen Frauen hinstellen und sagen: Mach doch! Was stellst du dich so an! Es geht doch alles! YES YOU CAN!

    Dass wir aber in einer Kultur leben, wo junge Frauen aus der Arbeiterschicht es leichter und erstrebenswerter finden Stripperin als Mathematikern zu werden IST bedenklich. Und wenn nicht wir priviligierten Frauen versuchen eine Gesellschaft zu schaffen in denen Frauen coole Rollenbilder abgeben, alles wirklich auch erreichen können und dabei nicht aussehen müssen wie Carmen Electra – wer dann?

    Mich kotzt dieser neoliberale Postfeminismus an.

    So. Jetzt habe ich mich geoutet.

  • Julia schreibt am 19. April 2011 um 13:35

    JA VERDAMMT! DU HAST SOWAS VON RECHT! (seriously!)

  • TakaTukaLand schreibt am 19. April 2011 um 14:18

    @daniel
    ich glaube nicht, dass leute, die sich doof, sexistisch, antifeministisch und/oder wie auch immer verhalten als menschen totale “wichser” sein müssen. ich meinte das mit den “ganz netten leuten” schon ernst. genau dann wird es ja schwer zu differenzieren und zu kritisieren, wenn man leute mag und sie eigentlich eben wirklich nett sind.
    insofern wollte ich auch nicht die personen angreifen, sondern ihr verhalten und ihre positionierung.
    und auf keinen fall wollte ich dir deine eigenen erfahrungen und erlebnisse absprechen. wenn du deinen eigenen prozess in sachen feminismus am besten mit dem blasendenken beschreiben/vermitteln kannst, ist das doch völlig ok :)
    ich stelle mir nur die frage, ob das so einfach übertragbar ist. der entscheidende schritt scheint mir doch das verlassen der blase zu sein und die motivation dafür. welche voraussetzungen wurden dafür bzw. hast du dir selbst geschaffen? welche einsichten haben dich dazu gebracht deine blase zu verlassen? vielleicht war es eine konstruktive auseinandersetzung mit feminist_innen wie kathrin oder sonja, auf die du dich ja irgendwie eingelassen haben musst?
    eine solche bereitschaft und motivation konnte ich aus den oben verlinkten positionen nicht herauslesen, weshalb ich ja auch was hier hin geschrieben habe. (aber auch damit möchte ich niemandem das potential absprechen, seine positionierungen überdenken und ändern zu können)

  • Max schreibt am 19. April 2011 um 14:19

    Das Problem ist in meinen Augen die, wie so oft, von beiden Seiten ausgetragene Polemik. Der Grund, warum ich persönlich, als Mann, an einer Feminismus-Debatte kein Interesse mehr habe, ist, und das ist meinen Erfahrungswerten nach nur minimal überspitzt ausgedrückt, das es beinahe nur die Positionen “Frauen gehören hinter den Herd” und “Frauen können alles besser als Männer” gibt.

    Auch in unserer Gesellschaft (zwar oft nicht in der Realität, aber in den Köpfen), hat sich das derart verankert, dass die negative Welle, die von männlicher Seite da entgegenschwappt, nur zu verständlich ist.
    Wenn man sich mit einer Frau unterhält, ist es ganz normal, dass Männer als sexbesessene Hohlköpfe dargestellt werden, wenn ein Mann mal einen Denkfehler macht ist es nur eine Frage von Sekunden, bis das klassische “Männer!”, begleitet von einem Kopfschütteln und einem Augenrollen, zu hören ist, aber der Taxifahrer, der sich über die Frauen beschwert ist ein Chauvinist.

    Reflektiert wird dieses Bild von einem Erlebnis, das ich vor kurzem hatte, als ich eine Grußkarte kaufen war, und beinahe ein ganzer Ständer voll mit Karten war, die ausschließlich Witze über männliche Inkompetenz enthielten, während das Pendant mit Witzen über Frauen nicht existiert.

    In den Köpfen der Mitglieder unserer Gesellschaft hat sich das Gleichgewicht nunmal mittlerweile verlagert, und deswegen treffen verhärtete Fronten aufeinander. (Sehen wir den Tatsachen in die Augen: Überall kann man lesen, dass Frauen mittlerweile die besseren Schulnoten/Universitätabschlüsse etc. pp. haben, und das berechtigt Frauen dazu, ständig zu erwähnen, wie viel intelligenter als Männer sie doch seien. Wenn ich umgekehrt aus Studien erfahre, dass Männer schneller Muskeln aufbauen bzw. ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen haben, und sage infolgedessen, dass sie zum Autofahren und zum körperlichen Arbeiten eher veranlagt sind, dann bin ich ein Sexist.)

    Das Stichwort lautet nicht Feminismus, sondern Emanzipation. Ziel des ganzen sollte sein, Klischees jeder Art und die Statistikgläubigkeit aus dem Kopf zu bekommen, um dann zu sagen, damit wir jedem Individuum alle Chancen und Wünsche eröffnen können, die es haben will, unabhängig vom Geschlecht (Und das bedeutet nicht nur, das Mädchen Mathe studieren, sondern auch, das Jungen Pädagogik studieren und in einer Einrichtung Kinder betreuen dürfen, ohne das die Eltern den Kindergarten wechseln, weil sie ihn für einen Perversen/Pädophilen halten.)

    Die Holzhammermethode “Feminismus” hat dabei wenig Erfolgsaussichten, meiner Erfahrung nach resultiert sie nur in irrsinnigen Diskussionen darüber, ob Männer oder Frauen in unserer Gesellschaft schlechter dran sind und ob Männer oder Frauen zu irgendwelchen Dingen besser oder schlechter qualifiziert sind. Weiter führt uns das nicht.

  • PMann&ich-war's schreibt am 19. April 2011 um 14:20

    @Daniel:
    “Da die re:publica kein Femcamp ist würde ich das als Verlassen der Blase bezeichnen.”

    Die Leute die da waren könnte man aber doch durchaus als “Sympathisanten” bezeichnen, also Menschen die man nicht überzeugen muss – weil sie schon im frühen Kindesalter zur Gleichberechtigung erzogen – oder “Konvertiert” wurden.

    Ich gebe zu dass ich nicht da war, aber ich verfolge jetzt schon seit Tagen das gerante von beiden Seiten, und mich NERVT’s. Wer Argumente zur selbstzertörung verschenkt, nur weil marginale Unterschiede in den einzelnen Auffassungen bestehen, ist selbst schuld wenn am Ende genau das Gegenteil von dem erreicht wird was einmal das Ziel war. Ich werd’ demnächst einfach jeden entfolgen der mir meine TL weiter mit beleidigungen an andere zumüllt.

    Wieder lieb sein -> Organisieren -> Gemeinsamkeiten finden -> zusammenhalten statt spalten -> etwas erreichen ! BITTEEE !!! =)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. April 2011 um 14:36

    @TakaTukaLand Das warum man die Blase verlässt wäre eine andere Geschichte über die ich mir selbst Gedanken machen müsste. Vielleicht wäre das ein eigener Post. Aber natürlich hat es mit Personen wie z.B. Kathrin und Sonja zu tun die ich lange kenne und/oder mit denen ich mir ein Büro teilte. Und ja, ich denke dass dies durchaus auf viele Menschen übertragbar ist. (Natürlich nicht auf alle)

    Aber nach längerem Nachdenken gebe ich Dir in einem Punkt recht. Mich stört das “lass wenigstens die anderen ihren Job tun” ich hätte lieber schreiben sollen “Hört ihnen mal zu.”

    Das mit dem “Wichser” war natürlich übertrieben ausgedrückt. Aber das ist meine Wortwahl.

    Um es kurz zu machen. Dieser Artikel richtet sich an die Leute die denken es gäbe nichts mehr zu tun und das sind viele und eben auch die oben beschriebenen (aber nicht nur).

  • julia seeliger schreibt am 19. April 2011 um 15:01

    Sie lassen mich in ihre verfickte Blase nicht rein. Kotzt mich an. Und zwar keine Regenbögen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. April 2011 um 15:07

    @julia wer jetzt?

  • elv schreibt am 19. April 2011 um 15:11

    Max’ und laprintemps Kommentare gefallen mir sehr gut und da erkenne ich mich auch wieder. Schön, dass wir hier zu einer angenehmen und wirklich sinnvollen Diskussion kommen. An anderen Stellen habe ich das leider schon anders erlebt: Frustrierte Männer, sher wütende Frauen.

    Hier kann man zu Wort kommen und repektvoll argumentieren. Bitte weitermachen ( : Ich will mehr lesen.

  • TakaTukaLand schreibt am 19. April 2011 um 15:13

    oh, wow, ich könnte seitenweise schreiben, wenn ich den kommentar von @max lese, aber ich belasse es bei:
    der feministische holzhammer möge deine blase treffen. sie scheint so massiv, dass du ganz verschwommen siehst. sie macht dich blind für die geschichte ausserhalb deiner blase, für gesellschaftliche strukturen und strukturelle ausgrenzung. das stichwort lautet nicht blinder aktionismus, sondern emazipation, die nicht ohne feministische positionen auskommen kann. denn nur mit diesen wird dir klar, dass du privilegien abgeben musst, um eine gleichberechtigte gesellschaft zu erlangen.
    richtig, das UNgleichgewicht hat sich verlagert hin zu mehr gleichwertigkeit, ist aber noch längst nicht beim gleichgewicht angelangt. auch wenn du persönlich das gefühl hast, dass das gewicht schon umgekehrt wurde… es ist erst der anfang! also los, emanzipier dich!

  • Julia schreibt am 19. April 2011 um 16:30

    na das einhorn hat recht. wer sonst?

  • Max schreibt am 20. April 2011 um 14:55

    @TakaTukaLand:
    Was ich traurig finde ist das, was du aus meinem Kommentar herausliest, und wie aggressiv du darauf reagierst.
    Ich habe nie irgendetwas gegen feministische Positionen gesagt, auch nicht, das die Emanzipation schon abgeschlossen sei, geschweige denn, dass Frauen absolut übervorteilt wären.

    Ich bin nicht blind für strukturelle Ausgrenzung, auch nicht blind gegenüber der Dinge außerhalb meiner “Blase” (welch Un-Wort).

    Was ich lediglich zum Ausdruck bringen will/wollte, ist das ich es für wenig zielführend halte, dass das Schlagwort Feminismus primär von Charakteren getragen wird, die eine sehr extreme Position vertreten, die oft genausowenig Sinn ergibt, wie eine Anti-Feministische.
    Was ich weiterhin sagen wollte ist, dass es mittlerweile, zumindest in meiner “Blase”, zumindest in den Köpfen der Menschen, eine derartige Umkehrung gegeben hat, und, dass man deshalb als Mann oft und gerne das Gefühl hat, ein großer Einsatz für die Emanzipation habe keine Veränderung am strukturellen zur Folge, sondern würde vielmehr dieses Problem noch verstärken.
    (Anschaulisches Beispiel: In einr großen Gruppe stoße ICH das Thema Feminismus im Zusammenhang Einstellungspolitik von Firmen und Frauen in Führungspoitionen an, indem ich bemerke, dass da noch Arbeit gemacht werden muss. Eine (extremistisch-feministische) Diskussionspartnerin greift das auf, und führt das Gespräch ad absurdum, indem sie, statt Überzeugungsarbeit zum Umdenken zu leisten, beginnt zu erklären, wieso Frauen ja zur Leitung von Abteilungen und Firmen soviel besser qualifiziert sind, und wieviel intelligenter sie allgemein sind. Damit kann man niemanden überzeugen und die Lust am Diskutieren ist mir auch vergangen.)

    Noch einmal: Ich leugne diese strukturellen Probleme in keinster Weise, auch habe ich nicht das Gefühl das das Gewicht schon umgekehrt wurde, ich hab ausschließlich das Gefühl, das in den Köpfen vieler Menschen der “Emanzipationswahn” schon so weit fortgeschritten ist, das alles was noch stattfindet, eine “Femininisierung” der Werte ist, die schon lange nicht mehr erforderlich ist, während die tatsächlichen Probleme auf der Strecke bleiben.

    Es ist mir absolut bewusst, dass ich Privilegien abgeben muss, um eine gleichberechtigte Gesellschaft zu erlangen, aber das ist nunmal nicht alles. Und Privilegien abgeben bedeutet nicht, dass ich mir ständig überall anhören muss, wie viel leistungsfähiger Frauen in allen Bereichen sind. Schau’ du mal über deinen Tellerrand hinaus (oder sollte ich sagen, aus deiner Blase?), und sieh’ mal, das die Benachteiligung der Frauen vielleicht das Größte, aber längst nicht das einzige Problem unserer Geselsschaft ist, und das in bestimmten Bereichen auch eine strukturelle Ausgrenzung von Männern stattfindet.
    Ernsthaft. Es mag dir lächerlich erscheinen, aber man hat als Mann zumindest in, nenne wir es “gehobenen”, Kreisen heutzutage einen schweren Stand. In der Schule wird einem von Lehrpersonal erklärt, das die Mädchen ja grundsätzlich intelligenter, gesitig reifer und braver seien. (Es ist meiner Erfahrung in der Oberstufe nach, sogar häufig einfacher für Mädchen, als für Jungen, gute Noten zu bekommen.) Später auf der Uni gilt man oft schon als pervers, wenn man ein Mädchen zulang anschaut, und ein Witz über Frauen macht einen zum Chauvi, während Frauen zu kritisieren, die sich über Männer lustig machen, ebenfalls ein “unemanzipiertes Verhalten” ist. Wenn ein Mann bei einem Interview in einer Kneipe Stuss von sich gibt, von wegen Männer seien besser qualifiziert für Führungspoitionen, dann wird sich in allen Satiremagazinen darüber amüsiert. Sagt eine Frau dasselbe über Frauen, interressiert es kein Schwein. Das ist eine Diskrepanz, an der auch gearbeitet werden muss, so unbequem das auch ist. Und das zu erwähnen sollte in einer emanzipierten Gesellschaft erlaubt sein.

    Anstand alles als unemanzipiert zu betrachten, was auch nur nach einem Hauch von Kritik am Feminismus aussieht, könnte man konstruktive Kritik auch aufnehmen und vielleicht berücksichtigen. Man könnte vielleicht auch sehen, das auch die Vorgehensweise der Emanzipationsbewegung nicht perfekt und u.U. noch verbesserungswürdig ist.

    Wir sind hier nicht in irgendeinem absurden Gerichtssaal, wo die Feministen 5 Mio. Schadensersatz fordern müssen, um die 2 Mio. zu bekommen die ihnen zu stehen. Wir sind in der Realität, einer Gesellschaft, die nunmal aus einer Menge von “Blasen” besteht und in der meiner Meinung nach die effektivste Methode um für Gleichgewicht zu sorgen, nicht ist, eine Übervorteilung der Frauen zu verlangen um zu hoffen wenigstens die Gleichberechtigung zu kriegen, sondern in der man die Karten offen auf den Tisch legen und auf Gleichgewicht in jeder Hinsicht pochen sollte, um unnötige Diskussionen zu vermeiden und zu genau diesem Ziel auch zu kommen.

  • Reingestolpert schreibt am 25. April 2011 um 11:30

    Vielen Dank für diesen Eintrag – und für Helga für das Ausrechnen des “zu vielen”-Feminismusteils von unter 5%. Das entlarvt dann auch die “Na ja, grundsätzlich ist ja ok, aber doch nicht so viel”-Rechtfertigungsstrategie, von Personen wie daMax.

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