Datenschutz und Facebook

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Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) von Schleswig Holstein um Dr. Thilo Weichert will Webseiten-Betreibern im eigenen Bundesland bis zu 50.000 Euro abnehmen, wenn sie weiterhin Social Media Plugins von Facebook einbinden.

Neben den berechtigten Einwänden des ULD stößt natürlich das übel auf. Vor allem weil auch private Seitenbetreiber davon nicht ausgenommen sein sollen. Das ULD argumentiert so:

„Allen Stellen muss klar sein, dass sie ihre datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit nicht auf das Unternehmen Facebook, das in Deutschland keinen Sitz hat, und auch nicht auf die Nutzerinnen und Nutzer abschieben können.“

Gleichzeitig werden auf angebliche Alternativen im süffisanten Ton hingewiesen:

„Niemand sollte behaupten, es stünden keine Alternativen zur Verfügung; es gibt europäische und andere Social Media, die den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Internet-Nutzenden ernster nehmen.“

Doch, ich behaupte das! Ganz davon ab, dass ich das Vorgehen unmöglich bis unverschämt finde und selbst ganz klar zugegeben wird, dass man Facebook ja nichts könne, ist der Verweis auf Alternativen frech.

Er lässt die Wichtigkeit eines sozialen Netzwerkes wie Facebook als Traffic-Lieferant außer acht. Für kommerzielle Webseiten wäre also die Möglichkeit auf z.B. VZ umzusteigen (Hat VZ eigentlich ne Lobby ;)), die die Privatsphäre der User besser schützen, eben keine Alternative.

So gesehen wäre ein Klapprad eine Alternative zu einem Rennwagen. Dass der Rennwagen dabei die Umwelt nicht schont ist dem Nutzer genau so klar, wie es dem Facebooknutzer klar sein sollte, dass er das Produkt ist. Wenn etwas umsonst ist, bist DU das Produkt. So easy!

Den, laut Aussage des ULDS, 18,6 Millionen Facebook-Nutzern wird jegliche Mündigkeit abgesprochen. Anders sieht es natürlich bei Daten uneingeloggter Nutzer aus, wo im Papier des ULD (PDF) auf Facebook Insight hingewiesen wird. Ein Tool zur Auswertung der Webseitennutzung. Also wie jedes Tracking Programm oder auch Google Analytics.

Und da wird man natürlich hellhörig, denn bereits 2008 hat das ULD um Dr. Thilo Weichert eine ähnliche Taktik fahren wollen. Damals drohte allerdings niemand mit horrenden Strafen und es wurden mit Piwik sogar vergleichweise realistischere Tracking-Alternativen angeboten.

Vielleicht ist das Echo damals so klein gewesen, dass das ULD jetzt einfach so laut schreit, dass alle gucken müssen.

Dass es sich dabei realitätsfern präsentiert ist ein Preis der ihnen durchaus bewusst sein dürfte. Ich kann professionellen Webseitenbetreibern aus Schleswig Holstein nur empfehlen einen neuen Firmensitz zu suchen. Fragt sich, wie dann das ULD reagiert!

    3 Kommentare:

  • Jared Inbody schreibt am 28. August 2011 um 05:44

    Man kann es überall lesen, die Deutschen möchten den „Like Button“ von Facebook verbieten. Ich kann die Aufregung auch verstehen. Mir gefällt es auch nicht besonders dass die Amis alle unseren Daten über uns sammeln. Irgendwann, womöglich nochnicht heute, wird man aus diesen Daten wertvolle Wirtschaftliche Vorteile bekommen. Auch ich bin ein FB Fan und gebe da viele Daten von mir preis. Wohin das alles noch führen wird ist zur Zeit noch ungewiss.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 28. August 2011 um 10:54

    @Jared Und was willst Du damit sagen? Ich bin gegen FB, aber totaler Fan und gebe da freiwillig vieles von mir preis, aber dass ich das mache finde ich total doof?!

  • Szymster schreibt am 15. November 2012 um 22:08

    Obwohl diese gesammelten Daten erst in der Masse und extrapoliert ne Relevanz ham und der eizelne den Leuten so gut wie egal ist, machen mich die Umstaende echt sauer. Wieso muss es denn mit Allem so grob 1984-maessig den Bach runter gehen?

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