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Die Riots in London – Links und Leseempfehlungen!

Von Daniel • 10.08.2011

Die Riots in London

Schiere Hilflosigkeit muss man Presse und Briten bei den Riots in London unterstellen. So wird davon gefaselt, dass solche Aufstände in England Tradition hätten. Das ist natürlich Quatsch solche Ausschreitungen auf Tradition zu schieben.

Natürlich ist es auch sehr einfach das Ganze auf soziale Ungerechtigkeit, die Grenze zwischen Arm und Reich, sowie auf den eigentlichen Auslöser, den Tod des 29-jährigen Familienvaters Mark Duggan durch eine Polizeikugel, zu schieben. Aber wieso nicht mal einfach sein?!

Whatever, es ist schon ein aufreibendes Jahr. Die arabischen Länder, allen voran Ägypten, Spanien (wo Floyd letztens ein Update zu hatte) und jetzt eben England. Duggan ist lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte! Vor allem wo jetzt bekannt wurde, dass die Kugel, die einen Polizisten traf ebenfalls aus einer Polizeiwaffe stammte. Die Riots wären in meinen Augen früher oder später eh gekommen.

Ein junger Demonstrant bringt es mit seiner Antwort auf die Frage, ob Randale das richtige Mittel für Protest sei:

“‘Yes,’ said the young man. ‘You wouldn’t be talking to me now if we didn’t riot, would you?’

The TV reporter from Britain’s ITV had no response. So the young man pressed his advantage. ‘Two months ago we marched to Scotland Yard, more than 2,000 of us, all blacks, and it was peaceful and calm and you know what? Not a word in the press. Last night a bit of rioting and looting and look around you.'”

Bei Floyd gibt es einen Augenzeugenbericht von einer Bekannten von ihm. Sie zweifelt eine soziale bzw. politische Motivation der Randalierer an:

“Aber das hat keinen politischen Hintergrund mehr, das sind Jugendliche, die in ihren Sommerferien nichts besseres zu tun haben und einfach alles demolieren und stehlen was ihnen in den Weg kommt.”

Komplett lesen könnt Ihr den Bericht hier.

Diese Einstellung erscheint mir ein wenig oberflächlich. So ist es offensichtlich, dass in der Bevölkerung eine enorme Wut hochgekocht ist. Zwei Mädchen sagten z.B. gegenüber der BBC, dass es bei den Riots darum gehe den Reichen und der Polizei zu zeigen, dass sie tun können was sie wollen.

Und die scheint den Jugendlichen auch zu zeigen, dass sie machen kann was sie will. So gibt es dieses Interview mit dem Autoren Darcus Howe, der über unnötige Polizeigewalt berichtet:

Es ist wohl eher so, wie es der Freitag berichtet:

“Die Regierung ist sich sehr wohl bewusst, dass sie mit ihrer Politik Massenunruhen von einem Ausmaß riskiert, wie wir sie lange nicht mehr gesehen haben. Dass die Leute in Tottenham, Edmonton, Brixton und anderswo in den vergangenen Nächten auf die Straße gegangen sind, könnte für die Regierung eine ernsthafte Pechsträhne einleiten.

Die Politik des vergangenen Jahres mag zwar die Kluft zwischen den Privilegierten und den Besitzlosen verdeutlicht haben, doch der Kontext für die sozialen Unruhen reicht viel weiter.”

Weitere Links zu den Unruhen in England:

Bild: stolengolem, CC-Lizenz



3 Trackbacks »

    13 Kommentare »

  • Susi schreibt am 10. August 2011 um 18:29

    Die Situation in England wird immer schlimmer. Jetzt wurden heute nacht 3 Menschen ermordet. So wie es aussieht greifen die Unruhen auf ganz England über. Mir wird richtig Angst, wenn ich daran denke, dass das auch hier bei uns in Deutschland passieren kann.

  • susealiaspaul schreibt am 10. August 2011 um 20:33

    laut deutschlandfunk hat die polizei in england jetzt von seiten der politik die explizite order, ALLES zu tun, was sie für nötig erachten, die aufstände niederzuschlagen.

    ich denke, bei den riots ist es wie meiner meinung nach bei alles ausschreitenden aufständen – die anfänge der ausschreitungen sind durchaus politisch motiviert, aber es wird schnell zu einer massenbewegung. Viele haben das gefühl, dass hier etwas großes passiert und wollen dabei sein. Man beginnt vielleicht auch, die Wut der anderen gewissermaßen aufzusaugen, wird angesteckt von der Leidenschaft und steigert sich mit hinein.
    Auf einmal war man ja eigtl auch schon immer sauer auf die Regierung usw
    Das gilt sicherlich nicht für alle Beteiligten, aber meiner Meinung nach für einen großen Teil.

    Interessant fände ich einen Versuch der Beantwortung der Frage, warum es scheinbar ja schon irgendwie zunimmt, dass vor allem Jugendliche so empfänglich für derartige Gruppendynamik sind. Sehnen sie sich immer mehr danach für etwas mit vollem Einsatz zu kämpfen (im wahrsten Sinne des Wortes)? Warum?? usw.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 10. August 2011 um 20:49

    @suse Die Vorstellung, dass wirklich was schief läuft wird mir da zu sehr außer Acht gelassen.

    Natürlich hast Du Recht, dass eine Gruppendynamik stets ansteckend ist. Das ist nichts Neues und auch wissenschaftlich bekannt.

    Vielleicht ist es Gruppendynamik oder eben auch Konformitätsdruck oder Gruppenzwang.
    Da empfehle ich einfach den Wikipedia-Artikel dazu, wo auch zu Recht auf das Stanford Prison Experiment oder eben auch das Milgram Experiment.

    Das gerade Jugendliche dafür anfällig sind, kennst Du bestimmt selbst aus Deiner Jugend. Mobbing, Gruppenzwang, alles Themen, die fast jeder in der Pubertät aktiv oder passiv durchmacht…

  • susealiaspaul schreibt am 10. August 2011 um 21:06

    dass da wirklich auch etwas schief läuft, stand für mich außer frage, deshalb bin ich im kommentar darauf nicht nochmal eingegangen.
    und ob gruppendynamik ansteckend ist und so, wollte ich auch nicht beantwortet haben, als sozialtante hab ich mich damit durchaus schon mehr als genug damit auseinandergesetzt ;)
    Ich meinte eher, dass ich das gefühl habe, nicht nur die riots (und eigtl auch nicht nur die jugendlichen) sehnen sich (wieder) mehr danach, sich mit leidenschaft für etwas total einzusetzen, ein ziel zu haben, für das man kämpfen kann usw, und woher das wohl kommt, diese steigerung dessen.
    (und so richtig eine antwort will ich nichtmal darauf haben, ich hab da durchaus so meine thesen.)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 10. August 2011 um 21:08

    @Suse Dann her mit Deinen Thesen ;)

  • susealiaspaul schreibt am 10. August 2011 um 21:18

    dei haben glaub ich noch nicht genug fundament, als dass ich sie ganz alleine raus lassen kann ;)
    (und eben jenes fundament auszumauern ist mir gerade zu anstrengend)

    aber, um mal einen kleinen ansatz zu nennen, ich kann mir vorstellen, dass es durchaus ein “normaler” prozess in der Geschichte einer gesellschaft ist und gewissermaßen mit dem Genenrationskonflikt zusammenhängt. Die jetzigen Jugendlichen sind ETWA die Kinder der Kinder der 68er. Die 68er haben etwas bewegt, waren revolutionär blablabla, die kinder der 68er hatten die Schnauze voll von dem wirverändernwasundrettendiewelt-gedanken ihrer eltern, die kinder der kinder der 68er haben wiederum die schnauze voll von dem wirlassenallesgeschehenundwehrenunsnichtdaspasstschon-gedanken IHRER eltern.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 10. August 2011 um 21:24

    @Suse Sozusagen, dass sich Konservatismus und Rebellion regelmäßig abwechseln? Halte ich für viel zu einfach gedacht. Sorry… Vor allem, weil es – rein auf Deutschland bezogen – z.B. Sachen wie die Grünen, Antiatomkraft und Friedensbewegung (80er) vollkommen ignoriert. Wobei da natürlich einige Protagonisten auch 68er waren.

  • susealiaspaul schreibt am 10. August 2011 um 21:38

    Herrje! es ist, wie gesagt, nur ein ANSATZ!
    ich kann mir schon zieml gut vorstellen, dass es mit reinspielt, aber es ist ganz sicher nicht ALLES.
    ohne frage spielen große ereignisse in der welt auch eine rolle. Natürlich werden Kriege oder SuperGAUs auch von der Genaeration NACH einer Rebellionsgeneration wie den 68ern nicht so einfach hingenommen und es gibt garantiert noch einige weitere Faktoren, die mit reinspielen. aber ich vermute eben, dass die grundsätzliche Einstellung, zu rebellieren und etwas verändern zu wollen, schon auch vom “Generationskonflikt” beeinflusst wird.

  • Floyd schreibt am 11. August 2011 um 09:49

    Der Augenzeugenbericht bei Fakeblog ist natürlich ein rein subjektiver. Ich denke, dass man nicht wirklich in der Lage ist zu abstrahieren, wenn man gerade mitten in diesen Unruhen steckt und erstmal mehr oder weniger um sein eigenes Leben rennt. Ich habe sie auch gefragt, ob sie nicht denkt, dass es z.B. an Perspektivlosigkeit, Unterdrückung, Arbeitslosigkeit, etc. liegen könnte. Daraufhin sagte sie, dass es bei einigen durchaus so sein kann, die Mehrheit aber eben aus “Mitläufern” bestehe. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt, aber es gab ja auch Szenen, die aus meiner Sicht eindeutig zeigen, dass es nicht nur an einem politischen Hintergrund liegen kann. Wie sonst wäre es zu erklären, dass diesem Junge erst auf die Beine geholfen wird, um ihn anschliessend zu berauben? http://www.youtube.com/watch?v=XYuMPw6Yi3k

  • El Spotto schreibt am 11. August 2011 um 11:08

    Es ist sicherlich so, dass im Prozess der Selbstfindung und der Abnabelung von den Eltern Jugendliche die Ansichten ihrer Eltern hinterfragen und im Zweifel vielleicht auch eher für contra als pro entscheiden. Die These, dass Generationen daher abwechselnd tendentiell eher konservative resp. progressive Ansichten vertreten, scheint nicht ganz aus der Luft gegriffen und wäre interessant zu überprüfen. Wenn sie zutraffen sollte, dann aber, m.E., nur in einem gewissen Rahmen.

    Die Vermutung, dass die vielen Aufstände und Unruhen darauf zurückzuführen seien, finde ich dann doch zu weit hergeholt. Proteste auf einer so großen, übergeordneten, gesellschaftlichen Ebene rühren nicht aus individuellen Generationskonflikten, sondern eben aus übergeordneten, gesellschaftlichen Auslösern. Auch die 68er haben ja nicht die Gesellschaft umgekrempelt, weil ihnen ihre Eltern zu langweilig waren, sondern weil sie eben der Kriegstreiberei und des Muffs “unter den Talaren” etc. überdrüssig waren.

    Und auch die aktuellen Unruhen basieren nicht auf Nicht-Identifikation mit den Eltern, dafür gibt es so Bewegungen wie Emos, Hipster und was weiß ich was. Es geht darum, kollektiv empfundene Unterdrückung (s. Libyen z.B.) und Vernachlässigung (drastische Budgetkürzungen in Bildung und Jugendarbeit in GB) abzureagieren. Ein Bisschen so wie im “Schunder Song” von den Ärzten. Oder, wie es die Toten Hosen sagen: “If you keep pushing, something’s gonna break”.

    Die Plünderei, Brandstiftung und die ausufernde Gewalt, die in England gezeigt wird, hat freilich nur noch marginal mit Mark Duggan zu tun und sind im kollektiven Auge der Gesellschaft sicherlich eher kontraproduktiv wenn es darum geht, Sympathien zu schaffen und auf das Kernproblem hinzuweisen. Dennoch liegt ihnen eben jenes Gefühl der Unterdrückung und Machtlosigkeit zugrunde. Wie es Sublime in dem Song “April 29, 1992″, in dem es um die verblüffend ähnlich verlaufenden “Rodney King Riots” geht, formuliert:

    “They said it was for the black man,
    they said it was for the mexican,
    and not for the white man.

    But if you look at the streets it wasn’t about Rodney King,
    It’s bout this fucked up situation and these fucked up police.
    It’s about coming up and staying on top
    and screamin’ 187 on a mother fuckin’ cop.”

    Kurz: Die Jugendlichen fühlen sich unterdrückt und missachtet. Die Riots sind jetzt ein Mittel zu sagen “Hier sind wir” und das empfundene Gefühl der Machtlosigkeit zu (über-)kompensieren. Imho.

  • WEALLSCREAMFORICECREAM schreibt am 11. August 2011 um 13:54

    Ich finde, man kann die ‘Revolutionsbewegungen’ im Nahen Osten nicht gleichsetzen mit den ‘Protesten’ in Spanien oder Griechenland oder den ‘Demonstrationen’ in Isreal gerade. Und eben auch nicht mit den ‘Unruhen’ in England. Auch die Begrifflichkeiten sollten diese Unterschiede schon berücksichtigen. Zu England: diese ‘Krawalle’, bei denen Menschen um ihre Existenz (finanziell, Wohnraum-mäßig und auch um ihr Leben) bangen müssen, gehen nicht klar. Nicht umsonst gibt es in Europa die Möglichkeiten Demonstrationen zu organisieren, den gewaltlosen Protest. Dass die Polizei jetzt alles daran setzt, mit Gewalt Ordnung zu setzen, ist doch klar. Und das wird ein gefundenes Fressen für die Regierung sein, sich für mehr Überwachung, weniger Persönlichkeitsrechte etc. einzusetzen und ein Feindbild zu etablieren. Alos alles nicht so toll.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 11. August 2011 um 17:49

    Puhh, muss jetzt doch nochmal was schreiben.

    1. Falls es so scheint, ich wolle die Demonstrationen, Proteste, Unruhen und Krawalle in einen Zusammenhang stellen, der irrt. Es ging mir lediglich um die Feststellung, dass in ganz Europa (geografisch gesehen) dieses Jahr viel passiert / passiert ist. Ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Ereignissen wäre albern, da es sich per se um verschiedene Regierungssysteme und Problematiken handelt.

    2. Mittlerweile gebe ich Suse doch zu einem gewissen Grad Recht. Natürlich spielt das Bedürfnis Jugendlicher sich aufzulehnen eine Rolle. Aber sicherlich ist es kein Grund!

    3. Wertet mein Geschreibsel stets als Kommentar / Meinung und nicht als einzig alleinige Wahrheit. Mir geht es stets darum, dass Ihr Euch ein eigenes Urteil bildet weswegen ich auch gerne auf solche Sachen wie den subjektiven Bericht bei Floyd verweise. Auch wenn er meine Ansichten nicht repräsentiert.

  • Floyd schreibt am 15. August 2011 um 14:31

    Und das ist gut so Daniel. Glaube mir, selbst ich hatte mit dem Bericht so meine ganz eigenen Bedenken, da auch ich nicht wirklich glauben kann, dass es sich nur um Krawallmacher handelt. ABER: es ist eben wichtig auch mal die andere Seite zu zeigen. Oder was heisst die andere Seite: vielleicht ist es die wahre Seite, die wir einfach nur nicht sehen wollen;) Denn ich persönlich kann mir kein wirkliches Urteil bilden, da ich nicht vor Ort bin. Mein Menschenverstand sagt mir, dass bloßes Plündern keinen Sinn ergibt. Würde mich da eher fragen, warum junge Menschen plündern. Welchen Weg haben sie hinter sich, bis es zur Plünderung kommt. Obwohl England ja massig Erfahrung mit riots hat.

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