„Auch wir sind keine Einhörner“ – Die Piraten, Frauen und die Wahlen in Berlin – Julia Schramm im Interview

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Julia Schramm von den PiratenHallo Julia, Glückwunsch zum Wahlergebnis der Piraten. Hast Du damit gerechnet? Bzw. wann zeichnete sich für Dich ab, dass das Ergebnis so hoch sein wird?

Danke! Also gerechnet habe ich mit nichts. Ich habe gehofft und gebangt – natürlich zeigten die letzten Umfragen bereits unglaubliche Prognosen, so dass es wirklich realistisch und zum Greifen nahe erschien. Aber so richtig realisiert habe ich es erst, als ich im Presseraum einen kurzen Moment mit Fabio, der jetzt ins Abgeordnetenhaus einzieht, hatte.

Wie beurteilst Du die Berichterstattung über die Piraten im Vorfeld? Man denke an die BILD, die die Piraten als Chaostruppe darstellte oder das RBB Interview mit Eurem Spitzenkandidaten Andreas Baum. Ich glaube härtere Fragen bekamen nur NPD und Sonneborn gestellt.

Nun, also ehrlich gesagt haben uns die Medien auch gepusht. Ohne die Berichterstattung in den Offline-Medien wären wir in der Gruppe 50+ niemals so stark gewesen. Auf der anderen Seite haben die Medien einfach noch nicht begriffen, wie wir ticken. Dass wir eigentlich das mit dem Spitzenkandidat doof finden und Arbeitsteilung mögen; dass wir uns mit allen möglichen Themen beschäftigen und das Internet nur das Betriebssystem ist; dass wir eine Mischform aus repräsentativer und direkter Demokratie über das Internet organisieren wollen; dass wir alles gar nicht so ernst nehmen – und vor allem nicht uns selbst. Wir konstruieren die Realität anders und das haben die Medien noch nicht ganz begriffen. Die sind noch ziemlich im 20. Jahrhundert verhaftet.

Schnell wurden Stimmen laut, die die Bekleidung eines einzigen Sitzes durch eine Frau rückständig empfanden. Ist die Frauenquote etwa auch ein Relikt des 20. Jahrhunderts? Selbst die CDU führte 1996 ein Frauenquorum ein.

Leider spiegelt sich in unseren Reihen die gesellschaftliche Geschlechterdifferenz in Bezug auf Technik und Politik auch wider. Bis auf die Grünen (und auch die Linke) haben die Parteien massive Probleme mit der weiblichen Repräsentation. Auch wir sind keine Einhörner, sondern nur in dieser sexistischen Gesellschaft sozialisierte Menschen, die sich damit rumschlagen müssen. Mich ärgert, dass immer auf den Piraten rumgehackt wird, obwohl es bei den anderen Parteien auch nicht ideal ist. Das ist ein gesellschaftliches Problem und kein Piratenproblem. Schlimm finde ich es bei der CDU, die ein traditionalistisches Familien- und Frauenbild hat und Frauen „vorschickt“, die dann sogar anti-feminitische Politik machen. Da zeigt sich die Fratze von Quoten und Quoren – sie sind nur ein Instrument und müssen begleitend betrachtet werden.

Dass die Grünen die Quote damals eingeführt haben finde ich großartig. Dass sie aber, auf Grund der Quote, gewissen Demokratisierungsreformen nicht zustimmen können finde ich wiederrum nicht gut. Ich finde es auch gut, dass die Telekom sich eine Quotenvorgabe gegeben hat, denn ich lehne Quoten nicht generell ab, ich will nur nicht, dass es sich auf Frauen beschränkt. Ich bin z.B. für eine Männerquote bei Grundschullehrern. Auch über Migrantenquoten kann man sprechen oder Quoten von Glaubensgemeinschaften. Das Ziel sollte doch sein: So viele Menschen so bunt wie möglich zusammen bringen für Toleranz und Respekt von klein auf – verschiedene Lebensentwürfe kennen- und akzeptieren lernen.

Siehst Du da also ein Missverständnis der Kritiker in Eurem Grundsatzpunkt, dass Ihr die Erfassung des Geschlechtes abschaffen wollt? Es ist doch so, dass bei einer Mitgliedsanmeldung auch keine Felder für Anrede oder Geschlecht vorhanden sind, oder?

Grundsätzlich halte ich es für richtig, kein Geschlecht zu erfassen. Was soll das bringen? Es wird nur nach biologischen Maßstäben gewertet – wie will man Biologismus überwinden, wenn man ihn in der Gesellchaft auf diese Weise festschreibt? Das biologische Geschlecht muss egal sein.
Ich denke, dass es viele Missverständnisse auf Seiten der Piraten und auf Seiten des Feminismus gibt.

Könntest Du das näher erläutern? Welche Missverständnisse bestehen bei den Piraten und welche bei den FeministInnen?

Also die Piraten bestehen zu einem nicht geringen Teil aus Nerds, die sich vom Feminismus verarscht fühlen. Das sogenannte Nice-Guy-Syndrom. Sie verhalten sich den Frauen gegenüber bewusst respektvoll und in Antizipation eines oberflächlichen Feminismus – sind aber stets die besten Freunde, nie die Liebhaber. Aus diesem Dilemma ist ja auch Pick-Up entstanden, was letztlich bedeutet, dass man lernt mit dem Selbstwert seines Gegenüber zu spielen.
Natürlich kann man keine Politik basierend auf schlechten Erfahrungen im Liebesleben machen – das wäre billige Betroffenheitspolitik, die letztlich einem Volksvertreter nicht gebührt. Dennoch ist das vielermals der Hintergrund. Und dann gibt es ja auch wirklich Felder, wo Männer mal den Mund aufmachen sollten und sich gegen klassische Rollenbilder wehren sollten. Wenn es um das Sorgerecht oder die Ernährerrolle geht. Das steht natürlich nicht im Gegensatz zum Feminismus.

Bei den Frauen ist es anders interessant. Fast alle Frauen bei den Piraten haben immer nur mit Jungs Zeit verbracht, hatten selten bis gar keine Freundinnen und waren bzw. sind anderen Frauen skeptisch gegenüber.
Außerdem fühlen sie sich oft emanzipiert, führen tolle, gleichberechtigte Beziehungen und basteln an ihrer Karriere.

Da ist dann der Affront: Aber ihr seid alle anti-Feministen auch für diese starken Frauen ein Angriff. Dabei sind die meisten Piraten nur frauenfern, also unabhängig vom Geschlecht, und finden das auch nicht immer toll ;)

Julia, Du bist ja in den eigenen Kreisen wegen der Spackeria nicht ganz unumstritten, nun behauptest Du von Deinen Parteikollegen sie erfüllen das Klischee des Forever-Alone-Nerds. Machst Du Dir schon Gedanken, wo es nach den Piraten hingeht? Vielleicht zu den Einhornisten?

Haha, naja, das gilt ja nicht für die Mehrheit der Partei ;) Ich versuche eher so grundsätzliche Mentalitäten zu eroieren. Ich selbst bin in der Tat nicht unumstritten, wobei der LV Berlin mir in den letzten Monaten wirklich den Rücken gestärkt hat und mich unterstützt hat. Das war wirklich toll. Nach so einem Erfolg macht man sich erstmal keine Gedanken – aber ich bin guter Dinge. Die Piraten lernen schnell, sie lernen gerne und das werden sie auch mit dem Feminismus tun.
Aber im Herzen sind wir sowieso alle Einhornisten!

Noch eine letzte persönliche Frage, wie ist das so unter vielen Männern? Ich meine da unterschwellig konkrete Erfahrungen rauszulesen und Du bist ja auch nicht unprominent als Piratin – deswegen interviewe ich Dich ja. Ist das manchmal problematisch oder wirst Du auch als Aushängeschild vorgeschickt?

Also Aushängeschild, klar, das passiert, aber vor allem, weil ich jeden totreden kann, wenn es notwendig ist und weder kamerascheu, noch untelegen bin. Abgesehen davon bin ich es gewohnt unter vielen Männern zu sein und fühle mich da z.T. sehr viel wohler als unter Frauen. Das war früher sehr krass, weil ich mit Frauen kaum etwas anfangen konnte, bzw. nur mit Ausnahmen. Ich habe zwar Kontakte geknüpft und gepflegt, habe mich aber meistens fremd gefühlt unter Frauen. Meine Leidenschaft für Politik, Geschichte und Internet teilten nicht viele. Von daher bin ich es gewohnt. Mittlerweile habe ich sehr gute Freundinnen und phantastische Mädels bei den Piraten gefunden, mit denen ich eine tolle Zeit habe und die ähnliche Erfahrungen gemacht. So ist auch der Kegelklub entstanden – unser Forum für Fragen rund um die Piraten, die sich ab und an oder oft weiblich fühlen.

Abseits davon: Klar flirten wir auch – übrigens sehr unabhängig von Geschlecht und sexueller Präferenz. Außerdem herrscht eine wahnsinnig tolle Sensibilität für Sexismus. Nicht bei allen, klar, aber in der Masse ist das schon vorbildlich. Deswegen ärgern mich auch diese Pauschalurteile über den frauenfeindlichen Nerd und die Opferfrau – das Bild ist viel differenzierter, wenn man Teil der Partei ist.

    18 Kommentare:

  • boxi schreibt am 19. September 2011 um 20:12

    hat mir sehr gefallen. wirklich. seit langem nichts zu diesem thema in den piraten gelesen, was so differenziert war. also bitte weitermachen.

  • Christian Neuhauser schreibt am 19. September 2011 um 21:55

    Katholikenquoten also?

    Ich kann das Klima in den anderen Parteien vielleicht nicht erschöpfend beurteilen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass bei diesen eine Debatte mit ähnlich hoher Beteiligung stattfindet. Und mit aktiven Pirat_innen wir Julia Schramm fällt es mir wirklich schwer, den Chauvinismusvorwurf nachzuvollziehen.

    Aber sagt Julia in diesem Interview wirklich, dass sie an das „Nice-Guy-Syndrom“ glaubt?!

  • Magnus R. schreibt am 20. September 2011 um 23:00

    Männerquote bei Grundschullehrern?

    Klar, ich fände es sehr wichtig, dass es dort mehr Männer gibt. Aber ich bezweifle, ob sich die durch eine Quote herbeizaubern lassen. Wahrscheinlich werden die wenigen männlichen Grundschullehrer, die es gibt, sowieso überall mit Handkuss genommen. Oder irre ich mich?

  • Micky schreibt am 21. September 2011 um 01:01

    Piratin Julia Schramm

    „Mich ärgert, dass immer auf den Piraten rumgehackt wird, obwohl es bei den anderen Parteien auch nicht ideal ist.“

    „Außerdem herrscht eine wahnsinnig tolle Sensibilität für Sexismus.“

    Ähem, hat sie selbst nicht vor noch nicht allzulanger Zeit selbst aus den eigenen Reihen schlimmste Erfahrungen mit persönlichen Angriffen und Sexismus gemacht und dies auch öffentlich geschildert?

    Ach: http://juliaschramm.de/blog/piraten/meinung-und-freiheit/

    Piratin Julia Schramm

    „[…]Und so sollte es auch bei den Piraten seinen Lauf nehmen. Zunächst trat ich mit Verve ein und wurde ebenso hofiert, wie das (jungen, attraktiven) Frauen eben passiert in Parteien – man genießt einen Vertrauensvorschuss, soll für alles kandidieren, was zur Verfügung steht und immer nett lächeln. Man kann sich in Anerkennung suhlen. Und so blieb es, bis zu dem verhängnisvollen Moment, wo ich eine eigene Meinung kund tat.[…]“

    „[…]Wieso nun wieder eine neue Welle des, ja, blanken Hasses, der Verleumdung und der Bedrohung?[…]“

    „[…]Und auch wenn ich die Beleidigungen, die Verleumdungen und die sexualisierten Bedrohungen gewohnt bin – gewöhnen kann ich mich nicht an sie, sie machen mich traurig, sie tun mir weh. Besonders getroffen hat mich hierbei ein Tweet (Es handelt sich um einen Pirat, zumindest nach der Biographie des Schreibers zu urteilen), der dazu aufruft mich mal “zu bummsen”[…]“

    Tja, Sexismus (unter anderem) bekämpfen und eigenen Prinzipien treu bleiben (wenn denn überhaupt vorhanden) oder, mal hü mal hott, an die eigene Karriere denken und die Leute verarschen. Ja, tut mir leid, klingt hart, aber was soll das denn?

    Und ich (ja, weiblich) meine, die Piraten haben ein immenses Problem nicht nur mit Frauen sondern mit Sozialem, Menschlichem und einem grundsätzlichen Respekt vor allen Menschen (nicht Bürgern!).

    Das wollt´ ich nur mal sagen…

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 21. September 2011 um 09:36

    @Micky Ich sehe da keinen Widerspruch. Erstens konnte man das raushören aus Julias Antworten (daher die letzte Frage). Zweitens einfach folgende Zitate:

    „Die Piraten lernen schnell, sie lernen gerne und das werden sie auch mit dem Feminismus tun.“

    Und zum Thema verarschen, man kann auch nur den ersten Teil eines Zitates bringen, denn „Außerdem herrscht eine wahnsinnig tolle Sensibilität für Sexismus.“ geht weiter mit:

    „Nicht bei allen, klar, aber in der Masse ist das schon vorbildlich.“

    Ich denke, das der Post den Du zitierst nötig war um eine klare Positionierung hervorzurufen und interpretiere das vor allem wegen folgendes Zitates:
    „Ich selbst bin in der Tat nicht unumstritten, wobei der LV Berlin mir in den letzten Monaten wirklich den Rücken gestärkt hat und mich unterstützt hat.“

    Aber das ist alles nur meine Interpretation. So gesehen sehe ich zwischen Julias altem Post und diesem aktuellen Interview keinen Widerspruch. Fragt sich wie respektvoll die Unterstellung ist man hätte keine Prinzipien.

    Ich finde eh, dass „Prinzipien“ und „Ideale“ und „sich treu bleiben“ oft mit „Sturheit“ und „fehlender Lernbereitschaft“ und „Kompromisslosigkeit“ verwechselt wird. Aber das ist ein anderes Thema und ich Dir jetzt auch keinesfalls unterstelle.

  • Julia Schramm schreibt am 21. September 2011 um 14:40

    1. Ich glaube nicht daran, dass Männer Ärsche sein müssen. Ich weiß nur, dass viele Männer nett und nicht mutig sind, was zu Problemen führt – besonders in der Pubertät. Man muss kein Arschloch sein, aber manchmal wirkt es so, als müsste man es. Und darunter leiden dann viele.

    2. Liebe Mickey, ich mag es ja ganz besonders, wenn man mir Idiotie vorwirft oder der Meinung ist mich retten zu müssen. Hast du mal außerhalb des Netzes mit Piraten geredet? Piraten sind Menschen wie du. Mit Schwächen und Stärken. Wir sind nicht vom Himmel gefallen, aber du bist auch nicht weniger Arschloch als wir. Also komm‘ mal von deinem hohen Roß runter. Wenn du nicht verstehst, wieso ich Mitglied bin und bleibe ==> Frag mich: mail@juliaschramm.de

  • Laura schreibt am 21. September 2011 um 15:02

    „Und ich (ja, weiblich) meine, die Piraten haben ein immenses Problem nicht nur mit Frauen sondern mit Sozialem, Menschlichem und einem grundsätzlichen Respekt vor allen Menschen (nicht Bürgern!).“

    Darf ich fragen, wie du darauf kommst?

  • Marieken schreibt am 21. September 2011 um 18:23

    Ich wollte nur mal fragem zu “Die Piraten lernen schnell, sie lernen gerne und das werden sie auch mit dem Feminismus tun.”
    mir scheint die Reaktion auf die Kritik ja eher das Gegenteil anzudeuten, nämlich eher so die Bei-uns-läuft-alles-super-ihr-versteht-uns-nur-nicht-Variante. Das spricht ja gegen Bereitschaft zum politischen Lernen. Die Diskussionen zum Beispiel im Piratenpad Frauenproblem litten an fehlenden Grundkenntnissen einer Debatte über Diskriminierung und Partizipation im politischen Raum und in Organisationen, die es seit Jahrzehnten gibt. Wenn es keine Bereitschaft gibt, auf dieses Wissen zurückzugreifen, wie soll dann verhindert werden, dass die Piraten sich einfach im Kreis drehen und auch nichts Neues entwickeln? Denn Julia sagt ja selbst, dass ihr keine Einhörner seid, sondern in einer diskriminierenden und sexistischen Welt agiert. Ich finde, ihr solltet mal darüber sprechen, mit welchen Instrumenten ihr verhindern wollt, dass ihr diese Welt nicht eben teilweise doch in eurer Organisation reproduziert. Jetzt kommt ja noch dazu, dass die Aussenwahrnehmung so ist, dass es sich um einen Jungsclub handelt. Darauf dann mit Bei-uns-kann-jeder-mitspielen zu reagieren, reicht glaube ich nicht aus.

  • Micky schreibt am 21. September 2011 um 19:46

    @Daniel Ich sehe da nicht nur einen Widerspruch, sondern Heuchelei. Was passiert ist, ist passiert und ich will wenigstens hören, ganz klar, von allen Piraten, dass sie akzeptieren, dass von aussen Kritik und noch viel wichtiger Nachfrage herrscht. Ich will hören, und das habe ich auch vereinzelt, dass Sexismus und Beleidigungen keinen Platz haben in der Partei und dass sie andere Meinungen innerparteilich und von aussen akzeptieren. Da müssen sie in meinen Augen noch dran arbeiten. Ja, sie müssen nun damit leben als Politiker gesehen zu werden und haben natürlich Gegner und Menschen wie ich, die eine neue, junge Partei kritisch sehen. Aber alles was auf Kritik und Nachfrage kommt, ist Arroganz und Beleidigungen:

    Julia Schramm: „[…]aber du bist auch nicht weniger Arschloch als wir. Also komm’ mal von deinem hohen Roß runter.“

    @Laura Das: “Und ich (ja, weiblich) meine, die Piraten haben ein immenses Problem nicht nur mit Frauen sondern mit Sozialem, Menschlichem und einem grundsätzlichen Respekt vor allen Menschen (nicht Bürgern!).” ist sehr verallgemeinernd von mir formuliert, ich weiss.

    Seit 2009 verfolge ich die Piratenpartei, insbesondere natürlich via Netz, also Twitter, Facebook und Blogs etc. und das ist meine Schlussfolgerung bisher. Sie sind natürlich eine neue Partei und ich werfe ihnen keineswegs insgesamt vor noch nichts getan zu haben. Aber, wer wie ich, das Netz und soziale Netzwerke nutzt, merkt ganz schnell massenhaft Kommentare, Meinungen von Piraten, Mitglieder und Wähler, die sich gewaschen haben.
    Sie sagen. sie seien offen, seien an Basisdemokratie interessiert, doch sobald es Kritik gibt, machen sie zu. Ich bin ja nicht die einzige, die das schon seit zwei Jahren bemerkt und sagt.
    Und statt zu sagen „Ok, ich habe Dich (und in diesem Falle andere Frauen und Feministinnen) verstanden und versuche das in die Partei zu bringen…“ kommen nur wieder Beleidigungen.
    Die Piraten müssen nunmal akzeptieren, dass sie Gegner haben, dass man nicht unterstützt wofür sie stehen und dass Arroganz und Abwatschen das ganze nur schlimmer machen. Sie haben nunmal bis jetzt noch nichts geleistet.

    @Julia Geht´s noch? Ich hatte damals Deinen Artikel in der Flaschenpost gelesen, und ich verfolge natürlich schon länger das Thema Post-Privacy und neuerdings auch, was ihr „Spacken“ zu sagen habt. Ich stimmte Dir und den anderen nicht zu (ich bin absolut pro Datenschutz), doch als ich die Kommentare und Deinen Blogpost gelesen hatte, war ich wirklich erschüttert, wie unter anderem Deine Parteileute gegen Dich geschossen haben, vor allem wie sie es taten. Selbst in meiner Twittertimeline waren einige gegen Dich und ich kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

    Wenn ich jetzt Deine Reaktion sehe, verstehe ich aber langsam, warum Du so unbeliebt bist. Persönliche Beleidigungen und sexistische Kommentare wie „Die sollte mal gebummst werden!“ hat wirklich niemand verdient, aber Deine Arroganz ist unausstehlich. Du bist lediglich Mitglied der Piraten, keine Kandidatin, hast sicherlich beim Wahlkampf aktiv mitgeholfen, mehr bist Du aber nicht. Ich interessiere mich nicht für Dich sondern für die gesamte Piratenpartei und sage halt unter anderem hier, was ich sehe. Liege ich komplett falsch? Gut, dann sag es doch, aber nicht so! Also, lass mal stecken. Und das war es hier auch erst mal von mir, wird mir sonst zu persönlich und albern.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 21. September 2011 um 20:13

    @Micky Ist der Vorwurf der Prinzipienlosigkeit und der Heuchelei nicht auch schon ziemlich aggressiv bis beleidigend?

    Nur als Info, bevor Du Dich auf mich einschießt, ich bin kein Pirat, will keiner sein und bin auch nicht komplett mit Julia einer Meinung.

    Dieses Interview gibt es, statt einfach drauf los zu bashen. Ich mag miteinander reden nämlich voll gerne. Alle Fragen sind damit natürlich nicht beantwortet.

  • Julia Schramm schreibt am 22. September 2011 um 02:12

    @mickey ach, so unbeliebt bin ich gar nicht, keine sorge ;-) Und wenn du mir Prinzipienlosigkeit vorwirfst und dass ich den Wähler verarsche .. nun ja, klingt jetzt hart, aber dann sage ich dir auch ganz klar: Wenn man keine Ahnung hat ….

  • Ketzer schreibt am 22. September 2011 um 02:56

    > Ich sehe da nicht nur einen Widerspruch, sondern Heuchelei.

    Hm.

    > Was passiert ist, ist passiert und ich will wenigstens hören, ganz klar, von allen Piraten, dass sie akzeptieren, dass von aussen Kritik und noch viel wichtiger Nachfrage herrscht. Ich will hören, und das habe ich auch vereinzelt, dass Sexismus und Beleidigungen keinen Platz haben in der Partei und dass sie andere Meinungen innerparteilich und von aussen akzeptieren. Da müssen sie in meinen Augen noch dran arbeiten.

    Kannst du von mir (m) gerne hören: Sexismus und Beleidigungen haben nirgends einen berechtigten Platz.

    Allerdings musst du dir auch anhören, dass du sehr arrogant klingst in deinen Forderungen. Ganz nebenbei ziehen unterschiedliche Menschen ganz unterschiedliche Grenzen dafür, was Sexismus oder Beleidigungen sind.

    > Ja, sie müssen nun damit leben als Politiker gesehen zu werden und haben natürlich Gegner und Menschen wie ich, die eine neue, junge Partei kritisch sehen.

    Da verwechselt du was. Nur weil Mensch Mitglied einer Partei ist, ist man nicht Politiker. Und nur weil Mensch Politiker ist, ist er nicht ein besserer.

    > Aber alles was auf Kritik und Nachfrage kommt, ist Arroganz und Beleidigungen:

    Das könnte wie gesagt auch an der arroganten „Fragestellung“ liegen. Wenn da ein „aber ihr müsst eine quote haben um nicht sexistisch zu sein“ kommt und andere Ansichten automatisch falsch sind, reagiert man leicht genervt. Das ist leider die übliche Form der Kritik.

  • Marieken schreibt am 22. September 2011 um 08:24

    Hallo Julia, willst Du auch noch ein wenig zur Sache diskutieren oder nur Beleidigungen austauschen?

  • Micky schreibt am 22. September 2011 um 11:23

    Forderungen sind nie arrogant und können nie zu deutlich gemacht werden. Sollte ich mich hier arrogant ausgedrückt haben, tut´s mir leid, ist sicherlich keine Absicht.

    Nochmal zusammenfassend für Piraten, Piratinnen und ihre Wähler: nehmt Forderungen, Kritik, auch wenn sie vll überzogen scheinen oder ersteinmal nicht verstanden werden, generell an. Sollten Piraten und Piratinnen selbst der Ansicht sein, dass ich und viele andere mit meiner/unserer Ansicht falsch liegen, dann sollten sie in Zukunft ein Auge auf ihre Parteikollegen haben und falls ihnen doch etwas auffällt, z.B. ein schlechter Umgang mit Kritik oder sogar Seximus Frauen und Feministinnen gegenüber, es direkt ansprechen. Danke.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 22. September 2011 um 14:39

    Nochmal zusammenfassend für alle Menschen: Miteinander Reden ist oft besser als Fordern. Wer anderen unterstellt sie würden einen nicht verstehen, sollte sich Gedanken machen ob man sich unklar ausdrückt oder auf eine Art und Weise wo andere keine Lust mehr auf Dialog haben. Immer die Möglichkeit in Betracht ziehen man könnte mit seiner Ansicht falsch liegen und dass es mehr als Schwarz oder Weiß, Richtig oder Falsch geben kann. Danke.

  • Al Magnifico schreibt am 26. September 2011 um 18:19

    Kurz nachgefragt: „Also die Piraten bestehen zu einem nicht geringen Teil aus Nerds, die sich vom Feminismus verarscht fühlen. Das sogenannte Nice-Guy-Syndrom. … Aus diesem Dilemma ist ja auch Pick-Up entstanden, was letztlich bedeutet, dass man lernt mit dem Selbstwert seines Gegenüber zu spielen.“

    Was ist mit Pick-Up gemeint?

    (Ich stecke nicht so drin in diesen Diskussionen…)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 26. September 2011 um 19:19

    @Al Magnifico Pick-Up ist ein manipulatives Aufreiß-Spiel? Ein Flirt-System? Keine Ahnung wie man das nennen soll…

  • Al Magnifico schreibt am 27. September 2011 um 10:36

    Aha, hab ich ja doch schon von gehört. Komische Weltsicht. (Frauenbild mag ich das nicht nennen). Naja, ist ne andere Generation. M.E. kompletter Bullshit. Hier mal eine sehr treffende Beschreibung der „Nice Guys“ als „Beta Males“: http://pervocracy.blogspot.com/2010/03/beta-male.html

    (mal nicht stören lassen von dem expliziten Content da, ist ja alles englisch, ich teile die Vorlieben der Frau nicht, aber zum Thema Geschlechterverhältnis hat sie sehr viel kluge Sachen geschrieben)

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