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Mutmaßlicher Verbrecher gegen die Menschlichkeit spricht vor dem Bundestag

Von Daniel • 14.09.2011

Papst Ratzinger

Es fällt vielen schwer beim Papstbesuch zu unterscheiden. Ist er jetzt im Bundestag als Kirchenvater oder als Staatsoberhaupt des Vatikans. Aber eigentlich ist das ziemlich egal. Denn wenn eines sicher ist, dann ist es doch, dass wir keinesfalls Papst sind. Ich auf jeden Fall nicht.
Und vielleicht ist es auch für Ratzinger das geringere Problem, dass die Hälte der Linkspartei seiner Rede fernbleiben will. Auch bei SPD und Grünen wollen zahlreiche Abgeordnete nicht zu der Rede kommen. Eine berechtigte Frage die sich da aufstellt ist, ob man dem Papst als geladenen Gast nicht mit Toleranz gegenüber treten solle.
Daher gefällt mir die Lösung der Linkspartei eigentlich ganz gut, die sich darauf einigten, dass führende Parteimitglieder der Rede stellvertretend beiwohnen. So wird sicher gestellt, dass der Papst in seiner Rede nicht gestört werde. Nicht, dass es so schwer wäre still zu bleiben. Aber ich würde meinen Protest in irgendeiner Form dennoch zeigen wollen. Und da fällt es schwer: Zuhören oder Fernbleiben? Vielleicht doch, denn immerhin ist die Glaubensfreiheit im deutschen Grundgesetz verankert und die bedingt staatliche Neutralität gegenüber den unterschiedlichen Weltanschauungen und Religionen.

Aber wie gesagt, das dürfte das kleinere Problem des Papstes sein. Denn das US-Netzwerk von Missbrauchsopfern SNAP sowie Anwälte der US-Menschenrechtsorganisation Centre for Constitutional Rights (CCR) reichen Klage gegen den Papst und weitere hochrangige Vatikanvertreter ein. und fordern den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auf Ermittlungen gegen Papst Benedikt XVI. einzuleiten. Begründung: “direkte und Vorgesetzten-Verantwortung für auf der ganzen Welt begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt” Dass der Vatikan an direkter Vertuschung sexueller Straftaten beteiligt war ist schwer zu widerlegen. Man denke da nur zuletzt an einen Priester aus Salzgitter, dem bereits 2006 ein Kontaktverbot zu einem Zehnjährigen kirchenintern ausgesprochen wurde ohne Eltern oder Staatsanwaltschaft zu informieren.

Allerdings wird es jetzt in einem Punkt interessant. Völkerrechtler Herman van der Wilt räumt der Klage wenig Chancen ein, da Verbrechen gegen die Menschlichkeit von Staaten oder staaten-ähnlichen Organisation verübt werden müssten um vor Den Haag bestand zu haben. Nun, aber als wer redet der Papst vor dem Bundestag? Nicht als Religionsführer, wie oft betont würde mit dem entsprechenden Unverständnis für die Demonstranten, sondern als Staatsoberhaupt des Vatikans.
Man kann es halt so und so sehen. Wo es eben gerade passt.

Und dass es einem selbst nicht passt kann man eben zeigen wie z.B. die Organisationen Wildwasser (Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V.) und Tauwetter (An­lauf­stelle für Männer, die als Junge sexuell miss­braucht wur­den). Die veranstalten an­läss­lich des Papst­besuchs am 22. September gemein­sam einen “Block der Ge­sichts­losen”.



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