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Roman Opalka malte die Unendlichkeit

Von Daniel • 21.09.2011

Roman Opalka war ein französisch-polnischer Maler, der am 6. August dieses Jahres verstarb. Im Mittelpunkt seiner Konzeptkunst stand die Zeitlichkeit. Mitte der 60er Jahre begann er sein Werk „1965 / 1 – ∞“, eine Arbeit die er bis zu seinem Lebensende weiterführen sollte. „1965 / 1 – ∞“ wurde u. a. auf der „documenta 6“ 1977 in Kassel ausgestellt.

Roman Opalka malt die Unendlichkeit

Die Wikipedia zu dem Werk:

„Mit bloßem Augenmaß schrieb Opalka im Jahr 1965 mit titanweißer Farbe und dem kleinsten verfügbaren Pinsel auf dunklem Grund die Zahl ‚1‘ in die linke obere Ecke einer eigens dafür vorbereiteten Leinwand und begann so, nach der Gewohnheit unserer abendländischen Schrift von links nach rechts und weiter von oben nach unten in Richtung unendlich zu zählen. Die Größe der Schrift korrespondiert vor allem mit dem Ausmaß und der Beschaffenheit der Leinwand. Auf diese entscheidende Komponente – die einzelne Leinwand, die Opalka fortan gemäß seiner Konzeption als ‚Detail‘ bezeichnet – legte der Künstler zu Beginn seines Vorhabens großen Wert. Nachdem er konstant gleich große Leinwände (196 x 135 cm) zunächst mit unverändert dunkelgrauem Grund benutzte, begann er, ab 1972 den Untergrund von ‚Detail‘ zu ‚Detail‘ durch die Zugabe von jeweils einem Prozent mehr Weiß aufzuhellen. Auf diese Weise gelang es ihm über das fortlaufende Zählen hinaus das progressive Moment seines künstlerischen Handelns zu verstärken: Nicht nur die Zahlwerte werden in Opalkas Werk immer höher, auch die Bilder werden immer heller.

[…]

Opalka taucht seinen Pinsel – er verwendet, wie erwähnt, stets den kleinsten im Künstlerbedarf erhältlichen Pinsel (Nr. 0) – nur ein, wenn er eine Zahl zu Ende geschrieben hat. Das Ende einer Zahl, das ist sozusagen der kleinste Einschnitt, an dem sich, wie der Künstler sagt, die eine gesteigerte ‚Spannung‘ aufbaut. Weitere Einschnitte sind die letzte Zahl eines Tages, eines ‚Details‘ oder auch eine besonders markante Zahl (z. B. 9999). Der benutzte Pinsel wird nach Abschluss des ‚Details‘ mit der ersten und letzten jeweils damit ausgeführten Zahl gekennzeichnet und aufbewahrt. Er ist somit nicht ein bloßes Werkzeug, sondern bestimmter Bestandteil seines Lebenswerks. Opalka lebt mit seinem Werk: das erlaubt ihm keine langfristigen Unterbrechungen seiner Arbeit, genauso wie man das Leben ja nicht wirklich unterbrechen kann. Will der Künstler auf Reisen gehen, beendet er zunächst das ‚Detail‘, an dem er gerade arbeitet und beginnt dann eine ebenfalls in der Größe festgelegte ‚Reisekarte‘, die er seinerseits erst beendet, um wieder mit einem ‚Detail‘ mit fortlaufender Zählung zu beginnen. Ansonsten sucht er die Nähe zu seinem Werk. Opalka trennt Atelier und Wohnort nicht. So bleibt sein Leben in größtmöglicher Übereinstimmung mit seinem Werk.“

1965 / 1 – ∞ von Roman Opalka

(via traingulation)



    4 Kommentare »

  • TheGurkenkaiser schreibt am 21. September 2011 um 21:37

    alter! das ist ja schlimmer als in der fabrik an der linie!

  • Moss schreibt am 22. September 2011 um 01:10

    … und das Tragische daran: 5607249 liegt exakt so weit von Unendlich entfernt wie 1 oder jede andere endliche Zahl; unendlich weit eben.

  • Kunstrecherche schreibt am 3. Oktober 2011 um 20:59

    Hey, mal ne frage, ist es sicher dass die zahl 5607249 die letzte zahl von ihm is oder weiss zufällig jmd welche die letze zahl ist??

  • rbeins schreibt am 14. Juli 2012 um 15:06

    Hat eigentlich schon mal Jemand daran gedacht, das Werk von Roman Opalka fortzuführen? Opfert sich da Jemand freiwillig. Sö’n Bild ist immerhin schon mal für mehr als eine Million Dollar über den Ladentisch gegangen.

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