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Sick Sad World: Rechter Terror

Von Daniel • 13.11.2011

Sick Sad World
“Was ist rechter Terror?”, eine Frage die man sich zur Zeit immer wieder stellt. Für Johannes Bräuchle, gemeindeloser evangelischer Pfarrer und CDU Mitglied ist das ganz einfach. Wenn man, wie die S21-Gegner mit Trillerpfeifen gegen das Projekt lärmt, so ist das “was übles, das ist Terror, das kennen wir aus der SA-Zeit”.

Wenn aber über Jahre hinweg ein rechtsradikales Trio mit Verbindungen zu Gruppierungen wie dem NSU, dem Nationalsozialistischen Untergrund, und dem rechtsextremen Thüringer Heimatschutz mordend und bankraubend durch Deutschland zieht, nennt man das lediglich “Döner-Morde”.

Ich weiß, wie so oft in meinen Rants, ist das schrecklich polemisch. Doch Emotionslosigkeit fällt mir an dieser Stelle schwer. So zeigen beide Benennungen doch vor allem eines: Wie leicht und gleichzeitig schwer sich in Deutschland getan wird rechten Extremismus beim Namen zu nennen. Angst vor Godwin’s Law? Leute, das trifft nicht zu, wenn man Leute nach ihren Taten benennt!

Zudem zeigt die rechte Terrorzelle wiedermal wie lasch mit rechtem Extremismus umgegangen wird. Ein Thema das bei Sick Sad World leider mit einiger Regelmäßigkeit stattfindet.

Das oft befremdende Vorgehen von Regierung und Verfassungsschutz bietet unglücklicherweise Nährboden für Verschwörungsspinnereien. Betrachtet man allerdings die neueren Erkenntnisse zum Oktoberfest-Attentat 1980, bei dem Spuren in die Neonazi-Szene nicht nachgegangen wurde, muss sich niemand über das heftige Misstrauen wundern.

Antifschismus wird vom Staat immer wieder behindert, so zuletzt durch Ministerin Schröder und ihre Extremismusklausel. Was aber vielmehr erschreckt ist die offenkundige Ahnungslosigkeit mit der verantwortliche Vertreter vor die Medien treten.

“Der Thüringer Verfassungsschutz hatte 24 Aktenordner, aber keine Ahnung”, so der Vorsitzende des für die Kontrolle der Geheimdienste zuständigen Bundestagsgremiums, Thomas Oppermann.

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach nennt das Untertauchen der drei Verdächtigen lediglich “erstaunlich”.

Die Frage ist nun, was der Verfassungsschutz tatsächlich wusste und wie er seiner Aufgabe nachging. Bisherige Erkenntnisse sorgen bis dahin weiterhin für Kopfschütteln. Schließlich war Tino Brandt, Kopf des Thüringer Heimatschutzes, dem die Terroristen angehörten, Spitzel des Thüringer Verfassungsschutzes. Und auch bei der Erschießung des Internetcafébetreibers Halit Y. war der Verfassungsschutz vor Ort.

Ich nehme Wetten an. Werden hier berechtigterweise Köpfe rollen, oder kommt bald das Zurückrudern mit einer Einzeltätertheorie a la 1980?!

Um als Terrorist zu gelten, müssen Rechte 13 Jahre bomben und morden, Linke ein Auto demolieren und Muslime eine Casio-Uhr tragen.

Traurige kranke Welt.



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    5 Kommentare »

  • Wilde Hilde via Facebook schreibt am 13. November 2011 um 18:41

    was soll ich hier kommentieren ? erstaunen tuts mich nicht. wenn ein pfarrer s 21 gegner mit der sa vergleicht, bin ich froh atheist zu sein. typisch deutsch eben. etwas was es nicht geben darf wird au so behandelt als ob es das nicht gäbe. totschweigen, gras drüber wachsen lassen, mit den schultern zucken.

  • Gegen den Extremismusbegriff schreibt am 13. November 2011 um 20:25

    Schade nur, dass Du hier selbst, genau wie Frau Schröder, vom “rechten Extremismus” sprichst, anstatt dass Kind beim Namen zu nennen: Nazismus, Rassismus und Antisemitismus trifft es doch viel besser, als der gleichmachende und damit relativierenden Extremismusbegriff des Verfassungsschutzes! Der ist nämlich ganz großer Quark!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 13. November 2011 um 20:37

    Ich sehe aber zwischen Nazismus, Rassismus und Antisemitismus durchaus Unterschiede, die ich unter dem Begriff “Rechter Extremismus” zusammen fassen würde. Hast Du weiterführende Links zur Verwendung des Extremismusbegriffs oder meinst Du die vermeintliche Gleichsetzung von linken und rechtem Extremismus?

  • Roland Leliveldt via Facebook schreibt am 13. November 2011 um 23:18

    Den Bräuchle nimmt in der Zwischenzeit kein Mensch mehr ernst. Sogar den S-21-Befürwortern ist er zwischenzeitlich peinlich geworden. Der Kerl überzeugt durch gnadenlose Borniertheit und Inkompetenz gepaart mit pietistischem Mief. Kurz und gut der Mann ist , wie man es im schwäbischen ausdrückt, ein Halbdackel.
    Zum rechten Terror, wenn man eine Partei wie die NPD nicht verbieten kann, weil zu viele V-Männer des Verfassungsschutzes Mitglied sind, sagt das vieles über den bedauernswerten Zustand des Staates und die Charakterlosigkeit seiner Vertreter aus.

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