Deutschland schafft es ab – Sarrazin recyclen

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Mindestens 60.000 Exemplare des populistischen Hetzwerkes „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin will der tschechische Künstler Martin Zet für eine Kunstaktion im Rahmen der 7. Berlin Biennale sammeln. Die Bücher dienen einer Installation und werden nach der Ausstellung für einen guten Zweck recycelt. Martin Zet zu dem umstrittenen Buch:

„Ab einem bestimmten Moment ist es nicht mehr wichtig, was die Qualität oder wahre Intention eines Buches ist, sondern welchen Effekt es in der deutschen Gesellschaft hat. Das Buch weckte und förderte anti-migrantische und hauptsächlich anti-türkische Tendenzen in diesem Land. Ich schlage vor, das Buch als aktives Werkzeug zu benutzen, welches den Menschen ermöglicht, ihre eigene Position zu bekunden.“

Wem die Anschaffung des Werkes mittlerweile zu Recht peinlich ist, der kann sich nun dank der Aktion „Deutschland schafft es ab“ dem Buch entledigen. Im Anschluss alle Sammelstellen und hier gibt es mehr Infos zur Aktion.

Sammelstellen in Berlin:

Deutschland schafft es ab– Buchhandlung Pro qm | Almstadtstraße 48–50 | Mitte
– C/O Berlin | Postfuhramt | Oranienburger Straße 35/36 | Mitte
– F&F-Reisen – im Havemann-Center | Flämingstraße 122 | 12689 Berlin
– Haus der Kulturen der Welt | John-Foster-Dulles-Allee 10 | Mitte
– Hebbel am Ufer – HAU 2 | Hallesches Ufer 32 | Kreuzberg
– Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) | Chausseestraße 128/129 | Mitte
– Berlinische Galerie | Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur | Alte Jakobstraße 124–128 | Kreuzberg
– Kunstraum Kreuzberg / Bethanien | Mariannenplatz 2 | Kreuzberg
– Kulturnetzwerk Neukölln e.V. | Karl-Marx-Straße 131 | Neukölln
– Freie Volksbühne Berlin | Ruhrstraße 6 | Wilmersdorf
– Theater an der Parkaue | Parkaue 29 | Lichtenberg
– Schlossplatztheater | Alt-Köpenick 31 | Köpenick
– Alte Möbelfabrik | Karlstraße 12 | Köpenick

Sammelstellen deutschlandweit:

– Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig | Karl-Tauchnitz-Straße 9–11 | 04107 Leipzig
– dieschönestadt | Am Steintor 19 | 06112 Halle an der Saale
– Stiftung Bauhaus Dessau | Gropiusallee 38 | 06846 Dessau
– Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus | Königsplatz / U-Bahn-Zwischengeschoss | 80333 München
– Kunsthaus Erfurt | Michaelisstraße 34 | 99084 Erfurt
– Kunstverein in Hamburg | Klosterwall 23 | 20095 Hamburg
– Kunstverein Hannover | Sophienstraße 2 | 30159 Hannover
– Hartware MedienKunstVerein (HMKV) | im Dortmunder U | Leonie-Reygers-Terrasse | 44137 Dortmund
– Frankfurter Kunstverein | Steinernes Haus am Römerberg | Markt 44 | 60311 Frankfurt/Main

Die Kunstaktion wird nicht von allen positiv aufgenommen. So schreibt Ex-Die Tödliche Doris Mitglied, Autor und Künstler Wolfgang Müller:

„Die Ähnlichkeit der Bücher(ein)sammlungen der Nazis zwecks ‚Recycling‘ bieten dem ‚Betroffenen‘ , ex-Bankvorstand und Hobby-Eugeniker wunderbares Material sich erneut den Medien als Opfer zu stilisieren. Statt nun seines ‚Man wird ja wohl noch sagen dürfen ‚ kann er jetzt bequem mit ‚ich bzw. meine Gedanken werden vernichtet!‘ antanzen. Was für eine platte, eindimensionale Idee! (…) Aber es werden natürlich Massen von Lesern kommen, um reumütig unter Applaus der aufgeklärten Kunstszene ihr Exemplar den Flammen, äh dem Schredder zu übergeben.“

Wo fängt Recycling an, wo beginnt Zensur? Ist das Kunst oder kann das in die selbe Ecke die sie bekämpfen will? Und für manche Piraten noch die „brennende“ Frage, ob man ein paar alte Emma Ausgaben hinzulegen darf?!

(via @inschka)

    9 Kommentare:

  • Ell Aem Dschej via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 13:59

    gruselig und nicht unterstützenswert.

    Achse des Guten: „Hier kommt zusammen, was zusammengehört: einerseits der gute, alte, brav nationalsozialistische Drang, alles zu verbrennen (Bücher, Häuser, Menschen), was ihnen nicht paßt und was sie nicht verstanden, andererseits der deutsche Wahn der sauberen Mülltrennung, Müllwiederverwertung und dem Befassen vor allem mit den Exkrementen. „

  • Peter Spector via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 14:01

    was für eine scheiße.

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 14:07

    Steht ja auch im Post. Da hat die Achse des Guten mal Recht. Wobei Broder und Sarrazin ja nicht selten selbe Sprache sprechen.

  • Peter Spector via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 14:23

    obwohl: vielleicht ist die nähe zu bücherverbrennung ja gewollt? öde, wenn einfach nur „provokant“, interessant, wenns darauf abzielt, den kunstbürgern vorführen, wo sie nun schon wieder reingeschliddert sind, wenn unter großem gejohle die bücher zerschreddert werden. hm, schwer zu sagen: künstler müsste man sein!

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 14:26

    Wir sind doch alle Künstler, ich war eben z.B. groß!

  • Peter Spector via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 14:27

    ach einhorn, wenn doch alles so einfach wäre.

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 14. Januar 2012 um 14:32

    Omi macht doch auch Kunst, aus Schinken oder nicht?

  • Norbert Franke schreibt am 14. Januar 2012 um 19:56

    Witziger Weise stehen gerade dort „Sammelcontainer“ wo kaum jemand dieses Buch gekauft hat…Berlin: Kreuzberg, Neuköln…schon aus dem Grund, weil die Bewohner eh kein deutsch können. Aber vielleicht wollen es sie sammeln, um es heimlich zu lesen mit freundlicher Übersetzung eines Prager Künstlers, den hierzulande auch kaum jemand kennt.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 14. Januar 2012 um 20:37

    Wow, so viele Klischees in einem Kommentar. Toll und das auf Deutsch, Respekt!
    P.S. Neukölln. Ulkiger Weise wohnte ich in beiden Stadtteilen, die Du erwähnst.

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