16 Kommentare

Erika Steinbach hält NSDAP für linke Partei

Von Daniel • 02.02.2012

Och CDU, so macht das keinen Spaß. Ähnlich wie die FDP bemühen sich die Christdemokraten derzeit ihre eigene Satire zu übertrumpfen. Erst die Sache mit Ansgar Heveling, der nochmal nachlegte und sogar von der CSU als post-pubertär bezeichnet wird, was unmöglich stimmen kann, denn dann würde ich mich super mit ihm verstehen. Und nund Erika Steinbach.

Frau Steinbach verbreitete gestern Abend auf Twitter, dass die NSDAP eine linke Partei gewesen wären. Eben weil “sozialistisch” und “Arbeiter”. In Sandkuchen ist ja auch Sand drinn und der Verfassungsschutz schützt die Verfassung. Logsich, nicht?!

Erika Steinbach bezeichnet auf Twitter Nazis als Links

Das klingt so absurd, dass man meint, der Account müsse gehackt wurden sein. Leider ist Frau Steinbach als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen dafür bekannt ab und an NS-Verbrechen “zu relativieren”, indem sie die Opferposition der Deutschen herausstellt. So habe Polen Deutschland und somit den zweiten Weltkrieg provoziert, was natürlich nicht gleichzusetzen ist mit einem Abstreiten der Kriegsschuld. Und auch sonst ist die gute Dame, die doch nur Danzig zurück will, dafür bekannt für so manchen Eklat zu sorgen.

Zum Glück wollen einige Studenten der guten Dame jetzt helfen:

Nachhilfe für Erika Steinbach

Ich wiederum fände eine Umdichtung eines bekannten Liedes ganz passend:

NSD und A
Widdewiddewitt und P macht links!
Ich mach’ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt …

Hey – Frau Steinbach
trallari tralla he tralla hoppsasa
Hey – Frau Steinbach,
die macht, was ihr gefällt.

Nachtrag: Steinbach wollte Linke aufscheuchen:

Einen wirklich lesenwerten Artikel zu dem Thema gibt es bei SpOn (der auch die Debatte in den Kommentaren unten erübrigen sollte). Besonders bemerkenswert ist aber Steinbachs Rechtfertigung für die Aussage:

“Da habe ich die Linken richtig aufgescheucht, da sind die aus ihren Löchern gekrochen.”

Und auf Twitter schrieb sie:

“Provokation hat sich gelohnt!!!!! Danke es war spannend”

Was nur beweist, dass nicht jeder das Talent zum Advocatus Diaboli hat. Vor allem nicht, wenn die Aussagen zu weiteren Aussagen der Person zu passen scheinen. Offensichtlich ist Heveling nicht der einzig pubertäre bei der CDU.

(via fakeblog)



2 Trackbacks »

    14 Kommentare »

  • Konrad schreibt am 2. Februar 2012 um 14:43

    Vorsicht vor dieser Diskussion. Damit bekommt die Dame mehr Aufmerksamkeit als sie verdient und historisch gesehen hat sie teilweise Recht. Die NSDAP hatte sehr wohl auch linke Wurzeln und Ziele. Es war ein Sammelbecken verschiedenster Strömungen und gerade in der Anfangszeit war auch nicht klar, in welche Richtung sich die Partei entwickelt. Beispiel: Zu den Gründungsmitgliedern gehörten trotz eines klar antisemitischen Parteiflügels auch viele Deutsche jüdischen Glaubens und/oder mit jüdischen Wurzeln.

    Funfact zum Thema: Mussolini war Kommunist bevor er den Faschismus “erfand”.

    lichtung

    manche meinen
    lechts und rinks
    könne man nicht
    velwechsern.
    werch ein illtum!
    Ernst Jandl, Laut und Luise

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 2. Februar 2012 um 15:14

    Ja und Horst Mahler war bei der SPD, stand RAF sowie FDP nahe und am Ende kurz bei der NPD. Das macht demnach also alle Grupperiungen sozialistisch oder terroristisch?

    Das mit den Ursprüngen stimmt ja, aber deswegen ist die NSDAP vor allem in der Retrospektive keine linke Partei. Wenn man das argumentativ anführen will wird die NSDAP damit eine Partei der Mitte, weil sie linke und rechte Ursprünge vereinte.

    Hast Du Quellen für die “vielen” Deutschen mit jüdischen Wurzeln?

  • Harry schreibt am 2. Februar 2012 um 15:21

    @Konrad:
    So würde ich das nicht sagen. Die NSDAP war sicherlich ein Sammelbecken. “Links” war sie aber nie und hatte auch keine “linken” wurzeln und Ziele.
    SIe hat sich zwar teilweise antikapitalismus auf die Fahnen geschrieben. Der Antikaptalismus der (damaligen wie heutigen) Nazis hatte aber mit linken Vorstellungen von einer befreiten Gesellschaft und der Gleichheit der Menschen nichts am Hut.
    Viel mehr ist der rechte “antikapitalismus” lediglich Ausdruck und Brutstätte antisemitischer Ressentiments. Die Nazis sahen sich aus dem Osten von den “jüdischen Bolschewisten” und im Westen vom “jüdischen Finanzkapital” bedroht. Beide waren verdächtig die Volksgemeinschaft zu zersetzen.
    Man kann den Nationalsozialismus daher durchaus als “antikapitalistische Revolte” begreifen. Allerdings als eine, der er darum ging gerade die vorhandenen Produktionsverhältnisse und Machtstrukturen – und damit den Kapitalismus – zu erhalten. Deswegen wird unter anderem auch von einer “negativen Aufhebung des Kapitals” oder von der “Aufhebung des Kapitalismus auf seiner Grundlage und zu seiner Rettung” gesprochen.
    Mit Linken Wurzeln oder Zielen hat das alles aber höchstens dem Namen nach zu tun.

  • Konrad schreibt am 2. Februar 2012 um 16:18

    Wir hatten mal ein Geschichtsseminar zu dem Thema. Ich find leider gerade nicht die stützende Quelle zum Thesenteil “viele”. Der Ariernachweis, in diesem Fall der “Große” (bis 1800) wurde erst nach 1935 (Nürnberger Rassengesetze) für neue NSDAP-Mitgliedschaften obligatorisch. Sollte ich die Quelle(n) noch finden, schreib ich es Dir.

    Beispiel für sogenannnten Halbjuden in der NSDAP (inkl. persönliche Begnadigung durch Hitler):
    Rademacher, Michael: “Die Kreisleiter der NSDAP im Gau Weser-Ems” 2005, ISBN 3828888488
    Siehe Klappentext: http://www.amazon.de/Die-Kreisleiter-NSDAP-Gau-Weser-Ems/dp/3828888488

    Juden in der Wehrmacht:
    Bryan M. Rigg: “Hitlers jüdische Soldaten.” 2003, ISBN 3-506-70115-0
    Umstritten ist die Hochrechnung von 150.000 Wehrmachtsmitgliedern. Die vermutlich stattgefundene Vertuschung von entsprechender Herkunft erschwert die Validierung.

    Der Dozent sagte damals buchbasiert, dass schätzungsweise rund 1.000 Juden/Jüdischstämmige innerhalb der NSDAP-Administration sogar das 3. Reich überlebt hätten. Teils durch aktive Unterstützung von leitenden Funktionären, teils durch erfolgreiche Verschleierung der eigenen Wurzeln. Dazu find ich aber die Quelle nicht.

    Und meine Oma (ja, auch keine tolle Quelle), großgeworden im Wedding, erzählte mir, dass etliche Juden aus ihrer Straße, zur Abholung aufgestellt, ihre Orden aus dem ersten Weltkrieg und einige ihr NSDAP-Parteiabzeichen getragen hätten.

    PS: Bitte streich meinen Kommentar wieder. Denn das Thema “vertuschte jüdische Wurzeln bei einigen NSDAP-Funktionären” ist selbst auch schon wieder missbrauchsfähig durch Antisemiten..

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 2. Februar 2012 um 16:37

    @Konrad, Wehrmacht ist ja nicht gleich Partei. Und das Leute zwecks Überlebnskampf sich ihres Glaubens entledigten und als “Arier” darstellten ist ja nicht ein Beweis dafür, dass “viele Deutsche jüdischen Glaubens” “Gründungsmitglieder” (!!!) waren.

  • Konrad schreibt am 2. Februar 2012 um 16:39

    @Harry:

    Teile der NSDAP hatten durchaus “linke” Ziele. Marxismus wurde als eigentlich gut, aber leider “verjudet” gesehen. Es war nicht nur ein Wahlwerbetrick, um Arbeiterstimmen bei der Wahl zu bekommen. Aber diese Strömung verlor später an Bedeutung.

    Paar Zitate dazu:
    http://www.geschichtsforum.de/f66/der-linke-fl-gel-der-nsdap-39285/

  • Harry schreibt am 2. Februar 2012 um 17:41

    @Konrad:

    Jetzt müssten wir uns darüber streiten was “links” bedeutet. Ich weiß nicht wie fruchtbar das ist.
    Vielleicht ein kleiner Versuch einer negativen Annäherung:
    Für die NSDAP – und auch für den “linken” Flügel – stand an höchster Stelle immer die Volksgemeinschaft. Alle anderen Ideen hatten sich der Volksgemeinschaft unterzuordnen oder mussten irgendwie mit ihr vereint werden.
    Ich würde allerdings behaupten, dass das konstruieren solcher Gemeinschaften – zumal wenn sie biologisch begründet werden – mit einem wie auch immer gearteten “links”-sein unvereinbar ist (ohne das ich jetzt damit die Gruppe der “linken” konstruieren möchte ;) ).

    Im Konzept solcher identitärer Zuschreibungen ist die Ungleichheit immer schon vorhanden. Gleichheit wird höchstens für die eigene Volksgruppe als erstrebenswert angesehen.
    Auch das halte ich für unvereinbar mit einem “linken” Selbstverständnis.

    Ein positiver Bezug auf Marx alleine reicht finde ich noch nicht aus um etwas “links” zu nennen.

  • Harry schreibt am 2. Februar 2012 um 17:42

    und ich schreibe “links” gerne in Anführungszeichen.

  • Gröj Saerdna Redneb via Facebook schreibt am 2. Februar 2012 um 18:00

    Twittern macht frei.

  • fischfresse schreibt am 3. Februar 2012 um 07:57

    Kennt Ihr schon die Februar-Ausgabe von Steinbachs Hauspostille?
    http://www.fischfresse.de/2010/09/erika-steinbach-hauszeitschrift-propaganda-satire-bdv-cdu/

  • txxx666 schreibt am 3. Februar 2012 um 12:06

    @SteinbachErika: Wahrheit. Die CDU war mal eine christlich-sozialistische Partei. Vergessen? Dann lesen sie mal das Ahlener Programm…
    http://misanthrope.blogger.de/stories/1992888/

  • Heinz Behrendt schreibt am 9. Februar 2012 um 15:36

    Diese Frau Steinbach bedarf dringend Nachhilfe in Geschichte!
    Wer Nazis als LINKE bezeichnet, kann ebenso den Papst als Parteigänger Matin Luthers ansehen!
    Und so etwas sitzt im Deutschen Bundestag! Aber sie ist ja in jener Partei, die einmal einen Globke in ein höchstes Staatsamt lancierte -da wundert einen wohl nichts mehr…

  • Heinz Behrendt schreibt am 9. Februar 2012 um 15:38

    Was verstehen Sie unter “moderieren”?

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 9. Februar 2012 um 16:07

    Kommentare werden, sofern der Nutzer noch nie geschrieben hat, erst nach oberflächlicher Sichtung freigeschaltet.

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