Die Achse des Blöden – Kristina Schröder gegen den Feminismus

Danke, emanzipiert sind wir selber!Dr. Kristina Schröder ist enttäuscht. “Vor allem von Feministinnen“. Allein in dem Titel ihres mit Caroline Waldeck geschriebenen Buches “Danke, emanzipiert sind wir selber” greift sie auf das antifeministische Klischee per excellence zurück. Dass Rollenbilder einfach abzuschaffen wäre und die Gesellschaft einem bereits die Möglichkeit zur freien Wahl gäbe. Dabei hatte sich Schröder bisher bei feministischen Themen zurückgehalten. Politisch Nein zur Quote. Ansonsten? Basiswissen ist ihr fremd.

Wie kann eine Familien- und Frauenministerin im Jahr 2012 so dezidiert antifeministisch eingestellt sein, fragte sogar der “Spiegel”. Und die taz stellt fest, dass Schröders Thesen vor allem auf klassisches Feminismusbashing der 90er zurückgreift. Auch Grünen Chefin Claudia Roth ist erbost: Kristina Schröder sei die “krasseste Fehlbesetzung in der Geschichte des Frauenministeriums”. Oder, wie es eine Bekannte von mir ziemlich spitz auf amazon formulierte:

“Eigentlich hätte sie kein Buch schreiben müssen, sondern ein Flugblatt hätte völlig ausgereicht: ‘Ich hasse den Feminismus’.”

Die ganze Sache ist in meinen Augen ein größerer Skandal als Guttenplag oder Wulff. Warum? Weil ihre Ansichten zum Feminismus im direkten Zusammenhang mit ihrem Amt stehen und Schröder damit beweist, dass sie für dieses Amt ungeeignet ist. So folgerte Barbara Vinken im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur nicht zu unrecht, dass Schröders Buch eine logische Kosequenz mit sich führe: Die Abschaffung des Amtes der Familienministerin.

“Das brauchen wir nämlich, wenn man den Thesen dieses Buches nachgeht, schlicht und einfach nicht. Wir brauchen, wenn man Frau Schröder glaubt und wenn sie das mal konsequent zu Ende denken würde, Familienpolitik nicht, weil nämlich das Problem der Gleichberechtigung, sagt Frau Schröder, wird durch den Markt geregelt.”

Und daher kann man eigentlich nur ihren Rücktritt fordern. Weswegen ich den offenen Brief an sie wie bereits 11.723 (Stand 22.04. 23:00) mitzeichne.

Es geht dabei gar nicht darum, ihren Gegnern zuzustimmen. Nur sollte klar sein, dass gerade eine Familienministerin starke Positionen braucht. Vielleicht auch unpopuläre. Aber Schröder füttert mit ihrem Antifeminismus lediglich Personen wie Eva Herman, die ihre Auswüchse im zweifelhaften Kopp Verlag publizieren müssen und bildet mit ihr und weiteren Fürsprechern eine Achse des Blöden.

Dabei hätte sich Frau Schröder das wohl nicht denken lassen. Schließlich kehrte sie Herman mit Alice Schwarzer über einen Kamm.
Auch wenn ich Alice Schwarzer mehr für ihr frühes Schaffen schätze als für den Kram den sie die letzten Jahre verzapfte wünsch ich mir doch, dass sie mindestens einen halb so bissigen Kommentar schreibt wie damals bei Bushido.

Man darf sehr gespannt sein. Neuerdings findet Frau Schwarzer die Ministerin “echt souverän” seitdem sie ihr finanzielle Unterstützung beim FrauenMediaTurm zusagte.

Da jetzt auf gekaufte Gunst zu kommen ist mir zu verschwörungstheoretisch, aber es bleibt spannend. Schließlich sollte Schwarzer sich zu Schröder definitiv äußern. Die Verschwörungstheorien überlasst man dann lieber denen die Schröder zur Hilfe kommen. Wie eben Herman oder einem Kommentator auf amazon, der ähnlich wie Herman auf mediale Gleichschaltung anspielt und Schröders Kritiker dreckiger Kampagnen bezichtigt. Sweet!

Dabei muss man nur einmal gucken, wie Schröder ihre Macht missbraucht um ihrerseits Kritiker einzuschüchtern. Schröder meldet unliebsame Twitterer an das BKA.

Weiterführende Kommentare und Links:

Schröder schreibt ihre eigene Bankrotterklärung auf Zeit.de
Kommentar zum Buch bei Welt Online
Kristina Schröder sieht sich nicht als “Gouvernante der Nation”
Antifeminismus pur: Warum ich Kristina Schröders Buch nicht lesen werde
Weg mit dieser verzogenen Göre!

P.S.: Danke an Konrad für den Titel!

Von: Daniel • Tags:

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