7 Kommentare

GEMA, Raubkopieren, Urheberrecht – The Neverending Story

Von Daniel • 29.05.2012

GEMA

Eigentlich mag ich nicht mehr. Um meine Meinung kurz zusammenzufassen: Ich bin für ein Urheberrecht, ich sehe auch eine Notwendigkeit für Verwertungsgesellschaften. Ein Künstler muss vor großen Verwertern ausreichend geschützt sein. Aber ich bin nicht einverstanden mit der GEMA. Leider. Die brauchen dringend einen Imageberater.
Erst die Tarifreform 2013, die Klubs und Veranstalter im schlimmsten Falle laut DEHOGA bis zu 2.839% mehr zahlen lässt und dann ein Aufschlag von bis zu 1850% auf Speichermedien.

Dazu kommt die GEMA-Vermutung, und eine Mitgliederstruktur, die Mitsprache kaum ermöglicht. Die meisten der Mitglieder sind sogenannte angeschlossene und außerordentliche Mitliedern. Diese können nicht unmittelbar an Satzungsänderungen, Änderungen des Verteilungsplans oder bei der Wahl des Aufsichtsrats mitwirken. Hässlich dabei, dass die stimmberechtigten Mitglieder kein Interesse an einer Reform haben müssten. Denn sie erhalten den Großteil der Ausschüttungen. Im Jahr 2008 waren das 62,99%. Auch ist es als Mitglied offiziell nicht möglich einzelne Werke unter anderen Lizenzen zu veröffentlichen oder gar eigene Freistellungen auszustellen. Wie unfair manches in der GEMA ist kann man auch bei Thomas Stadler durchlesen, der die Thesen von Zoe.Leela aufgreift.

Das treibt selbst Künstler wie Dr. Motto dazu gegen die Verwertungsgesellschaft aktiv zu werden. Dieser unterstützt auf Twitter eine Petition gegen die Tarifreform. Beim DJ-Meeting 2012 in Dortmund platzte ihm der Kragen:

Insbesondere in der Clubkultur ist der Protest groß. So titelte die Groove: „Dann können wir den Betrieb schließen!“ Auch Festivalveranstalter wie Alex Schwers haben es nicht leicht mit der Verwertungsgesellschaft, so bemängelte er in einem Artikel beim Spiegel:

„Die Kosten für die Gema haben sich verdreifacht. Die rechnen ihren Tarif jetzt anhand des kompletten Umsatzes, inklusive Getränken, aus. Da schimpft man als Veranstalter, das ist die eine Seite. Aber als Musiker, der mit Musikern mehr abhängt als mit Veranstaltern, finde ich die Gema gut. Profitiert habe ich nie besonders davon, ich bin ja Schlagzeuger, und habe nicht besonders viele Songs bei der Gema gemeldet. Bedauerlich ist nur, dass von diesem Gema-Geld bei den Musikern, die ich kenne, nicht so viel ankommt. Da ist Reformbedarf.“

Gleichzeitig sehen viele professionelle Musiker den Konflikt zu Recht kritisch. Ekki Maas von den Erdmöbeln sieht das differenziert:

„Die Kehrseite ist: YouTube und ähnliches ist ein Segen für die kreative Szene in Deutschland. Eine große Öffentlichkeit hat Zugang, und es kostet nichts. Wer da seine Sachen nicht reinstellt, hat es nicht nötig, weil er erfolgsmäßig bereits saturiert ist oder die Öffentlichkeit auf anderen Wegen erreicht.“

Und es ist imho vollkommen berechtigt Google, die ja hinter YouTube stecken, vorzuwerfen, dass sie nicht ordentlich vergüten. Auch Frank Spilker von den Sternen spricht sich indirekt für eine Reform aus:

„Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, sich an überholte Modelle zu klammern. Man muss auch nicht die Plattenindustrie retten, sondern die Musik. Und deshalb muss dringend eine Lösung her, die Künstlern und Journalisten einen Anreiz liefert, etwas zu produzieren, gleichwohl es kopierbar ist.“

Zeitgleich taucht eine Studie auf, die die meisten Annahmen widerlegt. Robert G. Hammond, Professor an der North Carolina University, stellt fest, dass zumindest für etablierte Künstler Filesharing und Leaking keine Auswirkungen auf Verkäufe hat:

“[A]n album that became available in file-sharing networks one month earlier would sell 60 additional units.”

Es ist und bleibt vertrackt, die Fronten verhärtet und ein Vertreter der statt Sympathien zu schaffen es sich immer wieder und mehr mit vielen verscherzt. Na dann gute Nacht! Es wäre zu wünschen, dass sich alle GEMA-Mitglieder zu Wort melden, die nichts zu sagen haben und eine Reform forcieren. Diese kann nur in ihrem Interesse sein.

Update vom 02.06.

Das letzte Mal als ich über den ganzen Kram schrieb wurde ich ziemlich angepflaumt, weil ich als Nicht-Profi und Nicht-GEMA-Mitglied ja doch meine Überlegungen für mich behalten solle. Da freut es mich doch sehr, dass sich jetzt noch jemand zu Wort meldet, der sich verdammt gut auskennen sollte. Konzertveranstalter Berthold Seliger sagt gegenüber Heise:

„Das bestehende Urheberrecht muss dringend reformiert werden. Aber genauso muss die GEMA dringend reformiert werden. Wir haben allerorten für Großverdiener und Verwertungsindustrie bequeme Strukturen, die aber mit den digitalen Realitäten des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben und letztlich den Geringverdienern und den Konsumenten schaden.“

Word! Können wir das jetzt bitte anpacken?! Vielen Dank Herr Seliger!



    7 Kommentare »

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 29. Mai 2012 um 15:47

    Gibt es eigentlich irgendeine Konkurrenz zur GEMA? Jemand, der die Interessen der Künstler und der Käufer besser vertreten würde?

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 29. Mai 2012 um 16:52

    Es wurde gerade was neues für CC-Künstler gegründet und in Deutschland gibt es noch Freibank.

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 29. Mai 2012 um 18:02

    Danke für die Info. Wäre ja toll, wenn es eine gute und brauchbare Alternative zur GEMA gäbe.

  • Grille schreibt am 31. Mai 2012 um 23:38

    Wir machen auch mobil gegen die Gema Tarife 2013 .. und jeder kann mitmachen bei unserer Kampange, welche die Original-Kampange der Gema auf die Schippe nimmt und es auch ins aktuelle DJ Mag geschafft hat. : http://www.toxic-family.de/news.php?id=1222&sec=1

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 2. Juni 2012 um 12:30

    Lass dich bloß nicht niedermachen vonwegen du hättest keine Ahnung. Ich finde deine Kommentare zu dem Thema immer interessant und finde sie sehr ausgewogen. Und es betrifft uns ja alle, auch die bösen diebischen User und nicht nur die „Fachleute“.

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 2. Juni 2012 um 12:35

    „Du sagst die Konsumenten sind auch Mitspieler? Seit wann? Es sind die Zuschauer im Stadion.“ Was für ne Aussage. Die widerlegt sich ja wohl selbst, denn im Stadion würde NICHTS aber auch gar nichts abgehen, wenn keine Zuschauer da wären. Geht’s noch?!

  • Dom schreibt am 12. Juni 2012 um 11:05

    Ja bestimmt werden die USB Sticks und SD Karten auch noch deutlich teurer. Das wäre nicht so schlimm wenn es dann wie damal mit den Kassetten wäre denn damit durfte mann dennoch weiter aus dem Radio aufnehmen, der Gewinn der nun teureren Kassetten wurde an die Gema Mitglieder verteilt…

    Leider wird das so nicht kommen… :(

    LG Dom

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