27 Kommentare

Sick Sad World: Homosexualität aus Sicht katholischer Ärzte

Von Daniel • 21.05.2012

Erst kürzlich habe ich mich über Dieter Blechschmidt aufgeregt, der auf Facebook Homosexualität eine Krankheit nannte. Gut, es ist noch nicht so lange her, dass die WHO Homosexualität 1990 aus ihrem Diagnoseschlüssel strich. Aber die WHO hinkte da eh hinterher. Homosexualität als Krankheit hat da einen alten Ursprung. Die Ironie dabei – als Homosexualität noch strafbar war diente die Krankheitstheorie oft dazu die Strafbarkeit auszuhebeln, da ein “Kranker” ja nichts für seine Krankheit könne.

Auch ironisch ist, dass dieses Jahr der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie am 17.5. mit dem Katholikentag in Mannheim zusammenfiel. Dort verteilten “katholische Ärzte” diesen Flyer:

Homosexualität aus Sicht katholischer Ärzte

Zuerst wird nach den Ursachen der sexuellen Ausrichtung gefragt. Mehr als unschön ausgedrückt, aber letztendlich gibt es keine einhellige Meinung über Ursachen der sexuellen Ausrichtung. Manche sehen es schon vor der Geburt festgelegt, andere gehen von einer frühkindlichen Prägung aus und wieder andere sehen dort eine Kombination von Beidem. “Epigenetische Vererbung von syphilitischer Belastung” ist da natürlich ein Schlag in die Magengrube. Dann wird es aber noch gruseliger:

“Keine ‘Krankheit’ im negativen Sinn.”

Saugeil, können wir bitte positive Krankheiten aufzählen?! Ja?! Und die Behandlung? What please?! Homöopathie? Da steht doch katholischer Ärzte drüber. Können wir nicht gleich Placebos schreiben? Dann kommt noch das Klischee mit HIV und anderen sexuellen Krankheiten. Da ist man doch glatt froh, dass es einen selbst als Hete nicht betrifft. Dies so deutlich und dämlich rauszukehren ist typisch und am Ende kommt noch die “geringe Lebenserwartung” von Homosexuellen. Ich krieg das Kotzen!

Jetzt magst Du – wie ich zuerst auch – denken, dass so ein Flyer ohne Kontaktdaten von jedem erstellt werden könnte. Nur finden sich diese Inhalte ganz ähnlich auf der Seite des Bundes Katholischer Ärzte wieder. Ganz getreu dem Sarrazinschen Motto “Das darf man ja wohl noch sagen” heißt es dort:

“Der Arbeitskreis Homosexualität des BKÄ möchte das Schweigen und Vorurteile brechen, die seit Anfang Juni 2011 offenbar geworden sind.”

Traurige kranke Welt. Aber wahrscheinlich bin ich ein von political correctness indoktrinierter Mensch. Ein Opfer der informellen Zensur.

(via Manu Marron)

Update: 22.05. – 10:00
Da ich mich an einer Stelle nicht missverständlich, sondern eher dämlich ausdrückte habe ich mir erlaubt diese zu ändern!



2 Trackbacks »

    25 Kommentare »

  • Mel Anne Cholic via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:08

    wie geil ist das denn? verringerte lebenserwartung? lol

  • Sarah Scharlemann via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:11

    nunja, aber ganz ehrlich, ersetzte mensch “homosexuelle” mit “katholiken” würde ich dieses schriftstück gut finden- ich scheine im umkehrschluss also auch nicht besser zu sein! ;)

  • Manuel Sambs via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:12

    Reicht sowas nicht langsam für eine Klage wegen Verleumdung?
    Achso, sorry, ich vergaß, steht ja in nem 2000 Jahre alten Buch. Dann ist es natürlich Fakt.

  • Muhammad Marc Sugiono Köberlein via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:13

    Bleibt zu hoffen, dass sie Homosexuelle nur homöopathisch behandeln.. das hat eh keinerlei Wirkung.

  • Andreas van der Wingen via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:24

    sakramente helfen da wohl

  • Janne schreibt am 21. Mai 2012 um 13:25

    ABER: Wenn mensch das ö aus Homöopathie wegstreicht, heißt es Homopathie. Also wie Sympathie.

    (Ja, ich weiß, “pathos” ist das Leid, aber trotzdem, wär ein schönes Wortspiel gewesen..)

    Och mensch, die Katholiken regen mich ständig auf. Das is doch nicht gut für meinen Blutruck! Jetzt brauch ich erstmal meine Globuli.

    Schön ist auch: Heteromenschen kriegen kein HIV, begehen keinen Selbstmord UND haben höhere Lebenserwartungen!!1! Was ist eigentlich mit den Priestern, die kleine Jungs missbrauchen? Haben die auch kürzere Lebenserwartungen und werden Homöopathisch behandelt?

    Wenn ich ne chance dazu krieg, hau ich den Papst. Doll.

  • Felix Widmer via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:28

    heisst das nicht homoöpathisch? und schreibt man Sakrament nach neuem Duden nicht mit “ck”?

  • Andreas van der Wingen via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:39

    klar. suckrament.

  • Boundary schreibt am 21. Mai 2012 um 13:50

    Das mit dem Bund katholischer Ärzte ist ein alter Hut (wenn gleich auch noch immer ärgerlich).
    u.a. http://www.queer.de/detail.php?article_id=14890
    Im übrigen wurde die Originalversion vom Bund der katholischen Ärzte schon lange überarbeitet (durch medialen Druck). So stand da am Anfang noch etwas von Behandlung mittels homöopathischer Weihrauchpräparate. Was im Umkehrschluss nach den Regeln der Homöopathie ja bedeuten würde, dass Weihrauch Homosexualität verursacht XD

    Auch ist diese Flyer-Aktion recht alt. Auf einem Ärztetag 2010 hier in Berlin gab es einen kleinen Eklat, weil doch tatsächlich Vertreter dieser Ex-Gay-Bewegung Vorträge im Rahmen dieser Veranstaltung abhalten durften.

    Was der Bund der katholischen Ärzte (und die ganze Ex-Gay-Bewegung) gerne in der HIV-Debatte verschweigen ist, dass inzwischen heterosexuelle Frauen (ohne zu anderen Risikogruppen zu gehören) zur am stärksten wachsenden Gruppe für Neuinfektionen werden.

    Da fällt mir dann auch noch ein amerikanischer Arzt ein, der die Umstrittene Konversionstherapie nutzt um Heteros von ihrer Heterosexualität zu befreien. Leider finde ich dessen Video auf Anhieb gerade nicht. Aber den sollte man mal in den Bund katholischer Ärzte schmuggeln.

  • Ea Bäurle via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 13:57

    Lieber Gott, bitte hilf den katholischen Ärzten. Auf dass sie ihren Verstand wieder benutzen können und sag ihnen bitte auch, dass sie sich vor Homosexualität nicht zu fürchten brauchen. Danke!

  • Pummi Won Troba via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 14:32

    widerlich.

  • Adrian Behr via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 15:43

    Sowas darf Arzt werden…?

  • Emanon schreibt am 21. Mai 2012 um 16:38

    Diese Hassprediger sollen sich langsam mal in unsere Gesellschaft integrieren. Man sollte auch kriminelle Katholiken ausweisen und auch verhindern, dass sie ihr Buch kostenlos verteilen. Ich finde auch nicht gut, dass sie ihre Kirchtürme so hoch bauen…und dann noch in die Mitte unserer Städte. Es gibt Teile in Deutschland, da leben nur noch Katholiken und keine Deutschen mehr.

  • Muhammad Marc Sugiono Köberlein via Facebook schreibt am 21. Mai 2012 um 19:25

    http://www.bkae.org/index.php?id=1113

  • Sumi schreibt am 21. Mai 2012 um 20:13

    Bah

  • Boundary schreibt am 21. Mai 2012 um 21:03

    Ist schon ein Jammer, dass die Bundesärztekammer diesen Ärzten noch immer nicht die Approbation entzogen hat.
    Vielleicht sollte Beck noch mal nachharken.

  • Christian schreibt am 21. Mai 2012 um 21:56

    Ich weiß aus meinem eigenen Krankheitsverlauf heraus, dass die Theorie mit Homosexualität als psychische Störung recht glaubhaft ist. Das Begriffe wie “Krankheit” und “Störung” nichts positives haben ist klar. Aber verdammt nochmal, Erkältung und Depression sind auch Krankheit und Störung. Da muss man sich nicht angegriffen oder diskriminiert fühlen. Ich habe gar nichts gegen Homosexuelle. Aber “normal” ist halt doch was anderes. Handelt damit.

  • Justin-Zane schreibt am 21. Mai 2012 um 22:38

    Normal is nothing more than a cycle on a washing machine.

  • Björn Nickolas schreibt am 21. Mai 2012 um 22:51

    hab kurz recherchiert und was ganz aktuelles gefunden. Die wissenschaftliche Grundlage für einen Grossteil worauf der BKÄ ja seine Thesen stützt, ist seit kurzem entfallen. Und wer sich Wissenschaftler nennt (und das muss zwangsläufig auch fast jeder Arzt ob mit oder ohne Dr.) macht mal ganz schnell en Rückzieher ;-) http://www.spiegel.de/​wissenschaft/mensch/​robert-spitzer-entschuldigt​-sich-fuer-homosexuellen-s​tudie-a-834247.html Bleibt noch den “Doktoren” einen schönen Tag zu wünschen und sich in Zukunft vielleicht auf das erforschen von Farbbeschichtungen bei Kerzen für Unterwassergaukler zu konzentrieren. ;-)

  • h. kurt schreibt am 22. Mai 2012 um 08:52

    du findest es wirklich “eigentlich recht harmlos”, wenn man im zusammenhang von homosexualität von “frühkindlichen psychischen entwicklungsstörungen”, “familiären störungen in der kindheit” und von “epigenetischer vererbung von syphilitischer belastung” spricht??

    das ist der eigentliche hammer auf diesem pamphlet! hier wird mit allerweltsdiagnosen versucht der “störung homosexualität” einen wissenschaftlichen anstrich zu geben. das ist regelrechte volksverhetzung unter dem deckmantel der psychologie und der medizin!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 22. Mai 2012 um 09:15

    @Kurt wenn man den derzeitigen Stand der Forschung betrachtet schon. Wobei das Wort Störung natürlich mehr als übel aufstößt. Aber wodurch die sexuelle Orientierung geprägt wird – wenn sie überhaupt geprägt wird ist wie im Text erwähnt eine Streitfrage.
    Aber Du hast Recht. Gerade was den Punkt “epigenetischer vererbung von syphilitischer belastung” betrifft. Ich wünschte ich könnte sagen ich hab mich da unklar ausgedrückt, aber es ist vielmehr “dämlich”!

  • Ronny Sörensen schreibt am 22. Mai 2012 um 10:20

    Und was ist mit den jungen Männern, denen die Ärzte helfen konnten? Sind die dann auch nur gehirngewaschen?

    In meinem näheren Umfeld gibt es da einen Jungen, der dachte schwul zu sein. Nach einer intensiven Therapie (lange Gespräche mit Familie und Freunden) ist er nun wieder normal.

    Warum wird die Geschichte nicht auch mal von der anderen Seite gesehen?

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 22. Mai 2012 um 10:42

    @Ronny Wenn er das selbst will ist das sein Bier. Aber wer bestimmt die Norm? (Interessant auch, dass das Wort “Normalität” hier so häufig fällt.) Wenn ich jetzt sage: “Bi ist normal”, was nach Freud ja stimmen würde. (Freud ist natürlich so überholt wie die Annahme Homosexualität als Krankheit, aber das Argument dürfte Dir ja egal sein ;)) Also ich sage Bisexualität ist normal und weil Du kein Interesse daran hast, dann therapier ich Dich. Und wenn Du das nicht willst bombadiere ich damit wie krank Du bist und wie abnormal. Ja, Du hast Recht, man sollte das mal von der Seite sehen!

  • rachel lindenbaum schreibt am 22. Mai 2012 um 11:16

    was mir bei solchen diskussionen immer nur einfällt ist folgendes:

    wer an das glaubt, was in der bibel steht, glaubt daran, dass gott den menschen nach seinem bild erschaffen hat. so wie den ganzen rest der welt. das bedeutet, dass gott den menschen genauso gemacht hat, wie er ist. mit allen spielarten, charakterzügen, krankheiten, behinderungen, orientierungen, freiem willen.

    wer an das glaubt, was in der bibel steht, glaubt auch an das 1. gebot: ich bin der herr, dein gott, du sollst keine anderen götter haben neben mir.

    er glaubt auch daran: hochmut ist eine der 7 todsünden.

    wenn menschen, also geschöpfe von gottes gnaden (laut bibel) sich hochmütig aufschwingen, gottes schöpfung zu kritisieren und zu diskriminieren, verstoßen sie ergo gegen das erste gebot. darauf stand mal scheiterhaufen.

    (es gibt in der bibel übrigens auch ein schwules paar. leider sind mir ihre namen entfleucht.)

  • El Spotto schreibt am 22. Mai 2012 um 15:01

    @rachel: Jonathan und David

    “1 Samuel 18:1+3
    Und es geschah, als er aufgehört hatte, mit Saul zu reden, verband sich die Seele Jonatans mit der Seele Davids; und Jonatan gewann ihn lieb (157) wie seine eigene Seele. [...] Und Jonatan und David schlossen einen Bund, weil er ihn liebhatte (160) wie seine eigene Seele.”

    …und noch andere Stellen…

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