16 Kommentare

Malte Welding, Du schreibst herrliche Kackscheiße

Von Daniel • 15.08.2012

Kackscheiße

Malte Welding hat einen Post veröffentlicht indem er dazu aufruft weniger “sexistische Kackscheiße” zu sagen. Ich kann den Ansatz den Malte verfolgt eventuell verstehen, doch der Post geht gar nicht. Beispiel gefällig?!

“Nun ist es natürlich eine wunderbare Sache, in jedem Werbeplakat einen Sexismus zu sehen oder Exotismus oder Wasweißichismus. Da kann man dann saftig reinkloppen und mit Sicherheit bekommt man vier oder fünf Kommentare, die sagen: Ha, genau.”

Klaro, das ist natürlich reine Profilierungssucht und Provokation. Wenn Du etwas beim Namen benennst machst Du es nur, weil Du “saftig reinkloppen” und dann dafür Bestätigung willst. In diesem Sinne: Gebt mir ein “Word!”

Malte stellt mal eben in einem Absatz ein ernstes Anliegen als profane Klopperei dar. Apropos Profan. Genau darum geht es ja auch irgendwie. Die derbe Sprache. Ich bin ein Fan von Profanitäten und verwende Sie häufig. Malte sieht die Gefahr, dass man Leute nur damit beleidigt und diese dann gar nimmer nachdenken wollen. Wir sind umgebeben von Mimosen, die bei jedem “Fuck!” und “Kackscheiße” zusammenzucken. Im schlimmsten Fall das Hirn ausschalten und weinend in der Ecke kauern.

Natürlich kannst Du mit Gefluche Leute abschrecken. Keine Frage! Doch – und diese Simplizität kann Welding der Menschheit nicht absprechen – die meisten horchen auf, wenn es laut und frech wird. Shitstorms und Rants a la Regener sind der (traurige?!) Beweis. Also ab sofort immer nur sagen: “Ey Du, echt jetzt, finde ich voll nicht korrekt von Dir, dass Du so redest. Denk mal drüber nach. Thanx, danke, peace!”

Natürlich, der dosierte Einsatz ist da imho wichtiger als eine dauerhafte Überstrapazierung oder ein vollständiger Verzicht auf Schimpfwörter. Ich vergleiche das immer gerne mit Musik. Wenn auf einem sonst zarghaften ruhigen Songwriter-Album einmal das Wörtchen “Fuck” fällt, horchst Du auf. Was war das für eine Stelle, wieso wird da so gesprochen?!

Bei Alben die die Profanität feiern bleibt lediglich der wütende Gesamteindruck zurück. Aber ist das eine jetzt richtig und das andere jetzt falsch? Definitiv nicht! Falsch dagegen liegt Welding. Du kommst nicht drumrum Dir folgenden Satz bei einer Wohnungsbesichtigung bei ihm vorzustellen:

“Und das sind meine Spardosen. Die blaue ist für Flüche, das hab ich von meinen Eltern gelernt. Und die rote, das war meine eigene Idee, die ist für Ismen.”

Wie jetzt?! Ismen sollte man auch nicht verwenden?! Ganz genau, so schreibt Welding:

“Benutzt möglichst keine Ismen (ich habe es selber viel zu oft getan). Ihr macht es euch damit zu einfach, Ihr kürzt Eure eigenen Denkprozesse ab, Ihr seid letztlich zu faul.”

Soso, also nicht nur profilierungssüchtig und Lust an Provokation. Nein, Ihr seid auch noch (denk-)faul und gemütlich! Mit ein wenig Phantasie mag man entziffern können was Welding meinen könnte. Will er eventuell sagen, dass es schwierig ist Leuten mit einem Soziolekt und Theorien zu kommen, wenn diese niemals damit vorher in Berührung kamen? Das wäre ein berechtigter Einwand.

Du kannst niemanden mit PoC und Critical Whiteness kommen, wenn er z.B. nie was vom “positiven Rassismus” hörte. Ein Soziolekt ist per se elitär und richtet sich an eine bestimmte Gruppe. Wenn Du außerhalb dieser Menschen erreichen willst, dann musst Du durchaus anders reden. Aber Dinge nicht mehr beim Namen nennen?! Auf Profanitäten verzichten?! Da schmettere ich ein ziemlich lautes WHAT THE FUCKING FUCK FUCK entgegen. Das was Du schreibst, lieber Malte, ist ziemlich herrliche Kackscheiße.

Die Reaktionen auf Weldings Text

Hier einige Reaktionen auf Twitter, ich habe mich bemüht auch gegensätzliche Aussagen zusammenzustellen. Die Pro-Weldings kommen weiter hinten.

Malte Welding und die Kackscheiße

Ist derbe Sprache einer Sache schädlich?! Ist sie infantil? Wie reagieren andere auf Malte Weldings Aufruf weniger Ausdrücke wie "sexistische" oder "rassistische Kackscheiße" zu benutzen?!

Storified by Kotzendes Einhorn · Wed, Aug 15 2012 15:57:01

Herrklärungsmalte belehrt wann man was sagen darf und wann’s zu viel ist. #donotwantfasel
aber dass er sich mit sexistischer Kackscheiße nicht auskenne, kann man zumindest nicht sagenfasel
.@maltewelding der autor von "verliebt verkackt verheiratet" beschwert sich darüber dass leute "kackscheiße" sagen. was es nicht alles gibt.TheGurkenkaiser
Kackscheisse sagt man nicht, die macht man nur. Als Ergebnis der Konstitution von Machtverhältnissen.Jens Ohlig
Meine TL treibt eine Sau durchs Dorf. Sie hat sich in Kackscheiße gewälzt. Ich stehe verständnislos am Straßenrand und schau zu.punycode
ich sag ja nur ‘kackscheiße’ weil ich den begriff ‘weldingerei’ zu hart finde.yetzt
Finde "sexistische Kackscheiße" auch nicht mehr angebracht. Besser wäre: "Überbeschissene sexistische Fickfuckkackwurstscheiße"Josi Bility
Das einzige Argument gegen "Kackscheiße"-Sagen: Es gibt so viele schöne andere Möglichkeiten, zu sagen, dass jemand Müll redet ;)Gender_verrückt
Das Wort "Kackscheiße" ist der sprachkritischen Betrachtung nicht wert.Clemens Gatzmaga
@elitemedium Immer wenn die reichlich dümmlichen Begriffe Kackscheiße und Gender ernstgemeint fallen, sollte man lächeln und entfolgen.Suhrbier
Ihr solltet übrigens auf Malte Welding hören. Er beschreibt nämlich den Grund, warum kein Mensch mehr mit euch reden will.Hagen
Ja, ja, ja! Endlich schreibt mal jemand aus, wofür ich zu faul war. http://www.malte-welding.com/2012/08/15/ismismus-sagt-seltener-sexistische-kackscheise/Mathias
(Außerdem ist das Wort "Kackscheiße" hochgradig unästhetisch und seine Benutzung als inflationär zu bezeichnen wäre noch untertrieben.)Mathias
Erstmal "kackscheiße" muten.Lilly W.
Anstatt über den sexistischen Murks zu reden kann man natürlich auch diskutieren ob „Sexistische Kackscheiße“ ein angemessener Begriff ist.Ben

Weitere Blogposts:
Auch Nadia hat sich über Weldings Text Gedanken gemacht.
Antje Schrupp schreibt über die hohe Kunst, “Kackscheiße” zu sagen oder auch nicht
Der Gurkenkaiser hält Maltes Beitrag für eine Falle
Von Claudia, die sich erst nicht traute und dann genau diesen Ausdruck brauchte



4 Trackbacks »

    12 Kommentare »

  • d∆]V[∆x schreibt am 15. August 2012 um 11:42

    Oder um es kurz zu machen: plzdiekthxbye :-D

  • An Ke LaTrille via Facebook schreibt am 15. August 2012 um 11:54

    Das Problem: Herr Welding verwechselt da ein Label oder meinetwegen auch ein tag mit einem Argument. Was ziemlich absurd ist, denn so genau muss man gar nicht hinschauen, um zu sehen, dass “kackscheiße” kein Argument sein kann.

  • Lars schreibt am 15. August 2012 um 11:56

    Word!

  • erespe schreibt am 15. August 2012 um 12:09

    genau, nich sagen, machen oder so: http://44grad.wordpress.com/

  • Butterflythoughts schreibt am 15. August 2012 um 12:32

    Der Slogan sexistische Kackscheisse soll hinweisen. Ob er immer angebracht ist oder ob er inflationär gebraucht wird, kommt auf den Verwender an. Aber das ist das generelle Problem mit Sexismus. Manche deuten jeden Kommentar, der sich auf das Geschlecht bezieht als Sexismus, einige finden sexistische Sprüche solange “okay”, wie es von einer attraktiven Person kommt oder sie es als Scherz verstehen (wollen?). Das richtige Mittelmaß zu finden ist schwer. Das inzwischen solche derben Worte fallen, liegt aber daran, dass alles andere nichts nutzte. Und sich einzugestehen, dass man etwas gut findet, was als sexistische Kackscheisse definiert wurde, ist unangenehm. Weil als Sexist will man nicht gelten, das klingt irgendwie negativ. Deswegen versucht man ja runterzuspielen: “Das soll doch einfach nur witzig sein”, “Ich seh da gar nichts sexistisches dahinter”, “Manche sind doch einfach nur überempfindlich”.

  • Ungebeten schreibt am 15. August 2012 um 13:52

    Malte hat recht. Ich kann dieses Gefluche, diesen ständigen Alarmismus nicht mehr hören/lesen. Besonders die Piraten werden mir dadurch verleidet. Vielleicht gerade weil ich inhaltliche Affinitäten habe, geht mir dieses Rumgeschreie noch mehr auf die Nerven. Wäre das Real Life, würde ich die Kneipe wechseln, mich in ein anderes Abteil setzen, was auch immer. Hauptsache ich muss das ständige Geprolle nicht mehr hören.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 15. August 2012 um 14:02

    @Ungebeten Also weil Du das “Shitstormgehabe” und den “Alarmismus” nicht mehr hören/lesen kannst sollte man möglichst darauf verzichten Ismen zu verwenden?

  • Emanon schreibt am 15. August 2012 um 15:12

    @Ungebeten, aber auch zu Malte Wedding (“Ungebeten” ist wahrscheinlich eher ein Troll)
    Und die ganzen Feuerwehrsirenen stören dich sicher auch, oder? Da sind sicher auch einige Fehlalarme dabei oder Feuer, deren Löschung genauso viel Schaden verursacht, wie das Feuer selbst.

    Das Vergleich hinkt nicht. Das ist genau deine Argumentation. Der von dir so bezeichnete Alarmismus ist eine notwendige Abwehrreaktion auf, die im Detail auch mal daneben gehen kann, aber das ist nunmal so. Was du machst, ist eine verkürzung der Kausalkette auf das dich am nächsten betreffende Problem – die Lautstärke der Sirenen – weil du keine Lust hast, dich mit den eigentlichen Verursachern auseinanderzusetzen.

    Und solange wir ein ungerechtes Lohngefälle zwischen den Geschlechtern haben und sonstige rechtliche, ökonomische und soziale Ungerechtigkeiten nicht beseitigt sind, ist eine Ansprache des Problems nunmal notwendig.

    Was Malte im Besonderen hier verkennt, ist dass zu unterscheiden ist, wie man gesellschaftlich auf solche Probleme reagiert. Er folgt hier einer Wunschvorstellung, dass derjenige, der etwas rassistisches getan hat, mit aufgeklärten und ruhigen Worten davon zu überzeugen ist, dass unangebracht war.

    Das ist aber nur im Einzelnen der Fall. man muss seine Sprache demjenigen anpassen, den man zu überzeugen versucht. Vor dem Hintergrund wird es Menschen geben, die man vorsichtig anfassen muss, damit sie nicht beleidigt sind. Insofern hat er da recht. Es wird aber auch Menschen geben, die leider nur aus Opportunismus heraus Meinungen vertreten und nicht aus Überzeugung.

    Aus diesem Grunde gibt es in Europa auch viele, die Antisemitismus für etwas ganz schlechtes halten, aber keine Lust auf südländische oder muslimische Schwiegersöhne haben.

    Diese Menschen haben nicht das System der Intoleranz verstanden und abgelegt, sondern folgen der Masse ohne ihre eigene Ansicht reflektiert zu haben. Und für diese Menschen sind die rosa Aufkleber, Alice Schwarzer und “Alarmglocken” nunmal sehr hilfreich.

  • anon schreibt am 15. August 2012 um 17:32

    @Daniel, hör doch bitte endlich auf, das Wort Shitstorm zu benutzen.
    Das klingt bei dir, obwohl nur geschrieben und nicht ausgesprochen, so bescheuert.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 15. August 2012 um 18:18

    @anon Okay, nenne es Kotzsturm. Hast natürlich recht!

  • john schreibt am 4. Oktober 2012 um 22:22

    dieser Post ist ein gutes Beispiel dafür, dass Malte Recht hat.
    Und wenn ihr wirklich euch über alle *ismen (auch das ist schon als Begriff überstrapziert) aufregen wollt, selbst wenn sie euch nicht betreffen, sucht euch ein seriöseres Wort. Ich würde ja sagen explizit statt implizit, sagt Sexismus wenn ihr es meint, sagt Islamismus, sagt Rassismus, nicht *ismus und Kackscheisse. Vor allem nicht Kackscheisse, das ist ein absolutes Nonsensewort, Fäkalsprache und Grundschulniveau.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 5. Oktober 2012 um 01:35

    @john ich weiß sachen erklären ist doof, aber die ironie ist dir bewusst, dass dieses vokabular vor allem als zynischer kommentar aufgegriffen wird? dennoch würde mich interessieren, was du anstelle der “überstrapazierten” *ismen nutzt.
    imho birgt es einer unvergleichlichen arroganz zu meinen, dass man über themen nur diskutieren kann, wenn der ton seriös sei.

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