Malte Welding, Du schreibst herrliche Kackscheiße

Kackscheiße

Malte Welding hat einen Post veröffentlicht indem er dazu aufruft weniger “sexistische Kackscheiße” zu sagen. Ich kann den Ansatz den Malte verfolgt eventuell verstehen, doch der Post geht gar nicht. Beispiel gefällig?!

“Nun ist es natürlich eine wunderbare Sache, in jedem Werbeplakat einen Sexismus zu sehen oder Exotismus oder Wasweißichismus. Da kann man dann saftig reinkloppen und mit Sicherheit bekommt man vier oder fünf Kommentare, die sagen: Ha, genau.”

Klaro, das ist natürlich reine Profilierungssucht und Provokation. Wenn Du etwas beim Namen benennst machst Du es nur, weil Du “saftig reinkloppen” und dann dafür Bestätigung willst. In diesem Sinne: Gebt mir ein “Word!”

Malte stellt mal eben in einem Absatz ein ernstes Anliegen als profane Klopperei dar. Apropos Profan. Genau darum geht es ja auch irgendwie. Die derbe Sprache. Ich bin ein Fan von Profanitäten und verwende Sie häufig. Malte sieht die Gefahr, dass man Leute nur damit beleidigt und diese dann gar nimmer nachdenken wollen. Wir sind umgebeben von Mimosen, die bei jedem “Fuck!” und “Kackscheiße” zusammenzucken. Im schlimmsten Fall das Hirn ausschalten und weinend in der Ecke kauern.

Natürlich kannst Du mit Gefluche Leute abschrecken. Keine Frage! Doch – und diese Simplizität kann Welding der Menschheit nicht absprechen – die meisten horchen auf, wenn es laut und frech wird. Shitstorms und Rants a la Regener sind der (traurige?!) Beweis. Also ab sofort immer nur sagen: “Ey Du, echt jetzt, finde ich voll nicht korrekt von Dir, dass Du so redest. Denk mal drüber nach. Thanx, danke, peace!”

Natürlich, der dosierte Einsatz ist da imho wichtiger als eine dauerhafte Überstrapazierung oder ein vollständiger Verzicht auf Schimpfwörter. Ich vergleiche das immer gerne mit Musik. Wenn auf einem sonst zarghaften ruhigen Songwriter-Album einmal das Wörtchen “Fuck” fällt, horchst Du auf. Was war das für eine Stelle, wieso wird da so gesprochen?!

Bei Alben die die Profanität feiern bleibt lediglich der wütende Gesamteindruck zurück. Aber ist das eine jetzt richtig und das andere jetzt falsch? Definitiv nicht! Falsch dagegen liegt Welding. Du kommst nicht drumrum Dir folgenden Satz bei einer Wohnungsbesichtigung bei ihm vorzustellen:

“Und das sind meine Spardosen. Die blaue ist für Flüche, das hab ich von meinen Eltern gelernt. Und die rote, das war meine eigene Idee, die ist für Ismen.”

Wie jetzt?! Ismen sollte man auch nicht verwenden?! Ganz genau, so schreibt Welding:

“Benutzt möglichst keine Ismen (ich habe es selber viel zu oft getan). Ihr macht es euch damit zu einfach, Ihr kürzt Eure eigenen Denkprozesse ab, Ihr seid letztlich zu faul.”

Soso, also nicht nur profilierungssüchtig und Lust an Provokation. Nein, Ihr seid auch noch (denk-)faul und gemütlich! Mit ein wenig Phantasie mag man entziffern können was Welding meinen könnte. Will er eventuell sagen, dass es schwierig ist Leuten mit einem Soziolekt und Theorien zu kommen, wenn diese niemals damit vorher in Berührung kamen? Das wäre ein berechtigter Einwand.

Du kannst niemanden mit PoC und Critical Whiteness kommen, wenn er z.B. nie was vom “positiven Rassismus” hörte. Ein Soziolekt ist per se elitär und richtet sich an eine bestimmte Gruppe. Wenn Du außerhalb dieser Menschen erreichen willst, dann musst Du durchaus anders reden. Aber Dinge nicht mehr beim Namen nennen?! Auf Profanitäten verzichten?! Da schmettere ich ein ziemlich lautes WHAT THE FUCKING FUCK FUCK entgegen. Das was Du schreibst, lieber Malte, ist ziemlich herrliche Kackscheiße.

Die Reaktionen auf Weldings Text

Hier einige Reaktionen auf Twitter, ich habe mich bemüht auch gegensätzliche Aussagen zusammenzustellen. Die Pro-Weldings kommen weiter hinten.


Malte Welding und die Kackscheiße

Ist derbe Sprache einer Sache schädlich?! Ist sie infantil? Wie reagieren andere auf Malte Weldings Aufruf weniger Ausdrücke wie "sexistische" oder "rassistische Kackscheiße" zu benutzen?!

Storified by Kotzendes Einhorn · Wed, Aug 15 2012 15:57:01

Herrklärungsmalte belehrt wann man was sagen darf und wann’s zu viel ist. #donotwantfasel
aber dass er sich mit sexistischer Kackscheiße nicht auskenne, kann man zumindest nicht sagenfasel
.@maltewelding der autor von "verliebt verkackt verheiratet" beschwert sich darüber dass leute "kackscheiße" sagen. was es nicht alles gibt.TheGurkenkaiser
Kackscheisse sagt man nicht, die macht man nur. Als Ergebnis der Konstitution von Machtverhältnissen.Jens Ohlig
Meine TL treibt eine Sau durchs Dorf. Sie hat sich in Kackscheiße gewälzt. Ich stehe verständnislos am Straßenrand und schau zu.punycode
ich sag ja nur ‘kackscheiße’ weil ich den begriff ‘weldingerei’ zu hart finde.yetzt
Finde "sexistische Kackscheiße" auch nicht mehr angebracht. Besser wäre: "Überbeschissene sexistische Fickfuckkackwurstscheiße"Josi Bility
Das einzige Argument gegen "Kackscheiße"-Sagen: Es gibt so viele schöne andere Möglichkeiten, zu sagen, dass jemand Müll redet ;)Gender_verrückt
Das Wort "Kackscheiße" ist der sprachkritischen Betrachtung nicht wert.Clemens Gatzmaga
@elitemedium Immer wenn die reichlich dümmlichen Begriffe Kackscheiße und Gender ernstgemeint fallen, sollte man lächeln und entfolgen.Suhrbier
Ihr solltet übrigens auf Malte Welding hören. Er beschreibt nämlich den Grund, warum kein Mensch mehr mit euch reden will.Hagen
Ja, ja, ja! Endlich schreibt mal jemand aus, wofür ich zu faul war. http://www.malte-welding.com/2012/08/15/ismismus-sagt-seltener-sexistische-kackscheise/Mathias
(Außerdem ist das Wort "Kackscheiße" hochgradig unästhetisch und seine Benutzung als inflationär zu bezeichnen wäre noch untertrieben.)Mathias
Erstmal "kackscheiße" muten.Lilly W.
Anstatt über den sexistischen Murks zu reden kann man natürlich auch diskutieren ob „Sexistische Kackscheiße“ ein angemessener Begriff ist.Ben

Weitere Blogposts:
- Auch Nadia hat sich über Weldings Text Gedanken gemacht.
- Antje Schrupp schreibt über die hohe Kunst, “Kackscheiße” zu sagen oder auch nicht
- Der Gurkenkaiser hält Maltes Beitrag für eine Falle
- Von Claudia, die sich erst nicht traute und dann genau diesen Ausdruck brauchte

Von: Daniel • Tags:

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