Pussy Riot nervt – Wie man den Protest (chauvinistisch) kleinredet

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Pussy Riot

In Blogs und vor allem Kommentaren kannst Du es immer wieder beobachten. Pussy Riot nerven. Sie seien selbst Schuld. Auch in Deutschland würden sie bestraft werden. Das sei alles nur ein Hype. Pussy Riot inszenieren sich / die Medien berichten nur, weil sie sexy sind. Letzeres gerne mit Hinweis aus die Festnahme von Kasparow.

All diese Vorwürfe sind imho viel nerviger als die Berichterstattung oder der angebliche Hype. Ich mag hier mal auf die immer wieder vorgetragenen Punkte eingehen. Es geht nicht darum Dich als Kritiker zu widerlegen, denn vieles ist Empfindung oder Meinung. Da gibt es manchmal kein Richtig oder Falsch. Wenn Dich ein Thema nervt, dann nervt es Dich. Mich nerven oft Sportgroßereignisse und schlechte Musik. Ich hoffe, dass ich zeigen kann, dass in vielen Kritikpunkten Untertöne mitschwingen die Du bestimmt nicht anschlagen willst. Und wenn doch, GTFO!

Nach deutschem Gesetz wären sie auch verurteilt wurden

Gerne wird auf die §166 und §167 des StGB verwiesen. Dort steht, dass man für Aktionen wie sie Pussy Riot durchführten bis zu 3 Jahre Gefängnis bekommen könnte. Oder eben eine Geldstrafe. Frischen Wind hat dieses Argument bekommen, da auch Russland sich darauf beruft, dass die Künstlerinnen in Ländern wie Deutschland auch bestraft worden wären.

Wie ein Prozess in Deutschland ausgesehen hätte, lässt sich vorerst nur vermuten. Ich würde auf ein Ordnungsgeld tippen. Was ich auch angebracht fände. Aber eine Gefängnisstrafe für 30 Sekunden Punkrock in einer Kirche?! Ein Kommentator stellte bei mir ein Gedankenspiel vor: Wie wäre es, wenn es keine feministischen Künstler in Russland gewesen wären sondern eine rechtsextremistische Partei. Und die Kirche eine Moschee, oder Synagoge. (Siehe hierzu auch den Abschnitt „Okay, aber wieso denn so Provo? Wieso ausgerechnet in einer Kirche?“)

Das hinkt natürlich total. Eine Gruppe die gegen Diskriminierung und eine die dafür ist. Politik vs politische Kunst. Rechstextreme vs Feminismus. Verknappt zusammengefasst wurde dann damit argumentiert, dass das Bedrohungspotential in Russland durch Pussy Riot vergleichbar wäre mit z.B. ProNRW in Deutschland. Aha! Funktioniert mit der Extremismusdefinition von Kristina Schröder im Kopf allerdings hervorragend.

Doch der Hauptpunkt der bei dem Verweis auf bestehende Gesetze außer Acht gelassen wird, ist der Ablauf des Prozesses. Die lange U-Haft, die endlosen Zeugenaufnahmen, der Verweis auf Gesetze aus dem 7. Jahrhundert, das alles trotz Kindern und nicht vorhandenen Vorstrafen. Ich könnte so weitermachen… Und ja, Pussy Riot hätten in Deutschland wahrscheinlich auch eine Strafe bekommen. Aber was willst Du damit sagen? Andere Länder andere Sitten Gesetze, also Schwamm drüber?!

Wie das in etwa in Deutschland aussehen könnte, können wir dank drei AktivistInnen erfahren, die im Kölner Dom eine Solidaritätsaktion nach Vorbild von Pussy Riot durchführten. Auch hier war der Ort nich unüberlegt gewählt. Dompropst Norbert Feldhoff hatte bereits zu Beginn des Prozesses in Russland angekündigt, dass ein solcher Auftritt auch im Kölner Dom nicht toleriert würde. Sie erhielten eine Anzeige wegen Störung der Religionsausübung, dem Paragraphen, der so gerne zitiert wird.

Pussy Riot ist ein Hype, das nervt

Das ist ein Punkt bei dem eine Befürchtung, vielleicht sogar eine Sorge mitschwingt. So formulierte z.B. Achse-des-Guten-Autorin Sibylle Berg es auf Twitter:

Ja, es kann durchaus sein, dass der Spuk in ein paar Monaten aus den Medien ist. So funktionieren (Massen-)Medien. Und ja andere Fälle bekommen nicht die Aufmerksamkeit. Und es gibt diese Fälle. Gerne wird da auf die aktuelle Festnahme Kasparows verwiesen, der seit Jahren oppositionell arbeitet. Nur, wo wurde Kasparow festgenommen? Doch wohl bei einer Demonstration für Pussy Riot. Und sollte es zu einem Prozess gegen ihn kommen, mit angedrohten fünf Jahren Haft für einen angeblichen Fingerbiss, so hoffe ich doch, dass Blogger und Medien auf den Zug aufspringen. Bei der Festnahme der drei Frauen von Pussy Riot oder der Aktion selbst war das Medienecho ebenfalls gering.

Diese Kritik lässt gerne außer Acht wie Medien funktionieren. Es wird schließlich auch eine Nachfrage bedient. Dass das oft schade ist, ist nicht abzustreiten. Aber dass ein Interesse an dem Thema über Monate geschürt wurde welches jetzt in dieser umfassenden Berichterstattung gipfelte ist im Hype-Vorwurf nicht inbegriffen.

Doch vor allem unterschwellig schwingen hier Ansätze mit, die ziemlich eklig sind. Zum Einen, dass man Pussy Riot selbst den Hype-Vorwurf anlasten könne. Natürlich wollen sie auf ihre Sache aufmerksam machen, deswegen waren sie bereit dieses Risiko einzugehen. Natürlich wollen sie eine Masse erreichen. Wie dumm wäre denn ein Protest den keiner mitbekäme?! Es wäre so einfach wenn wir alle wüssten wie man einen Hype konstruiert. Wenn Du dieses Argument ernsthaft bringst. Dann geh in die Werbung, Du könntest Millionen scheffeln.

Natürlich lässt es sich nicht abstreiten, dass Pussy Riot viele ikonische Elemente vorweisen können. Die Strickmasken als Erkennungsmerkmal als Beispiel, aber ist ihr Anliegen deswegen weniger Ernst zu nehmen? „Oh sorry, ich nehme niemanden ernst der Punk spielt und ne bunte Strickmaske trägt.“ – Auch wenn er mit Recht ein Regime und das Machtverhältnis der Kirche kritisiert?

Du musst es eher so formulieren: Wenigstens bekommen Pussy Riot die Aufmerksamkeit, die anderen Kritikern verwehrt bleibt.

Sexy, sexy, sexy

Die berichten ja nur, weil die sexy sind. Der Name ist sexy, die Frauen seien es und überhaupt. Woha, Chauvinismus here we go. Muss ich da wirklich mehr zu sagen? Du findest also vielleicht Nadia Tolokonnikova hübsch? Oder Jekaterina Samuzewitsch? Oder Marija Aljochina? Was hat das mit der Sache zu tun?
Worte die Du auch mit diesem Argument verwenden kannst: Tittenbonus, weibliche Reize und blablabla… Geht’s noch?! Pimmel sind nicht zum Denken da, die Libido auch nicht.

Und ganz davon ab. Pussy Riot sind nicht Femen, die nackig rumlaufen. Klar, Nadia hat bei ähnlichen Aktionen mit Voina bereits mitgemacht. Doch auch das sind nur Formen des Protestes. Du kannst sicherlich immer die Form kritisieren. Zu Recht! Doch sei nicht sexistisch und/oder oberflächlich!

Gleichschaltung der Medien

Und die Blogger, die sind natürlich von den Massenmedien gesteuert und folgen wie die blinden Lemminge. Weil so funktioniert das. Gleichschaltung der Presse, natürlich – auch wenn der Begriff darauf anspielt – nicht wie zu Zeiten der NS-Herrschaft. Und natürlich auch nicht so, wie Eva Herman das meint. Vielleicht so wie Günter Grass das meint? Es ist ein Argument, das auf eine Nazi-Terminologie zurückgreift und als Behauptung einfach hingestellt wird. Wie soll ein Kommentator auch nachweisen können warum jemand über ein Thema schreibt?! Und vor allem wie soll das ein Autor ihm widerlegen? Niemand würde seine (unbewusste) Manipulation doch zugeben. Verschwörungstheorien deluxe! Eine wunderbare Pattsituation.

Selber Schuld

Ja, Pussy Riot konnten mit dem Urteil rechnen. Ich bin persönlich auch der Meinung, dass sie das einkalkulierten. Doch bei „selber schuld“ schwingt halt eben auch der Vorwurf der „Dummheit“ mit. Manche drücken das auch unverblümt in einem Satz aus. So sagte eine Freundin, Pussy Riot seien Idiotinnen, die sich (und ihre Kinder) mit einer nicht durchdachten Doofmannsnummer um Kopf und Kragen brächten. Der Vorwurf der Dummheit ist hier deutlich im Vordergrund.

Aber sind Ai Weiwei, Salman Rushdie, Zhao Zhao, Nelson Mandela, Rosa Parks auch IdiotInnen? Dumm? Dies soll nicht das Regime Putin mit anderen unterdrückerischen Systemen auf eine Stufe stellen. Aber allen Erwähnten ist gemein, dass sie das Risiko kannten oder kennen konnten. Sie haben dennoch gekämpft und in einigen Fällen auch mit den Mitteln der Kunst. Ganz bestimmt nicht weil sie dumm sind oder Dummes taten.

Gerade dieser Punkt fällt wohl arg in den Bereich der Meinung, schließlich sagt der oppositionelle russische Anwalt und Blogger Alexej Nawalny im aktuellen Spiegel:

„Die Aktion selbst finde ich abscheulich. […] Deshalb habe ich auch erklärt, dass die Mädels eine Dummheit begangen haben. Dummheit ist aber kein Strafbestand.“

Dies von einem orthodoxen Christen, der betonte, dass der Prozess ihn an eine mittelalterliche Inquisition erinnerte.

Okay, aber wieso denn so Provo? Wieso ausgerechnet in einer Kirche?

Eines vorweg. Ich bin ein Fan des sogenannten poetischen Terrorismus nach Hakim Bey. Die Aktion von Pussy Riot war für mich poetischer Terror in Reinform. So schreibt auch Bey in seinem Standardwerk Temporäre Autonome Zone:

„Verkleidet euch. Benutzt Falschnamen. Seid eine Legende. Der beste PT ist gesetzeswidrig, laßt euch aber nicht erwischen. Kunst als Kriminalität, Kriminalität als Kunst.“

Kann man gut übertragen, oder? „Laßt euch aber nicht erwischen“, mal ausgenommen. Es ist zu einfach die Aktion zu diskreditieren, weil man als gescheiterter Liedermacher Punk doof findet, oder weil man es zu provokant findet. Protest soll immer lieb und brav sein? Yeah, surely. Nochmal deutlich: Hier wurde keine körperliche Gewalt ausgeübt, es war lediglich Musik! Und die Kirche?! Darüber lässt sich durchaus streiten. In wie weit war das okay? Nur wissen viele der Kritiker nicht WARUM diese Kirche ausgewählt wurde. Verzilov erklärte es in einem Interview mit dem Guardian:

What’s not in dispute is that Pussy Riot did cause offence. But that was the point. “The church of Christ the Saviour was chosen for very specific, symbolic reasons,” says Verzilov. “It was blown up by Stalin to show his power against the church and in the 60s was turned into a swimming pool.” And then the Soviet Union collapsed. “And Moscow’s first post-Soviet mayor, Luzhkov, decided to rebuild the cathedral. At that time, in the early 90s, the most successful commercial enterprise in the country was organised crime, and he said I need $1bn and whoever doesn’t pay is going to jail. “It became a very important governmental symbol. And it’s supposed to be the most sacred place in Russia. But it’s very commercialised: there’s a massive parking garage under it, and banqueting halls you can hire out for $10,000 a day.

Sind das jetzt Denkanstöße? Oder was willst Du mir damit sagen?

Nope, es sind meine Ansichten. Mal mehr, mal weniger fundiert. Denkanstöße ist ein hässliches Wort, es unterstellt Dir, dass Du nicht denken würdest und Hilfe dabei bräuchtest. Das kann ich jetzt natürlich nicht ausschließen, mag ich aber auch nicht per se vorwerfen. Nur habe ich einige der Debatten unzählige Male geführt. Hier auf diesem Blog wie auch privat. Dies ist lediglich ein Konglomerat zu meinen Ansichten zu all diesen Vorwürfen. Vielleicht einfach nur, dass ich diesen Link posten kann, wenn jemand das nächste Mal kommt und genervt vom Pussy Riot Hype ist oder eine anti-russische Gleichschaltung der Medien propagiert.

Und was passiert dann? Ein kurzer Blick hier drauf und dann ein Kommentar: tl;dr! Das nächste Mal, mal ich ein Bild. Versprochen!

    21 Kommentare:

  • JFSebastian schreibt am 20. August 2012 um 20:45

    haste schön geschrieben, und zu lang ist es überhauptnicht.

  • Luise Goerges via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 21:23

    Danke!

  • Susanne von Literaturschock via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 21:43

    Auch von mir: Danke :-)

  • Guido Pauly II via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 21:53

    In Deutschland gäb’s gar nix und das ist auch gut so. Während der Messe im Kölner Dom stürmten ein paar Mädels mit Häkelmaske zum Altar und der Pfarrer sprach mit ihnen und schloss die Mädels von Pussy Riot in sein Gebet ein. Was allerdings an diesem Thema nervt ist: 1) Was hat man denn von Russland bzw. Putin anderes erwartet? 2) Zeitgleich werden Dutzende Minenarbeiter, die für bessere Arbeitsbedingungen demonstrieren, in Südafrika niedergemetzelt und dieses Verbrechen findet kaum Beachtung, weil die ganze Welt „Free Pussy Riot“ brüllt.

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 21:59

    Guido Pauly II Mhm, Punkt 2 sollte ich gleich mit aufnehmen in den Text. Das berühmte „Es gibt weitaus wichtigeres!“ – Ja…

  • Susanne von Literaturschock via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 22:04

    Es gibt immer wichtigeres. Wo soll man anfangen? Wo soll man es beenden?

  • Nycroft schreibt am 20. August 2012 um 22:05

    ich mag dich! =)

    ich bin ja ein feind von tradition und religion die damit einhergeht.

  • Rocketoire Radio via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 22:30

    Wurde mir auch gerade geschickt. Finde Ihre Denkanstöße sehr gut durchdacht und würde mir wünschen, mehr Leute zu kennen, die diese Bereitschaft haben eine solches Thema von A bis Z zu durchleuchten.

  • Janik schreibt am 20. August 2012 um 22:51

    So sieht sowas in Deutschland aus http://www.welt.de/print-welt/article646090/Erneut-Gefaengnisstrafen-fuer-Kirchenstoerer.html

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 20. August 2012 um 23:06

    @Janik Scheint mir ein legitimer Vergleich. Wiederholungstäter auf Bewährung der ohne politisches oder künstlerisches (jedoch mit vermeintlich religiösem) Motiv eine Trauerfeier stört. 1:1 übertragbar.

  • Peter Goettler via Facebook schreibt am 20. August 2012 um 23:22

    also wenn jemand nervt, dann ist es sybille berg.

  • hannah schreibt am 21. August 2012 um 08:55

    danke für deinen Text! :-) auch extremst nervig finde ich die tatsache, dass den girrrlz der politische und v.a. feministische hintergrund aberkannt wird!
    hier ein post von mir hierzu: http://www.kaetzchen-kotz.com/

  • Thomas schreibt am 21. August 2012 um 11:19

    @Peter: Word!
    @ Daniel: Toll geschrieben und gut durchdacht. Und ganz und gar nicht tl:dr – ein Bild zusätzlich wäre aber tatsächlich klasse.

  • role schreibt am 21. August 2012 um 12:11

    Du hast es richtig erkannt: Nicht Pussy Riot nerven, sondern die vielen Kommentatoren, die entweder aus ideologischen Gründen, oder aber aus Oberflächlichkeit das Thema nicht so behandeln, wie es dieses verdient hätte.
    Ob die Aktion der Mädels gut oder schlecht war, ist nicht entscheidend. Das Geschehen an sich ist ein künstlerischer Akt. Den kann ich gut finden oder nicht – wie einem Dürer oder Beuys. Wie einen Schiller oder Vian und wie Bach und meinetwegen den deutschen Schlager (sofern wir letzteren als im weitesten sinne künstlerisch ansehen). Geschmackssache, unwichtig. Vorausgesetzt ich verstehe mich nicht als einen professionellen Kritiker.
    Wichtig ist die politische Komponente. Und hier sitzt auch der Skandal. Dabei geht es weniger um das Urteil an sich, denn aufgrund der dortigen Gesetzgebung, scheint es im Rahmen zu liegen. Es geht um die Verquickung zwischen Politik und Justiz. Es geht um die Prozessführung und auch um die Rolle des Staatsapparates. Die Kritik muss also im Systemischen geschehen. Und da ist es egal ob es sich um Pussy Riot, Kasparov oder den uns unbekannten sibirischen Bauern handelt, der wegen Gasvorkommens unter seinem Acker enteignet wird.
    Und noch etwas weiteres vermisse ich in dem ganzen wohlfeilen Protest von Westerwelle bis Madonna. Eine aufrichtige Kritik der eigenen systemischen Schwächen im sogenannten Westen.

  • kat schreibt am 21. August 2012 um 13:19

    Merci. Meine Gedanken. Zum Thema „In Westeuropa wären sie aber auch verhaftet worden und so“ kann ja mal nachlesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Notre-Dame_Affair am Ostersonntag 1950 in Paris.

  • Zahnwart schreibt am 21. August 2012 um 13:47

    Drei Punkte: Die Pussy-Riot-Aktion war gut und wichtig, sowohl ästhetisch wie inhaltlich. Die Kritiker sind teilweise interessengesteuert (und zwar von rechts), teilweise einfach unbedarft. Und schließlich: Die Berichterstattung über Pussy Riot passt perfekt zu einer Berichterstattung über Russland, die wirkt, als ob der Kalte Krieg nie beendet worden sei.

    Indem man sich mit Pussy Riot solidarisiert, spielt man einer Politik in die Hände, die Russland immer noch als Reich des Bösen identifiziert, mit einer Führungsschicht, die diktatorisch agiert, korrupt ist, ultrabrutal. Dabei ist Russland momentan auch: ein zunehmend selbstbewusster Akteur auf der Weltbühne, ein wirtschaftlicher Konkurrent für USA und EU – da passt es gut, wenn man dem ein wenig am Zeug flicken kann, zumal wenn die Kritik ja durchaus berechtigt ist.

    (Ähnliches dachte ich auch bei den Protesten gegen die Festnahme Ai Weiweis: Da waren die Proteste zwar auch gerechtfertigt, und nichtsdestotrotz protestierte man damals Seit an Seit mit Leuten, deren Motive nicht so edel waren wie die eigenen.)

  • Zahnwart schreibt am 21. August 2012 um 14:11

    Ach so, Sibylle Berg als „Achse des Guten“-Autorin? Meines Wissens nach zweitverwertete Berg vor fünf, sechs Jahren ein paar Texte in Broders neokonservativer Sandkiste und verschwand dann wieder. Nicht dass ich Bergs politische Positionierungen unproblematisch finden würde – aber mit diesen Gestalten hat sie doch eigentlich wirklich nichts am Hut.

  • holla schreibt am 21. August 2012 um 14:40

    Der Vergleich mit ProKöln/rechtsextrem und Synagoge/Moschee hinkt noch in einer weiteren Art und Weise.
    Es wurde von einer gesellschaftlichen Minderheit (was Feministinnen zweifelsohne in Russland sind) in einem herrschaftlichen Symbol (die orthododxe Kirche als staatsnah, Mehrheitsreligion etc.). Extreme Rechte sind – insbesondere in Russland – keine unterdrückte Minderheit (auch wenn sie sich als eine darstellen), sondern Teil der Mehrheitsgesellschaft, sie können gesellschaftliche Diskurse mitbestimmen, haben selten bis kaum Nachteile etc.. Dieses dann auch noch in einer Moschee/Synagoge, welche – auch wenn man ihr kritisch gegenübersteht – zu einer gesellschaftlich stigmatisierten Gruppe gehört, wäre eher ein Akt des politischen Terrors gegenüber Minderheiten und hat mit Kunst und/oder Streben nach einer besseren Gesellschaft auch rein GAR NIX zu tun.
    Mir sind die Frauen schon deshalb sympathisch, weil sie zeigen, was für ein Potential auch in Musik stecken kann. Während man sich hier in Altherrenmanier den großen Gefühlen hingibt oder aber seine Zeit als Rebell neben dem Marketingstudium verplempert, geht das doch auf die Ursprünge der Teenage Rebellion zurück. Also das Infragestellen von Herrschaft und das nicht bloß als hohle (weil sichere Phrase) auf der Bühne, sondern mit dem Wissen, dass die Sache harte Konsequenzen haben kann.

  • Nilsson Karlson via Facebook schreibt am 21. August 2012 um 19:16

    den Artikel habe ich nach den ganzen stumpf-dumpfen Hauruck-Kommentaren gebraucht.

  • Sejfuddin Dizdarevic via Facebook schreibt am 21. August 2012 um 21:41

    „Wie ein Prozess in Deutschland ausgesehen hätte, lässt sich vorerst nur vermuten.“ Brauchst du nicht zu Vermuten. Das gab es schon. Nur die scheinheilig der Medien besteht darin dass du im Jahr 2004 als das in BRD aktuell waer, kein marodierendes Feuillton hattest, weil die Menschenrechte nur dann entdeckt werden wenn sie in einem Land missachtet werden die irgendwie zu uns in Konkurenz stehen http://www.berliner-zeitung.de/archiv/das-landgericht-mainz-bestaetigt-haftstrafe-gegen-kirchenstoerer-roy-und-seinen-komplizen-zur-busse-ins-gefaengnis,10810590,10216452.html

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 21. August 2012 um 21:59

    @Seijfuddin Ist in den Kommentaren bereits erwähnt wurden. Kurz: Wiederholungstäter auf Bewährung, kein künstlerischer Anspruch. Nicht vergleichbar imho.

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