Massenproteste in Spanien – Was passiert da?

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Erneute Massenproteste in Spanien

Bereits im Mai 2011 kam es zu extremen Massenprotesten in Spanien. Sparmaßnamen, Banker und Politiker sind Stein des Anstoßes. Das stimmte die Politik nachdenklich. Aber wie das in der Politik oft so ist führte das Nachdenken nur zu reaktionären Quatsch und man wollte Proteste stärker bestrafen. Doch all die Drohungen konnten die aktuellen Proteste nicht unterdrücken.

Demnach versammelten sich am Dienstagabend tausende Menschen vor dem Parlament um gegen die spanische Sparpolitik zu demonstrieren. Gleichzeitig denkt die autonome Region Katalonien darüber nach sich von Spanien abzuspalten. Schon früher in diesem Monat gingen 1,5 Millionen (!!!) Katalonen dafür auf die Straße, wie der Guardian berichtete.

Die etablierten Medien sollen die Proteste verpennt haben und so erreichte u.a. die Tagesschau ein Shitstorm auf den sie etwas trotzig (sic!) reagierte:

„Um es klar zu sagen: Wir berichten nicht, weil es einen Shitstorm gibt. Ein Shitstorm veranlasst uns aber auch nicht zu berichten, wenn die Lage sich verändert hat. Motive wie Trotz oder Verärgerung sind uns fremd.“

Selbst andere Medien warfen der Tagesschau in ihren Statements Arroganz vor. Gleichzeitig stehen die Zahlen der Demonstranten in der Kritik, da sich viele Nutzer nicht mit den Schätzungen der Anzahl der Demonstranten zufrieden geben. Die Rede ist oftmals von 2.500 bis 6.000 Menschen. Zugegeben, ich kann absolut nicht schätzen, aber als jemand der auf weitaus größeren Demos war scheint mit diese Zahl angesichts der Bilder doch arg untertrieben.

Mittlerweile verlässt man sich scheinbar nicht nur auf die offiziellen Angaben, so heißt es in einem Bericht zur gestrigen Nacht, dass ARD-Korrespondent Stefan Schaaf die Zahl auf mindestens 5000 Menschen schätzte.

Ich werde mich bemühen hier einige Updates und Infos zusammenzutragen, wie ich das auch schon vor anderthalb Jahren machte. Here we go:

Updates vom 27.09. – 20:33
– Eine gute Informationsquelle ist The Real News
Dank exzessiver Staatsgewalt eskalieren die Proteste gegen die Sparpolitik in Spanien.
Max hat ein bemerkenswertes Bild aufgetan. Es zeigt einen Barbesitzer, der Protestierenden Zuflucht in seiner Bar gewährt und den Cop nicht reinlässt.
Ronny zeigt ein Video eines prügelnden Polizisten und wie Kameraleute und Fotografen einschreiten. Nämlich gar nicht.

Updates vom 28.09. – 15:50
– In Deutschland konzentriert sich die Debatte um Spanien vor allem auf die Aufgabe der Tagesschau. Der Spottblog hat den Vorfall zeitlich analysiert.
– Auch Anonymous wollen in Spanien mitmischen und rufen kurzerhand die Operation Spain aus. So fanden einigen Berichten zufolge u.a. Angriffe auf Webseiten der spanischen Regierung statt.
– Eine weitere Informationsquelle dürfte diese Seite von Muschelschloss sein.

Update vom 28.10. – 14:30
Auch einen Monat später gibt es weiterhin Massenproteste in Spanien. Ein paar Infos gibt es hier. Dieses Bild wurde gestern in Madrid geschossen:

Madrid am 27.10.2012

Bild: @Popicinio [CC BY-SA 2.0]

(via Max)

    11 Kommentare:

  • Mikael schreibt am 27. September 2012 um 15:23

    Zu der Sache mit dem Wirt, der Demonstranten schützt, gibt es noch mehr Details. Unter anderem, wie „El Pais“ das Foto falsch untertitelte und einen Proteststurm auslöste. Das alles unten in den Updates in diesem Artikel: http://www.metronaut.de/2012/09/spanien-knueppelt-schon-wieder-proteste-nieder/

  • Emanon schreibt am 27. September 2012 um 16:21

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich in der Frage der Medien zwischen zwei Ansätzen bewege.

    Auf der einen Seite finde ich natürlich schrecklich, wie sehr der Nachrichtenwert bei den öffentlich-rechtlichen gesunken ist, dass es keinen kritischen sondern nur noch Hofjournalismus gibt und dass die Rundfunkräte durchsetzt sind von Parteisoldaten (siehe Affäre Brender).

    Auf der anderen Seite kann man sie vielleicht einfach ihrem Untergang entgegen wandern sehen und das ist dann vielleicht einfach auch der Beginn eines reinigenden Prozesses, der neue Formen der Informationsverteilung hervorbringen kann, die unkoordiniert kooperativ sind. So wie Git von Linus Torvalds bspw. Wenn man damit Quellcode und sogar Gesetze entwickeln kann, muss auch Informationsverbreitung möglich sein. Man sieht ja bei Wikipedia, wie das funktioniert.

    Das Argument, dass bei Wikipedia ja jeder Idiot reinschreiben könne und das keinen Vorteil gegenüber ordentlich recherchierten Lexika oder Zeitungsartikeln hätte, ist Quatsch. Wenn man sich alte Lexika anguckt sieht man, dass in einem Großteil der Artikel nur Käse steht und sich die Artikel der einzelnen Bände von bspw. Meyer oder Brockhaus genauso wandeln wie ein Wikipedia-Artikel…nur halt wesentlich langsamer. Und die neutrale Qualität von Zeitungsartikeln dürfte auch niemand wirklich als Argument benutzen wollen.

    Auch wenn mir die Vorstellung vom gut bezahlten unabhängigen investigativen Journalisten natürlich gefällt, scheint das Utopie zu sein.

    Insofern reg ich mich einfach nicht mehr auf, vermeide Fernsehen und stell einfach nur fest, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Tagesschau ein Leitmedium im tiefsten Wortsinn war und die gesellschaftlich signifikante Meinung gebildet hat.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 27. September 2012 um 16:25

    @Emanon Da muss ich widersprechen, denn Leitmedium beinhaltet definitiv auch die Masse der Menschen die Du erreichst.

  • Emanon schreibt am 27. September 2012 um 16:40

    @Daniel …. tut mir leid, aber ich verstehe deinen Widerspruch nicht. Inwiefern widersprichst du mir denn?

    Das besondere an der Tagesschau in soziologischer Hinsicht war/teilweise ist, dass sie so viele Menschen erreicht hat und deren einzige Nachrichtenquelle war, dass sie die Kraft hatte, die Meinung der Gesellschaft in bildender Weise zu leiten und auf die Weise die Gesellschaft auch zusammenzuhalten.

    Diese Kraft hat sie heute nicht mehr. Der Marktanteil sinkt und die meisten Menschen haben unglaublich viele andere Nachrichtenquellen. Noch vor wenigen Jahren konnten Unwahrheiten in der Tagesschau einfach stehen bleiben. Heute kommentieren mal eben 2000 Menschen und die Tagesschau verliert ihre gesellschaftliche Signifikanz.

    Das liegt auch daran, dass ein Großteil der Zuschauer immer älter wird und die neue, nachrückende, politisch aktive Jugend andere Medien bevorzugt.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 27. September 2012 um 16:48

    @Emanon Ich würde da noch nicht von einem Wechsel sprechen. Die Kraft ist imho noch ausreichend da. Und ich widerspreche Dir, „dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Tagesschau ein Leitmedium im tiefsten Wortsinn war“.

    2000 Menschen sind lächerlich wenig, wenn Du dagegen die ca. zehn Millionen Zuschauer der Tageschau setzt (siehe u.a. hier: http://www.ard.de/intern/presseservice/-/id=8058/nid=8058/did=1823332/13gifru/index.html / Ich weiß die ARD selbst als Quelle ist nja…)

    Das darf man nicht überschätzen. Ich gebe Dir Recht, dass da ein Trend zu beobachten ist, aber der ist noch lange nicht abgeschlossen, so dass man eine Sendung wie die Tagesschau bereits begraben könne.

  • matao schreibt am 27. September 2012 um 16:55

    An die Tagesschau

    Ich sollte den Begriff ” Shitstorm” definieren, weil mein Gegenüber den nicht kannte. So ungefähr war mir das Rezept bisher so bekannt :
    es braucht dazu
    jede Menge Rückmeldung zu irgendwas oder irgendwem
    und zwar im Internet
    und mit bedenklichem, bis unsinnigem, jedenfalls nicht ernstzunehmendem Inhalt.

    Letztere Voraussetzung muss ich nun wohl relativieren, denn die meisten der vielen Kommentare habe ich gelesen und -bei aller Blindheit..:) wenig Unsinniges finden können.
    Sie scheinbar schon…..da haben wir den Salat
    Ich schlage als neue Begriffe vor : Shitdemos ( passieren gerade in Spanien und Griechenland ), Shitparlament ( siehe Abstimmungsorgien der letzten Zeit bei ungetrübter Unkenntnis ), Shitdemokratie ( bockige Kreuzchenmacher alle vier Jahre ) und Shitmedien ( die nur noch den Status Quo der Machtverhältnisse reflektieren)

    Mit der Bitte um Shitrückmeldungsstorm

  • matao schreibt am 27. September 2012 um 16:58

    „meine Beiträge müssten noch moderiert werden“ behauptet ihr. Wie genau geht denn das ?
    Und müssen das die Tagesschaubeiträge auch ?

    Ab dafür

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 27. September 2012 um 17:08

    @Mateo Wie Forummoderation. Alle Beiträge werden moderiert. Ich schalte sie frei. Keine Ahnung ob das bei der Tagesschau so ist, musst Du sie fragen.

  • Emanon schreibt am 27. September 2012 um 17:18

    @Daniel Ich gebe zu, dass „Zeiten sind vorbei“ ein wenig extrem ist. Ich will eigentlich auch nur auf den Trend aufmerksam machen, halte diesen aber für derart unumkehrbar, dass ich gedanklich die Übergangsphase, in der die 10Mio auf 2Mio schrumpfen, etwas übersprungen habe.

    Dass 2000 Kommentatoren auch wenig sind, mag sein, aber früher kamen bei den Rundfunkanstalten halt mal so 50-100 Briefe an. Das weiß ich zufällig aus nächster Nähe.

    Ich hab jetzt leider keine Zeit mehr zu suchen, wo ich das gelesen habe, aber was mir eigentlich viel wichtiger ist, ist dass es früher halt signifikant die gesellschaftliche Meinung beeinflusst hat und daher von Soziologen Leitmedium genannt wurde, dass die Gesellschaft zusammenhält. Damals fiel aber auch Marktanteil im Fernsehen mit gesellschaftlicher Relevanz zusammen. Wenn du dir deinen Artikel mal anguckst steht am Ende auch, dass von den rund 10Mio nur 1,9 unter 49Jahre alt sind. Das wird sich einfach auswachsen und gesellschaftliche Relevanz wird immer mehr verlagert…z.B. in das Internet.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 27. September 2012 um 17:31

    @Emanon Ich denke da sind wir uns einig. Mir ging es eher um das „begraben“, denn das kann man noch lange nicht…

  • daMax schreibt am 28. Oktober 2012 um 15:34

    Arbeitslosigkeit soeben über 25%! http://www.tagesschau.de/ausland/spanienproteste102.html

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