Sick Sad World: Der Focus fordert von Schwulen Ruhe zu geben!

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Sick Sad World

Michael Klonovksy, Autor des Buches „Welcher Wein zu welcher Frau?“ und tätig beim Focus, fühlt sich belästigt. Wovon? Von Minderheiten. Diese machen ihm seine schöne Welt kaputt. Und zwar in einer der letzten männlichen Bastionen, die es zu schützen gilt: Dem Fußballstadium. So schreibt er:

„Es ist […] nicht einzusehen, warum sich die heterosexuelle Mehrheit auch noch auf dem Fußballplatz mit schwulen Coming-outs beschäftigen soll. Die Grenzen der gebotenen Toleranz sind erreicht, wenn sie in Belästigung umzuschlagen beginnt.“

Vollkommen richtig, nicht? Warum sollte der Fußballplatz zu einem toleranten Umfeld dazugehören? Dort kann man wenigstens noch MANN sein. So sehr, dass nationalistische Parolen, fragwürdige Flaggen und Homophobie immer wieder auftreten. Wo selbst Nationaltrainer zur Rassenlehre greifen. Gut, das geht ziemlich in Richtungs Klischees. Nur naiv wäre es dies alles als Einzelfälle darzustellen.
Ich war selbst einige Male im Stadion und habe tatsächlich fast nur positive Erfahrungen gemacht. Aber wen wundert es, dass ich auf diese Klischees zurückgreife bei einem solchen Text wie er im Focus erschien?! Er selbst stilisiert das Stadion zur vermeintlich primitiven Zone.

Nun sieht der Konservative Klonovsky seine soziale Identität in Gefahr und hetzt gegen Minderheiten in archaischen Sphären und stilisiert sich als „Normalo“ selbst zum Diskriminierten. Das dies bei ihm allerdings kein Einzelfall ist hat Nadia in ihrem Blog dokumentiert. So schreibt er z.B. auf seiner Seite wo er „Moden“ martialisch den Krieg erklärt:

„Die Homosexuellenbewegung will, dass man Sackgassen wie Durchgangsstraßen behandele.“

In diesem Zusammenhang besonders schön auch folgender Aphorismus:

„Wer sein Denken davon abhängig macht, ob ihm eventuell die Falschen zustimmen könnten, sollte es gleich ganz einstellen.“

Ein weiteres Glanzstück: Sein ungeschickter Kommentar zu Holocaust-Leugnern. wir erinnern uns 1994 beschloss das Bundesverfassungsgericht dass der Deckmantel der Meinungsfreiheit für diesen Strafbestand nicht gilt. Unwahre Tatsachenbehauptungen unterliegen eben nicht dem Schutz der Meinungsfreiheit sonst hieße es ja Leugnungsfreiheit.

Meinungsfreiheit?!

„Die Verurteilung war völlig angemessen, aber das Strafmaß, das die russische Justiz über diese ‚Pussy Riots‘ (sic!) verhängt hat, ist natürlich absurd hoch, ungefähr so absurd hoch wie hierzulande die Strafen für Holocaust-Leugner.“

Natürlich verteidigt Klonovksy nicht den Holocaust-Leugner an sich, sondern stellt lediglich das Strafmaß in Frage. Vermengt damit allerdings Meinungs- und/oder Kunstfreiheit und unwahre Tatsachenbehauptungen durch seinen Vergleich mit Pussy Riot zu einem widerlichen Brei. Fraglich ist auch welche Strafen er meint. Die 6.500 Euro Strafe für Williamson? Die 8 Monate Gefängnis und 6.000 Euro Strafe für Udo Pastörs? Nun lässt sich darüber diskutieren, ob die Strafen von Nutzen sind. In der Verknappung seiner Aussage geht Klonovksy allerdings bewusst das Risiko des Missverständnisses ein. Am Ende kann man sich dann ja auch noch beschweren mit „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und ein bisschen die Political Correctness bashen.

Die Zitate sind zum Teil alles Sentenzen, die er auf seine Seite stellte um laut Eigenaussage „Empörung und Widerwillen“ zu schüren. Demnach müsste er sich gerade ziemlich gebauchpinselt vorkommen. Sein Artikel im Focus schürt genau das. So ein Fuchs aber auch. Ein Meinungskämpfer und Provokateur also. Traurig eigentlich nur, dass Klonovsky so etabliert in der Medienlandschaft scheint und beim Focus sogar das Debattenressort leitet. Die Grenze zwischen Political Incorrect und Massenmedium Focus zerfließt. Aber meine Empörung würde er mir vielleicht gar als gutmenschliche Zensurforderung auslegen. Traurige kranke Welt, ich kotze. Bleibt vielleicht nur Klonovsky in einem Punkt recht zu geben:

“Je größer das Publikum, desto dümmer für gewöhnlich die Rede.”

(Dank an den Gurkenkaiser und andere Hinweise / via queer.de)

    18 Kommentare:

  • Falk Schreiber via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:15

    Zustimmend: kotz!

  • Daniel schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:19

    Ich frage mich immer noch, warum es zumindest in der Kurve, so problematisch sein soll, frau oder schwul zu sein. Kann einem doch egal sein, wer da jubelt, und wenn es dann Fangruppen gibt, die mit dem Vereinslogo auf der Regenbogen-Fahne wehen ist das auch egal, Fans sind Fans und bleiben Fans.
    Meine Schwester und ihre Frau dürften sowieso zu den lautesten Fans in der Kurve gehören, und jemand anderen daran gehindert den inneren Neanderthaler rauszulassen haben sie auch nicht :p

  • Ea Bäurle via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:20

    kotz hoch2

  • Markus Hensel via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:22

    kotz im strahl

  • Wiebke Hauschildt via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:28

    kotz im kreis

  • Katrin Seddig via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:32

    äh, das ist ja widerlich. focus.

  • Stylons schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:40

    Da fehlen mir echt die Worte…
    Naja zum Glück dir aber nicht, schnieker Beitrag.

    Cheers aus Frittenhain,
    Bianca

  • Karinna Tiara via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:44

    Einfach nur traurig!

  • Frithjof Klepp via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:48

    Kotz!

  • Yvonne Steffen via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 14:53

    ich habe gerade auf Klonovskys homepage einen weiteren „interessanten“ Focus-Artikel zur Gender-Debatte gelesen. Ich weiß nicht mehr wann ich mal in ein Exemplar des Focus reingeguckt habe, nimmt sich zur jungen Freiheit offenbar nicht viel…

  • Nilsson Karlson via Facebook schreibt am 9. Oktober 2012 um 16:30

    ich will bitte niemals mit sochen Klemmiheten über einen Kamm geschoren werden. Und: Der Focus ist die Bild im Spiegel-Format. Nicht erst seit diesem Geschwätz)

  • thegurkenkaiser schreibt am 9. Oktober 2012 um 17:32

    Erinnert sich noch jemand an John Asht? Der hatte auch so lustige Lausbubensprüche auf seiner Homepage. Auch mit derselben ideologischen Stoßrichtung.

  • flosch schreibt am 9. Oktober 2012 um 17:41

    Naja, gegen den Aphorismus mit dem Denken und den falschen Zustimmenden (wie auch immer man da „falsch“ definiert) ist ja nichts zu sagen. Gegen den Rest schon. Und sagen dürfen sollte man grundsätzlich in der Tat alles. Dann aber nicht beleidigt sein, wenn andere das nutzen, um einem zu sagen, warum es (teils grober) Unfug ist.

  • Emanon schreibt am 9. Oktober 2012 um 23:21

    Ich finde gut, was du geschrieben hast. Ich kann da gar nicht so ruhig bleiben. Das regt mich auf unglaublich vielen Ebenen auf und ist in so vieler Hinsicht falsch, dass ich vermute, dass da Hopfen und Malz verloren sind. Da hilft auch keine Diskussion.

    Aber zu dem, was Michael Müller-Möscheid geschrieben hat, möchte ich etwas sagen.

    Es ist nicht sonderlich aufgeklärt, jemandem für eine noch so verwerfliche Meinung den Tod zu wünschen und ihn dann noch zu beleidigen, was nebenbei eine Straftat ist. Es hat auch seinen Grund, warum unsere Gesellschaft entschieden hat, das eine Straftat sein zu lassen – es ist moralisch nicht gerechtfertigt jemanden zu beleidigen.

    Wenn man das dennoch als Ventil braucht und seinem Ärger Luft machen will, sollte man sich überlegen, ob man das auf dieser Seite tun möchte, die sich der Toleranz und der Aufklärung verschrieben hat, da man durch diese Kommentare Gefahr läuft, diese Ziele zu kompromittieren.

    Man sollte Forderungen nach Toleranz nicht mit Beleidigungen und Todeswünschen ausgestalten.

  • WEALLSCREAMFORICECREAM schreibt am 10. Oktober 2012 um 00:33

    Auch bezaubernder Aphorismus auf Klonovksys Blog: „In Berlin gibt es inzwischen ein Denkmal für Ernst Röhm (Homosexuelle, die während der Naziherrschaft ermordet wurden).“ …! Das ist aber auch ein ausgefuchster Rhetoriker! Was will der eigentlich mit seinen Provokationen?

  • Gerda_Mueller schreibt am 10. Oktober 2012 um 00:52

    Der gute Mann ist geistiges Kind unseres geliebten ehemalige Verteidigungsministers Franz-Josef Jung. Der findet es unzumutbar, wenn Soldaten in der Nähe schwul-lesbischer Kneipen nächtigen.

  • daMax schreibt am 10. Oktober 2012 um 14:01

    Na so richtig wundern tut mich das jetzt nicht, dass die Bildzeitung unter den Nachrichtenmagazinen so einen reaktionären Scheiß rauskloppt. What’s the news?

  • Was? schreibt am 10. Oktober 2012 um 14:36

    Also das mit der Rassenlehre ist ja mal übertreiben. Natürlich haben Afrikaner einen anderen Genpool als Europäer, das zu leugnen wäre albern.

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