Was liest Du gerade? – Die Schinken Omi Edition

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Linus, Benny, Felix von der Schinken Omi

Bei „Was liest Du gerade?“ frage ich immer diverse Personen, welche literarischen Machenschaften sie sich gerade zu Gemüte führen. Dieses mal hab ich mir die Jungs von der Schinken Omi gekrallt, die gerade ihre dritte Ausgabe rausgebracht haben. Benjamin Walter, Felix Scharlau und Linus Volkmann geben Auskunft.

Den Anfang macht Benny, der als Medienfuchs das Wort direkt an Euch richtet:

„Liebe Freunde des kotzenden Einhorns,

zum heutigen Büchertag möchte ich euch den Roman Johann Holtrop von Rainald Goetz vorstellen, den ich vor wenigen Tagen ausgelesen habe. Worum es geht, könnt Ihr auch woanders nachlesen, hier nur die kürzeste Kurzform:
Johann Holtrup, ehemaliger Star-CEO des so provinziellen wie weltweit operierenden Medienhauses Assberg (eine Art Bertelsmann) rast Anfang der Nuller Jahre vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise erst kaum merklich und dann immer schneller und schneller auf seinen persönlichen Abgrund zu. Und zwar nicht zu Unrecht, da ist man sich mit dem Erzähler doch recht schnell einig.
Beim Lesen empfiehlt es sich, Namen und Funktion der 40-50 auftretenden Figuren zu notieren. Zumindest ich blickte irgendwann in der Personalstruktur der Assberg Medien AG so wenig durch wie alle Beteiligen bei den unübersichtlichen Milliardengeschäften und Intrigen des Johann Holtup und seiner Kollegen. Autor Goetz dagegen weiß über diese Branche, ihre Geschäfte, Riten, Typen und Soziolekte alles bzw. zumindest mehr, als ihm lieb ist und führt das gesamte Figurenpersonal seines Romans mit ernster, leiser Wut und exaktestem Sprachgefühl vor. Denn wie bei so vielen guten Büchern ist die Rahmenhandlung hier ein bisschen egal, es geht um Szenen, Beobachtungen, Sprache und grandiose Sätze wie: ‚Da lag er [Holtrup] auch schon im Bett, kurz nach halb zwölf, und war auch schon, letzter Gedanke: diese hocheffiziente Präzisionsmaschine, die Führung auswirft, ICH, eingeschlafen auf der Stelle, wie gewünscht.‘
Ich gebe dem Roman sechs und ein halbes Einhorn von zehn möglichen Einhörnern. Das ist sehr gut, denn ich bin ziemlich anspruchsvoll.

Herzliche Grüße und noch einen schönen Bücherherbst wünscht euch:
euer Benjamin Walter“

Auch Felix merkt man die lanjährige Schreibtätigkeit an. Seine Empfehlung: See a Little Light: The Trail of Rage and Melody, die Autobiografie von Bob Mould:

„Das letzte wirklich lesenswerte Buch, das mir untergekommen ist, war eine angenehm bescheidene, fast demütig geschriebene Musikerautobiografie. Wer den letzten Satz noch mal langsam liest und darüber nachdenkt, welchen autobiografischen Angeberquatsch er schon von Musikern erdulden musste, wird mir zustimmen, dass dieses Untergenre wahrlich selten anzutreffen ist. Die meisten Bücher von Musikern werden an einem Punkt geschrieben, wo dem oder der Musikerautor/in längst bewusst ist, wie begierig die Fans jeden noch so pathetischen Mist aufsaugen werden. Für das Geraderücken des immensen Kults um die eigene Person ist da meist kein Platz beziehungsweise natürlich Bock. (Viele Fans wollen darüber natürlich auch nichts lesen – je dümmer die Musik, desto weniger).
Die kürzlich erschienene Autobiografie von Bob Mould, der mit Hüsker Dü in den 80ern auf ziemlich erstaunliche Art Hardcore mit Pop vermählte, bildet eine Ausnahme. Abgesehen von seiner an sich schon interessanten und hier erstmals detailliert geschilderten Jugend als verschüchterter, schwuler Punkrocker im homophoben Amerika, tritt Mould in ‚See A Little Light: The Trail Of Rage And Melody‘ auch auf die Bremse, was den Kultstatus seiner alten Band angeht. Die bisher nebulösen Umstände, die zur Trennung von Hüsker Dü führten, schildert er gelangweilt in einem Absatz. Der ewigen Forderung nach einer Reunion seiner Band begegnet er mit dem Hinweis, dass das doch im Prinzip alles nicht so wichtig sei. Wer einst im Publikum gestanden hätte, habe halt Glück gehabt, wer nicht: Pech. Na und? Fazit: Nur zu empfehlen, das Buch. Wobei es hilft, diese sehr gute Band bereits vor dem Lesen sehr gut zu finden. Muss aber nicht. Ansonsten noch empfehlenswert: das Sachbuch ‚Wir stellen unsere Katze aus‘. Wobei es auch hier hilft, dieses sehr gute Tier bereits vor dem Lesen sehr gut zu finden. Muss aber nicht.“

Linus dagegen beantwortet knapp und verweist auf Gib mir alles von Dunja Spies. Und was lest ihr so? Unter allen Antworten in den Kommentaren werden vier Ausgaben der neuen Schinken Omi verlost!

    15 Kommentare:

  • Tom Reiling via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:03

    ’schlese Facebook.

  • Viola schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:04

    Leider lese ich zur Zeit gar nichts. Am Freitag bin ich mit Simon Becketts „Verwesung“ fertig geworden und konnte mich noch nicht entscheiden was ich als nächstes lese. Aber ich denke ich werd mir das neue Juli Zeh Buch „Nullzeit“ kaufen :)

  • Frölain Anja via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:06

    ich lese gerade: Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Greene. Super Buch! Herzergreifend + lustig!
    Und in der U-Bahn lese ich: Der beste Hund der Welt von Sharon Creech. „Das berührende, poetische und inspirierende Tagebuch eines Jungen, der merkt, dass Worte etwas Wunderbares sind.“ – besser kann ich es auch nicht sagen.

  • Lillifred schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:14

    Morgen wollte ich „Die Akte Vaterland“ von Volker Kutscher beginnen.

  • Vero Burning Rome via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:17

    „Unendlicher Spaß“ von david foster wallace. Wer das Buch kennt, weiß, dass ich ein wenig Aufheiterung vertragen könnte.

  • Sarah Von Der See via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:34

    Ich bin gerade in between books. Habe das Hotel New Hampshire von John Irving gerade beendet und schwanke jetzt zwischen Far from the madding crowd von Thomas Hardy und einem neuen Anlauf bei unendlicher Spaß, das musste ich letztes Mal irgendwann weglegen.

  • Alexandra schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:41

    Milan Kundera – Das Buch der lächerlichen Liebe

  • Martina Bahrke via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 15:56

    The Infinities von John Banville. So will ich auch schreiben können.

  • Sabine Meier via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 16:24

    „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen.
    Ein echter Glücksgriff, da ich das Buch gestern eher ohne viel zu überlegen und ohne die Autorin gekannt zu haben in der Stadtbibliothek mitgenommen habe und jetzt schon hin und weg davon bin!

  • Greta Schmidt via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 17:06

    Hey, wie lustig. Ich lese auch gerade Fegefeuer. Warum? Es liegt schon ewig im Regal und vorhin hab ich den link über verfallende Bücher gesehen. Jetzt wird nachgearbeitet!

  • Flo schreibt am 21. Oktober 2012 um 18:01

    Lese gerade 2 Bücher:

    Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe
    Schreckliches Buch, hatte mir mehr von erhofft. Sprache spröde und vertrocknet, genau wie die Protagonistin. Handlung langweilig.

    Birgit Schlieper: Immer Tiefer
    Jugendroman über Alkoholmissbrauch. Für die Zielgruppe sicher ganz cool, leider kommen keine Jungs drin vor (bis jetzt jedenfalls)

  • sharken fishen schreibt am 21. Oktober 2012 um 18:16

    ich lese im wechsel christopher isherwoods „mr norris changes trains“ und die lyrics von tom lehrer. das erste, weil ich isherwoods beschreibung des briten im berlin der 30er spannend finde und seine sprache mich immer aufs beste amüsiert. ich sehe die figuren und die verhältnisse wirklich vor mir. auch die zeit und die umstände werden lebendig. das zweite versuche ich auswendig zu lernen, weil ich das alles zu meinem vergnügen selbst singen können möchte, wenn ich mal in einem aufzug stecken bleibe.

  • Laura Zieglerlos via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 18:37

    twelve von nick McDonell.

  • Laura Eißenberger via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 19:22

    „Imperial Bedrooms“, Bret Easton Ellis (y)

  • Rhino Gradentia via Facebook schreibt am 21. Oktober 2012 um 23:17

    ‚das leben ist zum kotzen‘ von leo malet

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