Wie die FDP meine Integration in Berlin verzögerte

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Ich dachte Schrippen wären Croissant und schuld war die FDP. Warum? Als ich hier hin zog gab es genau diese Plakate:

Schrippen

Mittlerweile weiß ich Schrippen sind Brötchen. Danke FDP! Das versteht ihr also unter Integration?!

    8 Kommentare:

  • daMax schreibt am 11. November 2012 um 14:13

    XD ja, das ist schon echt ein starkes Stück. Gleich anzeigen, die Tüpen.

  • Stefan schreibt am 11. November 2012 um 14:22

    Also soo verwirrend fand ich das jetzt nicht. Sagt ja nur aus, dass man sich anpassen sollte und halt lieber in Paris heimische Croissants anstatt berliner Weizenmehlbrötchen bestellt.

    Aber ja der Text ist Stulle, weil es erst nach einer anderen Wortbezeichnung klingt und Gebäckkauf als Metapher für die Integrationsdebatte ist ein bissl … naja.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 11. November 2012 um 14:35

    @Stefan Ich fand schon, dass der Text impliziert, dass Schrippen und Croissants das Gleiche wären. Deine Interpretaion würde ja heißen: Croissants isst man nur in Paris. Sonst bitte nirgends. Das wäre nämlich nicht nett.

  • Da Na schreibt am 11. November 2012 um 14:47

    Das zeigt uns mal wieder: grundsätzlich erstmal alles anzweifeln, was von der FDP kommt ; )

  • Stefan schreibt am 11. November 2012 um 14:48

    Also so les ich das zumindest. Es wird ja impliziert, das man in Deutschland bzw. Berlin dann halt nach Schrippen fragen soll, wenn man sich integrieren soll.

    Nett finde ich den Text auch nicht und ich meinte ja auch, das er nicht gut ist, weil er oberflächlich betrachtet genau diese Wortverwirrung verursacht. Aber für mich liest sich das nach „frag gefälligst nach französischem Gebäck wenn du in Paris bist“.

  • Stefan schreibt am 11. November 2012 um 14:54

    @Da Na: ja nicht nur anzweifeln. Es zeigt halt schön, das man Themen so Wischiwaschi ausdrücken kann, das man sich eher fragt „Was wollte mir der Dichter jetzt damit sagen?“ als jetzt ne konkrete Aussage zu haben.

  • Emanon schreibt am 12. November 2012 um 04:33

    Das ist absolut sinnfreier Käse. Vor allem weil es überall die verschiedensten Formen von Brötchen gibt und die Beschränkung eines Klischeegebäcks auf eine bestimmte Region genauso überholt ist wie die Beschränkung eines Personen-Stereotyps auf eine Region. Dafür hat sich zumindest Europa viel zu stark durchmischt, als dass das Relevanz hätte. Und selbst wenn das statistisch irgendwie signifikant wäre, wäre das völlig unwichtig, da alles überall verfügbar ist. Es gibt in so ziemlich jeder Metropole eine „German Bakery“ und hier überall „Krossongs“.

    Was hier beschworen werden soll, ist die Aufforderung zur Integration. Integration ist aber kein Einseitiges Schwert, sondern bedeutet logischer Weise das Zusammenwachsen von mehreren Kulturen. Dieses ständige Gefasel von „die sollen sich integrieren“ ist sowieso an Dummheit kaum zu schlagen.

    Es gibt erstens wie bei Backwaren keine definierbare oder klar konturierte deutsche Kultur, in die man sich integrieren könnte und zweitens fordert man das auch regelmäßig einzig und allein von Menschen, die dadurch auffallen, dass man es ihnen ansieht…was wiederum im Punkt Haar- und Hautfarbe schwer wird zu ändern.

    Kein Mensch verlangt öffentlich, dass sich die ganzen Franzosen, Engländer und Dänen im Prenzlauer Berg mal integrieren sollten. Oder besser noch: Mit ähnlichen Argumenten könnte ich mich auch über übermäßigen Zuzug von Horden katholischer Alemannen in das protestantische Niederdeutschland beschweren und Integration fordern. Um bei den Backwaren zu bleiben: Mein nächster Bäcker ist eine „Schwäbische Bäckerei“.
    Niemand käme auf die Idee etwas gegen japanische Stadtteile in Köln zu sagen, wo es Regionen gibt, in denen sogar die Ämter, Ärzte, Apotheken, Schulen, Läden und Straßenhinweisschilder auf Japanisch sind.
    Es ist ja auch niemand auf die Idee gekommen, die Verdrängung des niederdeutschen Dialekts durch den unglaublich Mischmasch, den der Berliner Metrolekt darstellt, hinterher zu trauern…

    Integration ist mangels Definierbarkeit seitens der Fordernden eine unerfüllbare Alibiforderung, mit der diffuse Überfremdungsgefühle bedient werden sollen.

    Die Forderung soll ja gar nicht erfüllt werden können, damit man diese Gefühle bedienen kann. Wenn man z.B. sagen würde, dass es um die Sprache ginge, könnte man feststellen, dass der überwiegende Teil sehr gut deutsch spricht und dass die angebotenen Kurse stärker gefördert werden müssten, da sie teilweise zu kurz sind und man immer wieder hört, dass es nicht genug Plätze für zu viele freiwillige Bewerber gibt!

    Worum es eigentlich geht und die Argumente, die von den Fordernden angebracht werden, sind soziale Probleme. Denn genauso wie viele arme Familien in Neukölln für die Gesellschaft verloren sind, sind ganze Landstriche in Deutschland von nachweislich äußerst Deutschen bewohnt, die keinen klaren deutschen Satz sprechen können, ebenfalls unsere Verfassung ablehnen und genauso für die Gesellschaft verloren sind und mich würde nicht wundern, wenn das das volkswirtschaftlich signifikantere Problem ist. Das ist auch der Grund, warum man Integration nicht von G20-Einwanderern verlangt und es hier keine Bücher gibt, die den Untergang „unserer Kultur“ vorhersagen.

    Mich regt das schon wieder auf und ich kann nicht schlafen…

    Hier hab ich was Kurzes von Serdar Somuncu zum Thema. Da gibt es auch Längeres und sehr Interessantes.
    http://www.youtube.com/watch?v=45SNBRrSo4U

  • Emanon schreibt am 12. November 2012 um 04:44

    Nachtrag:

    Als Berliner unserer Generation kann man im Übrigen auch hin und wieder feststellen, dass man dank der Globalisierung kulturell wesentlich mehr mit kosmopoliten Großstädtern anderer Länder gemeinsam hat, als mit Deutschen in ländlicheren Regionen.

    Wenn ich dem Argumentationsmuster derjenigen folge, die so vehement Integration fordern, könnte ich mit einiger Berechtigung auch fordern, dass sich die rechten bayrischen Dorfies endlich mal in unser global village integrieren und Englischkurse besuchen sollten, um die gängige lingua franca zu sprechen. Ansonsten muss ich sie wohl für gefährliche Integrationsverweigerer halten.

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