Kirchen als Träger von Krankenhäusern und Schulen – Brauchen wir eine Laizismus Debatte?!

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Alter Dom Köln

Laut EU Barometer von 2005 sind 25% der Deutschen Atheisten. Ein Viertel der BürgerInnen also. Und dennoch wird gerade in der Politik gerne auf christliche Werte gepocht. Und oberflächlich lässt sich gegen Nächstenliebe und Co. oder ein ethisches Wertesystem ja auch gar nichts einwenden. Wären da nicht die Religionsgemeinschaften und ihre Auslegungen, die immer wieder unangenehm auffallen.

Mittlerweile befinden sich etwa 10% der Schulen in Deutschland in kirchlicher Trägerschaft. Was das für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen bedeutet hatte ich bereits im Dezember im Blog. Auch wenn eine Kirche einen Kindergarten oder Schulen fördert steckt der Staat Geld hinzu. Die Kirchensteuer wird dafür kaum aufgewandt. Ein weiterer großer Bereich in kirchlicher Hand sind Krankenhäuser und gerade da zeigen sich aktuell Fälle, die eine Trennung von solchen Einrichtungen von Religionsgemeinschaften geradezu fordert.

So soll eine vergewaltigte Frau im Dezemeber von zwei katholischen Kliniken in Köln abgewiesen worden sein. Nun bestreitet das Erzbistum Köln, dass seine Krankenhäuser gynäkologische Untersuchungen zur Spurensicherung bei einem Vergewaltigungsverdacht verweigern sollen. Dass die Pille danach aber dennoch ein Tabu ist, ist nicht von der Hand zu weisen. So soll es sich nicht um einen Einzelfall gehandelt haben. Alle Krankenhäuser sollen der Trägerschaft „Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria“ angehören. Angeblich haben Spitzel, die angaben ungeschützten Verkehr gehabt zu haben, und dann die Pille danach verschrieben bekamen, eine Klinik beim Erzbistum Köln gemeldet. Dieses betätigte, dass der Vorgang bekannt sei.

Nun scheint es so, dass es sich hier lediglich um Kliniken der Cellitinnen handelt, doch frage ich mich, ob die Verquickung in so wichtigen Bereichen wie Bildung und Gesundheitswesen nicht per se in Frage zu stellen sei. Das sind keine neuen Gedanken. Der Laizismus ist mehr als hundert Jahre alt und dennoch eine Debatte die aktueller denn je sein sollte. Nun gilt es zu bedenken, dass manche der Meinung sind, dass ein stenger Lazismus zu mehr Fundamentalismus führen könnte.

Doch wird die Trennung von Kirche und Staat immer weiter aufgehoben. Christliche Kirchen haben einen enormen Einfluss auf die Politik bzw. räumt die Politik ihnen diesen Einfluss ein. Tanja Dückers schrieb dazu in der Zeit:

„Religion als Privatsache zu betrachten, heißt nicht ihre Bedeutung für den Menschen zu schmälern oder gar zu negieren. Es stellt auch einen Schutzraum für sie dar.“

Missbrauchsskandale, christliche Forderungen gegen Antidiskriminierungsprojekte an Schulen und die in diesem Text erwähnten Fälle zeigen, dass es durchaus Handlungsbedarf gibt.

Für mich persönlich wäre es klar, in diesen Bereichen hat Religion nichts verloren. Stetig hohe Kirchenaustritte scheinen die selbe Signalwirkung wie geringe Wahlbeteiligungen zu haben. Und wenn Dein Arbeitgeber an Schule oder in der Klinik die Kirche ist, ist Widerspruch per se erschwert. Die Botschaft muss deutlicher nach Außen getragen werden. Ein ethisches Wertesystem ohne Einflussnahme von Kirchen sollte ausreichend, wenn nicht sogar selbstverständlich, sein.

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