Sick Sad World: Vatikan und Evangelische Allianz – Christen für Diskriminierung

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Sick Sad World

In unserer Gesellschaft werden Tabubrecher ikonisiert. Sie werden „Klartext-Politiker“, „mutig“ oder „kritisch“ genannt. Der Stammtisch brüllt dann zustimmend „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ oder eben krakelnder, wenn die Empörung zu groß wird, dass Maulkörbe verteilt werden und Zensur stattfände.

Ähnlich sieht das auch der vatikanische Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti, der äußerte sich entsetzt über Urteile des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs zum Diskriminierungsschutz von Schwulen und Lesben. Queer.de schreibt:

„Er warnte vor einer ‚Diktatur des Relativismus‘, vor ‚Intoleranz‘ gegenüber gläubigen Menschen und ‚erzwungener Uniformität‘.“

Schon schwer, wenn eine nach Eigenansicht moralische und ethische Instanz wie der Katholizismus ihre eigene Unmenschlichkeit vorgeführt bekommt. Aber es ist nicht der Katholizismus, der es so sieht. Auch Hartmut Steeb, der Generalsekretär der Evangelischen Allianz, findet Aufklärung in Sachen Diskriminierung weit unwichtiger als die „Stärkung des Leitbildes von Ehe und Familie“. Seine Kritik zielte auf das Projekt „Schule ohne Homophobie – Schule der Vielfalt“. Streeb vertritt dabei mit seiner von Bundestag als Lobbygruppe eingestuften Allianz laut eigenen Angaben 1,3 Millionen Menschen. Pikant dabei ist, dass die evangelische Allianz mit der CDU eng vernetzt ist. So vermeldet die eigene Webseite, dass Bundeskanzlerin Merkel bei der Allianzkonferenz 2012 gar Grußworte ausrichten lies. Überbracht wurden die Grüße von Volker Kauder, selbst bei der CDU. Na danke!

Traurige, kranke Welt.

    21 Kommentare:

  • Nyan Leo Zielasko via Facebook schreibt am 17. Januar 2013 um 14:30

    „leitbild“, wort des tages. ^^

    http://www.youtube.com/watch?v=OSp5C26Fz6A

  • Karinna Kitty Tiara via Facebook schreibt am 17. Januar 2013 um 14:34

    bäähh kotz würg!

  • Lanya schreibt am 17. Januar 2013 um 14:48

    Hier, noch ein Fass Öl für das „Fege“feuer.

    http://www1.wdr.de/themen/panorama/vergewaltigungsopfer100.html

    Ich versteh diese „Christen“ einfach nicht. Da war mal so ein bärtiger Mann und Sandalen, der hat so was von Nächstenliebe, Toleranz und Vergebung gepredigt.
    Ich könnt so kotzen, wenn ich mir ansehe, was aus diesen Leitmotiven geworden ist.

  • Emanon schreibt am 17. Januar 2013 um 14:50

    Ist die neue Charme-Offensive der katholischen Kirche diese Woche angelaufen? Eine vergewaltigte Frau in zwei Krankenhäusern abweisen, Pfeiffer zensieren, ein neues Pädophilen-Netzwerk haben und nun das…

    http://www.fr-online.de/missbrauch/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-hinweise-auf-paedophilen-netzwerke,1477336,21486762.html

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/koeln-katholische-kliniken-weisen-vergewaltigungsopfer-ab-1.1575220

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/missbrauch-in-katholischer-kirche-ein-absehbarer-eklat-bei-der-aufklaerung-12027004.html

  • Emanon schreibt am 17. Januar 2013 um 15:01

    @Lanya Selbst ohne Leitmotive sollten diese Ansichten nicht mehr vertreten werden. Wenn dich das aber beschäftigt „was aus dem Leitmotiven geworden ist“, solltest du dir die Entstehung des Christentums angucken. Christen sind im Grunde keine Christen, sondern Pauliner. Christus predigte Verzicht, Gewaltlosigkeit und die Gesetze Mose. Das Christentum fußt hingegen wesentlich mehr auf Paulus, der die Predigten Jesu aufgeweicht hat. In einer theologischen Diskussion mit Christen, in denen man Jesus anbringt, kommt nahezu immer Paulus als Antwort. Und wenn man sich Paulus mal genauer betrachtet, sieht es plötzlich nicht mehr so aus, dass der Kern des Glaubens Nächstenliebe ist.

  • Lanya schreibt am 17. Januar 2013 um 15:13

    @Emanon Kannst du ein gutes Buch empfehlen, wo das Thema behandelt wird? Ich trau Wiki-Artikeln nicht so sehr das würd mich nämlich jetzt doch etwas genauer interessiern.

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 17. Januar 2013 um 15:13

    Die sollen sich lieber mal mit ihrer Kinderfickerei auseinander setzen anstatt die Untesuchungen zu unterbinden!

  • ElWiegaldo schreibt am 17. Januar 2013 um 16:02

    @Lanya:

    dieses Buch hier ist quasi ein Standartwerk:
    http://www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3939520705

    wenn du es polemischer, und kürzer willst:
    http://www.amazon.de/Wir-brauchen-keinen-Gott-Atheist/dp/3492048528/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1358434953&sr=1-1

  • Lanya schreibt am 17. Januar 2013 um 16:56

    @ElWiegaldo
    Danke für deine Empfehlung, aber ich meinte eher ein Buch bzgl. der Entwicklung des Christentums mit dem Einfluss von Paulus. So wie Emanon das beschrieben hat. Es würde mich doch zu sehr interessieren, ob die heutigen Christen wirklich Paulaner (hmm.. weißbier (-: ) sind.

  • Phil Mascho via Facebook schreibt am 17. Januar 2013 um 17:48

    wie sagte serdar „jede minderheit hat ein recht auf diskriminierung“

  • Emanon schreibt am 17. Januar 2013 um 17:57

    @Lanya Ich hab grad keinen Tipp zur Hand, wo das genau steht. Das meiste hab ich aus Lehrbüchern meiner Bibliothek, deren Titel ich aber nicht mehr hab…das ist nur so ein Hobby von mir gewesen. Die hießen dann so „Autor – Die Anfänge des Christentums“ oder so ähnlich. Ist schon eine Weile her.

    Darauf gekommen bin ich durch ein Zitat von Nietzsche, der sagte (so in etwa): „Jesus ist für Paulus eine metaphysische Figur, der man alles unterschieben kann.“

    Man kann sich aber auch ziemlich viel ergooglen. Da müsste „Jesus Paulus“ ausreichen. So eigenartig da manche Seiten aussehen. Solange sie mit Primärquellen arbeiten, wird vieles bereits aus der Bibel ersichtlich.

  • Alreech schreibt am 17. Januar 2013 um 20:40

    Der deutsche Bundestag stuft auch Greenpeace, den Deutschen Lesben und Schwulenverband und den Deutschen Gewerkschafts Bund als Lobbygruppe ein.
    Was ist also das Problem damit, das die evangelische Allianz als Lobbygruppe eingestuft ist ?

    Und wo ist das Problem das die evangelische Allianz mit der CDU vernetzt ist, einer Partei die sich als Nachfolger der ehemals katholischen Zentrumspartei sieht und die ausdrücklich nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde um die seit den bismarkschen Kulturkämpfen bestehende politische Spaltung zwischen „ultramontanen“ Katholiken und „deutschen“ Protestanten zu beenden ?
    Wo ist das Problem, das CDU Politiker bei einer Veranstaltung der evangelischen Allianz Grußworte ausrichten ?

  • Emanon schreibt am 18. Januar 2013 um 01:45

    @Alreech

    Es scheint aber nur im ersten Augenblick clever, die eigentliche Aussage Daniels damit zu diskreditieren, dass in die Nebenaussage etwas hineininterpretiert wird, das so nicht gemeint ist und welches dann empört mit „Wo ist das Problem“-Fragen bedacht werden kann.

    Du richtest dich also gegen eine von dir hervorgehobene Fehlinterpretation des unwichtigsten Teils des ganzen Textes statt gegen die eigentliche Aussage. Das ist ein bisschen wie Rechtschreibfehler ankreiden.

    Vielleicht wirst du behaupten, dass das gar nicht dein Ziel war und es doch möglich sein müsse, auch die unwichtigere Aussage zu kritisieren. Du musst aber beachten, dass in so einer Forumsdiskussion die alleinig negative Antwort auf ein offenes, zum Kommentar freigegebenes Statement logischer Weise als Ablehnung des Ganzen verstanden werden muss, sobald nicht der Kommentator diese Zweifel ausräumt.

    Du könntest also schreiben, dass du der wichtigeren Aussage zustimmst, aber in dem besonderen Punkt Kritik anbringen willst. Oder du sagst, dass du die eigentliche Aussage trotz besseren Wissens ablehnst, was eine kognitive Dissonanz auslöst, die du mit Kritik auf das unwichtigere Statement rauslassen musst.

    Gibt noch andere Möglichkeiten, aber die halte ich für die Wahrscheinlichsten.

  • Alreech schreibt am 18. Januar 2013 um 20:42

    es ist nicht sonderlich clever sich über Politiker auszulassen die am Stammtisch mit ihren Methoden Zustimmung finden, um dann selber zu solchen Methoden zu greifen.

    Solche Methoden sind beispielsweise Organisationen oder Personen deren Meinung man nicht teilt negativ besetzte Begriffe wie beispielsweise „Lobbygruppe“ anheftet um sie moralisch abzuwerten und damit der eigenen Argumentation mehr Gewicht zu verleihen.

    Aber vielleicht irre ich mich, und es gibt einen guten Grund im Zusammenhang mit dieser Meldung die evangelische Allianz als „vom Bundestag als Lobbygruppe eingestuft“ zu bezeichnen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 18. Januar 2013 um 21:00

    @Alreech Weil der Bundestag sie als Lobbygruppe einstuft vielleicht?! http://www.bundestag.de/dokumente/lobbyliste/index.html (In der amtlichen Liste zu finden). Soviel zu „sonderlich clever“.

    Und ich glaube Du missverstehst da was. Ich betrachte Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung nicht als „Meinungen“.

  • Emanon schreibt am 19. Januar 2013 um 13:20

    Das Allerschlimmste ist sich jahrelang mit Kommunikation, Philosophie und allgemeinbildender Trivia zu beschäftigen, nur um am Ende mit niemandem mehr reden zu können. Watzlawick hatte wohl doch recht.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. Januar 2013 um 14:06

    Haha. Emanon <3 - Ich glaube Alreech weiß einfach nicht was Lobby heißt bzw. meint, dass seine negative Konnotation übertragbar sein muss. Lobby ist gar nicht schlimm, hab ich auch nirgends geschrieben. Und Erwähnung findet das weil es klar macht, dass die Evangelische Allianz eben nicht ein paar Spinner sind, sondern ein einflussnehmender Verein mit engen Verknüpfungen in die höchsten Ränge der Politik. Ach damn, ich wollte doch keinen Erklärbär mehr machen.

  • Emanon schreibt am 19. Januar 2013 um 14:37

    Da hast du wahrscheinlich Recht. Und ich wollte nicht mehr so rumhaten in deinem Kommentarbereich und mich nicht so aufregen lassen. Aber pipapo….so ist das halt und zeichnet uns eben auch aus. Ich weiß auch gar nicht woher das kommt. Ich hab heute vom größten deutschen Rapper und Helden meiner Jugend ein Bussi bekommen. Da sollte ich eigentlich ausgeglichener sein.

    Ich werd jetzt erstmal schlafen gehen. Der Morgen ist nämlich klüger als der Abend, sagte die weise Wassilissa zum Zaren.

    ach….check mal dein fb dings.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. Januar 2013 um 14:41

    Was für ein fb dings?

  • Emanon schreibt am 19. Januar 2013 um 14:45

    dein facebook dings…also nicht deine Seite, sondern dein anderes

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. Januar 2013 um 14:50

    Ach damn, ich hab soviel Facebook Dinger. Du meinst mein Privatprofil?

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