7 Kommentare

Facebook und die Zensur – Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg!

Von Daniel • 19.03.2013

Facebook Fail

Einige dürften es mitbekommen haben. Auch ich hatte die Geschichte von Domian auf Facebook geteilt. Der WDR-Talker veröffentlichte auf seiner Facebookseite oftmals Texte. Religionskritische Texte, Texte für die Homo-Ehe und zuletzt einen laut eigener Aussage recht wohlwollenden Text über den Papst. Domian dazu:

„Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden. Aber wen wundert das nun noch?

Mein Text zum neuen Papst endete (nach ein paar kritischen Fragestellungen) mit den Sätzen:
‚Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr.‘

So etwas darf man nicht mehr schreiben? Hier schon übt Facebook Zensur aus? Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein.“

Nun ließe sich leicht argumentieren, dass Facebook ihre Nutzungsbedingungen so gestalten dürfen wie sie wollen. Ich selbst lasse hier auch vieles in den Kommentaren nicht zu. Vieles was Du bei Spiegel z.B. zu Hauf lesen kannst. Auf trolliges Mackertum habe ich keinen Bock. Selten dient es der Diskussion. Nur ist Facebook eben kein Blog, sondern eine soziale Plattform. Dies ist der große Unterschied und dennoch ein Problem mit dem sich viele rumschlagen. Ich erinnere nur an die Reddit-Debatte die William Shatner kürzlich auslöste. Was muss Meinungsfreiheit alles ertragen können?

Auch könntest Du Domian besserwisserisch raten doch ein eigenes Blog aufzumachen, fernab jeglicher fremder Einflüsse. Doch wir wissen alle, dass Du auf Facebook die größte Reichweite hast, die meisten Menschen erreichst. Daher geben wir der Plattform gerne die Hand. Um gelesen, gesehen und gehört zu werden.

Und natürlich weil Menschen der Masse folgen. Dort fühlen sie sich wohl. Unter anderem, wo sie mit ihren Freunden sich austauschen können. Diskutieren können. Und das führt zu Problemen. So wie es René beschreibt:

„Im Normalfall ist das relativ bequem, aber es führt dazu, dass Facebook und Twitter die Verfügungsgewalt über eben diese Konversation erhalten. Und das wird zum Problem, wenn hier ein Konzern agiert, der seine Plattform mit puritanisch-amerikanischen Disney-Verstellungen sauber halten will.“

Und die Eingriffe werden vielen zu viel. Eine Chance für Dienste wie App.net. Auch Diaspora war eine gute Idee und scheiterte leider dennoch. Dabei brauchen wir genau das! Insbesondere Heavy User sind wieder bereit zu zahlen statt selbst weiterhin die Ware zu sein, statt Einschränkungen hinzunehmen. Doch bisher gilt das leider nur für einige wenige. Dabei zeigen im Software-Bereich viele Open Source Produkte, dass es auch anders geht.

Überrascht sollte keiner sein. Politische Zensur hat Inhaltiche Eingriffe haben bei Facebook eine lange Geschichte wie René auf Nerdcore beschreibt. Gut, dass dies wieder Thema ist. Wir brauchen vielleicht nicht diese Debatte. Aber wir brauchen ein erstarkendes freies Netz. Keinen nativen Scheiß, keine geschlossenen Räume! Dieses Jahr sollten wir lernen, dass „Do no evil“-Versprechen leere Worthülsen waren. Da sind auch Entschuldigungen hinfällig. Es zeigt schlicht was möglich ist und nicht möglich sein sollte.

Mehr zu Domian und die Eingriffe von Facebook

Zensur bei Facebook? WDR-Talker Domian ist sauer
Jürgen Domian wirft Facebook Zensur vor
Ärger mit sozialem Netzwerk Domian erhebt Zensurvorwürfe gegen Facebook bei der Süddeutschen
Die offzielle Entschuldigung von Facebook

In diesem Zusammenhang auch wichtig:
Das Netz zurück erobern von Johnny Haeusler
Meine Ableitung aus Johnnys Artikel, an der ich leider immernoch arbeite (Kaum Zeit)
A Short History of Facebook Privacy Failure



    7 Kommentare »

  • Joerg Nawra via Facebook schreibt am 19. März 2013 um 13:12

    10 von 10 fürs Zitat!

  • Tobias schreibt am 19. März 2013 um 13:56

    Ach, Daniel! Dem Tenor deiner Gedanken und auch dem Tenor Renés schließe ich mich an.

    Dezentrale Ansätze brauchen viel Zeit zu wachsen und erfordern in Aufbau und Stablisierung viel Expertenwissen. Man stelle sich vor die gesammte Entwicklergemeinde, die Twitter-Apps, Bibliotheken für alle möglichen Programmiersprachen oder Pluings für sämlichte Content-Managment und Blogsysteme geschrieben hat, hätte sich an der Entwicklung skalierbarer, einfach zu installierender OSS-Social-Networks respektive Plattoformen beteiligt. Aber das nur am Rande.

    Ich teile auch deine Einschätzung was das entgültige Ende der „Don’t be evil“-Phase angeht. Allerdings ist es schwierig Nutzerverhalten allein durch (moralische) Appelle und Exodus-Aufrufe zu ändern. Anders formuliert: How to Break Bad Habits?

    Facebook ist ein Massenmedium. Hierzulange mehr als Twitter oder sonst ein andere Plattform. Und ich denke dem Durchschnittschnutzer ist Veräußerung seiner Privatsphäre egal. Beispiel: Habe gerade mit jemanden via Twitter (welche Ironie) diskutiert, der kein Power-User, Blogger, Journalist oder Coder ist. Ihm ist es egal, ob Facebook ihm via JS-Tracker verfolgt. Ghostery möchte er lieber nicht installieren, obwohl die Installation eines Browser-Plugins nun wirklich erfreulich einfach ist. Was soll man dazu noch sagen?

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 19. März 2013 um 14:20

    Ich hatte das mit Domian nicht mitbekommen. Auf YouTube (das sich auch sehr negativ verändert hat) antwortet man mit sowas auf Streisand-Effekt. Dann geben sie manchmal auf. Aber keine Ahnung, ob das auf FB funktionieren würde …

  • Der Werner via Facebook schreibt am 19. März 2013 um 14:47

    * „Die Zensur ist die schändlichere von zwei Schwestern. Die ältere heißt Inquisition. Die Zensur ist das lebendige Eingeständnis der Herrschenden, daß sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können.“ – Johann Nepomuk Nestroy

  • ben_ schreibt am 20. März 2013 um 11:40

    Auch von mir 10 von 10 für den Blumfeld!

    Dann: Ich hab mir abgewöhnt, in fast allen Zusammenhängen von „Zensur“ zu sprechen. Der Begriff „Zensur“ kann nichts anderes als Fundamentalopposition hervorrufen und verhindert eine brauchbare Diskussion. Wir sind uns einige, dass einige Dinge in diesem Land nicht gesagt werden sollen. Stichwort „Ausschwitzlüge“, das heißt dann nicht „Zensur“ sondern „Volksverhetzung“. Wir sind uns genauso einig, dass bestimmte Dinge gesagt werden können sollen. Domians Papst-Kommentar (‚Kritik‘ würde ja sogar schon zu weit gehen) zum Beispiel. Das nennen wir dann „Meinungsfreiheit“. Und wenn jemand diese unterbindet, nennen wir das das dann „Zensur“.

    Die Wahrheit ist – meiner bescheidenen Meinung nach – dass wir selber moralische Grenzen setzen müssen, für das, was wir erlauben wollen und was nicht. Ende. Öffentliche Akteure müssen auch in Rahmen kritisierbar bleiben. Ausschwitzlügen müssen verboten werden können. „Zensur“, „Volksverhetzung“ und „Meinungsfreiheit“ sind da nur hinderliche Kampfbegriffe die an der eigentlichen inhaltlichen Diskussion vorbeiführen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 20. März 2013 um 11:57

    @ben_ Ja, das ist unglücklich gewählt. Hab mich da leiten lassen vom Domian-Post selbst und von den zitierten Beiträgen. Hätte hier nicht von „Zensur“ sprechen sollen.

  • KAOS schreibt am 21. März 2013 um 19:07

    diaspora scheiterte?
    na ja, ansichtssache. also ich benutze es täglich und bin dort sehr zufrieden. :)
    siehe kaos@wk3.org

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