Godwin’s Law – Mike Godwin über sein Gesetz

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Mike Godwin, Erfinder von Godwin's Law

Godwin’s Law kennst Du. Und wenn Du es nicht kennst hast Du es in unzähligen Debatten schon oft beobachten können.

„Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an.“

Das hat oft zur Folge, dass die Debatte selbst nicht weiter geführt werden kann, da der Vergleich selbst zum Gegenstand einer Debatte wird. Das New York Magazine hat nun mit Mike Godwin anlässlich eines Hitler-Vergleiches der National Rifle Association gesprochen und ich muss sagen das ist ein sehr interessantes und unterhaltsames Interview. Lustig fand ich u.a. folgende Passage, kennen wir hier ja auch mit N24.

Do you happen to know a lot about Hitler? Are you a Hitler expert?
Oh, no. I think there are probably countless watchers of the Hitler — pardon me — the History Channel who know much more about Hitler than I do. I’ve read some of the classic texts, but I’m not a Hitler expert. Which is just as well, because my name is already uncomfortably linked to Hitler anyway, and if I were, like, publishing papers or doing Hitler scholarship, it would just be worse.

Das gesamte Interview findest Du hier. Und jetzt hör auf mit den Nazivergleichen, Du machst Dich damit nur lächerlich. Godwin selbst behauptet übrigens niemals jemanden mit Hitler oder den Nazis verglichen zu haben. Aber wie gesagt, lest das Ding selbst. Bitte! Es könnte unserer Diskussionkultur nur gut tun. Ob sich mein Einhorn’s Law noch durchsetzen wird? Ich glaube nicht. Dabei lässt es sich z.B. wunderbar auf Frei.Wild Diskussionen übertragen.

(Foto von Lane Hartwell unter CC-Lizenz)

    11 Kommentare:

  • Icke schreibt am 14. März 2013 um 12:31

    Dieses unsägliche „Gesetz“ hat leider dazu geführt, dass inzwischen zum Teil überhaupt nicht mehr über faschistoide oder totalitäre Strukturen geredet werden kann, ohne dass irgendjemand die Godwin-Karte zieht. Gerade heute, wo der Totalitarismus wieder schwer im Kommen ist, ist das absolut fatal und der Lage überhaupt nicht mehr angemessen. Wie soll man denn beschreiben, was gerade in Ungarn passiert, ohne historische Vergleiche zu ziehen? Wie soll man über die Goldene Morgenröte in Griechenland reden, ohne den Vergleich zu ähnlichen Tendenzen während der Weimarer Republik zu ziehen? Aber sobald irgendwer das Wort „Nazi“ auch nur wittert heißt es gleich „mach dich nicht lächerlich“. Und wer profitiert davon am meisten? Die Nazis. Tolle Wurst.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 14. März 2013 um 13:15

    Dieses Gesetz verbietet es aber auch keinem totalitäre oder faschistoide Strukturen als eben solche zu bezeichnen. Seltsam, dass manche das nur können in dem sie den Kritisierten Armbinden und Bärtchen anstecken. Ich denke nicht dass ein schlüssiger historischer Vergleich damit per se verboten ist oder sein sollte.

    Meine Beobachtung ist sogar die Gegenteilige, dass diese Vergleich trotz des Gesetztes inflationärer denn je genutzt werden. Gerne mit eben genau dieser Argumentation: „Ich sag doch wie es ist, das ist doch Faschismus.“

  • Icke schreibt am 14. März 2013 um 14:06

    Also ich habe einfach das Gefühl, dass immer wieder, sobald man in Richtung „das ist Faschismus“ redet, sofort der Godwin-Hammer kommt und dabei dann eben viele Leute meinen, damit „hätten sie jetzt gewonnen“ und der andere die Diskussion automatisch verloren. So ist das eben, wenn die Leute nur noch Schlagworte kennen („Gowdin äähäätsch“), aber nicht den Hintergrund dazu.

    Abgesehen davon, dass ich Armbinden und angeklebte Bärtchen durchaus für eine angemessene Verballhornung faschistischer Strukturen halte :-P

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 14. März 2013 um 14:27

    Auf „Das ist Faschismus“ könntest Du Godwin doch gar nicht anwenden. Für mich ist das genau so doofes „Klartext“ und „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ wie Du es sonst aus anderen Ecken kennst. (Wie Übrigens auch der Begriff XY-Keule, der oft strategisch angewandt wird.)

    Liegen für Dich der historische Vergleich und die angemessene Verballhornung tatsächlich so nahe beeinander?

    Ich hab mich mal (leider) einer solchen Diskussion hingegeben und am Ende hieß es Merkel würde bestimmt bald Todeslager errichten um den Vergleich irgendwie noch zu rechtfertigen. Ich halte da nichts von und kann verstehen, wenn die Diskussion vor so einem Schwachsinn beendet wird ohne die „Argumente“ des Anderen weiter hören zu müssen.

  • Peddargh schreibt am 14. März 2013 um 15:02

    Also mit Hitler-Vergleichen habe ich in letzter Zeit eigentlich weniger Probleme, begegnet mir weniger.

    Es sind die Stalin-Vergleiche und anderes was mir in Diskussionen immer häufiger Begegnet.
    Man muß nur den Mindestlohn ansprechen und braucht nicht lange warten bis da einer kommt, um einen daran zu erinnern wie ruinös die DDR, die UDSSR doch waren, Mauertote, Gulags, Stasi etc. p.p. …

    Für mich viel nervtötender als diese Hitlervergleiche.
    Einfach weil häufiger und so grenzdebil.

  • Icke schreibt am 14. März 2013 um 15:02

    Naja, wenn da so nen Schwachsinn kommt ist schon klar, dass du da keine Lust drauf hast. Ich auch nicht. Ich persönlich habe einfach ECHT Angst vor den kommenden Jahren bzw Jahrzehnten und jeder, der mir die Godwinkeule auf den Kopf haut, regt mich maßlos auf weil ich halt glaube, dass viel zu viele Leute der aufziehenden Gefahr komplett blind gegenüberstehen.

  • Emanon schreibt am 14. März 2013 um 16:51

    @Icke, Daniel

    Ich muss sagen, dass mir das recht selten unterkommt, dass jemand mit einer Godwin-Keule argumentiert. Das liegt aber auch sicher an den Orten, an denen man diskutiert.

    Was die Vergleichbarkeit historischer Ereignisse mit der Gegenwart betrifft, muss man als Vergleichender allerdings natürlich aufpassen, dass man den Leuten gar keine Möglichkeit gibt, mit eben dieser Keule oder mit dem Argument der „Unvergleichbarkeit“ geschlagen zu werden.

    Zuerst bedeutet Vergleich nicht, dass man Dinge als „gleich“ oder „ebenbürtig“ ansieht. Man kann auch zwei Dinge vergleichen und danach feststellen, dass sie unterschiedlich sind. Das ärgert mich sowieso, dass das Wort des Vergleichs ständig falsch definiert wird.

    Und dann muss beachtet werden, dass man immer zwei Dinge vergleicht, wenn es um Historie geht: Die Ursachen/Entstehung und die Auswirkungen.

    Wenn man also vor faschistoiden Tendenzen warnen will und darauf aufmerksam machen will, dass die sozialen Strukturen Griechenlands denen Weimars gleichen, muss man sich wahrscheinlich die Zeit nehmen die Diskussion kurz auf eine Meta-Ebene zu heben und den anderen erklären, dass man die Ursachen des verbrecherischen Totalitarismus anhand des Beispiels Weimar/Nazi-Zeit vergleichen will, aber natürlich die Auswirkung des Holocausts für einmalig hält und hier nichts relativieren will.

    Man muss nur Greece/greek + Weimar googlen um festzustellen, dass das bspw. im englischen Sprachraum vollkommen klar ist, was in Griechenland passiert und wo das hinführen kann.

  • daMax schreibt am 15. März 2013 um 13:29

    So richtig cool finde ich ja, dass inzwischen sogar SPIEGELs Rechtausleger Jan Fleischhauer Faschovergleiche macht, um Beppo Grillo zu diskreditieren:

    http://schrottpresse.wordpress.com/2013/03/14/die-vuvuzela-von-spiegel-online-und-godwins-law/

    Der Engländer sagt dazu: takes one to know one.

  • daMax schreibt am 15. März 2013 um 13:32

    Oops: Beppe, nicht Beppo. Freud lässt grüßen :)

  • daMax schreibt am 15. März 2013 um 13:45

    Hier noch ein guter Text ausm WWW: http://aufzeichnungen-eines-gutmenschen.blogspot.de/2013/03/die-alteneue-keule-linksextrem.html

    Ignoriert am Besten die Kommentare ;)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 15. März 2013 um 14:42

    Grillo hat allerdings diverse antisemitische Kommentare gemacht. Was ich las ist auf jeden Fall ziemlich krasser Verschwörungskram. Stichwort: Hollywood, Mel Gibson, Medien.

    Fleischhauer interessiert mich allerdings nicht, daher kann ich nicht mitreden. Sein Anti-PC Alte Männer Gelaber tue ich mir nur im Zweifel an. Stellt sich mir eher die Frage ob ein Mussolini-Vergleich auch unter Godwin’s Law fällt. Ich bin der Meinung nicht.

    Extremismusdefinitionen sind für mich dabei allerdings eine komplett andere Diskussion.

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