Die Telekom und die Netzneutralität – Worum geht’s hier eigentlich?!

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Zurück zum Akustikkoppler?

Netzneutralität ist immernoch nicht für jeden ein Begriff, dabei betrifft es immer mehr Menschen. Nunja, genau genommen alle die sich im Web bewegen. Damit gemeint ist die wertneutrale Datenübertragung im Internet ganz unabhängig davon von wem die Daten stammen und zu wem sie kommen. Eine gute Infografik dazu findest Du hier.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie z.B. Norwegen oder den Niederlanden ist die Netzneutralität in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben. Eine gute Möglichkeit für Provider dort einzugreifen. Die Telekom kündigte mit der Reform ihrer Festnetztarife genau einen solchen Eingriff an. Digitale Diskriminierung nennt das die Piratenpartei, ein 2-Klassen-Netz heißt es auf Netzpolitk.org und fordert genau so wie die Opposition gesetzliche Regelungen. Selbst in der Zeit ist die Rede vom Ende des Internet wie wir es kennen. Und beim Spiegel schreibt Sascha Lobo:

„Die Telekom verkauft ab Mai 2013 kastriertes Internet. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine neue Kundenzumutung in einem nicht eben zumutungsarmen Bereich. Sondern um ein Großpolitikum der digitalen Infrastruktur, ein Menetekel der Netzgesellschaft, ein Angriff auf das Internet selbst. Denn die Telekom verabschiedet sich – auch, wenn sie das vermutlich mit wolkigen Definitionsumdeutungen bestreiten würde – mit der Drosselung en passant vom Prinzip der Netzneutralität. […]

Die Netzneutralität aber ist die Grundvoraussetzung für ein freies, offenes und sicheres Internet. Netzneutralität bedeutet, die im Netz fließenden Daten so gleich wie technisch sinnvoll zu behandeln. Fängt ein Netzbetreiber damit an, die Daten je nach Absender und Adressat zu unterscheiden – dann droht das freie, offene Internet selbst zum Markt zu werden, und zwar an der gefährlichsten Stelle überhaupt: dem Informationsaustausch.“

Konkurrenten wie Vodafone und Unitymedia planen bisher keine Drosselungen, wie der Eingriff euphemistisch bezeichnet wird. Dennoch bleibt die Frage, ob andere Anbieter das Durchhalten können, sind viele doch auf die Leitungen der Telekom angewiesen.

Ergänzende Linksammlung zum Thema Telekom und die Drosselung:

Telekommunikationsanbieter und die Irrtümer von Nico Lumma
Telekom führt Ende der Netzneutralität ein: Eine Idee. auf Spreeblick
Mit der Telekom zurück ins Modemzeitalter von John F. Nebel
Darüber lacht die Telekom bei der Titanic
Telekom: Deutschlands Internetvorräte wären ohne Drosselung bis 2016 erschöpft beim Postillon
Satire: Die Flatrate-Optionen der deutschen Telekom von André Vatter
DSL-Drossel: Router-Anbieter wirft Telekom Lüge vor
Videodienst Watchever kritisiert die Telekom
Netzneutralität und Politik in Europa

    4 Kommentare:

  • mandarine_one schreibt am 23. April 2013 um 17:02

    Ich hab letztens irgendwo gesehen wie die Netzneutralität mit dem Postgeheimnis verglichen wurde. Das finde ich ganz gut, das rüttelt die Leute vielleicht auf und Sensibilisiert sie für das Thema. Denn wer lässt sich schon gern in seine Post und Pakete schauen …

  • Dieter schreibt am 24. April 2013 um 05:51

    Keine neuen Verträge bei der Telekom abschliessen, bestehende unter Hinweis auf die Pläne kündigen.
    Geld regiert auch die Telekom.

  • Markus schreibt am 24. April 2013 um 08:15

    Die Frage ist nicht, ob sie das „Durchhalten können“, sondern ob sie das wollen. Zumindest von Vodafone gab es diesbezüglich in den vergangenen Jahren ganz klare Aussagen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie ein ähnliches Modell starten.

  • Joaquin schreibt am 28. April 2013 um 17:37

    Oder bis ein anderer Anbieter kommt und seine Netze aufbaut, gerne auch über das Funknetz usw. wie es nun ja auch Google in den USA macht. Nur sollte da erst einmal der Anfang gemacht worden sein, wird die Telekom diesen Fuß der Anderen, nicht mehr so schnell aus der Tür bekommen und sich selbst das Grab geschaufelt haben.

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