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Kaputtmutterfischwerk zum Verkauf – Ronny Kraak im Interview

Von Daniel • 07.10.2013

Zum Verkauf: kaputtmutterfischwerk.de

Blogs verkaufen?! Da war doch was. 2009 konnte Robert Basic fast 47.000 Euro mit Basic Thinking einfahren. Dagegen ist www.kaputtmutterfischwerk.de mit 3000,- ein Schnäppchen, doch interessiert das heute noch Leute und vor allem, lohnt der Backlash?! Ronny testet das mit seinem Notstandsblog, den er über knapp 5 Monate nun führte, und steht mir Rede und Antwort.

Hi Ronny, Du verkaufst Deine Ausweichdomain und stellst sie zur Versteigerung auf ebay. Mindesgebot ist 3000 Euro. Robert Basic hat damals über 40.000 für Basic Thinking bekommen. Wie rechnest Du Dir Deine Chancen aus?!

Um ehrlich zu sein; keine Ahnung. Basic hatte damals alles im Paket verkauft, wenn ich mich recht erinnere. Die Domain, das Blog, das komplette Archiv inklusive Facebook-Seite. Da ist natürlich weit mehr, als jetzt das 5 Monate alte Blog zu bieten hat. Mit meinem eigentlichen Blog würde da sicher weit mehr gehen, aber das zu verkaufen käme nicht in Frage. Ich habe die 3000 auch nur als Fixpunkt, weil ich es darunter nicht weggeben würde und weil eBay die versteckten „Wunschpreise“, die man angeben kann, ohne das sie die Bietenden sehen, nicht für Domains anbietet. Dann hätte ich bei 1,00 gestartet und das leichte Gejaule erst in spätestens 10 Tagen kassiert. Vielleicht hätte man da auch was mit eBay dealen können, aber das hätte dann wieder gedauert. Wie fast immer bei mir, ist das eher ein Schuss aus der Hüfte und ich gucke einfach, was da so geht, oder eben nicht geht.

Ich habe das Gefühl, dass Du den Verkauf als Experiment siehst, denn als ernst gemeinten Zubrot-Verdienst. Sehe ich das richtig?

Ja, das ist richtig. Steht da ja auch. Ansonsten hätte ich das auch etwas ernsthafter und seriöser angehen können, klar. Am Ende ist es aber so, dass gerade viele Agenturen in der Summe viel mehr Geld für irgendwelche gesponserten Artikel zu zahlen bereit sind, anstatt sich selber täglich etwas Mühe zu machen und etwas aufzubauen. Das hier wäre ein gewisses Startkapital, wenn auch ein kleines, von dem ich nicht weiß, was es objektiv wert ist. Subjektiv sind es mir eben die 3k. Agenturanfragen gab es jetzt bereits. Ob daraus was wird, weiß ich natürlich nicht.

Ich mag Experimente dieser Art und bin auch gar nicht traurig, wenn sie nicht funktionieren. Das ist allerdings vorab kein Grund, sie nicht auch mal einzugehen.

Hätte ich eine Agentur und eine gewisse Affinität zu Blogs, würde ich mir überlegen, ob dieses Experiment den Preis nicht wert wäre, glaube ich.

Dennoch war Dir klar, dass Du ordentlich was auf den Deckel bekommst. Als jemand der Advetorials ablehnt, weitestgehend auf Bannerwerbung verzichtet und sich auch immer kritisch dazu äußerte. Ist das Experiment es wert?! Einige wenige kündigten ja schon an Deinen Blog nimmer lesen zu wollen.

Ja klar, war das klar. Es ist ein deutscher Reflex, dass erstmal gebellt wird, wenn Leute, die im Netz Wohlfühlecken für andere schaffen, dann auch nur in irgendeiner Form darüber nachdenken, sich das irgendwie vergüten zu lassen. Die Debatte gibt es, seitdem damit begonnen wurde, überhaupt in einer Form Geld für das Bloggen zu nehmen. Erst war es Werbung in Textlink- oder Banner-Form, dann waren es Advertorials, die bis heute von einigen Kollegen nicht als solche gekennzeichnet werde. Ich glaube, viele denken, dass man für so was kein Geld bekommen dürfte. Weil das ist schließlich nur „so eine Seite machen, das kann ja selbst ich“. „Und seit wann kann man sich ein Hobby bezahlen lassen?!“ Andern ist vielleicht auch gar nicht klar, dass sich hinter den ganzen Dashboards der Blogs mittlerweile auch so etwas wie ein Business entwickelt hat. Das es da Agenturen gibt, die für einen veröffentlichten Beitrag mit einem Link 500,00 EURO und mehr zu zahlen bereit sind. Das ist für manche, so glaube ich, unvorstellbar, aber eben Realität. Ich bringe derartige Beiträge nur extrem selten bis nie und kennzeichne sie dann immer als Advertorial. Ich bin da gerne ehrlich.

Zum anderen wird sich auf meinem eigentlich Blog ja auch genau gar nichts ändern. Ich habe halt „eins übrig“ und dachte, ich probier das mal aus.

Und ja, zu sehen, was da jetzt passiert, ist mir das wert. Alleine die Reaktionen sind es. Das zeigt eben, wie viele deiner Leser denken. Manche sehen sich als Teil des Blogs und sind jetzt enttäuscht, dass ich so ein Angebot starte. Sie fühlen sich gar „verkauft“. Ich kann das auf gewisser Weise nachvollziehen, am Ende aber ist es mein Blog, meine Arbeit, mein Weg. Ich zwinge ja keinen dazu, mein Blog zu lesen. Was man wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen wie Twitter, Facebook, Google oder sonst wem zugesteht und denen man ebenso seine Profile und Meinungen anvertraut, gilt eben nicht für ein Blog, was primär privater Natur ist. Manchmal ist diese Ambivalenz schwer strange. Aber ich kann damit umgehen, denke ich. Wenn ich ein Blog wollen würde, welches demokratisch mit anderen betrieben wird und bei dem Entscheidungen demokratisch getroffen werden sollten, hätte ich womöglich so eins.

Andererseits erfahre ich da eben so etwas ganz Triviales wie Missgunst. Dabei ist noch nicht mal ein Gebot eingegangen, aber offenbar meinen manche, dass es das so nicht geben dürfte. Warum auch immer. Vielleicht auch aus den oben schon genannten Gründen.

Nun gut, aber bei Dir ist es ja ähnlich wie bei mir, dass inhaltlich durchaus Kapitalismuskritik angebracht wird auf der anderen Seite aber auch Banner geschaltet werden. Das hat schon was von Wasser predigen und Wein trinken.

Andererseits zahlt sich ein Server der Deine Zugriffe verkraften muss auch nicht von selbst und ich gehe mal davon aus, dass das Stilanzeigen Banner bei Dir gerade mal diese Kosten deckt. Das ist eine Ambivalenz in der wir immer stecken. Meinst Du, dass der Eindruck eben daher kommt, weil die Leser*innen nicht wissen, dass ein Advetorial 500 Euro bringen kann?! Oder ist es eher eine Enttäuschung, weil eben auch Feed-Abonnenten und Kommentare mit verkauft werden? Also der Nutzer selbst wieder zur Ware wird?

Das ist halt eine fiese Ambivalenz. Ich lebe ja auch in einem kapitalistischen System, bin Teil dessen, gebe meine Arbeitskraft in dieses und werde dafür bezahlt. Also mal fernab vom Bloggen. Geht anderen sicher nicht anders. Und auch wenn ich mein eigentliches Geld im sozialen Bereich verdiene, ist dieses eben in den Kapitalismus gebettet. Ich muss das ja aber trotzdem nicht gut finden.

Ich glaube schon, dass einige nicht wissen, was für Summen aktuell in Blogs fließen und deshalb irgendwie schockiert von dem Startpreis sind, ja.

Natürlich werden weder die Mailadressen noch die Kommentare mit verkauft. Die Comments.db ist nicht Teil des Verkaufs – alleine der Mailadressen wegen. Und natürlich kann man seinen Feed ohne weiteres abbestellen. Am Ende biete ich dort etwas an, was ich geschaffen habe, etwas, dass es ohne mein Zutun so nicht geben würde. Natürlich tragen Leser ihren Anteil dazu bei, aber ich will mir deshalb nicht bestimmte Entscheidungen mit ihnen teilen müssen.

Was wäre denn das Beste was Du Dir vorstellen kannst, wenn der Blog verkauft würde? Sozusagen Deine Traumvorstellung was mit der Domain und dem Content gemacht wird?!

Wenn es irgendwer kaufen würde und das damit macht, wofür ich es ursprünglich aufgesetzt habe: bloggen nämlich. Allerdings liegt das nicht in meiner Hand und ob es tatsächlich weggeht ist ja alles andere als gewiss.

Und was wäre das Schlimmste?! (Auch vorrausgesetzt, dass der Verkauf stattfindet)

Da gäbe es so einiges, aber ich will da keine schlafenden Hunde wecken.

Danke Dir und viel Erfolg!



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