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Hamburg – Neues aus der Danger-Zone

Von Daniel • 06.01.2014

Danger-Zone

Hamburg – Gefahrenzone. Bereits in den ersten 30 Stunden wurden mehr als 260 Personen kontrolliert. Da stellt sich die Frage: Woran erkennt die Polizei menschliche Gefahrenquellen? Genau dieser Frage gingen zwei Frauen beim Spaziergang im Gefahrengebiet nach:

„Ich und eine Freundin spazierten heute bei dem schönen Wetter warm angezogen und mit einem schwarzen Tuch vorm Gesicht (es ist ja schließlich Winter) durch das Hamburger Gefahrengebiet. Weil zwischendurch die Sonne rauskam trugen wir außerdem eine Sonnenbrille um unsere Augen vor dem gefährlichen UV-Licht zu schützen.“

Auch HH-Mittendrin fragt sich, wie Du die Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter auf Dich lenken kannst und gibt 5 Tipps wie das geht. Die Kritik an dem Vorgehen der Hamburger Polizei wird indes immer lauter. Selbst auf SpOn heißt es „rechtlich korrekt ist nicht immer auch politisch richtig“. Publikative sammelt die schönsten Eindrücke aus der Danger-Zone und bezweifelt die offizielle Darstellung bzgl. des zweiten Angriffes auf die Davidwache.

Natürlich gibt es auch Unterstützer*innen für das Vorgehen. So steht die SPD hinter der Einrrichtung der Gefahrenzone. Und Blogger Nico Lumma resümmiert:

„Einen Dialog können wir in dieser Phase getrost vergessen, dazu muss erst die randalierende Seite einsehen, dass sie den gewaltsamen Kampf nicht gewinnen kann. Nicht nur, weil die Polizei in der Lage ist, das Recht durchzusetzen, sondern auch, weil in der Bevölkerung keinesfalls ein Rückhalt für randalierende Radikale zu sehen ist, von einer Handvoll Romantiker mit Hang zu linker Folklore mal abgesehen, die sich zurechtlegen, dass die Gewalt der Randalierer nur eine Antwort auf die Repression des Staates sei. Das ist Bullshit! Der Staat bin ich, bist Du, sind wir alle. Ich will, dass dieser Staat geschützt wird, ich will nicht, dass marodierende Horden durch die Straßen ziehen und rumrandalieren, fröhlich Sachbeschädigung begehen, Autos in Brand setzen, Schaufensterscheiben einschmeissen und ihre Mitbürger daran hindern, einfach auf der Straße zu sein, nur weil sie ihren spinnerten Ideen mehr Nachdruck verleihen wollen.“

Dabei bleibt die Frage offen, ob die angesprochene Gewalt nicht doch provoziert war. So schreibt der NDR, dass Videos der Polizeiangaben widersprächen und die Demo vielleicht zu früh gestoppt wurde. Außerdem beruft sich die taz auf interne Quellen, die behaupteten, dass die Eskalation gewollt war. In der medialen Berichterstattung spielt das, wie auch die verletzten Demonstrant*innen, eine kleinere Rolle. Die sind ja eh nur „gewalttätiger Abschaum“.

Weiterführende Links

Gefahrengebiet Hamburg Karten-Mash-Ups bei Urbanshit
Deutschland 2014: Ausnahmezustand im Gefahrengebiet bei der De:Bug
Was es anrichtet – Die eskalierende Unfähigkeit der Politiker bei den Blogrebellen
Rote Flora – 50.000 Hamburger unter Generalverdacht
Hamburger Polizei korrigiert sich – Zweifel am Angriff auf Davidwache
Polizei Hamburg möchte lieber keine Auskunft nach dem Transparenzgesetz geben
Wann gefährdet Transparenz die innere Sicherheit?
Eine Mail an das Auswärtige Amt wegen der Gefahrenzone in Hamburg und die Antwort darauf
Polizist Thomas Wüppesahl im Interview mit der taz: „Das ist irre“
Ted Gaier von den Goldenen Zitronen erzählt, wie er die Auseinandersetzungen erlebt hat: „Man haut nicht das eigene Viertel zu Klump“

(Bild via Ronny)



Ein Trackback »

    3 Kommentare »

  • constantin schreibt am 6. Januar 2014 um 22:05

    Ganz gute Sammlung, nur bei „In der taz heißt es, dass die Hamburger Polizei alle Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts und der Verwaltungsgerichte mit den Füßen träte.“ ist der verlinkte Artikel von 2011 und passt somit nicht ganz zur aktuellen Diskussion (bzw. ist irreführend).

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 7. Januar 2014 um 09:39

    @constantin Danke Dir, hab den Link entfernt!

  • loudNoize schreibt am 7. Januar 2014 um 21:11

    Wieso sollte man einer Staatsgewalt vertrauen die Menschen in ihrer Zelle verbrennen lässt?
    Oder Autodiebe erschiesst?

    Am 6. Dezember 2008 Alexandros in Athen,
    am 31. Dezember 2008 Dennis in Schönfließ bei Berlin,
    am 1. Januar 2009 Oscar Grant in Oakland,
    am 30. April 2009 Tennessee Eisenberg in Regensburg…

    …die Liste ließe sich unendlich weiterführen.

    Sie alle wurden von Bullen erschossen. Die Bullen werden danach immer von ihren KollegInnen gedeckt, die Ermittlungen werden verzögert und oftmals mit der Begründung, dass alles seine Rechtmäßigkeit hätte, komplett eingestellt. Falls es doch mal zu einem Gerichtsverfahren kommt, steht am Ende immer der Freispruch, wie die Beispiele von Oury Jalloh und das aktuelle in Hamburg zeigen.

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