Du bist Markus Lanz!

Ich breche eine Lanze für Lanz

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Du bist Markus Lanz!

Eines vorweg, nein Markus Lanz hat das Wortspiel in der Überschrift nicht selbst verbrochen. Gleichwohl es zu ihm passen würde, sind seine linguistischen Scharmützel doch berüchtigt. So nahm er den Nachnamen von Katrin Sass doch zum Anlass zu scherzen, dass sie Ihr Geld „nicht verprasst, aber versasst“ habe. LOL, ROFL, Pups!

Vielmehr geht es hier um die These, dass Lanz genau das ist was die Zuschauer*innen verdienen. Lanz dient vielleicht zu nichts wofür er vom ZDF vorgesehen ist – was auch immer das sein mag – aber er ist der perfekte Spiegel der selbsternannten „Mitte“. Kann Realitycheck für jede*n sein, der es sich zu gemütlich in seiner eigenen Filterbubble machte.

Lanz deckt nicht auf, sondern ab. Und was er nicht schon alles Abdeckte: Mackertum und Sexismus, übergriffige Touchyness, Rassismus und Geschichtsrevisionismus. Und nicht zu vergessen: Er versteht es wie kein anderer hintersinnig den fehlenden Laizismus in Deutschland immer wieder in seine Dialogfetzen einzubauen. „Was würde der liebe Gott dazu sagen?!“, den es überhaupt nur in Zusammenhang mit dem Attribut „lieb“ gibt.
Er verkörpert mit seinen Belehrungen und Unterbrechungen, seinen Einwürfen und Thesen genau das was allgemein gerne als „Meinungsfreiheit“ bezeichnet wird. In der Selbstwahrnehmung nicht populistisch, denn Lanz lehnt sich zurück und lässt die Stirn runzeln. Auf den Karten belegende Zitate, denn es kann stets ein Beleg gefunden werden. Er legt den Finger an die Lippe und imitiert den Denker von Auguste Rodin. Stark! Welch Bildkraft! Lanz kann’s!

Und er kann noch mehr: Den Stammtisch ohne Klischees, den Populismus, der sich selbst nicht als solcher wahr nimmt weil nicht geschrien wird. Kaschierende Worthülsen verklausulieren!

Würde ich in der Werbung tätig sein und beauftragt eine Neuauflage der unsäglichen „Du bist Deutschland“-Kampagne zu machen. Sie bestünde lediglich aus einem Motiv. Lanz, wie er angestrengt auf die Unterlippe beißt, sich vorbeut und den Zeigefinger erhebt – was er nicht tut um den Zeigefinger zu erheben, sondern um zu signalisieren, dass etwas interessant sei – „Horcht auf!“. Und genau das sollten alle tun.

Es gibt vielleicht keine/n Fernsehmoderator*in, der/die das leistet was Lanz zu vollbringen mag. Ungeschönt und unbedacht ein Selbstbildnis der Intellektualität zwischen Mario Barth und Spiegel-Bürgerlichkeit zu verkörpern welches schon satirische Ausmaße annimmt. Natürlich, und das ist sein größtes Manko, soll es keine Satire sein. Ein Mißverständnis welches Publikum, Lanz selbst und die Sendeverantwortlichen weiterhin irritieren wird. Wer sich daran stört sagt gerne, dass keiner den Scheiß zu gucken braucht und Du ja selbst schuld seist, wenn Du es dennoch tust. Andere fordern gar: „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!“

Dabei passt Lanz in dieses Land, in diese öffentlich-rechtliche Medienlandschaft, wie kein anderer. Raus aus den Rundfunkgebühren? Wo soll er denn hin? Zurück zu RTL?! Das macht doch keinen Sinn! Dann würde die Ironie, die Tragik des ganzen Hypes und die Aufregung um seine Person doch verloren gehen.

Die Leute äußern sich abfällig über Dschungelcampgucker und rümpfen die Nase. Gleichzeitig wird Lanz tatsächlich für intelligente(re) Unterhaltung mit Bildungsauftrag gehalten. In den kommenden Jahrzehnten wird rückblickend dieser Widerspruch unserer Kultur analysiert werden und Teil mindestens einer Promotion sein für die der Doktortitel später nicht wieder aberkannt wird. Lanz als zusätzliche Chance für zukünftige Politker*innen. Was der nicht alles kann! Unglaublich! Cooler Typ!

    8 Kommentare:

  • dermehler schreibt am 22. Januar 2014 um 01:18

    Es gibt ja ein Markus-Lanz-Trinkspiel,wo man die Duzerei und Klassiker wie“Haben sie schonmal gekiffen“ mit Alkohol garnieren/untermalen kann damit man die selbe Gehirnwellenlänge oder besser -kürze wie Lanz bekommt!

  • Daniel schreibt am 24. Januar 2014 um 10:42

    Lanz ist Italiener. Da geht nicht mehr viel mit „Du bist Deutschland“. Da müsste erst die mussolinische Freundschaft wiederhergestellt werden. Bleibt die Frage, ob es das wert ist?
    http://www.titanic-magazin.de/uploads/pics/140122_RichertAuslaender.jpg

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 24. Januar 2014 um 10:50

    @Daniel Tatsächlich, war mir nicht bekannt. Ändert aber nichts daran, dass Lanz die so called „Mitte“ Deutschlands perfekt verkörpert.

  • dermehler schreibt am 24. Januar 2014 um 14:11

    Konvertiten sind doch eh die schlimmsten.
    Sie leben unter dem Druck/in dem Wahn bessere Irgenswasse zusein und haben das Potenzial die schlimmsten Fanatiker zu werden…
    Jetzt ist Lanz ausser für Satire in der absoluten Ignore-Liste! Basta;-)!

  • Daniel schreibt am 24. Januar 2014 um 18:54

    Das stimmt zweifelsohne.

  • MissInformation schreibt am 24. Januar 2014 um 20:11

    Ein wirklich guter Beitrag. Danke dafür.

  • dermehler schreibt am 29. Januar 2014 um 22:20

    Oh unsichtbares rosa Einhorn,ich bin in einem tiefen Konflikt heute ist der Herrn Kalkofe beim Lanz und noch der Karasek dabei. soll ich der Versuchung nachgeben und gucken oder auf einen „schönen“ Zusammenschnitt warten….?!

  • dermehler schreibt am 30. Januar 2014 um 00:34

    Hab nicht widerstehen können
    -Ein Highlight war als Lanz von „Nicht glatt Gebügelten Fernsehen „sprach im Gespräch mit Kalkofe.
    Wenn Moderatoren Worte in den Mund nehmen,die sie zwar aussprechen können,deren Sinngehalt nicht mal ansatzweise verstanden wird haben wir ihr ein „Masterpiece“,so to say.
    ;-)!

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