Die neue Rechte – „Ein Heil ohne Hitler“

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Die „Gefahr aus der Mitte“, „Mitteextremismus“ oder auch „neue Rechte“. Ihr wisst, das ist hier oft Thema und daher komm ich auch nicht drumher auf den Kommentar „Rechts in der Mitte – Wo das eigentliche Problem liegt“ von Prof. Dr. Kurt Möller für Deutschlandradio Kultur hinzuweisen:

„Das eigentliche, viel größere Problem wurzelt anderswo. Und es wurzelt viel tiefer; nämlich dort, wo der Nährboden für braunes Gedankengut und rechtsextreme Exzesse liegt. Dieses Areal liegt nicht am Rande der Gesellschaft, es ist mittendrin. Die davon ausgehende Gefahr ist ungleich größer und tückischer.

Seriöse empirische Befunde weisen für die politischen Einstellungen bundesdeutscher Erwachsener aus:

Mehr als ein Drittel der deutschen Jugendlichen ist ausländerfeindlich

Rund ein Fünftel der Deutschen vertritt rechtsextreme Einstellungen. Nahezu genauso viele billigen Gewalt, um sie durchzusetzen. Etwa die Hälfte von ihnen besitzt sogar ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Diese fast zehn Prozent sind also sowohl rassistisch, und fremdenfeindlich als auch antisemitisch gestimmt, propagieren autoritäre Führungsstrukturen und verharmlosen zugleich den Nationalsozialismus.

Ein Großteil der Rechtsstehenden fühlt sich selber allerdings keineswegs als Rechtsausleger, sondern in der politischen Mitte beheimatet. Menschen, die sich so positionieren, wollen offenbar ein Heil ohne Hitler.“

Den gesamten Beitrag kannst Du hier hören und lesen!

(via ronny)

    9 Kommentare:

  • woff schreibt am 31. März 2014 um 10:12

    ein staat, der sich aus immer mehr bereichen zurückzieht, die er eigentlich schützen und fördern sollte (bildung, gesundheit, soziales, arbeit bspw.), produziert dieses gedankengut im ursprung zwangsläufig selber. die syptome erkennt man in der befölkerung. die krankheit sitzt in berlin im reichstag und nennt sich regierung.
    wenn propagiert wird, dass nicht genug mittel für alle da sind, wird in der hackordnung nach unten, auf den nächst schwächeren ausgeteilt. das nennt sich dann sozialneid. das hat auch zu tun mit der durchlässigkeit der bevölkerungsschichten und zeigt, dass es der sogenannten mittelschicht nicht gut geht.

  • koz schreibt am 31. März 2014 um 21:25

    @woff

    /Rolleyes…
    >Mehr Bildung!
    >Majuskeln?
    >syptome?
    >befölkerung?
    >…
    >Profit!

  • koz schreibt am 31. März 2014 um 23:37

    Ich hab lange überlegt ob ich dazu was schreiben soll, und ich bin mir ziemlich sicher dass ich von deinen Lesern sofort in die Nazi-Ecke gestellt werde, für das was ich dazu zu sagen habe, ohne dass nur auf eines meiner Argumente eingegangen wird.

    Der Beitrag von Prof. Dr. Kurt Möller ist zwar richtig und wichtig, scheitert aber am eigenen Anspruch:

    „Das eigentliche, viel größere Problem wurzelt anderswo. Und es wurzelt viel tiefer; nämlich dort, wo der Nährboden für braunes Gedankengut und rechtsextreme Exzesse liegt.“

    Und auf dieses „wurzeln“, auf diesen Nährboden, wird, aus gutem Grunde, nicht näher eingegangen. Weil man, wie ich eingangs erwähnte, alleine für das Ansprechen eben dieser Wurzeln, in eine Ecke mit den PI-Spacken, Thilo Sarrazin & co gestellt wird.
    Die, ich will es mal „Krypto-Xenophobie“ nennen, ist tatsächlich unfassbar weit verbreitet. Das äußert sich beispielsweise darin dass „gut bürgerliche“ Rot/Grün-Wählerinnen, die nur Fairtrade kaufen, sich ehrenamtlich engagieren und auf jeder „Gegen Rechts-Demo“ anzutreffen sind und ihre Pseudotoleranz generell gerne vor sich hertragen, dann eben doch in ein Viertel/Dorf ziehen wo es nur deutsch anmutende Türschilder gibt. Den Nachwuchs in einen 20km entfernten Kindergarten karren, obwohl der nächste 5min Fußweg entfernt ist – wegen der „pädagogischen Konzepte“ (auf deutsch=niedriger Migrantenanteil). Das Balg zähneknirschend (Die Kosten!) auf eine Privatschule schicken aus selbigen Grund. Der pubertierenden Tochter durch die Blume sagen dass der Ali vielleicht nicht der richtige Freund für sie ist. Lieber den „deutschen“ Praktikanten/Auszubildenen im Betrieb annehmen, auch wenn seine Noten ggü dem mit „Migrationshintergrund“ sehr viel schlechter sind.
    Das, und sehr viel schlimmeres, findet alles zweifelsfrei jeden Tag statt. Aber worin „wurzelt“ das? Mit sicherheit nicht in fehlender Bildung. Mit sicherheit nicht in rechter Propaganda. Das wurzelt in persönlich gemachten Erfahrungen. Die Erfahrung als „deutsche Schlampe“ tituliert zu werden, wenn der Rock nicht bis zu den Knöcheln geht. Der Erfahrung, als „scheiß Deutscher“ angeschrien und mit Schlägen bedroht zu werden, wenn man seine Nachbarn an einem Dienstag um 01:30 freundlich bittet die lautstarke Party doch wenigstens vom Balkon in die Wohnung zu verlegen. Wenn der Sohn zum 3. Mal Jacke/Schuhe/Handy „abgezogen“ bekam. Wenn einem der Zugang zum öffentlichen Spielplatz mit den Worten „Hier nix für Deutsche“ verwehrt wird. Wenn berufstätige, alleinerziehende Mutter um jeden Cent beim Amt kämpfen muss, während X nicht mal daran denkt arbeiten zu gehen, geschweigedem deutsch zu lernen, alles abgenickt bekommt. Mit ansehen zu müssen wie mittelalterliche Weltbider, die offen und ohne hehl Frauen/LBGT-feindlich, antisemtisch und zutiefst faschistoid sind, mit stolz und unverständnis, gar verachtung ggü dem humanistisch/wissenschaftlichen Weltbild, gelebt, zur schau gestellt und propagiert werden.

    Auch das, und sehr viel schlimmeres, findet jeden Tag statt. Erzeugt Vorurteile. Schafft Nährboden. Dass es sich hierbei nur um einen schwindend geringen – aber deutlich sichtbaren, einprägsamen, Anteil der „Migranten“ handelt geht den meisten ab. Und leicht ist es, so entstandene Vorurteile auszuweiten, denn äußere Unterscheidungsmerkmale (Hautfarbe, Name) passen wunderbar in unser evolutionär bedingtes ingroup/outgroup-Raster.
    Da niemand bereit ist sich dieser soziologisch/kulturellen Misere anzunehmen, eben weil stets die Rassismuskeule droht, entsteht allmählich ein gesellschaftliches Klima in dem Xenophobie nicht nur still toleriert und gelebt wird, sondern auch ein wiederaufkeimen von offenem Fremdenhass Tür und Tor geöffnet wird.

  • woff schreibt am 1. April 2014 um 10:08

    @koz
    hihi! ;) aber majuskeln schrob ich nirgens.

  • Massaya Sound System schreibt am 1. April 2014 um 21:36

    @koz

    hm…
    „“gut bürgerliche” Rot/Grün-Wählerinnen, die nur Fairtrade kaufen, sich ehrenamtlich engagieren und auf jeder “Gegen Rechts-Demo” anzutreffen sind und ihre Pseudotoleranz generell gerne vor sich hertragen, dann eben doch in ein Viertel/Dorf ziehen wo es nur deutsch anmutende Türschilder gibt.“

    Wohl eher weil Mittelschicht Hipster-Family das nötige Kleingeld hat um in eine schicke gentrifizierte „alternative“ Gegend zu ziehen?
    Vielleicht sind die „Konzepte“ eher ganz simpel darin zu finden, dass die anderen Schulen tatsächlich „besser“ sind und der geringe „Pleb“-Anteil (egal ob die deutsche Schakkeline oder der osterupäische Ahmed) den Eltern „Sicherheit signalisiert
    (auch eben WEIL sie es sich lesiten können dem Kind die Fahrkarte zu kaufen!

    „während X nicht mal daran denkt arbeiten zu gehen, geschweigedem deutsch zu lernen, alles abgenickt bekommt. “
    WO genau bekommt man alles abgenickt?
    Wieviel „Hartz 4“ bekommt man denn genau, wenn man kein deutsch kann?
    Würde dem tastächlich so sein und nicht durch irgendeine völlig verquere Auffassung seiner Umwelt zustande kommen (wieoft muss sich die türkisch-stämmige Mutter im Sozialamt fertigmachen lassen bis sie trotz sprachbarriere auch nur einen cent sieht?!), hätten wir keinerlei migranten oder flüchtlinge bei den TAFELN!

    „Mit ansehen zu müssen wie mittelalterliche Weltbider, die offen und ohne hehl Frauen/LBGT-feindlich, antisemtisch und zutiefst faschistoid sind, mit stolz und unverständnis, gar verachtung ggü dem humanistisch/wissenschaftlichen Weltbild, gelebt, zur schau gestellt und propagiert werden.“

    auch hier würde ich sagen:
    Das ist eher ein Bildungs- und definitiv ein Freizeitmanagementproblem!

  • koz schreibt am 2. April 2014 um 16:49

    @Massaya Sound System

    You totally missed the point…

    Es geht doch nicht darum dass diese Dinge Regel und allgegenwertig sind. Es geht nicht um die polemischen Beispiele die ich genannt habe. Es geht darum dass diese Dinge besonders stark wahrgenommen werden, auch wenn sie proportional gesehen nicht besonders oft vorkommen – und von unreflektierten Menschen, wie es nunmal die menschliche Natur ist, als einfachstes Erklärungsmodell verallgemeinert werden. Sonst hätten wir nicht mehrheitlich abergläubige und CDU/CSU-Wähler.
    Es reicht wenn jemand die Erfahrung beim Amt ein einziges mal macht, das prägt sich ein. Die 999 male bei dem es nicht so ist sieht der Betroffene nicht. Der sieht nur: „ER hat abgenickt bekommen – ICH muss um jeden cent betteln!“.
    Und BTW – manche kommen durch dreistheit beim Amt an weitaus mehr als der ehrliche, der nur die Zeit zwischen zwei Jobs überbrücken muss. HartzIV ist nicht die einzige Leistung die es gibt. Und jemand der sich im Asylverfahren befindet (und das kann sich schonmal ein paar Monate bis Jahre hinziehen) hat jede menge Ansprüche :
    http://de.wikipedia.org/wiki/Asylbewerberleistungsgesetz#Leistungsberechtigte
    Man wohnt dann zB bei einem Verwandten mit dt.Pass, zahlt dem „offiziell“ Miete und Umlagen und bekommt das dann ungeprüft bezahlt. Aber nochmal: Diese Form von Missbrauch ist eher die Ausnahme, wird aber besonders stark wahrgenommen. Und genau das führt zu Alltagsrassismus. Auch bei Menschen wie meiner „gut Bürgerlichen“. Die weichen dann auf diese passiv-aggressive Xenophobie aus, weil wenn sie offen aussprechen was sie wurmt, einmal kräftig von der Rassismuskeule eine gewischt bekommen.

    „Würde dem tastächlich so sein und nicht durch irgendeine völlig verquere Auffassung seiner Umwelt zustande kommen“

    Und du denkst wirklich im ernst dass der deutsche Durschnittsbürger keine „völlig verquere Auffassung“ seiner Umwelt hat? Vielleicht solltest du dich mal aus deinem Soziothop rauswagen und dir deine Umwelt mal genau betrachten. Kauf dir mal ne Bildzeitung, kuck ein bisschen RTL2 oder setzt dich mal in eine Dorfkneipe und lausche den Gesprächen…DAS ist wie der Durschnittsdeutsche tickt. Traurig aber wahr.

    „Das ist eher ein Bildungs- und definitiv ein Freizeitmanagementproblem!“

    Das sieht Durschnittsbürger aber nicht! Der sieht nur den perlendrehenden Baba der was davon faselt dass Juden von Eseln und Afffen abstammen und Schwule gesteinigt gehören, während seine Frau in Burka brav 10 Schritte hinter ihm herläuft. Und da durschnitsbürger dann nicht sagen darf dass er das scheiße findet, weil er sonst sofort ein Nazi ist, übt er seine kleinbürgerliche Rache eben an dem Bewerber auf den Ausbildungsplatz, den er dann lieber an einen „deutschen“ vergibt. Als „rechts“ sieht er sich deswegen nicht, weil mit den „guten Ausländern“ hat er ja kein Problem, ja ein paar seiner besten Freunde sind ja sogar Ausländer!!!11!eins!elf!

  • Massaya Sound System schreibt am 3. April 2014 um 05:26

    @koz

    THEORETISCH hat ein jeder Asylsuchender ein Recht auf diese Leistungen. Grösstenteils werden diese aber nicht wahrgenommen, da in dem Container-Wohnheim niemand so genau weiss welche Leistungen er zu beziehen hat.
    Ganz zu schweigen vom Arbeitsverbot….

    sonst stimme ich dir soweit zu.

  • q____q schreibt am 3. April 2014 um 16:40

    @koz: Ja, das ist dieses Phänomen, dass Negatives stärker wirkt als Positives (ob es dazu (Entwicklungs?-)Psychogische Forschung/Studien gibt, die das zu erklären versuchen?). Und wenn das vom Mitglied einer Gruppe kommt, bei der man Othering betreiben kann (z. B. wg. Hautfarbe), dann verallgemeinert man das Negative vom Einzelfall auf die Gruppe. Eine der bekannten Wirkweisen von Rassismus/Fremdenfeindlichkeit.

    Wie genau denkst du kann man dem begegnen, wenn nicht mit Bildung und Aufklärung, dass man solche Vorgänge (auch bei sich selbst) erkennt und versucht anders damit umzugehen?

  • koz schreibt am 5. April 2014 um 07:22

    @q____q

    Eine definitive Antwort darauf habe ich auch nicht. „Bildung“ ist sicherlich eine möglichkeit dem zu begegnen, jedoch lassen Menschen sich ungern belehren wenn das persönliche Empfinden dass Gegenteil zu beweisen scheint (anecdotic evidence). Mal ganz davon abgesehen dass wir soviel „Bildung“ verbreiten können wie wir wollen, kognitive Dissonanz wird es immer geben. Was helfen kann ist auf feige pc zu verzichten, Probleme beim Namen nennen und Lösungen diskutieren anstatt übertrieben auf Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Sonst überlässt man den Populisten kampflos das Feld.

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