Entschwörung zu Montagsmahnwachen

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Schon in meinem letzten Post zu den Montagsmahnwachen verwies ich neben anderen Quellen auf Daniel Kulla, der dazu riet die ideologischen Bedürfnisse der Teilnehmer*innen ernstzunehmen statt mit Ablehnung zu reagieren. In seinem Blog hat er das nun genauer ausgeführt. So sei nach ihm der Kern jeder Ideologie sich als Teil der Nation nützlich vorkommen zu können. Etwas was der gewöhnliche Nationalismus und die verkürzte Kapitalismuskritik gleichermaßen bedient:

„Dabei werden immer schon, auch ohne jede Montagsdemo, sehr willkürliche Grenzen je nach eigener Lage gezogen. Ob alle Hartz-IV-Empfänger oder nur manche zu den Faulen zählen, wo die Grenze zum unschicklichen Reichtum verläuft, ob die Distinktion etwa auch nach Bildung, Engagement und Familienstand gezogen wird – das hängt vor allem davon ab, wo sich jemand selbst befindet und mit welchem Teil der Gesellschaft er sich gemein machen will. Innerhalb des Wir werden die Konflikte und Interessengegensätze heruntergespielt bis wegbeschworen – ‚wir‘ wollen ja alle friedlich miteinander leben, ‚wir‘ sind ja alle gleich…

Wenn der gewöhnliche Nationalismus für die Selbstvergewisserung nicht reicht – weil man etwa in der Konkurrenz ausgebootet wird oder sich von schärferer Konkurrenz bedroht sieht, weil man etwa seinen Job, seine soziale Nische oder seine Radiosendung verloren hat – dann muß stärkerer Stoff her, dann muß das größtmögliche Wir beschworen werden, das noch gegen jemanden gerichtet sein kann. Und das größtmögliche Wir des Nationalismus ist das der Nützlichen und Willigen aller Länder gegen die Faulen, die Aussauger und Betrüger aller Länder; in seiner maximalen Zuspitzung ist das der Kern des modernen Antisemitismus.“

Nur, für die meisten der Teilnehmer*innen ist dies nicht die Basis ihres Protests, sondern die real existierende Sorge und/oder Ungerechtigkeit. Verschwörungserzählungen treten laut Kulla, in den allermeisten Fällen nur zu den Auffassungen und Grundhaltungen hinzu.

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