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Studie zu den Montagsmahnwachen vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung

Von Daniel • 18.06.2014

Occupy Frieden

Die Initiative des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin hat bei der Montagsmahnwache am 26. Mai in Berlin unter den Protestierenden Handzettel verteilt, die auf die Onlinebefragung verwiesen und ein individuelles Kennwort für die Teilnahme enthielten. Mittlerweile sind die Ergebnisse veröffentlicht. Verglichen werden auch andere Proteste wie die gegen Stuttgart 21 oder Hartz IV.
Dort sind einige interessante Punkt zu finden, so sind im Gegensatz zu anderen DEmonstrationen die Teilnehmer*innen im Durchschnitt jünger. Bei der Verteilung der Geschlechter fällt auf, dass Männer den größeren Teil der Demonstrant*innen stellen:

„Zuerst fällt die ungleiche Verteilung der Geschlechter auf. Männer sind unter den Befragten mit 70 Prozent deutlich häufiger vertreten. Dieses Ergebnis weicht deutlich von vorherigen Befragungen ab, in denen die Verteilung der Geschlechter nahezu paritätisch ausfiel. […] Das Ungleichgewicht lässt sich zum einen durch die Art der Befragung erklären. So legen andere Online-Erhebungen unter Protestierenden eine ähnliche Verzerrung zu Gunsten der Männer nahe.19 Zum anderen wirft der hohe Männeranteil in der Befragung aber auch ein Schlaglicht auf die Rolle von Frauen bei den Mahnwachen. In der Organisation und auf den Bühnen geben Männer klar den Ton an.“

Auch auffalend ist, dass ausgesprochen viele Teilnehmer*innen sich als ideologiefrei wahrnehmen und die Einteilung in Links und Rechts ablehnen, wie Jebsen es auch ab und an fordert. Wenn er sich nicht gerade als „echten Linken“ bezeichnet.

Die Studie ist allerdings auch laut Autor*innen mit Vorsicht zu genießen. Sie räumen eine gewisse Verzerrung gegenüber heise.de ein:

„In der wochenlangen Diskussion über die Montagsmahnwachen gerieten nach rechts offene Positionen, eine verkürzte Kapitalismuskritik und Verschwörungstheorien in die mediale Kritik. Die war den Teilnehmenden an den Aktionen durchaus bekannt. Schließlich haben sich verschiedene Redner auf den Podien immer wieder darüber beklagt, dass die Aktionen angeblich zu unrecht in die rechte Ecke gerückt würden. Sie bekamen dafür viel Applaus.So dürften viele der an der Befragung teilnehmenden Aktivisten auch versucht haben, diesem Eindruck entgegen zu wirken. […] Protestforscher Rucht machte darauf auf der Pressekonferenz aufmerksam: ‚Es gibt das Bewusstsein für die soziale Nicht-Erwünschtheit bestimmter Antworten – die Leute antworten nicht ehrlich, sind vorsichtig, und das mag auch in dieser Befragung eine Rolle gespielt haben.'“

Trotz allem scheinen viele Ergebnisse der Studie den Kritker*innen der Friedensbewegung in die Hände zu spielen, so heißt es z.B. in der abschließenden Deutung:

„Insgesamt ergibt sich ein klareres, aber nicht von Widersprüchen freies Bild. Die Montagsmahnwachen sind eine männlich dominierte Bewegung der 25-40-Jährigen, für die das Internet das Schlüsselmedium ist. Es dient der Organisation und der Verbreitung und Bewertung von Informationen. Und es ist das Medium, über das die meisten Teilnehmer/innen zu den Mahnwachen gefunden haben. Ein großer Teil von ihnen hatte vor den Mahnwachen keine Erfahrungen mit Straßenprotesten, war aber bei Petitionen und Online-Protesten durchaus politisch aktiv. Parteipolitisch neigen viele zur LINKEN, aber auch die AfD findet hier überdurchschnittlich viele Unterstützer/innen. Zum einen gibt es einen deutlichen Wunsch nach Abgrenzung von der extremen Rechten und den Widerspruch zu der Darstellung als ’neurechte Bewegung‘. Zum anderen bestehen aber auch hohe Zustimmungsraten zu antisemitischen, antiamerikanischen und autoritären Aussagen. Bei einer Minderheit der Teilnehmer/innen finden sich rechtsextreme Einstellungsfragmente, die sich aber keineswegs zu einer konsistenten rechten Grundhaltung verdichten. Mehr als ein Drittel definiert sich als politisch links, während 40 Prozent sich auf der Links-Rechts-Achse nicht einstufen wollen, weil sie diese Zuordnung für überholt halten.“

Publikative setzen sich ebenfalls mit der Studie, und vor allem den Schwächen dieser, auseinander.

(via friedenswatch)



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