Neonschwarz on a journey

Neonschwarz im Interview – Sind die Leinen erstmal los, gibt es nichts was uns hält!

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Mitte der 70er irgendwo auf der Elbe. Uwe und Dschingis fliehen auf einem selbstgebauten Floß. Sie fliehen vor sozialer Perspektivlosigkeit, vor schlagenden Vätern und sorgenden Müttern. Und sie werden so lange fliehen, bis die Sorge der Eltern größer ist als die Wut über die Ausreißer. Verknappt ist dies der Kern des Films „Nordsee ist Mordsee“, in der zwei ungleiche Freunde eine gemeinsame Reise auf einem selbstgebauten Floß antreten.

Ein Floß bauten auch Neonschwarz für ihr Debüt „Fliegende Fische“ (Partnerlink), zu sehen im Artwork. Inspiration war der Film jedoch nicht.

„Diese Floß-Idee kam zuerst und deswegen haben wir uns so gefreut über die Samples – Weil das so gut gepasst hat!“, sagt Marie Curry im Interview, „Wir haben die Samples danach ausgesucht, die Idee stand bereits.“

Dahinter steht auch das Ziel, ein Konzeptalbum zu machen. Und das ist gelungen. Auch wenn der Releasetermin nicht unbedingt dafür spricht ist „Fliegende Fische“ eine famose Sommerplatte. Uptempo Nummern, poppige Hooks, ohne oberflächlich oder dumm zu sein. Vielleicht liegt es an den Beats, vielleicht auch an Songs wie „Unser Haus“, die eine gewisse Utopie ausstrahlen. In Anbetracht der sonstigen Arbeiten von Captain Gips und Johnny Mauser hätte ich das nicht erwartet. Dabei hätte es auch ganz anders ausgehen können. So DJ Spion Ypsilon im Interview:

„Jeder hat natürlich seine Favorites in Sachen Beats. Zu Anfang war es so, dass wir mehr so deepe Sachen gediggt haben, aber dann waren wir schnell der Ansicht, dass wir es so düster gar nicht haben wollen. Und dann war es so, dass zum Glück noch viele schöne sommerliche Dinger mit dazu kamen.“

Auch das Artwork wäre in eine andere Richtung gegangen, aber dann wurde das Album, wie Marie Curry sagt, komplett umgewandelt. Einige Spuren des ursprünglichen Konzepts finden sich aber weiterhin auf dem Album. „Scheinriese“ dürfte einer dieser Tracks sein. Und ernste Thematiken und Politik sind natürlich keine Nebensachen bei Neonschwarz. Mauser dazu:

„Es wird immer so Dinger geben. Zum Beispiel die erste Single. ‚Hinter Palmen‘ ist jetzt nicht explizit politisch, aber ein Kollege, der mit unserer Szene jetzt nicht so viel zu tun hat, sagte dann doch ‚Dieses Antifa-Ding könnt ihr irgendwie nicht ganz rauslassen, oder?‘. (lachen) Irgendwo im Video oder in irgendeiner Textzeile hört man dann halt doch unsere Einstellung wieder raus. Und das ist uns ja auch wichtig. Natürlich kannst Du das auch im Hintergund laufen lassen, und die Mucke läuft gut durch, aber es gibt immer Stellen, die auffallen werden.“

Wo wir wieder bei den zufälligen Parallelen wären. Als „Nordsee ist Mordsee“ erschien, gab es mächtig Ärger wegen der Jugendfreigabe. Eigentlich wollte die FSK den Film erst „Ab 16“ freigeben, begründete dies mit den möglichen negativen Auswirkungen auf Jugendliche und warnte vor Nachahmungseffekten. Regisseur Hark Bohm klagte: „Wenn ein Film so einfach wirken würde, dann hätte ‚Es herrscht Ruhe im Land‘ in der Bundesrepublik eine Revolution auslösen müssen.“

Am Ende wurde das Thema in den Medien diskutiert und führte letztendlich zu einer „Ab 12“-Freigabe. Captain Gips und Johnny Mauser können davon auch ein Lied singen. Wobei es sicherlich falsch ist, die FSK mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gleichzusetzen. Fakt ist, dass 2010 der gemeinsame Song „Flora bleibt“ indiziert und dies in der Presse gerne gegen Gips und Mauser verwandt wurde.

„Das ist eine interessante Parallele zu unserer Musik“, so Mauser, dem die Geschichte um „Nordsee ist Mordsee“ unbekannt war, „Wir kommen ja auch mittlerweile mit politischen Thesen und nervigen Punkten in der Öffentlichkeit ganz gut an, und die, die uns früher in eine Ecke drängen wollten, kommen jetzt sogar zu unseren Konzerten.“

Die Geschichte wird auch kurz in „Outta Control“ auf dem neuen Album angeschnitten. Aber das Album, auf dem „Flora bleibt“ enthalten war, war auch der Ausgangspunkt für die Band. Nicht nur wegen des Titels „Neonschwarz“, der den Bandnamen vorwegnahm, sondern auch wegen „On A Journey“, einer Kooperation mit Marie Curry, die der Startpunkt der Band sein sollte. Und so stellt „Fliegende Fische“ einen weiteren Teil dieser Reise dar.

„Sind die Leinen erstmal los, gibt es nichts was uns hält!“ – Darauf erstmal ein Feuerei – 1/3tel Eierlikör 2/3tel Mexikaner. Prost!

Das Einhorn präsentiert das Releasekonzert mit Amewu am 1. November im Lido in Berlin! Hingehen!

(Fotos von Till Gläser)

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