Mit Nazis reden von Wiglaf Droste (1993)

-

Mit Nazis reden von Wiglaf Droste (1993) in Arranca! Ausgabe 3

Wiglaf Droste schrieb für die dritte Ausgabe des ARRANCA!-Magazins im Winter 93/94 einen kleinen Text, der sich auch heute noch so abdrucken lassen kann:

„Es scheint so. Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren? […]

Muss man an jeder Mülltonne schnuppern? Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrläufern der Evolution arme Verführte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bisschen labil etc., ‚Menschen‘ jedenfalls, so Heinz Eggert, ‚um die wir kämpfen müssen‘.

Warum?“

Für die CD Die schweren Jahre ab dreiunddreißig (Partnerlink) las er 2000 den Text ein. Verzichtete aber scheinbar auf den letzten Absatz:

(via mspro)

    4 Kommentare:

  • ben_ schreibt am 2. Juni 2016 um 08:01

    Ach, wie schön, Teile des Texte hatte ich vor ein paar Jahren auch mal gebloggt, und wurde bei mir nicht unkritisch diskutiert. Durchaus zu Recht, wie ich nach der Lektür von doris Lessing finden muss. Es ist wirklich schwer, dem Bösen gegenüberzutreten und ich bin mir bis heute nicht sicher, was da der richtige Weg ist.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 2. Juni 2016 um 19:19

    @ben_ Was genau von Doris Lessing meinst Du? Hast Du eine Empfehlung?

  • ben_ schreibt am 6. Juni 2016 um 12:20

    Ah. Ja! Latürnich! Canopus im Argos: Archive – Band 1 – Shikasta.

    Es ist keine einfache Lektüre, könnte aber für Dich – der Du als Lovecraft-Fan ja kosmische Perspektiven auf die Erde und die Menschheit gewöhnt bist – vielleicht sogar einfacher sein, als für andere. Ein Buch, das mich wirklich verändert hat, wie zuvor vielleicht nur Albert Camus „Die Pest“ und Douglas Couplands „Generation X“.

    Band 2 habe ich auch schon gelesen. Ist eine andere (Form von) Erzählung aber mit der gleichen Richtung.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 6. Juni 2016 um 17:58

    @ben_ Danke!

Dein Kommentar:

Kommentarfeed zu diesem Artikel via RSS abonnieren.

Hinweis: Kommentare werden moderiert. Sie können auch ohne Angaben von Gründen gelöscht werden. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!