1 Kommentar

Über Charlie Hebdo

Von Daniel • 07.01.2015

Seitdem die News bei mir reintickerte, beschäftigt mich der Anschlag auf Charlie Hebdo. Keine Frage: Keine Karikatur rechtfertigt Mord. Nur machte mir die prompte bedingungslose Solidarität auch wieder Sorge. Ironischerweise war es mit Postillon ein Satiremagazin, das es mit seiner Headline relativ gut auf den Punkt brachte:

„Anschlag auf Charlie Hebdo ganz großartig für Islamisten und Islamhasser“

Ich befürchte, dass die Solidarität zu den Journalisten und Zeichnern instrumentalisiert werden könnte. Wie aktuelle Strömungen wie PeGiDa und andere Islamophobe die Anschläge für sich populistisch nutzen. Publikative berichtet schon über spontane Solidaritätsdemos von NPD und Co. Dabei sind alle Hinweise auf ein islamistisches Motiv Indizien. Und Jürgen Elsässer instrumentalisiert die Toten noch heute, indem er schreibt:

„Wer jetzt noch gegen PEGIDA demonstriert, spuckt auf die Gräber der Toten in Paris.“

Vielleicht bringt es auch Richard Seymour in seinem Artikel „On Charlie Hebdo“ auf den Punkt:

„Now, I think there’s a critical difference between solidarity with the journalists who were attacked, refusing to concede anything to the idea that journalists are somehow ‚legitimate targets,‘ and solidarity with what is frankly a racist publication.“

Charlie Hebdo selbst versteht sich wohl eher antiklerikal und veröffentlichte durchaus auch Karikaturen, die das Christentum zum Thema hatten.

Ganz ehrlich, ich kann es nicht beurteilen. Ich weiß weder, was Hebdo über Houllebecqs Roman schrieb, noch kenne ich andere Inhalte des Magazins. Aber das dürften die wenigsten, die sich mit einer Zeitung solidarisieren, ohne sie zu kennen. Ich weiß, dass es vielen darum geht Anteil zu nehmen oder die Presse- und Meinungsfreiheit zu verteidigen. Hoffentlich lassen sie sich nicht vor den Karren spannen!

Charlie Hebdo

Update 08.01.2015:
Social Justice Fire Mage hat mal dargestellt welche Inhalte Charlie Hebdo so brachte. (Trigger-Warnung!)
Weiterer Must-Read zum Thema: In the Wake of Charlie Hebdo, Free Speech Does Not Mean Freedom From Criticism



    Ein Kommentar »

  • Eugen schreibt am 11. Januar 2015 um 16:22

    Ich weiß dass du in dieser SJW-Grube schon ganz tief drin steckst (Triggerwarnungen wegen ein paar Karikaturen? Ernsthaft? Oh, mein selbst diagnostiziertes PTBS schlägt mich hart), aber hast du es wirklich nötig auf solche Seiten zu verlinken? Wo sich Menschen sich genau wie die islamistischen Attentäter über Satire aufregen, die sie nicht verstehen? Und „Thin Privilege“ und „Fatphobia“-Zeug predigen?
    Der/die Erstellerin*_*In dieses Tumblrs (ich hoffe ich habe in dieser Anrede nicht noch ein Otherkin oder Gender vergessen) findet wohl vermutlich auch, dass Filme wie „Das Leben ist schön“ verboten werden sollten. Witze über den Holocaust sind ja bekanntlich antisemitisch.

    Hier mal eine sinnvolle Antwort.
    http://missmesutozil.tumblr.com/post/107784493887/pm-hello-i-agree-that-no-journalist-artist

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