Ist die CDU eine Nachfolgepartei der SED?!

-

Banner der Ost-CDU

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Natürlich nicht. Doch so einfach ist es dann auch wieder nicht. Vielmehr möchte ich auf einen anderen Punkt hinaus. Wer sich mit inhaltlichen Debatten zur Links-Partei nicht auseinandersetzen möchte urteilt schnell. Oft heißt es dann: Das sind doch nur SED-Nachfolger, eine Drachenbrut, whatever.

Dabei könnte die Kritik viel treffender sein. Es ist ja schließlich nicht so, als ob es nichts zu kritisieren gäbe. Aber auch darum soll es nicht gehen. Vielmehr soll es um die Volkspartei No. 1, die CDU, gehen. Gerne wird nämlich vergessen, dass es in der DDR nämlich neben der SED auch noch andere Parteien gab. Klar, das waren eher machtlose Blockparteien. Aber ihre Rolle spielten die LDPD (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands), die DBD (Demokratische Bauernpartei Deutschlands) und eben auch die CDU dennoch in der Deutschen Demokratischen Republik.

In ihren Anfangstagen orientierte sich die Ost-CDU stark an ihrer Schwesterpartei im Westen. Allerdings nicht lange. In den Jahren 1948-50 wurden mindestens 597 CDU-Mitglieder inhaftiert und vielfach verschleppt. So wurde die Partei zügig gleichgeschaltet und war spätestens ab 1950 lediglich eine Kopie der SED, die dazu diente, christlich-orientierte Menschen an deren Politik heranzuführen. Lediglich ein Instrument zur Systemstabilisierung. Somit ist die CDU keineswegs als Bollwerk im SED-Staat zu verstehen und darf auch keineswegs mit der West-CDU verwechselt werden. Eine Mitgliedschaft in der Ost-CDU war nahezu genau so systemkonform wie eine in der SED. Martin Rißmann urteilt in seinem Aufsatz „Zur Rolle der Ost-CDU im politischen System der DDR“:

„Der Eintritt in die CDU ist weniger als ein Signal des Widerstands einzuschätzen, sondern mehr ein Zeichen für den kleineren Kompromiß, ein Ausweichen vor den höheren Verpflichtungen und der schärferen Parteidisziplin, die eine Mitgliedschaft in der SED bedeutete.“

Den fehlenden Willen zur Opposition bestätigte die CDU auch innerhalb der Volkskammer. In der Wikipedia heißt es hierzu:

„Am 9. März 1972 wurde von der Volkskammer der DDR das Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft beschlossen. Bei der Abstimmung kam es zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte der Volkskammer zu Gegenstimmen.“

Ein einmaliger Widerstand in nahezu 40 Jahren Parteigeschichte.

Stattdessen hatte die Ost-CDU sogar einen gewissen Machtanteil. 1989 verfügte sie über rund 140.000 Mitglieder und war damit die stärkste Blockpartei. Pikant wird die Historie der Ost-CDU allerdings vor allem in den Wendejahren.

Schnell wurde das sozialistische Korsett abgestreift und nach Vorbild der West-CDU ein Bekenntnis zur Marktwirtschaft abgegeben. Nicht ohne Erfolg. Der spontane Wechsel bescherte der CDU bei der Volkskammerwahl 1990 satte 40% der Stimmen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie im Wahlkampf die SPD mit SED/PDS gleichsetzte, um Stimmen gut zu machen. Dabei hätte man sich nur wenige Monate zuvor noch an die eigene Nase fassen können. Die West-CDU sah im Wahlsieg ihre Befürchtungen widerlegt, dass die Vergangenheit als Blockpartei sich negativ auswirken könne, und damit war der Weg für eine Wiedervereinigung vor der Deutschen Wiedervereinigung geebnet.

Am 1. Oktober 1990 taten sich West- und Ost-CDU zur heute bekannten CDU zusammen. Nicht ohne Vorteile. So konnte das Vermögen der Ost-CDU, immerhin 11,2 Mio. Euro, gleich in die gesamtdeutsche CDU übergehen. Damit wurde u.a. die Infrastruktur in den neuen Bundesländern, wie z.B. Parteibüros, finanziert, um direkt nach der Wende Präsenz zu zeigen.

Und das teilweise (bis heute) auch mit dem gleichen Personal wie vor der Wende. Christoph Bergner, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt von 1993 bis 1994 und von 2005 bis 2013 parlamentarischer Staatssekretär konnte bereits auf viele Jahre Parteizugehörigkeit in der DDR blicken. Ebenso der jetzige Ministerpräsident Reiner Haseloff, der bereits 1976 in die CDU der DDR eintrat. Auch der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich trat bereits 1987 in die Ost-CDU ein. Und so weiter, und so fort…

Nun konnte gesagt werden, dass das lediglich die Ansicht eines Dreckschleuderers und seines kommunistischen Einhorns wäre, doch auch die ZEIT kritisierte das Verhalten der CDU zur Zeit der Wende und urteilte ebenfalls:

„Und so muss die CDU hinnehmen, dass auch sie nun in die Nähe der SED gerückt wird.“

Wer also anderen SED-Vergangenheit vorwirft, sollte sich fragen, wie er zur CDU steht und sich mit ihrer Geschichte befassen.

Weiterlesen:

Die CDU und der vergessene Pakt mit dem Teufel
Christlich-Demokratische Union Deutschlands (DDR)
Die Christlich-Demokratische Union in der SBZ/DDR
Über Christoph Bergner
Über Reiner Haseloff
Über Stanislaw Tillich

    3 Kommentare:

  • gegen eine Verharmlosung der Linken schreibt am 29. Juli 2015 um 20:26

    Der Unterschied der Linken zu allen anderen Parteien in der DDR ist nicht, dass sie eine SED-Vergangenheit hat, sonder, dass sie die offizielle Nachfolgepartei der SED ist, mit allen Rechtsansprüchen. Was an sich nicht schlimm wäre, wenn sie sich nur auch den Pflichten stellen würde und nicht erklärt; man hätte halt einen Fehler gemacht, aber nun muss auch mal gut sein.

    Obwohl sie viele Dinge (häufig zurecht) anprangert mit denen ich konform gehen würde, sehe ich, dass heute Personen für die Linke in einflussreichen, staatlich alimentierten Positionen sitzen, die nicht nur Stasimitarbeiter waren, sondern vorsätzlich und wissentlich die Leben von DDR Bürgern zerstört haben. Wer so offensiv zeigt, dass er einen Scheiß auf seine Vergangenheit und Verantwortung gibt, ist leider eine unwählbare Partei. Auch wenn ich echt kein Fan der CDU bin, aber ihre Vergangenheit in irgendeiner Weise mit der der Linken gleichsetzen, zeugt entweder davon, dass man keine Ahnung von der DDR hat, oder Diktaturen gut findet, sofern „die Guten“ an der Macht sind.

    PS: sich im Kommunismus zu sonnen und gleichzeitig Amazon-Werbung im Blog zu haben, is übrigens ziemlich knorke. Ich würde ja wetten, dass der Schreiber die Linke wählt, da dies ein klarer Hummer-Sarah und Villen-Oscar-Move ist.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 30. Juli 2015 um 07:03

    @gegen eine Verharmlosung der Linken Wie oben bereits steht: „Dabei könnte die Kritik [an der Partei „Die Linke“] viel treffender sein. Es ist ja schließlich nicht so, als ob es nichts zu kritisieren gäbe.“

    Und ja, die PDS ist die offizielle Nachfolgepartei der SED gewesen. (Die WASG übrigens nicht.) Deswegen steht schon im ersten Absatz die Frage bzgl. der CDU beantwortet: „Natürlich nicht.“ – Gleichgesetzt wird hier also gar nicht!

    Wie Du hier rausliest, dass „Diktaturen gut“ gefunden werden ist mir schleierhaft. Hier geht es nicht um eine Reinwaschung der Linken oder eine Verherrlichung der DDR, sondern um den deutlichen Hinweis, dass die (Ost-)CDU ebenfalls ihr historisches Päkchen zu tragen hat.

    Dieses wurde zu Gunsten des schnellen Parteierfolgs in den neuen Bundesländern wissentlich übergangen. Warum dies eine Verharmlosung sein soll, weiß ich auch nicht. Erstaunlich ist doch viel mehr das geschwinde Bäumchen wechsel Dich innerhalb weniger Jahre zur Wende vom „sozialistischen“ zum „marktwirtschaftlichen“ Geständnis.

    Bzgl. des Vorwurfs des Personals: Lothar de Maizière, der wohl wichtigste Politiker der Ost-CDU zur Zeit der Wende, musste nach einigem HickHack all seine Ämter niederlegen weil er selbst als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Czerni“ geführt wurde und somit nicht mehr tragbar für die CDU war. Übrigens ein enger Freund von Gregor Gysi.

    Auch Tillich, der ja heute im Amt ist, besuchte Kaderschmieden der SED. Wie die historische Verwantwortung zu werten ist, sollen andere beurteilen. Bisher scheint sich vor allem die Konrad Adenauer Stiftung damit beschäftigt zu haben (Hence the Name!), die meines Wissens zu keinem abschließenden Urteil bisher kam. Mal wird die Mitgliedschaft in der Ost-CDU als kleiner „Widerstand“ gewertet, mal als systemkonform. Der oben zitierte Aufsatz von Martin Rißmann ist z.B. von der Seite der Konrad Adenauer Stiftung. Wie bereits geschrieben, ich weise lediglich darauf hin, dass die CDU ebenfalls eine Vergangenheit in der DDR hat und greife dabei sogar auf Quellen zurück die der CDU besonders nahe stehen.

    Lustig ist, dass Du „Villen-Oscar“ und „Hummer-Sarah“ erwähnst, denen du genau das was Du der Linken bzgl der SED vorwirfst (vermutlich?) nicht vorwerfen kannst. Wagenknecht durfte in der DDR nicht studieren, wurde aber tatsächlich dennoch zum Schluss (89) SED-Mitglied.

    Auch den beiden jetzigen Parteivorsitzenden ist dieser Vorwurf schwer zu machen. Die eine zu jung, der andere war bei der WASG. 3 von 4 der stellvertrenden Vorsitzenden kommen aus dem Westen, die vierte wurde erst spät parteipolitisch aktiv.

    P.S.: Wette verloren. Außerdem beachten Sie bitte die klare Trennung zwischen Autor (der Drecksschleuderer) und dem Einhorn (kommunistisch) im Text ;)

  • GrimbelFrixx schreibt am 30. Juli 2015 um 15:13

    @gegen eine Verharmlosung der Linken
    * Kopfschütteln *
    1. Quellen prüfen
    2. Daten auswerten/reflektieren
    3. Profit (…oder in Ihrem Fall NICHT:)
    „PS: sich im Kommunismus zu sonnen und gleichzeitig Amazon-Werbung im Blog zu haben, is übrigens ziemlich knorke. Ich würde ja wetten, dass der Schreiber die Linke wählt, da dies ein klarer Hummer-Sarah und Villen-Oscar-Move ist.“
    * Facepalm *
    Bevor man nur ein bisschen tut, kann man es auch gleich bleiben lassen…oder wie?

Dein Kommentar:

Kommentarfeed zu diesem Artikel via RSS abonnieren.

Hinweis: Kommentare werden moderiert. Sie können auch ohne Angaben von Gründen gelöscht werden. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!