Blog Of The Day: Merkel I Ein Blog über die Macht

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Merkel-Blog

Julia Schramm schreibt über Angela Merkel. Nein, viel mehr. Sie widmet der Kanzlerin gleich einen ganzen Blog. Merkel, ein Blog über die Macht. Per se schon ein Grund den Blog zu empfehlen, aber auch ein Grund sich kurz mit Julia über ihren Blog zu unterhalten.

Liebe Julia, Du schreibst ein Blog über Merkel. Warum?
Weil es keins gibt! (lacht)

Im Ernst: Ich habe irgendwann angefangen mich mit Merkel auseinanderzusetzen. Als Politikwissenschaftlerin, die sich mit Internet und Feminismus beschäftigt hat, lag das Thema nahe. Ich arbeite gerade an einem Buch über sie, wollte aber auch so schon über sie schreiben. Da lag ein Blog nahe. Die Idee kam dann aber tatsächlich von Martin Delius (Piraten, Anmerkung d. Einhorns), der Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus ist.

Inwiefern?

Mit zunehmender Beschäftigung fiel es mir immer schwerer über Merkel zu schreiben. Ich war auf der Suche nach meinem Stil, wie ich Merkel beschreibe. Und da kam dann die Idee mit dem Blog als Spielwiese zum testen wie ich mich ihr nähern wollte. Dass sich bisher noch niemand in einem Blog auf sie fokussierte hatte war dann ein netter Nebeneffekt – so war ich die erste.

Es gibt ja viele Allgemeinplätze über Merkel. Was sagst Du denn dazu, dass viele sie als „Mutti“ bezeichnen?

Auf eine gewisse Art beschreibt das auch ihren Herrschaftsstil. Sie gibt sich stets fürsorglich, hart in der Sache, aber auch nur zum Wohle ihrer Kinder – der Deutschen. Und die vertrauen ihr auch ähnlich blind wie einer Mutter – wobei das ein wenig gelitten hat die letzten Wochen. Dennoch ist es ein spannendes Charisma mit dem sie da herrscht. Es verkauft sich auch besser. Bei Männern wirkt es schnell sehr unangenehm paternalistisch. Gleichzeitig ist es natürlich der Versuch einer sexistischen Abwertung – als könnte eine „Mutti“ keine gute Regierungsarbeit leisten. Dass der Begriff nun sogar von ihr umgedeutet und angeeignet wird ist ein interessanter Prozess. Vor allem weil er funktioniert. Dennoch zeigt sich hier natürlich, dass auch die mächtigste Frau der Welt, wie es so schön heißt, Sexismus ausgesetzt ist.

Ein weiteres Kuriosum ist ja, dass Angela Merkel bei Wähler*innen ein höheres Ansehen genießt als die CDU. Dabei ist Merkel nicht nur Kanzlerin, sondern auch Vorsitzende der CDU. Wie lässt sich diese Trennung erklären?

Merkel hat als Oppositionsführerin unter Schröder eine eher unglückliche Figur gemacht. Der Offensive Beißhund liegt ihr nicht. Damals war sie sehr auf die Partei fixiert. Als sie dann aber 2005 Kanzlerin wurde wechselte das schnell und sie reihte sich in eine CDU-Tradition ein: Kanzlerin aller Deutschen. Die CDU als Vollstreckerin der gesellschaftlichen Mehrheit. Diese Rolle nimmt sie konsequent ein, so dass die Leute sie als Kanzlerin auch wahrnehmen und nicht als Parteipolitikerin. Damit verärgert sie ja auch die Hardliner in der CDU und noch stärker in der CSU.

Die Kanzlerin richtet Grußworte an christliche Verbände, die Homosexualität für eine Krankheit halten und lehnt konsequent die Ehe für alle ab. Wieso fällt Ihr das nicht auf die Füße?

Angela Merkel hat gelernt in jeder Situation das zu sagen, was die Leute hören wollen. Sie schafft es in jeder Situation den Leuten zumindest ein halbwegs gutes Gefühl zu geben. Das ist eines ihrer wirksamsten Mittel. Dass sie jedoch immer vage genug bleibt, dass ihr kein direkter Strick daraus gedreht wird ist bemerkenswert. Auf der anderen Seite nicht verwunderlich, schließlich ist sie mit der Stasi im Wohnzimmer aufgewachsen. Sie hat gelernt was ihr wie im Mund rumgedreht werden kann – das wendet sie sogar weitestgehend intuitiv an, vermute ich.

2017 endet die dritte Amtszeit von Merkel. Hast Du da eine Prognose? Kommt eine vierte Amtszeit? Wird sie Kohl überholen?

Ich denke, dass sie es nochmal machen wird. Alleine schon, weil keine Konkurrenz vorhanden ist. Gabriel läuft sich warm, aber … naja. Das wird eher nichts. Ich denke auch, dass sie nochmal gewählt wird, im zweifel mit den Grünen (da hat sie ja mit der Öffnung der Ehe auch noch einen guten Trumpf für Verhandlungen im Ärmel) – ob sie vielleicht Kohl sogar überholen will, weiß ich nicht. Zutrauen würde ich es ihr!

Zack und da kamen dann auch kurz nach dem Interview die Nachrichten. Die vierte Amtszeit kommt.

    Ein Kommentar:

  • Rüdiger Kalupner schreibt am 5. August 2015 um 16:22

    Ich kann Frau Schramm zu ihrem Geniestreich ‚Merkel-Blog über die Macht‘ nur gratulieren. Erst wenn Fr. Schramm die ganze, revolutionäre Politikmodell- und -stil-Dimension der Epochenwende-Kanzlerin Angela Merkel erfasst haben wird, wird sie meine Gratulation zu ihrem Geniestreich nachvollziehen können.

    Angela Merkel ist ein neuer Politiktyp, den ich mit Goethepolitiker bezeichnet habe – angelehnt an die Erkenntnisse von Ekkehardt Krippendorff, die er in seinen Büchern über Goethe – Politik gegen den Zeitgeist‘, 1999 erschienen, und ‚Goethe – Wie die Großen mit den Menschen spielen‘, 1985 erschienen. Dort beschreibt er und entwickelt er Goethes ‚Weimarer Politikmodell‘. Dieses wird konkurrenzlos werden – nach der anstehenden Epochenwende für die Fortschrittsordnung des Weltindustriesystems. Und Angela Merkel bereitet diese Epochenwende mit ihrer aktuellen Politik global vor. Diese Dimension ihrer Politik hält unsere Bundeskanzlerin noch geheim. Ihre geschichtliche Bedeutung und der Grund ihres Dauererfolgs sind noch hinter einer Wissens- und Medienmauer verborgen. Wer diese Mauer öffnet, wird Geschichte schreiben.

    Wir, die DIE KREATIVEN, 1. evolutionsprojekt- und goethepolitische Partei der Welt, gegr. 1985 in Erlangen, haben die geistigen Grundlagen für Goethes Politikmodell für eine Demokratie-jenseits-der-Macht-und-Parteienclans projektfähig entwickelt, so dass sie in einer Demokratie auch übermächtig werden können. Der ökologische Umfinanzierungsansatz, wenn er evolutionkybernetische zu Ende entwickelt ist, ist der macht- und wirtschafts-politische Hebel für den Exodus aus dem Ancien Régime und ein politikprojektfähiges, kybernetisches Evolutionsprozess-Modell, sowie eine fundamental-triviale Erkenntnis der Chaosphysik (= 1. Hauptsatz der Chaosphysik) werden die geistigen Rahmenbedingungen einer stabilen Entwicklung des Industriesystems nach dem Exodus aus dem Ancien Régime des 2%Kapitalismus sein.

    Fr. Schramm könnte die erste sein, die diese revolutionäre Dimension von Angela Merkel, ihres Politikstils und ihrer Machtausübung einer breiteren wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit zugänglich macht. Die führenden Medien schweigen diese Dimension des Merkelschen Politikansatzes systematisch tot – aus offensichtlichen, systemerhaltenden Existenzgründen. Hier wird ein Machtclan- und Existenzverständnis blind exekutiert, das unter Goethes Verdikt über die Großen-der-Politik fällt – ‚Wie die Großen mit den Menschen spielen‘ – , und das Goethes Politikverständnis entgegengesetzt ist.
    Grüße, Rüdiger Kalupner

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