All seeing PiPi

Wenn wir uns über Xaviers Ansichten lustig machen, können wir dann bitte auch über Prinz Pi lachen?

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Derzeit geht „Weg mit dem Curse(r)“ durch die Blogs. Grund genug sich doch mal das Oeuvre von Prinz Pi alias Prinz Porno alias Friedrich Kautz mal anzusehen. Denn schließlich ist es ja angesagt sich über Xavier Naidoos Reichsbürgeranklänge lustig zu machen, dem stehen so manche Zeilen des Prinzen allerdings in gar nichts nach. Wir müssen da gar nicht über die immer wertkonservativen Ansichten zur Jugend sprechen. Diese ist in Pis Kosmos hedonistisch („3 Minuten“, „Generation Porno“, „Moderne Zeiten“), vom Fernsehen erzogen („Weg mit dem Curse(r)“) und auf dem direkten Weg allesamt zu „Arschlöchern und Teuflinnen“ zu werden („Fähnchen im Wind“). Was oft wie Beschreibungen oder kritische Beobachtung wirkt („Moderne Zeiten“) lässt stets Wehmut und Sehnsucht nach etwas anderem erkennen. Oft müsste nur ein „Früher war alles besser“ hinzugefügt werden und das Schnapsglas auf den Tresen gehauen werden.

Von Zehlendorf nach Kreuzberg

Prinz Pi ist mitnichten „schwarz“ und sein Gesicht kein „weißes Tatoo“ („SDK333″). Er ist weiß, er kommt aus Zehlendorf und die Probleme seiner Jugend (nachzuhören auf dem gesamten Album „Kompass ohne Norden“) sind wohl am Besten mit Wohlstandsverwahrlosung zu beschreiben. Freiheit erkämpfen bedeutet in diesem Kontext heimlich rauchen und kiffen, denn „nach Gauloises Kippen schmeckt der Kuss der Freiheit“ („Fähnchen im Wind“) und Freiheit ist nur das Produkt einer symbolischen Rebellion – ausgestattet mit dem entsprechenden Produkt mit Werbeslogan „Liberte Tojour“ – gegen das wohlbehütete Umfeld, nicht aber gegen tatsächlich Erfahrungen die er machen musste. Wirklich kritisch steht und stand er dem System, von dem er offensichtlich profitiert, nicht gegenüber. Wirkliche Kritik an Problem lassen sich nicht finden, nur ein symbolisches Aufbegehren, dass konsequent mit dem Umzug in das – durch Gentrifizierung nur noch in popkultureller Verklärung – rebellische Kreuzberg und „aufgeschäumter Milch mit ’nem Vollkorn-Bio-Knabberkeks“ (Antilopen Gang) endete.

Symbole statt Inhalte

Grundsätzlich lässt sich Pis Selbstwahrnehmung vermutlich als linker Antiimperialismus zusammenfassen, dieser ist allerdings von stark grün-bürgerlicher Prägung. So werden in „Generation Porno“ zwar der Antifa Grüße ausgestellt, was allerdings wohl eher zynisch zu verstehen ist. In einem Interview sagte Kautz:

„Als ich zum Beispiel 15, 16 Jahre alt war, war ich ziemlich links interessiert. Ich bin auf Demos gegangen, in meinem Zimmer hing ein Plakat von Che Guevara und ich hatte überall ‚Bildet Banden‘-Sticker kleben. Ich war damals total begeistert von dem ganzen Antifa-Zeug und so. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass es auch bei diesen total toleranten Anarchisten eine ziemlich krasse Uniformierung gibt. Dort darfst du nicht unbedingt so aussehen, wie du willst, sondern musst dich kleiden, wie sich ein Punk eben kleidet. Und wenn nicht, wirst du schräg angeschaut.“

Ob damit jetzt seine Sneakers gemeint sind, sei mal offen gelassen. Es ging dem Prinzen jedoch nie um tatsäschliches Aufbegehren gegen gesellschaftliche Probleme, sondern um eine symbolische kulturelle Identität. Kurzum: Symbole fand Pi also schon als Teenie geil, was dann auch in „Wir ficken die Welt“ nachzuhören ist, wo statt antifaschistischer oder autonome Inhalte deren Symbole abgefeiert werden und mit Berliner Lokalpatriotismus gemischt werden. Irgendwann kam jedoch die Distanzierung von der Antifa, vielleicht lag es an der damaligen Ablehnung. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Antifa mit seinem ausgekotzten Blut ihre Panzer wäscht? Ein Kopfkondom für Pi bitte.

Das Geld, die USA und die Weltverschwörung

Und der Antiimperialismus? Bereits auf „Donnerwetter“ wird in „Peng, Peng, Peng“ die amerikanische Außenpolitik mit antiamerikanischen Cowboy-Klischees kritisiert. Auf Facebook lässt Kautz keinen Zweifel wen er in seinem Stück „Schöne neue Welt“ mit „Satan im Westen“ meint. Für Pi gibt es das Geld (böse), die USA (noch böser) und die Weltverschwörung (am bösesten). Und der Präsident der USA Welt ist vor allem eines: Ein Teufel im Schafspelz („Teufel im Schafspelz“). Noch deutlicher wird er in „Schläferstündchen“:

„Der Gott des Geldes kennt kein Erbarmen. / Das ist nicht der Gott aus den heiligen Schriften, / sondern der globalisierte Gott des Dollars, / der Gott des Rubels, des Euros, / der Abu-Ghraib folgt, Prinz Pi, Sympathie für Hisbollah […]“

Natürlich nicht ohne gleich in den Lyrics selbst zu prophezeien, dass er missverstanden werden wird. Kunststück! Eines welches sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, wo auch oft von „Feinden“ die Rede ist und alle anderen „dumm“ sind („Dumm“).

Interessant ist in Pis Texten nicht nur die Solidarisierung mit der Hisbollah, sondern auch das Satans-Bild für, das „Land der unbegrenzten Tödlichkeiten“ („Peng, Peng, Peng“), die USA. Da muss gefragt werden, ob es für Pi neben dem „großen Satan“ des Westens auch den „kleinen Satan“ gibt?! Texte wie die von „Zeichen der Weisen“ deuten darauf hin und sprechen abermals von einer Weltverschwörung:

„Sie sind älter als alt, weiser als weise / stärker als stark erkennt ihre Zeichen“

Cover der Illuminati-EP von Prinz PiEs bleibt natürlich codiert. Es wird offen gelassen wer „Sie“ denn eigentlich sind, aber eine antisemitische Gesellschaft mit Hang zu Verschwörungstheorien denkt sich schon ihren Teil dazu. Die Vorliebe und das Wissen um bekannte Verschwörungstheorien findet seinen Höhepunkt vermutlich auf „Illuminati“. Welches schon in Namen und Artwork auf die berühmte Roman-Trilogie „Illuminatus!“ zurückgreift. Schwierig ist dabei die (selbst-)ironische Distanz die in vielen Texten durchscheint. Wie viel wird hier für bare Münze genommen und mit welchen Sachen und Symbolen wird nur gespielt? In manchen Texten ist dies eindeutig, in anderen weniger klar.

Unspezifische Kritik ist massenkompatibel

Pis Verweise auf die Verschwörungstheorien dienen auch der Hörerbindung. Gerade durch Distanz und Codierung wird eine Bindung geschaffen. Ja, ich weiß warum er auf den Socials eine „23“ an seinen Namen hängt. Ich weiß auf wen er anspielt mit „Typen aus Logen“ in „Illuminati Reflux“. Pi muss gar nicht deutlich werden, das ist sein Vorteil. Seine „Stärke“ liegt im Ungenauen und der Codierung und macht die Hörer*innen zu Mitwissern und einer Gemeinde von vermeintlichem Insidern.

Ein Insiderwissen zusammen gekramt aus YouTube-Dokus, Popkultur und Spielfilmen. Würdest Du alle verschwörerischen Songs von Pi auf ein Tape packen hast Du den Eindruck ein N24-Verschwörungsspecial zu sehen, wo man auch nur schwer zwischen Fakten und Fiktion unterscheiden kann. Wo wir wieder bei der Distanz sind.

Natürlich darf nicht der Fehler gemacht werden Kautz mit dem lyrischen Ich gleichzustellen. Gerade viele seiner verschwörerischen Tracks sind Storytelling, wie das z.B. das bereits erwähnte „Zeichen der Weisen“, selbst schon „Spielfilme“. Aber eben gerade dadurch wiederum lediglich unkritische Reproduktion von Verschwörungstheorien. Da haben wir die Illuminatus!-Trilogie von Robert Shea und Robert Anton Wilson („Illuminati Reflux“, „Illuminati Res Medias“), den Maya-Kalender („2013″), Neuschwabenland-Mythos („Die fabelhafte Welt der Anarchie“) etc. pp.

Pi ist mit Sicherheit kein Verschwörungstheoretiker, dies ist nicht der Punkt. Für Kautz scheinen solche Anspielung genau so zu funktionieren wie seine sonstigen popkulturellen Referenzen von Bob Dylan über „Summer Games“ und Alden-Loafer bis hin zu Overkill Caps. Vielleicht ist es aber auch so, dass Prinz Pi einfach nicht in der Lage ist seine Kritik auszuführen und deswegen auf Allgemeinplätzen verweilt. Da ist dann einfach das „System“ schuld („Behutsame Einführung“).
Aber vermutlich sind wir dumm und verstehen ihn einfach nicht. So könnte sich Pi, immerhin zwei Nummer-1-Alben im Gepäck, dann wieder in einer Opferrolle inszenieren:

„Und jetzt sitz‘ ich hier, jeder is‘ gegen mich / Es is‘ nich‘, weil sie mich nich‘ mögen / Sie versteh’n mich nich’“

Womit der sensible Friedrich gleich mal sein autoritäres Weltbild untermauert: wer nicht für mich ist, versteht mich nicht. Das er sich irrt ist ausgeschlossen.

Also lasst uns über Pi genauso lachen wie über Naidoo, oder besser noch kritisieren und dissen.

In freundlicher Zusammenarbeit mit Chucky Goldstein. Besucht sein Blog GoldGlitzer!

Disclaimer von Daniel: So zu urteilen ist mir vor allem möglich, weil ich mehrere Pi-Platten besitze und auch mehrere Gigs besuchte. Ich war also mal Fan und trage gut mit bei in Sachen Gentrifizierung in Berlin, verkürzte Kritik und Co.

Edit 1 06.08.: Nachträgliche Bearbeitung wg. Typos und einer unklaren Formulierung, die vermittelte, dass hier Naidoo und Pi 1:1 inhaltlich verglichen werden.

Edit 2 07.08.: Da in den Kommentaren immer wieder darauf verwiesen wird, dass die Texte wie Filme oder Storytelling zu verstehen seien, ergänze ich die (bereits vorher vorhandene !) diesbezügliche Passage oben um einen beispielhaften Verweis. Zur Dokumentation die Passage wie sie vorher hier stand:

Natürlich darf nicht der Fehler gemacht werden Kautz mit dem lyrischen Ich gleichzustellen. Gerade viele seiner verschwörerischen Tracks sind Storytelling, [hier die Ergänzung s.o.], selbst schon „Spielfilme“. Aber eben gerade durch wiederum unkritische Reproduktion von Verschwörungstheorien.

Außerdem Ergänzung des Satzes „Pi ist mit Sicherheit kein Verschwörungstheoretiker, dies ist nicht der Punkt.“, da dies scheinbar auch zu unklar formuliert war.

Durch einen weiteren Hinweis in den Kommentaren (s.u.) ebenfalls einen Satz hier ergänzt:

„Wie viel wird hier für bare Münze genommen und mit welchen Sachen und Symbolen wird nur gespielt? ERGÄNZUNG: In manchen Texten ist dies eindeutig, in anderen weniger klar.“

    20 Kommentare:

  • seppl schreibt am 5. August 2015 um 15:07

    +1

  • Einhörnersindso2001 schreibt am 5. August 2015 um 17:16

    Also es werden einige Punkte aufgegriffen die ich ebenfalls kritisieren würde, allerdings hört sich der großteil des Textes er nach einer Kritik an Pi an (und vorallem von jemanden der ihn einfach nicht mag bzw. seine Musik etc. aber das ist nur eine Vermutung). Ich finde es ein bisschen möchtegern Investigativ wir ihr ihn mit Xavier vergleicht. Xavier hat deutlich krassere Scheiße geredet (auch außerhalb von seinen „Liedern“)
    In diesem Interview-ausschnit sagt er weder das er deswegen von nun an lieber Rechtsrock hört und in seiner Freizeit Aluhüte bastelt.

    Ich kann mir nicht vorstellen das er den Schwachsinn glaubt und einen wirklich stichfesten Beweis könnt ihr nun auch nicht grade liefern, auf der selben Argumentations weise (Öh er hat das gesagt, ergo meint er das auch!!1) könnte man auch K.I.Z Kanibalismus unterstellen.

    Ich hab mich schon immer über Pi und vorallem Porno lustig gemacht ob das sein Ziel war (bei den Texten blieb mir da keine Wahl) aber ich fand es wie gesagt nie so verwerflich und ich traue dem studierten Boi nun auch ein klein wenig Ironie zu.

    cheesh

  • Karl schreibt am 5. August 2015 um 18:07

    Meint ihr das ernst? Das ja schlechter recherchiert als bei der BILD. Jeder der sich ernsthaft mit der Musik auseinandersetzt weiß das die gesamte Verschwörungsgeschichte nicht ernstgemeint ist. Ihr habt interessante Punkte aufgegriffen (USA, Konvervatismus). Aber mit dem rest macht ihr den gesamten Artikel zu nichte. Nächstesmal einfach nicht für effekthascherei und weils in die „story“ passt irgend nen quatsch erzählen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 5. August 2015 um 18:12

    @Einhörnersindso2001
    „Schwierig ist dabei die (selbst-)ironische Distanz die in vielen Texten durchscheint. Wie viel wird hier für bare Münze genommen und mit welchen Sachen und Symbolen wird nur gespielt?“ und „Natürlich darf nicht der Fehler gemacht werden Kautz mit dem lyrischen Ich gleichzustellen.“ wurde vermutlich überlesen, oder?

    Außerdem ganz am Ende: „So zu urteilen ist mir vor allem möglich, weil ich mehrere Pi-Platten besitze und auch mehrere Gigs besuchte. Ich war also mal Fan[…]“

    @Karl Erzähl uns mehr von dem Quatsch!

  • Kazimir schreibt am 5. August 2015 um 22:14

    „Womit der sensible Friedrich gleich mal sein autoritäres Weltbild untermauert: wer nicht für mich ist, versteht mich nicht. Das er sich irrt ist ausgeschlossen.“

    Diesen Satz finde ich bemerkenswert. Tatsächlich ist er ja 1 zu 1 auf den Autor des Artikels und sein selbstgerechtes Umfeld übertragbar: „Wer unsere Codes nicht 100prozentig nachbetet, wer nicht unser klar umrissenes Weltbild sogar in Songtexten immer wieder reproduziert, wer nicht in jeder seiner Aussage vollkommen unmissverständlich klar macht, auf welcher Seite er steht (nämlich unserer – der R I C H T I G E N), ist Aluhut, Nazi, Schlechtmensch, Putinversteher, Rassist, Sexist und kann bedenkenlos diffamiert werden. Irrtum ausgeschlossen (ICH WAR JA MAL FAN!1!11)“.

    Seit 2-3 Jahren beobachte ich nun diese selbstgerechte, gehirngewaschene Ideologie der besseren Linken, der „Linksprogressiven“, wie sie sich ganz unbescheiden selbst nennen und bin erschüttert über so viel Verbohrtheit, Selbstgerechtigkeit, Humorlosigkeit, Besserwisserei und agressive Angriffigkeit auch in meinem direkten Umfeld. Mit den Antilopen hat diese Bewegung nun auch ihre eigene Sound. Glückwunsch.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 5. August 2015 um 22:31

    @Kazimir Die Autoren ;) – Nein, ein Richtigkeitsanspruch besteht hier keineswegs. Und warum das jetzt „aggresiv angriffig“ oder eine „Diffamierung“ sein soll ist mir auch schleierhaft. Im Gegenteil, es wird ja darauf hingewiesen, dass diese nicht weniger (oder mehr) Quark beinhaltet als „ein N24-Verschwörungsspecial“. Also werden lediglich Inhalte reproduziert, die Du so auch auf diversen Fernsehsendern (oder auch „YouTube-Dokus, Popkultur und Spielfilmen“) sehen kannst. Ich weiß, dass (inhaltliche) Kritik gerne als Angriff wahrgenommen wird. Es ist aber auch vollkommen okay dies zu ignorieren, oder das als „selbstgerechte“ „humorlose“ „Besserwisserei“ abzutun. In diesem Sinne: You’re welcome!

  • Kazimir schreibt am 5. August 2015 um 23:31

    1. „Nein, ein Richtigkeitsanspruch besteht hier keineswegs“.
    >>> „Wirklich kritisch steht und stand er dem System, von dem er offensichtlich profitiert, nicht gegenüber.“
    >>> “ die Probleme seiner Jugend (…) sind wohl am Besten mit Wohlstandsverwahrlosung zu beschreiben.“ usw. usw.
    Grautöne oder gar Richtigkeitszweifel auf deiner Seite erkenne ich weder da noch im Rest des Textes, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

    2.“Und warum das jetzt „aggresiv angriffig“ oder eine „Diffamierung“ sein soll ist mir auch schleierhaft.“
    >>> „Also lasst uns über Pi genauso lachen wie über Naidoo, oder besser noch kritisieren und dissen.“
    Merkste selber, ne.

    3. „Im Gegenteil, es wird ja darauf hingewiesen, dass diese nicht weniger (oder mehr) Quark beinhaltet als „ein N24-Verschwörungsspecial“.“
    Klar. Du: Michel Foucault! Giorgio Agamben! Judith Butler!
    Prinz Pi: N24.
    Die Botschaft ist angekommen.

    4. „Ich weiß, dass (inhaltliche) Kritik gerne als Angriff wahrgenommen wird.“
    >>> „Womit der sensible Friedrich gleich mal sein autoritäres Weltbild untermauert: wer nicht für mich ist, versteht mich nicht. Das er sich irrt ist ausgeschlossen.
    Also lasst uns über Pi genauso lachen wie über Naidoo, oder besser noch kritisieren und dissen.“
    Klaro, Häschen, das ist kein Angriff, sondern „inhaltliche Kritik“.

    5. „Es ist aber auch vollkommen okay dies zu ignorieren, oder das als „selbstgerechte“ „humorlose“ „Besserwisserei“ abzutun.“
    Du hast meinen Punkt nicht mal im Ansatz verstanden. Ihr schadet der Sache, die ihr vorgebt zu verteidigen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 6. August 2015 um 00:10

    @Kazimir 1. Ist ja mit diversen Textstellen belegt. Bzw. eben auch mit dem Hinweis, dass eben solche fehlen. Siehe z.B. den Text zu „Wir ficken die Welt“. Hier ein paar Grautöne:
    „Wie viel wird hier für bare Münze genommen und mit welchen Sachen und Symbolen wird nur gespielt?“
    oder auch:
    „Natürlich darf nicht der Fehler gemacht werden Kautz mit dem lyrischen Ich gleichzustellen.“
    oder auch die Verwendung des Konjunktivs:
    „Für Kautz scheinen solche Anspielung genau so zu funktionieren…“ oder die Verwendung von Worten wie „vermutlich“ oder „deuten“ etc.

    2. Ist eher darauf gemünzt, dass an Naidoo spöttische Kritik im Übermaß durch nahezu alle Medien hindurch geübt wird und bei Anderen (wie in diesem Beispiel Pi) gar nicht bis kaum. Die Aufforderung jmd. auszulachen ist natürlich ziemlich aggro. Da haste recht ;) Deswegen wird ja auch Kritik oder Diss empfohlen („besser“) ;)
    (Die Praxis des Dissens ist dem Sujet entsprechend gewählt. – Schließlich battlet der Battleking jeden. – Kritik empfinde ich nicht als aggressiv.)

    3. Das ist in diesem Falle tatsächlich Deine Lesart. Also wahrscheinlich Interpretation. Hier auch nochmal der Hinweis – auch wenn nur ich kommentiere – der Text ist eine Gemeinschaftsarbeit. D.h. wenn überhaupt sehen WIR uns als Focault und bla…

    4. Das ist, zugegeben, ein bissiges Fazit (siehe auch 2.) aber eben auch nur das Ende eines langen Textes. Wenn Du den Text auf drei launische Zeilen am Schluss reduzieren magst, okay.

    5. Tatsächlich verstehe ich Dich wirklich nicht. Welche „Sache“ wir hier „vorgeben zu verteidigen“. Das scheint wohl (siehe auch 3.) Interprationssache zu sein. Ich glaube nicht, dass ein Text wie dieser hier, Anlass für eine Grunddiskussion über Deine empirischen Erfahrungen der letzten 2-3 Jahren mit „Linksprogressiven“ sein sollte oder kann. Dafür taugt der Text doch gar nicht! Es ist lediglich der Hinweis auf diverse reproduzierte Inhalte in den Lyrics (inkl. Belege) eines Rappers und die Anregung sich mit diesen kritisch auseinander zu setzen. Mehr nicht. Ich wäre erschüttert, wenn es anders wäre…

  • plexus schreibt am 6. August 2015 um 10:34

    Hm, quasi der komplette Artikel vertritt nicht meine Meinung. Vor allem der Vergleich mit Xavier Naidoo. o_O

    Aber +1 für das hier: „[…] Neuschwabenland-Mythos („Die fabelhafte Welt der Anarchie“) etc. pp.“ (etc. pp.) Nice. :)

  • Lars schreibt am 6. August 2015 um 15:05

    „Wirklich kritisch steht und stand er dem System, von dem er offensichtlich profitiert, nicht gegenüber.“ Ääh, ja, aha. Hör mal die Tracks, dann reden wir weiter: Behutsame Einführung, Die grosse Genozid Show, Handeln, Virus, Drei † für Deutschland, Krieg@Home, Säulen der Gesellschaft.
    Keine Spur von Kritik! ;-) (Vorsicht: der letzte Satz war Ironie, ein dem Autor mglw. unbekanntes sprachliches Konzept.)

    Der Fehler dieses Kommentars liegt freilich darin, Songtexte von Prinz Pi mit Interview-Äußerungen von Xavier Naidoo zu vergleichen. Das ist ungefähr so als würde ich behaupten, [dieser Politiker] sei ja noch harmlos im Vergleich zu dem, was [dieser Schauspieler] in [einem Film] so gesagt hat.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 6. August 2015 um 15:11

    @Lars Danke für deine Hinweise. „Behutsame Einführung“ wird im Text doch sogar erwähnt. Ebenso wie der Verweis darauf, dass Pi mit Ironie arbeitet. Sogar dein letzter Vorwurf des hinkenden Vergleichs wird aufgegriffen. So steht im Text:
    „Natürlich darf nicht der Fehler gemacht werden Kautz mit dem lyrischen Ich gleichzustellen. Gerade viele seiner verschwörerischen Tracks sind Storytelling, selbst schon ‚Spielfilme‘.“ Greift also Dein Bild von Filmen sogar 1:1 auf. Was nicht im Text steht sind Interview-Äußerungen oder gar Textpassagen von Naidoo mit denen angeblich verglichen wird. Zugegeben einem direkten Vergleich würde das nicht standhalten!

  • Klaas Berger schreibt am 6. August 2015 um 22:01

    Was im Text ausgeblendet wird, sind die klaren Zeichen für Ironie bei Pis Referenzen auf Verschwörungstheorien. Auch wenn die Ironie erwähnt wird, so wird diese Fragestellung dann doch wieder als völlig offene Frage hingestellt. Ich weiß nicht, ob es so beabsichtigt war, aber ich denke genau das ist der Grund, warum viele den Text als unehrlich empfinden. Daher ergänze ich diese Aspekte hier beispielhaft.

    Ich war nie bei einem Konzert, aber ein paar Lieder habe ich ja doch in meiner Playlist. Daher weiß ich: In „Soviele Fragen“ rattert er Verschwörungstheorien am Band hinunter, was für sich schon ein unmissverständliches Zeichen ist, dass er sie nicht ernst nehmen kann. Und dazu kommen dann nochmal absurde Einstreuungen wie „die Rückkehr der Jediritter war für mich ein Dokumentarfilm“. Im Lied „Keine Liebe“ verkörpert er jemanden, der an seinen überdrehten Verschwörungstheorien wahnsinnig geworden ist: „Die Welt wird kontrolliert von Rosenkreuzern und Triaden, / Mafiosos, Majorlabels, Militärs und Syndikaten / Der Vatikan führt einen Krieg um Kokain / gegen CIA und Contras und natürlich Westberlin / Adolf Hitler seine Ufos kontrollieren die USA / Bill Gates ist nur ein Klon von Pablo Escobar / Eben weil ich zuviel wusste, wurde ich eingekerkert / doch das Feuer in mir drin brennt mit jedem Tag stärker“. So eine Figur würde man kaum entwerfen, wenn man das für bare Münze nimmt. Und auch hier kommen dann nochmal deutlich humoristische Stellen („und natürlich Westberlin“) obendrauf.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 6. August 2015 um 22:59

    @Klaas Berger Das ist definitiv eine legitime Kritik. Pi ist nicht humorfrei. Die Problematik entsteht imho wenn Verschwörung lediglich als Symbole und Codes eingesetzt werden. Sicherlich ist auch nicht alles von ihm scheiße oder was weiß ich. Ich halte „Laura“ z.B. für einen guten Text. Wie oben steht, ich höre das ja auch selbst.

    Um aber ein Negativbeispiel rauszuziehen, was glaube ich deutlich macht wohin die Kritik zielt: „Teufel im Schafspelz“. Hier wird Verschwörung mit Antiamerikanismus kombiniert. Weltpolizei, Präsident der Welt, Politiker sind korrupte Lügner, etc. Jetzt ließe sich sagen, hey, das ist ein Text von anno dazumal. Die Motive sind aber wiederkehrend. So ist das „Die da oben, wir da unten“-Bild der korrupten (lügenden) Politiker ist auch wieder in „Weg mit dem Curse(r)“ zu finden. Auf der einen Seite rappt Pi (vollkommen zu Recht), dass es sich manche zu einfach machen und die Welt als „Schachbrett, Gut und Böse klar verteilt“ wahrnehmen, macht das mit Amerika und dem Fernsehen aber oft und gerne selbst. Was hat er eigentlich so sehr gegen Fernsehen?! ;)

    Gerade in dem Text „Weg mit dem Curse(r)“ fällt es mir persönlich übrigens schwer die Ironie zu erkennen. Es fängt an mit „Ich kann meine Sicht der Dinge gerne erklären…“ und dann kommt erstmal die Ansage, dass das Fernsehen dumm mache. Dann wird ein Schwinden der Moral bemängelt und dann davon berichtet dass „die größten Verbrecher“ (Wer denn genau?) „Maßanzüge oder Uniformen“ tragen. Alles Sachen, die wir bereits aus anderen (vermeintlich?) ernsten Texten von Pi kennen.
    Ist dann die zweite Strophe eine ironische Brechnung der ersten? Eben noch wurde die angebliche Wirkung des Fernsehens kritisiert und nun wird gesagt „Computerspiele haben mich verändert“. Und dann kommt Verschwörungskram a la Ancient Aliens „Denn wir kamen aus der Ferne von den Sternen“ sowie „Doch seit Kubrick’s Film vom Mond weiß ich, dass sie Lügner sind“. Finde ich persönlich recht zusammenhanglos und wirr, finde das aber eben nicht so eindeutig wie z.B. in einem von Dir genannten Beispiel. Ich weiß da jetzt auch nicht das Ironiesignal auszumachen, außer dass es eben nur immer wirrer wird.

    Zum Thema Ironie im Allgemeinen (Wir hatten das ja bereits auf FB) fällt mir gerade eine Anekdote zu K.I.Z. ein. Ein Freund machte mal eine Schulung mit Kids und nahm da das Lied „Biergarten Eden“ zum Thema, welches dann tatsächlich vollkommen unironisch als Deutschland-Abfeierei konsumiert wurde. Selbst mir (hehe) vollkommen unklar, wie das so aufzufassen ist. Ironie birgt halt stets Barrieren und nein, ich will natürlich nicht Ironie verbieten ;)

    P.S.: Ich hab wegen Deiner Kritik oben eine Ergänzung hinzugefügt und den Edit dokumentiert.

  • ArrrKommentarrrrpirat schreibt am 6. August 2015 um 23:09

    Man wird bei diesem Artikel das Gefühl nicht los, dass der Autor einfach mal den Künstler, den er früher gut fand, ordentlich einen mitgeben möchte…

    Also erklären wir Prinz Pi einfach mal zum Xavier Naidoo des Deutschrap.

    Warum? Ja, schauen wir doch mal…
    Der Prinz Pi (wahlweise auch: Kautz oder sensibler Friedrich) hat ja in seiner Diskographie (die mittlerweile eine dreistellige Summe an Songs umfasst…?) folgende Tracks aus denen diese paar Lines diesen Schluss zulassen…!
    Dabei betrachten wir die Songs natürlich weder in ihrem Entstehenskontext noch im Kontext des Albums oder gar des gesamten Tracks. Wann und in welcher Schaffensphase die jeweiligen Tracks entstanden ist auch egal, da wird dann eine Line aus einem sehr aktuellen Song genommen, interpretiert (natürlich ohne den Kontext des gesamten Songs, Albums, Zeit etc. pp., siehe oben!) und diese Interpretation (die ja nun an sich schon eher mangelhaft ist), wird dann mit einer Line untermauert, die vor 10 Jahren geschrieben wurde (die ähnlich meisterhaft interpretiert wurde…).
    Mal ehrlich, so kann man doch nicht arbeiten.
    Oder ist dieser Aritkel vielleicht sehr gut gemachte Satire auf irgendwelche angeblichen „Enthüllunsseiten“?
    ‚Schaut her! ihr habt jahrelang nicht gemerkt, dass Prinz Pi eigentlich wie Naidoo ist!‘ Nein! Doch! ohh! wtf…?!

    „Zeichen der Weisen“ ist da ein gutes Beispiel für das gesamte mangelhafte interpretieren/belegen der These des Autos.
    Also, Zeichen der Weisen! Stichwort: Storytelling, einfach mal auf das Intro und Outro des Songs achten ;) danke.
    Wenn man sich jetzt wirklich einmal die Mühe macht und den gesamten Songtext betrachtet (Warum müssen das nun erst die Leser machen? Soll unsere Lese/Medienkompetenz geschult werden?), dann kann man das doch nicht ernst nehmen, schon gar nicht in Anbetracht des Künstlers, der immer wieder Verschwörungstheorien auf ironische, einfach übertriebene Art und Weise aufgreift, das wird besonders in diesem Song deutlich. Dann zu fabulieren, dass Antisemiten daraus antisemitische Botschaften lesen… wtf?

    Also tut mir leid, ich schreibe sonst nirgendwo Kommentare oder kritisiere Blogger/Journalisten, aber das ist wirklich eine sehr schlechte Recherche und das sind Interpretationsansätze, damit würde man nicht einmal das Deutsch-Abi in Bremen schaffen (Sorry, liebe BremerInnen…).

    Man merkt, dass sich hier wirklich viel Mühe gegeben wurde, um eine sehr abwegige These möglichst glaubhaft erscheinen zu lassen.
    Genauere Gegenrecherche oder einfach so vorhandene Kenntnisse über die Texte, den Künstler etc. lassen dieses Gebilde aber wirklich nur noch als sehr konstruiert oder gar lächerlich erscheinen.
    Noch viel schlimmer ist es da, dass eigentlich gute Seiten, wie bspw. der goldene Aluhut, diesen Artikel verlinkt haben, an der Stelle muss man sich dann fragen, ob man mit solchen Artikeln der „Sache“ nicht mehr schadet als nutzt.

    Man sollte da nun auch die Kritik ernstnehmen, die Zeit die darauf verwendet wurde, diesen Vorwurf zu konstruieren, hätte andererseits auch bzgl. Gegenargumenten verwendet werden müssen, wie schon erwähnt: Mir ist dieser gesamte Vorwurf schleierhaft. Es wirkt wirklich so, als hätte man es eben unbedingt gewollt, solch einen Vorwurf zu erzeugen und krampfhaft zu belegen. Es ist da nun sogar anzunehmen, dass Leute, die eben keine Ahnung von dem Künstler und den Texten haben, das auch noch glauben. Sehr traurig. Damit wurde den Leuten, die tagtäglich die „Aluhutträger“ kritisieren und gegen ihren Schwachsinn anarbeiten, ein Bärendienst erwiesen. Andererseits sind sie da aber auch selbst schuld, wenn sie auf solche schlecht recherchierten Artikel verlinken.

    Beim nächsten Mal bitte eine deutlich bessere Recherche, danke. Das schließt übrigens auch ein, dass manchmal Vorwürfe, Thesen etc. sich einfach in Luft auflösen, krampfhaftes an ihnen festhalten und dann geschicktes zitieren und beliebig zurecht-interpretieren wirkt einfach unseriös.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 6. August 2015 um 23:39

    @ArrrKommentarrrrpirat Na nee, natürlich ist Prinz Pi nicht wie Naidoo oder der Naidoo des Deutschraps. Das steht hier auch nicht. Pi hat ja z.B. keine Reichsbürgeranklänge, oder sagt, dass Deutschland kein freies Land ist. Es steht nur hier, dass es möglich ist über seinen Kram genau so zu lachen. (Daher auch der Hinweis unten im Disclaimer zur Editierung die heute um ca. 17:00 Uhr stattfand)

    Ich verstehe Deinen Vorwurf, muss allerdings darauf hinweisen, dass das Thema „Storytelling“ (sogar mit diesem Wort) eben so wie die ironische Art im Text erwähnt wird. Scheinbar werden diese Passagen anders wahrgenommen, denn Du bist nicht der Erste der dies scheinbar überlas oder anders verstand. Das muss ich wohl tatsächlich deutlicher machen.

    Zum Thema Storytelling:
    „Natürlich darf nicht der Fehler gemacht werden Kautz mit dem lyrischen Ich gleichzustellen. Gerade viele seiner verschwörerischen Tracks sind Storytelling, selbst schon ‚Spielfilme‘.“

    Es gibt auch nicht den Vorwurf in dem Text den viele wahrnehmen. Folgende Vorwürfe sind im Text formuliert: Antiamerikanismus sowie die teils unkritische Reproduktion von Verschwörungstheorien. Es wird ausdrücklich NICHT gesagt, dass Pi ein Verschwörungstheoretiker ist. Es wird dagegen ausdrücklich betont, dass Pi eine Distanz zu den Verschwörungstheorien wahrt.

    P.S.: Ich habe wegen u.a. Deiner Kritik einige Ergänzungen vorgenommen und diese oben dokumentiert.

  • ArrrKommentarrrrpirat schreibt am 7. August 2015 um 04:27

    Gut, scheinbar konnte man das bei dem Text vorher durchaus so lesen oder eben stellenweise überlesen.

    Natürlich weisen die genannten Songs stellenweise Antiamerikanismus auf, wobei man auch da den zeitlichen Kontext beachten sollte, bspw. entstand ein ganzer Teil der Songs zur Amtszeit von George W. Bush, die wir ja wohl alle nicht als eine der Sternstunden amerikanischer Außen- und Innenpolitik betrachten würden. Dass die Darstellung von Problemen an der Stelle nicht sonderlich differenziert erfolgt und oft in Antiamerikanismus mündet oder einer generellen Kritik an Kapitalismus, ist auch klar. Allerdings weiß ich nun auch nicht, ob man den Musiker dafür verurteilen kann oder sollte, auch wenn ich diese Ansichten an vielen Stellen nicht teile.
    Die Frage ist dann an der Stelle, inwieweit der Künstler Prinz Pi dafür zuständig ist, ein differenziertes Bild der Weltlage zu zeichnen, die Songs spiegeln an der Stelle scheinbar seine Meinung oder ein Teil dessen wider, wo ich dann finde, dass der Ball dann eben sozusagen im Feld der Rezipienten liegt. Und welche Maßstäbe legen wir dort eigentlich gerade an 2 bis 4 minütige Tracks an? Was soll ein Track, der eine derartige Thematik anspricht denn leisten?
    Also mir fallen jetzt nur wenige oder sogar spontan gar keine Musiker/Künstler ein, die zu einer derartig tiefgehenden Thematik ein sehr differenziertes Bild zeichnen in ihren Songs.
    Man kann sich da jetzt einige Rapper und ihre Alben herausnehmen, da wird auf Track Nr. 2 noch der Rolex Submariner gefeiert und mit Geldscheinen Zigarren angezündet und auf Track Nr. 10 wird dann die kalte, kapitalistische Gesellschaft kritisiert.
    Es kann auch sein, dass ich jetzt einfach resigniert habe und deswegen per se alle Tracks mit derartigen Botschaften sehr kritisch sehe und erwarte, dass andere HörerInnen Tracks ähnlich kritisch anhören und eben einfach als eine Meinungsäußerung unter vielen ansehen und diese dann entsprechend einordnen. Ebenso sollte HörerInnen auch klar sein, dass ihre politische Meinung nicht über Musikkünstler oder gar einzelne Songs gebildet werden sollte.
    Das kann man jetzt noch auf eine ganz andere Ebene bringen und vielleicht dann weniger den Künstler, als vielmehr die Gesellschaft und ihre Bildung dafür kritisieren, dass so etwas scheinbar passiert, wo dann auch der Künstler nur ein Teil dessen ist und man dann vielleicht gar nicht erwarten kann, dass sein Horizont nun weiter reicht, als der seines durchschnittlichen Hörers.
    Gut, bei Prinz Pi ist dann der Knackpunkt, dass er seine Genialität fortlaufend thematisiert ;)

    Die gleichen oder ähnlichen Punkte gelten auch bei den in den Songs genannten Verschwörungstheorien.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 7. August 2015 um 06:46

    @ArrrKommentarrrrpirat
    „Das kann man jetzt noch auf eine ganz andere Ebene bringen und vielleicht dann weniger den Künstler, als vielmehr die Gesellschaft und ihre Bildung dafür kritisieren, dass so etwas scheinbar passiert, wo dann auch der Künstler nur ein Teil dessen ist und man dann vielleicht gar nicht erwarten kann, dass sein Horizont nun weiter reicht, als der seines durchschnittlichen Hörers.“

    Genau, hier gebe ich Dir vollkommen Recht. Wobei die Frage für mich offen bleibt, ob „Bildung“ verantwortlich ist. Ich finde da gibt es ganz verschiedene bzw. noch weitere Ursachen. Deswegen wird im Text z.B. der N24-Vergleich aufgegriffen. Bzw. dass das Ganze scheinbar funktioniert wie andere (popkulturelle) Referenzen. Wer diese Referenzen verstehen möchte, muss sich eben mit den Theorien auseinandersetzen.

    Auch, dass ein Popsong meist nur verknappt funktioniert bzw. diese Schwierigkeit mit sich bringt sehe ich genau so wie Du. Ich würde jetzt aber nicht so weit wie z.B. Adorno gehen, der (damals zum Vietnam-Krieg) über Pop sagte, dass der Versuch politischen Protest mit der Unterhaltungsmusik zusammen zu bringen zum Scheitern verurteilt ist, da versucht wird irgendwie auch daraus noch Konsumqualitäten herauszupressen. (http://www.berlin-mitte-institut.de/netzfundstueck-adorno-popmusik-politischen-protest/) Aber defintiv hat er da auch einen Punkt.

    Ebenfalls interessant an dem Ganzen und in Bezug auf Deinen Kommentar: Bei welchen Künstler*innenn das gerne aufgegriffen und kritisiert wird und wann das eben gar nicht thematisiert wird. Welche Grenze muss überschritten werden um es zum Thema zu machen? Naidoo hatte seinen Quark schon jahrelang in seinen Texten, hatte schon einen fragwürdigen Auftritt im Frühstücksfernsehen hingelegt, aber erst sein Besuch der Demonstrationen ließ die Kritik wirklich großflächig in den Medien ankommen.

    Teilweise lässt sich dieser Umgang ja sogar gleich an ganzen Genres festmachen. Manche Themen werde bei HipHop / Rap immer wieder thematisiert und bei anderen Genres – weil besser codiert, weniger eindeutig – einfach übersehen.

  • Klaas Berger schreibt am 7. August 2015 um 23:52

    @Daniel: Naja. „Politiker sind korrupte Lügner“ hat für mich nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Klar, da rolle ich auch mit den Augen und denke: das ist schon etwas komplizierter. Aber es ist ungefähr auf dem Level von ACAB und das hat kaum Akzeptanzprobleme in der linken Szene (außer bei denen natürlich, die es slutshamig oder rassistisch finden). Es gibt meines Wissens auch keine spezifischen Verschwörungstheorien, die sich auf „Weltpolizei“ oder „Präsident der Welt“ beziehen. Ebenso „die da oben, wir da unten“. Das ist einfach oldschool linke Folklore („Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten.“). Ja, das wird der komplexen Welt nicht gerecht, aber Verschwörungstheorien sind einfach nochmal was anderes.
    Mir ist im übrigen auch klar, dass gegenüber dieser angestaubten klassenkämpferischen Perspektive solche hipstrig-bürgerlichen Positionen stark an Einfluss gewinnen, wie sie z.B. von der Antilopengang repräsentiert werden, die – während Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken – ausgerechnet die reichsten 1% mit der Waffe in der Hand verteidigen wollen(1). Als Nebenbemerkung: Interessanterweise eint die beiden auch zwei der Punkte, die Du an Pi kritisierst: einerseits auf die dummen Massen herabzublicken und andererseits die Schuld im System zu sehen (siehe dazu auch (1)).
    Dein Beispiel mit der Moral in „Weg mit dem Curse(r)“ zeigt, dass da auch einfach drinsteckt, was man drin sieht. Ich fand, in der Passage mit der eigenen Kerze der Moral, die in der Masse des Wachses aufgeht, steckt superviel drin: wie relativ Moral ist, wie sie kulturell entsteht, letztlich solche Sachen wie das Milgram-Experiment. Eine Metapher, an der man viele Gedanken aufhängen kann. Ja, der Song wird wirr. Aber das ist generell mein Eindruck von Pi, dass er gut und intelligent darin ist, Anspielungen unterzubringen, dass aber oft das letzte Quäntchen fehlt, nämlich dann wieder ein konsistentes Ganzes von vorne bis hinten daraus zu formen. Das wäre die Königsklasse, so Genie ist er nicht. Deswegen würde ich da nicht in allem einen Zusammenhang sehen wollen.
    Wie die Leute das interpretieren ist einfach eine ganz andere Sache. Gerade gute Lyrics sind nicht eindeutig und lassen Raum für individuelle Projektionen. Mein Lieblingsbeispiel für genial konstruierte Ironie ist „Honecker“ von „Mono für Alle!“ (2). Durch die Doppelkritik der Systeme ist dieser Song super brainfuckig, ich meine, meinen die das ernst, das können die doch unmöglich ernst meinen.. ! Ich glaube, der stiftet viel Verwirrung. Supergenial gemacht. Die Künstler äußern sich nicht zur Bedeutung und das ist meiner Meinung nach genau richtig so, sonst wäre der Witz weg.

    (1) http://www.melodieundrhythmus.com/mr-1-2015/neoliberale-subkultur/
    (2) https://www.youtube.com/watch?v=z1XspV1sRKg

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. August 2015 um 11:28

    @Klaas Berger Verstehe was Du meinst. Ich finde schon, dass Phrasen wie Weltpolizei und Präsident der Welt etc. zumindest auf einen Verschwörungsglauben hindeuten (Was übrigens etwas ist, was ich vielleicht noch in den Text mit reinbringen sollte. Die Unterscheidung zwischen Verschwörungstheoretiker und Verschwörungsgläubigen.). Aber Du hast auch vollkommen recht, dass das Interpretationssache ist und auch, dass ich Verschwörungstheorien bzw. die Andeutungen darauf jetzt selbst mit „linker Folklore“ (schöner Begriff dafür) durcheinanderschmeiße, wobei genau das ja eben auch einer der Vorwürfe ist: Es geht nicht wirklich um den Inhalt. Ob Verschwörungsandeutung, popkulturelle Referenz, Symbol oder linker Kampfspruch. Es scheint in den Texten alles genau gleich zu funktionieren als Code, als Referenz. Es geht ja auch keineswegs darum Pi als Verschwörungstheoretiker zu inszenieren, das ist er keinesfalls (und wenn ich das behauptet hätte – was offensichtlich vorher nicht klar genug war – hätte ich mir das auch zum Vorwurf gemacht). Es geht darum aufzuzeigen, dass das Reproduzieren dieser Theorien kritisch sein kann. Mehr nicht.

    Danke für den Mono für Alle-Tipp, höre ich mir an!

  • Timbaer schreibt am 24. August 2015 um 17:47

    fällt schwer den artikel ernsthaft zu kritisieren. einfach von vorne bis hinten lächerlich. man kann prinz pi und seine texte durchaus kritisieren oder auch dämlich finden, aber wer die ganzen illuminaten-verschwörungsinhalte ernst nimmt, dem ist eh nicht zu helfen.

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