Mein Plattenschrank mit dem Bürgermeister der Nacht

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Die Plattenschränke von Joachim (links) und Fynn (rechts)

In wenigen Tagen erscheint mit In Champagnerlaune (Partnerlink) das Debütalbum vom Bürgermeister der Nacht und auf Release-Tour (ausdrücklich vom Einhorn empfohlen) geht es auch noch. Grund genug doch mal in die Plattenschränke von Joachim und Fynn zu schauen. Here we go!

Vinyl, CD oder Digital?
Joachim: Ich bin mit CDs aufgewachsen, obwohl mein Bruder eine große Vinyl-Sammlung hatte und mir viel gezeigt hat. Für einen Teenager in den Neunzigern war das ein klarer Fall. Meine ersten beiden waren Use your Illusion 2 und die Single von Heroes del Silencio nach Entre dos Tierras. Mittlerweile bereue ich ein wenig, dass ich mir noch sehr lange Sachen auf CD gekauft habe. Es gab aber auch immer tolle günstige Re-Releases von Rhino mit schönem Booklet. Viele Platten wie zum Beispiel Enos „Before and after Science“ wurden auch komischerweise nur als CD wiederveröffentlicht. Robert Wyatt, Dennis Wilson oder Japans „Tin Drum“ oder Ice Cubes „Amerikkka’s Most Wanted“ auf CD gekauft zu haben erscheint aus jetziger Sicht ein wenig schwachsinnig aber nochmal kaufen will ich sie dann auch nicht. Auch etwas wie Schatzitude von Brüllen würde ich jetzt 1000mal lieber als Vinyl haben. Seit einiger Zeit habe ich mich zu der Entscheidung für Vinyl durchgerungen – mal wieder Jahre nachdem das IN war. Es ist eine Erleichterung. Inzwischen mache ich mit Philipp von Messer, Pola von Zucker und Peter von Thai Wolf einen Plattenzirkel, wo wir es zelebrieren, uns Musik näherzubringen und zu diskutieren, das können auch Vogelgesänge sein. Vinyl ist dabei Pflicht. Vinyl ist auch konsequenteres Erleben des Mediums, klar.

Fynn: CDs. Es war immer mein Ziel, eine extraordinäre CD-Sammlung mein Eigen zu nennen. Nicht wegen der Musik, sondern wegen der schönen Regalwände. So wie andere Leute Bücher im Meter kaufen, habe ich CDs gekauft. Doch wie das Leben so spielt, eines Tages sollten sie mir doch noch einmal von Nutzen sein. Ich arbeite nämlich in der Hamburger Bar „Mutter“. Dort wird ausschließlich von CD aufgelegt…

Liebe Puristen, keine Sorge, unser Album „In Champagnerlaune“ kommt natürlich auf Vinyl und auch ich besitze mittlerweile – und gegen meinen Willen – vier Schallplatten. Lou Reed – New Sensations, The Fall – Dragnet, Doc Watson – Father & Son und Jacques Palminger – Deutsche Frau.

Wie sortiert Ihr Eure Platten? Meint Ihr, dass das was über Euch aussagt?
Joachim: Die CDs sind eher nach sowas wie Genres oder regionalen Abgrenzungen sortiert, was ja oft einhergeht. Aber auch nach Dekaden. Oder auch: experimentell oder straightforward, falls man sich was drunter vorstellen kann. Ich habe da meine eigene Logik, schwer zu erklären. Außerdem verstrickt man sich wenn man versucht ein System zu erarbeiten immer wieder in schmerzhafte Widersprüche! Es sagt also, dass ich eine gewisse Pedanterie wenn nicht Neurose kultiviere und mir Entscheidungen manchmal schwer fallen weil sie Kompromisse und Ungenauigkeiten mit sich bringen! Bei den Vinyls war ich bisher noch zu faul aber das kommt in einem ordnenden Moment. Wenn ich erstmal dran bin, kann ich auch sehr fleißig sein und ich archiviere gerne. Ich hoffe, ich langweile Sie nicht?

Fyn: Ich sortiere nach The Fall und Lou Reed. Der Rest gruppiert sich drumherum: Television Personalities zu The Fall, der äthiopische Jazzer Mulatu Astatke natürlich zu Lou Reed. Zwischen einigen der CDs stehen meine liebsten Star Wars Sammelfiguren aus dem Jahr 1983. Zum Beispiel der vom Bremer Schrifsteller Colin Böttger mit Edding angemalte Han Solo.

Ob die akribische Archivierung skurriler Persönlichkeiten etwas über mich aussagt? Vielleicht sollte mich jemand mit Edding anmalen, bevor ich darauf eine Antwort finde.

Eine Platte, von der Du Dich niemals trennen würdest?
Fynn: Und wenn alle Audiodaten längst verdunstet sind, ich werde mich nie von Lou Reeds „Set the Twillight Reeling“ trennen können. Ich habe es von meiner Schwester zum fünfzehnten Geburtstag bekommen und es hat mir die Eingangstür zu Dichtung und Rock’n’Roll weit aufgestoßen. Wenn sich jemand mal fragt, warum ich so bin, wie ich bin, so ein Affe und Priester, so ein Chronist wie Spinner, so ein Dilettant und Don Quichotte, dann findet er hier Antworten; denn mit fünfzehn Jahren habe ich entschieden, dass dieses Album meine neue DNA sein würde.

Joachim: Eine?! Also seit einem Jahr ein Vinyl Remaster von Cans Future Days, die ich in Manchester bei Piccadilly Records erstanden hab, aber auch Innervisions von Stevie Wonder (Vinyl, 2nd hand) und eine Menge CDs mit Originalstickern aus den Neunzigern „The Holy Bible“ von den Manics, da bin ich 1994 mit dem Fahrrad zum Plattenladen City of Music in Pinneberg gefahren und hab die eine Minute nach der Öffnungszeit noch vom Besitzer Frank Ralf bekommen, ich war 12 und das war magisch für mich aber auch verstörend, kein Wunder, dass das mein Leben verändert hat.

Gibt es Platten die Euch peinlich sind?
Joachim: Keine. Ich habe neulich stolz ein Selfie mit meiner CD von Aerosmiths bestem Album „Pump“ gemacht und als Facebook Profilbild genommen. Eine zeitlang hätte ich die allerdings nicht mal mit der Zange angefasst! Ekelt auch viele, die ich kenne an. Wiederum wissen viele nicht, wie geil z.B. das zweite Album „Empire and Dance“ der Simple Minds ist, vor dem Wechsel zum Majorlabel. „Die alten Sachen“ halt…

Fynn: Mir ist ja nichts peinlich. Vielleicht ändert sich das, wenn ich mir mal bei einem Auftritt in die weiße Leinenhose pisse. Aber ich geb mir noch sportliche 50 Jahre, bis es soweit ist. Bis dahin sollte ich mich vielleicht für die miserable Qualität meiner Gershwin- Alben schämen. Tu ich aber nicht.

Und zum Schluss Eure Lieblingsmusikvideos, um hier im Blog nicht ganz altbacken rüberzukommen und was Multimediales anzubieten.
Fynn: Das Video, das ich hier ausloben möchte, behandelt ein Thema, das mir immer schon besonders am Herzen liegt, nämlich den Besuch beim Friseur! An dieser Stelle herzliche Grüße an Herrn Pfirsich, der mir seit 25 Jahren die Haare exakt gleich schneidet. Meine Damen und Herren, ich empfehle Pavement – Cut your hair.

Joachim: Schon Schluss… hmm.
REM – Nightswimming? Blumfeld – Tausend Tränen tief? Wohnung von Kolossale Kugend? Superpunk mit dem Ehrlichen Mann oder die Zitronen: Gleiches Ambiente? Nein, ich nehme dann natürlich Comb your Hair von den Boo Radleys. Da es dazu aber kein Video gibt, lass ich Fynns Wahl stehen.

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