Nazis sind Kotzescheisse!

Nazis sind nicht dumm und meist auch keine Nazis!

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Nazis sind Kotzescheisse!

In Zeiten wo der Rassismus der Masse wieder überschwappt will es niemand gewesen sein. Schnell wird Distanz aufgebaut. Das Fähnlein wird gewechselt und diejenigen, die gestern noch alles mit Benzin übergossen zeigen nun mit den Fingern auf die, die das Streichholz dranhalten. Meist geschieht das mit einer Distanzierung, die als Klassismus bezeichnet werden kann. Nazis sind doof, Nazis haben keine Jobs, Nazis sind Nazis. Und gerne wird mit aufgesprungen. Vermutlich, weil auslachen mehr hilft als zu verzweifeln. Vermutlich aber eben auch um Distanz aufzubauen. Dazugehören will da ja keiner.

Nazis sind nicht doof

Da werden sie rumgereicht und als Realsatire gefeiert. Selbsgemachte Videos von der NPD oder Facebookkommentare die auf die Headline „Die Hälfte von Asylanträgen wird genehmigt“ entgegnen, dass lieber „die Hälfte abgelehnt werden solle“. Nein wie putzig. Mathe und so. Und natürlich die gute alte Rechtschreibung. Die Nazis beherrschen die deutsche Sprache doch nichtmal selbst. Ist das nicht lustig?!

Oft wird damit das Problem von sich weg geschoben. Zu einem Witz marginalisiert. Ein Witz, auf kosten einer bildungsfernen Klasse oder wie auch immer die Selbstwahrnehmung ist. Rassismus als Unterschichtenproblem. Und es stellt sich die Frage ab wann ist man kein Rassist mehr, sondern „ernstzunehmender Asylkritiker“? Ab der Hochschulreife? Oder muss man studiert haben? Promoviert haben? Einen Doktor vielleicht? Wie Goebbels?

Rein historisch wäre die These „Nazis sind doof“ einfach zu widerlegen. Um nicht bei akademischen Titeln wie bei Goebbels zu bleiben: Bei den Nürnberger Prozessen wurde bei Hermann Göring beispielsweise ein IQ von 138 festgestellt. Das ist aber alles nichts weiter als Drittes-Reich-Trivia. Unnützes Wissen! Tagtäglich auf Dokusendern verbreitet.

Es sollte die Erkenntnis reichen, dass Rassismus kein Klassenphänomen ist, auch wenn sich der Einfluss niedriger Bildung auf rechte Einstellungen nicht bestreiten lässt. Das heißt noch lange nicht, dass Bildungsgrad einen von Rassismus automatisch freispricht. Rassisten? Das sind die Anderen!

Hier wird auf Diskriminierung mit Diskriminierung reagiert. So einfach lässt sich das nicht wegschieben. Rassismus ist kein exklusives Attribut einer sozialen Klasse oder eines (streitbaren) Intelligenzquotienten. Auch Publikative schreibt:

„Dass aber auch Bildung und Besitz nicht vor Rassismus schützt, zeigen Beispiele in Tegernsee und Hamburg. Der Bürgermeister des bayrischen Ortes mit seiner wohlhabenden Bevölkerung erhält Drohbriefe, seitdem dort 21 Asylbewerber untergebracht wurden, im hanseatischen Bezirk Harvestehude verhinderten aufgebrachte Bildungsbürger den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in ihrem Stadtteil. Zu gerne wird manchmal vergessen, dass der rassistische Pöbel eben auch mal Schlips und Prada trägt.“

Dass die Behauptung die meisten Nazis hätten keinen Job in die selbe Kerbe schlägt muss nicht näher erläutert werden. Brandanschläge, rechter Terror. Es ist nicht lustig und der Hass und die Gewalt sind es auch nicht. So sehr ich den Impuls verstehe, sich über die Leute lustig machen ist dies nicht die Art wie wir darauf reagieren sollten!

Und nein, ich sage nicht, dass Rassisten nicht beschimpft werden sollen! Ich sage auch nicht, dass wir sie nicht auslachen dürfen! Nennen wir sie Arschlöcher, nennt sie wie sie wollt. Begegnet ihnen mit dem was sie säen, aber begeht nicht den Fehler und haltet sie für dumm! Sie sind gefährlich, egal ob sie Hass in Schlagzeilen verbreiten, Gesetze verschärfen oder Häuser anzünden! Daher sollten wir Ihnen entgegentreten wie wir einer Gefahr entgegentreten würden!

Nazis sind meist keine Nazis

Seien wir ehrlich. Nicht alle Rassisten sind Nazis. Manchmal sind sie nur konservativ, manchmal sind sie auch in der SPD, mal in der CDU oder parteilos (Andere Parteien lediglich aus Platzgründen unerwähnt). Mal sind sie Volkswirte, dann wieder Rechtsanwälte. Mal pissen sie ihre Hosen voll und mal kommen sie im Anzug zur intellektuellen Diskussionsrunde. Der Hass hat viele Gesichter. Alle als Nazis zu bezeichnen macht es ihnen lediglich viel zu leicht die Anschuldigung zu entkräftigen. Nazi verkommt immer mehr zu einem inhaltslosen Schimpfwort.

Nicht nur weil die US-umgangssprachliche Bedeutung wie z.B. in „Grammatiknazi“ Einzug in die deutsche Sprache erhält. Auch, weil wie Alexander Kluge es benennt, Neonazis wenig mit dem Nationalsozialismus des Dritten Reichs zu tun haben. Es werden Symbole dazu gebraucht um Aggression auszudrücken. Der Hass und die Gewalt muss als Phänomen unserer Zeit verstanden werden, was die Sache keineswegs harmloser macht.

Wir reden hier auch nicht über „Asylkritiker“ oder „Asylgegner“, wie das gerne euphemistisch dargestellt wird. Anatol Stefanowitsch sagte dazu in einem Interview mit dem rbb:

„Man vermeidet Begriffe wie rechtsradikal, fremdenfeindlich, rassistisch und ersetzt sie durch Euphemismen – beschönigende Ausdrücke. Derjenige, der die Dinge beim Namen nennt, der sagt ‚Hier sind rassistisch motivierte Menschen am Werk‘, steht als polemisch da; aber das nur, weil sich alle daran gewöhnt haben, dass man diese unangenehmen Begriffe vermeidet.“

Ich will mich daran nicht gewöhnen. Also lasst uns die Sache einfach beim Namen nennen. Klar und deutlich. Das Problem heißt Rassismus!

    8 Kommentare:

  • astefanowitsch schreibt am 8. September 2015 um 09:21

    Das Problem des Rassismus und Nationalismus wegzudiskutieren, indem man so tut, als seien Rassisten/Nazis halt „doof“ oder „dumm“ halte ich auch für eine gefährliche Distanzierungs- und Selbstvergewisserungsstrategie. Dass Bildung und/oder Intelligenz (ohnehin problematisch verallgemeinernde Konzepte) nicht kategorisch vor Rassismus/Nationalismus schützen, zeigt sich ja auch derzeit deutlich an der „Professorenpartei“ AfD/ALFA.

    Ich halte es aber auch für falsch, die Dimension der Bildung und/oder Intelligenz völlig zu ignorieren. Studien zeigen zum Beispiel, dass „konservative“ Einstellungen wie Rassismus und Homophobie mit einem unterdurchschnittlichen IQ (und hier vor allem mit einer mangelnden Fähigkeit zum abstrakten Denken) korrelieren [1] und dass Menschen mit Abitur weniger anfällig für rechtsextreme Ideologien sind als Menschen ohne Abitur [2]. Dass ein geringer IQ oder mangelnde Bildung den Rassismus/Nationalismus nicht verursachen, ist klar, und dass er sich durch Bildung oder das Training abstrakten Denkens nicht einfach in Luft auflöst, ebenso. Allerdings scheinen Bildung und abstraktes Denkvermögen dazu beizutragen, vor solchen Ideologien zu schützen bzw. sich von ihnen lösen zu können – und das ist ja auch gut so, denn sonst hätten wir ja keine Möglichkeit, gegen Rassismus/Nationalismus vorzugehen. Rassisten/Nationalisten wären dann halt einfach so, wie sie sind – irgendwie essentiell böse und für die Gesellschaft unerreichbar.

    Wenn wir dafür sorgen, dass alle Menschen einen Zugang zu Bildung und zu einer Ausbildung und Ausdifferenzierung des Denkens bekommen, werden wir damit natürlich auch ein paar hoch gebildete und hoch intelligente Rassisten und/oder Nationalisten hervorbringen, aber insgesamt wird die Akzeptanz entsprechender Ideologien sinken. Gerade bei diesem Zugang herrschen in Deutschland aus verschiedenen Gründen unglaubliche Defizite – es gibt nur wenige OECD-Staaten, die pro Kopf weniger in Bildung investieren [3]. Vor allem gibt es kaum eine Industrienation, in der der Zugang zu Bildung so stark von der sozialen Herkunft abhängt, wie in Deutschland [4] (das führt ja mit dazu, dass auch viele eigentlich progressive Menschen Bildung/Intelligenz klassistisch konstruieren und rassistische/nationalistische Einstellungen nicht nur als Eigenschaft „dummer“ Menschen, sondern auch als Eigenschaft einer „Unterschicht“ betrachten).

    [1] http://www.sueddeutsche.de/wissen/intelligenz-kinder-mit-geringerem-iq-neigen-spaeter-eher-zum-rassismus-1.1254098
    [2] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-06/studie-rechtsextremismus-2014
    [3] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/37109/umfrage/ausgaben-fuer-bildung-in-prozent-des-bip/
    [4] http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.oecd-studie-bildung-stark-an-soziale-herkunft-gekoppelt.e4491baa-80c3-4923-8987-2ba4944f0d25.html

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. September 2015 um 09:30

    @astefanowitsch Hi Anatol, Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Tatsächlich ist Dein Einwand in einem Nebensatz erwähnt:

    „auch wenn sich der Einfluss niedriger Bildung auf rechte Einstellungen nicht bestreiten lässt.“

    Ich werde das nochmal deutlicher hervorheben und um meine Quelle (Mittestudie) ergänzen. Ich denke wir sind uns da grundsätzlich einig und ich verstehe Deinen Kommentar lediglich als Ergänzung? Ist das korrekt?

  • astefanowitsch schreibt am 8. September 2015 um 21:26

    @Daniel , ja, so war es gemeint! Ich wollte schon länger einen eigenen Blogpost zu dieser Frage schreiben, weil mir die Diskussion da oft zu vereinfachend ist, und dein Beitrag war dann der Anstoß, mal anzufangen, das aufzuschreiben.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. September 2015 um 22:57

    @astefanowitsch Das freut mich! Mach das doch dennoch, ich würde es gerne lesen/teilen!

  • Alreech schreibt am 19. September 2015 um 17:22

    klar sind die Gebildeten weniger rassistisch.
    Bildung in Deutschland fängt bekanntlich erst mit einem abgeschlossenen Studium, ohne akademischen Titel ist man leider nur Bestandteil der bildungsfernen Schichten.
    Wobei das Studium auf Staatskosten natürlich hauptsächlich den Kindern der Besserverdienenden offen steht.

    Wer eine Berufsausbildung hat, und sich Weiterbilden möchte darf dafür zahlen. Offiziell darf man dann zwar mit einem (teuer bezahlten) Meisterbrief alles studieren, inoffiziell sorgen die Hochschulen dafür das so jemand keine Chance hat.
    Zum Glück wird man als Gebildeter von den Zumutung der Zuwanderung verschont bleiben. Die eigenen Kinder gehen aufs Gymnasium (oder die Waldorfschule) und studieren später, die Kinder der Zuwanderer landen in den Haupt und Gemeinschaftsschulen oder sollen vom unterfinanzierten und verachteten beruflichen Schulwesen betreut werden.
    Wenn sich dann wirklich mal ein Zuwanderer im Reihenhausgetto niederläßt dann natürlich der sprichwörtliche syrische Zahnarzt, dessen Kinder als gute Partie schnell Aufnahme im örtlichen Tennisklub finden.
    Der syrische Tagelöhner landet dagegen im sozialen Brennpunktviertel wo die Mieten billig sind und darf im Niedriglohnsektor ackern.
    Die Grenze verläuft nicht entlang der Hautfarben, sondern zwischen Unten und Oben. In dem Sinn ist der syrische Zahnarzt für die Besserverdienenden weniger Outsider als der deutsche Prolet der leider nicht studieren konnte weil seine Eltern nicht genügend Geld hatten.

    Würde man die bestehenden rassistischen Hürden im deutschen Bildungssystem beseitigen wäre es schnell vorbei mit Toleranz der besserverdienenden Stände. Gutes Beispiel sind die bürgerlichen Proteste gegen die Schulreformen in Hamburg.

  • Martin Däniken schreibt am 19. September 2015 um 18:14

    Meiner Erfahrung nach können sich auch Gebildete mit Guten Einkommen strunzdähmlich anstellen-oder was der Pispers über Börsenanalyten oder die Marktforscher/Vwler/Bwler/5Weisen sagt..Intelligenteres Leben findet sich an jedem Duschvorhang..
    Es gibt sowas wie Herzensbildung,die ist von Uni-Abschlüssen unabhängig.

  • Kein Nazi schreibt am 20. September 2015 um 22:39

    Nazis sind keine Nazis, weiß ist nicht weiß, 1 ungleich 1, die Erde ist eine Salamischeibe, das WTC wurde von Aliens zerstört und Logik ist ein weißer Hase, der in meiner Wand lebt.

  • Martin Däniken schreibt am 21. September 2015 um 15:30

    Hauswand oder STIRNhöhlenwand ;-)?

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