Schwerstarbeit

6-Stunden-Arbeitstag macht glücklicher und effektiver

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Schwerstarbeit

Der noch heute hierzulande bekannte Achtstundentag ist sehr alt. Als Forderung wurde er erstmals ca. 1830 in Großbritannien formuliert. 1856 folgte in Australien die erste offizielle Einführung. Ab 1866 wurde unter Mitwirkung von Marx und Engels die internationale gesetzliche Einführung des Achtstundentages gefordert und somit auch zum Thema in Deutschland. Aber erst seit 1918 ist der Achtstundentag in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Was wiederum 1994 im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) wieder aufgeweicht wurde. Denn die Arbeitszeit kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Die Realität sind indes für viele anders aus. Ab 2000 sind mehr als acht Stunden nicht unüblich. Und gerade in modernen Berufen (Irgendwas mit Medien z.B.) wird die dauerhafte Verfügbarkeit – die selbstverständlich freiwillig und keine Bereitschaft ist – gerne gelebt.

In Skandinavien allerdings wird schon seit geraumer Zeit mit dem Sechsstundentag experimentiert. So gab es einen erfolglosen Testlauf vor einigen Jahren in Kiruna. Erfolgreicher sah nun ein Modell in Göteburg aus. Dieses wird wissenschaftlich begleitet:

„In Schweden versuchen sich gerade immer mehr Unternehmen an diesem Modell. In Göteborg beteiligen sich vor allem Ärzte und Krankenschwestern und Mechaniker im Schichtdienst.

Ärzte berichten, durch den Sechs-Stunden-Tag sogar mehr Zeit für ihre Patienten zu haben. Klingt seltsam, aber weil sie in der Zeit, die sie haben, effektiver und mit mehr Energie arbeiten, schaffen sie auch mehr. Außerdem nimmt die Zahl der Arbeitnehmer mit Burnout und Depressionen ab, es gibt also weniger Ausfälle.“

Das alles sogar bei gleichem Geld! Auch in Norwegen gibt es einen positiven Abwärtstrend bei den Arbeitszeiten. Bereits 2007 führte ein Betrieb testweise den Sechs-Stunden-Tag ein:

„Der Sechs-Stunden-Tag habe sich positiv auf Produktivität, Qualität und Krankenstand ausgewirkt, heißt es in einem Bericht des norwegischen Arbeitsforschungsinstituts (AFI), den drei Wissenschaftler zwei Jahre nach Einführung der Arbeitszeitreduzierung bei der Molkerei erstellt hatten. Damals war die einschneidende Änderung also noch nicht so lange her, und die befragten Mitarbeiter konnten lange und kurze Arbeitstage gut vergleichen. Trotz weniger Zeit auf der Arbeit beklagten sie sich kaum über Zeitdruck; der Anteil derjenigen, die ihren Gesundheitszustand als eher gut bezeichnen, stieg.“

Doch es gibt auch damit zusammenhängende Forderungen die für viele nicht so traumhaft klingen dürften. So stellten Unternehmensberater, die den Sechs-Stunden-Tag befürworten, fest, dass dies auch dazu dienen könne das Rentenalter höher zu setzen. Wer dauerhaft weniger arbeitet könnte dafür ja ein paar Jahre am Ende dranhängen.

    2 Kommentare:

  • Shadowelf schreibt am 5. Oktober 2015 um 17:19

    Dann kann man nur hoffen, dass wir das noch zu Lebzeiten erleben dürfen. Wie ich dem verlinkten Experiment in Schweden entnehmen durfte, blieb wirklich das Gehalt gleich, nur die Stunden wurden reduziert. Ich befürchte, dass das hier noch ein langer Weg bis dahin ist. Hier wird sicher zuerst beides reduziert. Aber hoffen wir mal das Beste :)

  • steve schreibt am 13. Oktober 2015 um 20:52

    Klingt gut. Also da doch lieber ein paar Jahre länger arbeiten … was soll man denn sonst die ganze Zeit tun? Ernsthaft …

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