Zurück in die Vergangenheit – Filme, die in der Zukunft spielen, die jetzt Vergangenheit ist

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2001 - A Space Odyssey

Heute ist der 21. Oktober 2015. Damit wird die Zukunft, wie wir sie aus Zurück in die Zukunft II kennen, Vergangenheit. Wir wissen ganz genau, welche Prognosen sich bewahrheiteten, und vieles was uns „versprochen“ wurde ist nicht wahr geworden. Kein Hoverboard, keine selbstschnürenden Schuhe, keine fliegenden Autos und kein 19ter Teil von „Der weiße Hai“. Schande auch. Doch es ist nicht das erste Mal, dass wir von der Zukunft aus Filmen schwer enttäuscht wurden. Hier also fünf cineastische Zukunftsvisionen die mittlerweile Vergangenheit sind. Aber Achtung: May contain spoilers!

2001 und 2010

Sowohl Kubricks Meisterwerk von 1968 als auch die Fortsetzung aus dem Jahre 1984 spielen mittlerweile in der Vergangenheit. Und wir haben bisher natürlich keine Monolithen auf dem Mond entdeckt, aber auch einige Zukunftsprognosen sind bisher nicht wahr geworden. Wir haben keinen Supercomputer à la HAL 9000, und auch die bemannte Raumfahrt hinkt einige Jahre hinter dem her, was wir aus dem SciFi-Klassiker kennen.

Das amüsanteste Detail an 2001 dürfte aber sein, dass die Raumfähre Aries Ib, mit der Passagiere von der Erde zum Mond fliegen, sowie die Raumfähre Orion III, die wiederum für den Personentransport zwischen Erde und einer Raumstation zuständig ist, von dem Flugunternehmen Pan Am betrieben werden. Dieses stellte allerdings bereits 1991 seinen Betrieb ein.

Escape from New York / Die Klapperschlange und Escape from L.A. / Flucht aus L.A.

Dystopien haben einen großen Vorteil für Filmemacher*innen. Sie sind um einiges günstiger zu realisieren als Utopien. Denn wenn die Zukunft im Arsch ist, dann gehst Du einfach nach St. Louis. So tat es zumindest John Carpenter, um das heruntergekommene Manhattan seiner Zukunft zu inszenieren. In St. Louis gab es genügend heruntergekommene leerstehende Gebäude.

Wir dürfen uns bisher darüber freuen, dass Manhattan kein einziger großer Knast ist. Dabei spielt „Die Klapperschlange“ bereits 1997. Auch der im Film prophezeite vierhundertprozentige Anstieg der Kriminalität in den USA von 1988 nicht statt. Ansonsten lässt sich wohl nicht so viel aus Carpenters düsterer Zukunftsvision ableiten, denn viel futuristisches bekommen wir im Film gar nicht zu sehen.

Escape from NY – Introduction from Adriana Valdez Young on Vimeo.

Das 1996 gedrehte Sequel „Flucht aus L.A.“ spielt ebenfalls in einer Zukunft, die mittlerweile Vergangenheit ist. So ist die Handlung im Jahre 2013 angesiedelt. Diesmal ist L.A. eine Insel, denn ein Erdbeben trennte 2000 die Stadt vom Festland. Auch wird die USA theokratisch-faschistisch regiert, was entgegen vielerlei antiamerikanischer Verschwörungstheorien bisher auch nicht der Fall ist. Auch die im Film beschriebene Superwaffe, die es ermöglicht, via eines Satellitennetzwerkes alle elektronischen Geräte der Welt zu zerstören, ist keine Wirklichkeit. Da lässt sich durchatmen. Auch was unser nächstes Beispiel angeht.

Conquest of the Planet of the Apes / Eroberung vom Planet der Affen sowie Battle for the Planet of the Apes / Die Schlacht um den Planet der Affen

Die Sequels zu Planet der Affen werden in meinen Augen sträflich unterbewertet. Gut, Teil 2 ist ärgerlich und eher aus Trash-Gründen zu genießen, aber insbesondere „Eroberung vom Planet der Affen“ ist ein großartiger Film, der einzig unter seinem Budget zu leiden hat, aber daraus auch seine Vorteile zieht. So wurden große Teile des Films auf dem Irvine Campus der Universtät Kaliforniens gedreht, der vom Architekten William L. Pereira entworfen wurde und herrlichen Retrofuturismus verbreitet.

Wir schreiben das Jahr 1991, und Affen sind die bevorzugten Haustiere in Nordamerika. 1983 raffte ein Virus innerhalb weniger Monate alle Hunden und Katzen dahin. Affen sind allerdings mehr als nur Haustiere, sondern vielmehr schon Sklaven, bis ein Affe das Wort erhebt und sich mit einem „Nein“ entgegenschleudernd dem Menschen widersetzt.

In der Originalreihe eine der wichtigsten Szenen, die ihre Wiederverwendung in „Planet der Affen: Prevolution“ findet, der fast als Remake von „Eroberung…“ anzusehen ist. Dementsprechend erheben sich die Affen und strecken in einem blutigen Aufstand ihre Peiniger nieder.

Der ganze Film ist geprägt durch Fragen, die in dieser Form nicht zu erwarten waren und stieß wegen dieser Düsternis und der Gewalt auf wenig Gegenliebe beim damaligen Publikum. So musste das zuerst noch blutigere und revolutionäre Ende durch einen friedfertigeren Schlussmonolog abgeschwächt werden.

Inspirieren ließen sich die Drehbuchautoren von den Watts-Unruhen in Los Angeles, die 1965 zu 24 Todesopfern und zu 40 Millionen Dollar Sachschäden führten. Auch dies macht „Eroberung…“ zu einem speziellen Film. Ein Unterhaltungsfilm, der – wenn das geänderte Ende außer Acht gelassen würde – klare Position zu gewaltvollem Protest als legitimes Mittel gegen Unterdrückung sieht.

EROBERUNG VOM PLANET DER AFFEN

Dass der friedvolle Abschluss seine Wirkung verfehlte, zeigt der darauf folgende und letzte Teil der Originalreihe aus dem Jahr 1973. Dieser spielt neun Jahre nach der Revolution im Jahre 2000, und es wird klar, dass die Menschen ein friedvolles Zusammenleben mit den Affen nicht wollten und ein Atomkrieg die Zivilisation, wie wir sie kennen, zerstörte. Und um nicht mehr zu spoilern und es kurz zu machen: All das fand bisher nicht statt. Weder das Aussterben der Hunde und Katzen, noch die Affenrevolution, noch der atomare Krieg.

Freddys Finale – Nightmare On Elmstreet 6

Dieser Film taucht in dieser Liste vor allem aus einem Grund hier auf: Weil es bis auf den Anfangsscreen absolut nicht offensichtlich ist, dass er in der Zukunft spielt. So beginnt der Film mit einer Einblendung, die darauf hinweist, dass der Film „10 years from now“, also 10 Jahre in der Zukunft spielt.
Dies sorgte für allerlei Verwirrung bei den Fans. Da der sechste Teil der Nightmare-Reihe 1991 erschien, mahmen viele an, der Film spiele 2001. Aber die meisten gehen davon aus, dass sich die Einblendung auf das Ende der Vorgängers bezieht, an das der Film direkt anschließt und somit 1999 spielt. Damit ist vor allem erstaunlich, dass das Dargestellte 1999 herrlich anachronistisch ist. So spielt Freddy Krueger eine Videokonsole, die der NES ähnelt. 1999 wäre dies bereits recht retro. Vermutlich wäre eine N64 passender gewesen, aber wer hätte das ahnen können?
Immerhin trägt niemand der jugendlichen Hauptdarsteller Frosted Tips.

10 years from now. Also von jetzt an?

2012 – Das Ende der Welt

Zukunftsvisionen sind nicht nur Filmen vorbehalten. Insbesondere angebliche Enden der Welt faszinieren den Menschen. Grund genug für Roland Emmerich, 2009 aus der angeblichen Maya-Prophezeiung einen Katastrophenfilm zu stricken. Wie so viele Endzeitprophezeihungen scheiterte natürlich auch diese Vision. Bemerkenswert hierbei finde ich, dass über 200 Mio. Dollar dafür ausgegeben wurden, eine Zukunftsvision, die drei Jahre später nicht stattfinden sollte, zu inszenieren. So wird 2012 irgendwie zu einem Mahnmal für die Zukunftsängste und den Aberglauben vieler Menschen, die an das Ende der Welt im Jahre 2012 glauben wollten. Für alle, die daran glaubten, war es bis zum Ablauf des Datums (der 21. Dezember 2012) vielleicht gar ein potentielles Szenario. Und daher bleibt zum Abschluss vor allem eines zu sagen: The Future is unwritten.

Weitere nennenswerte Erwähnungen:
„The Postman“ von 1997, der im Jahr 2013 spielt.
„Omega Man“ aus dem Jahre 1971, der 1977 spielt.
„Strange Days“ von 1995, der 1999 spielt.
„Predator 2“ von 1990, der 1997 spielt.
„Blues Brothers 2000“ von 1998, der wie der Name bereits sagt im Jahre 2000 spielt.

Eine umfassende Liste von Filmen und Büchern, die eine Zukunft beschreiben die mittlerweile Vergangenheit ist, gibt es in der Wikipedia.

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