Xavier Naidoo - Nachrichten in Google News

Für den NDR – Damit er nicht überrascht ist

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Xavier Naidoo - Nachrichten in Google News

Naidoo ist also wieder raus. Ob der Proteste und des Spotts bricht der NDR ein und zieht die Direktnominierung von Xavier Naidoo zurück. Über die Reaktion des Senders hat Heiko Werning bei der taz einen recht passenden Kommentar geschrieben. Aber an einer Stelle der Pressemitteilung blieb ich doch hängen:

„Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt.“

Nun ist es nicht neu das Naidoo polarisiert. Absolut nicht. Schon 2002 schrieb Martin Büsser in der intro:

„In dieser pathetisch instrumentierten, von Harfen umspielten Musik, schrumpft der Himmel zum Kerker zusammen, menschliche Freiheit zu bedingungsloser Knechtschaft unter Gott und die patriarchalisch geführte Familie. Angesichts des Brother Keepers-Projekts, bei dem auch Xavier Naidoo mitwirkt, sind diese CDs absolut desillusionierend, nämlich vom Denken der Rechten gar nicht so weit entfernt.“

Das war weit vor Naidoos Auftritt bei Reichsbürgerdemos die den Stein ja erst so richtig ins Rollen brachten. Aber schauen wir uns doch mal an was der NDR alles seitdem verschlafen hat. Es ist der August 2014. Naidoo lässt sich auf den kritisch beäugten Montags-Friedensdemos blicken und behauptet das was er bereits zuvor u.a. 2011 im Morgenmagazin bei der ARD sagte: Deutschland sei ein besetztes Land, etc. bla bla

Auch große Seiten wie SpOn oder ZEIT-Online berichten damals über Naidoo kritisch. Wer bei Google News die Nachrichten über Naidoo vom 14.8. bis 31.8. ansieht muss feststellen, dass viele Medien über das Thema nicht nur berichteten, sondern auch andere Diskussionen, die bereits vorher über den Künstler und sein Werk geführt wurden, wieder thematisiert wurden.

Dann kam der Tag der deutschen Einheit. Am 03.10.2015 legte Naidoo noch einen drauf und tritt wieder auf „Reichsbürger-Demos“ auf und entfacht die Debatte erneut. Wegen der wiederholten Kontroverse musste der Fernesehsender VOX bei dem Naidoo mit der Sendung „Sing meinen Song“ Erfolge feierte Stellung beziehen. Zur selben Zeit meldete sich auch die Mannheimer Popakademie zu Wort, die eine Mitteilung veröffentlichte und sich „von den fragwürdigen und irritierenden politischen Äußerungen und dem Auftritt“ Naidoos distanzierte. Spätestens jetzt hätte einem aufgehen können, dass eine Direktnominierung Naidoos für heftige Reaktionen sorgen könnte.

Aber da war ja noch die zweite Staffel von „Sing meinen Song“, die startete am 19. Mai 2015 und nahezu kein Bericht ließ es sich nehmen Naidoos politische Wirrungen zu thematisieren. Bei der NOZ wird von Naidoos „homophoben Anti-Pädophilie-Anti-Abtreibung-Song“ geschrieben und auch die Zeit schreibt im Juli 2015 in Bezug auf die Sendung:

„Der Gastgeber Xavier Naidoo ist im vergangenen Jahr mehrmals bei Demonstrationen sogenannter Reichsbürger aufgetreten, um dort zu erklären, dass es ihm um die ‚Liebe zu unserer Sprache und die Liebe zu unserem Land‘ gehe: ‚Informiert euch zum Thema Verfassung‘, rief er den Menschen zu, ‚hat Deutschland eine Verfassung oder ist es immer noch besetzt?'“

SpOn erwähnt ebenfalls in einem Bericht zur Sendung die Reichsbürger-Auftritte.

Aber auch das könnte der NDR alles rein theoretisch verpasst haben. Wer erwartet schon von den Medien andere Medien zu verfolgen? Aber wurden Naidoos bizarre Politauftritte gar in der Sendung selbst thematisiert? Ja, Xavier machte Scherzchen darüber, dass es doch vielleicht den nächsten Skandal gäbe wenn er das Lied „Deutschland“ covert und ließ sich von den Prinzen attestieren, dass er „politisch sehr korrekt“ sei. Da könnte ein*e aufmerksame Zuschauer*in sich tatsächlich fragen worauf das alles anspiele.

Und vielleicht, vermutlich, wahrscheinlich ist dem NDR auch entgagenen, dass das Ganze Thema vereinzelt sogar vor Gericht landete, wo Naidoo versuchte mit einer Einstweiligen Verfügung zur Unterlassung verschiedene Äußerungen auf dem Portal „Netz gegen Nazis“ zu unterbinden. Das war im August diesen Jahres. Ziemlich genau drei Monate vor der Bekanntmachung des Senders. Und ca. zwei Monate bevor Naidoo recht medienwirksam den Antipreis „Der goldene Aluhut“ erhielt. Wiederum ein Jahr nachdem er schon das „Goldene Brett“ gewann.

Es geht nicht darum den Sänger wieder durch’s Dorf zu treiben. All das zeigt nur, wieso die Überraschung des NDRs für mich so unglaublich – nahezu unglaubwürdig – ist. Wer von dem Allem nichts mitbekam, lebte das letzte Jahr unter einem Stein. Schön abgelegen und schattig da, da kann so manche Reaktion tatsächlich auch überraschend wirken.

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