Musikdokus

Die fünf besten Musikdokus

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Die besten Musikdokus

Ich liebe Dokumentationen und Musikdokumentationen ganz besonders. Und ich mag Geschichten über das Scheitern. Geschichten über das Scheitern sind meist gute Geschichten. So wundert es mich persönlich nicht, dass nahezu alle Lieblingsmusikdokus von mir auch Geschichten über – im weitesten Sinne – das Scheitern sind.

Auch finde ich es wichtig zu erwähnen, dass eine gute Musikdokumentation nicht zwingend heißt, dass ich die Musik auch gut finde. Was hier in den meisten Fällen aber dennoch der Fall ist. Ohne Umwege hier also die fünf besten Musikdokus, rein subjektiv ausgewählt, ohne Reihenfolge.

Mutter – Wir waren niemals hier (2004)

Ich bin ein riesiger Fan der Band Mutter und dieser Film von Antonia Ganz schafft allerlei Sachen die mich begeistern. Da ist zu Beginn des Films eine Szene wo die Band Backstage sitzt und jemand zur Tür reinkommt und gefragt wird, wie voll der Konzertsaal denn schon sein kommt als Antwort eine doch recht überschaubare Zahl. Daraufhin eine ernsthaft begeisterte Antwort, dass es jetzt endlich losginge.
Das erinnert mich auf so sympathische wie authentische Weise an meine musikalischen Gehversuche und fasst gleichzeitig die Krux von Mutter zusammen, die sich damit rühmen können das schlechtverkaufteste Spex-Cover aller Zeiten geziert zu haben. Richtig groß wurde die Band nie, sie machten aber immer weiter. Bis heute.

„Wir waren niemals hier“ entfaltet wie von selbst eine Geschichte. Eigentlich ist der Film Retrospektive und Begleitung einer Tournee, bekommt dann aber eine eigene Dynamik mit traurigen Ende und ebenso berührenden Zwischentönen. Der Film zeigt auch, dass eine Band eine Gemeinschaft ist, nach langen Jahren aber nicht zwingend einer romantisierten Vorstellung entspricht.

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Searching for Sugar Man (2012)

Die Geschichte ist zu gut um wahr zu sein. Ein Musiker verschwindet nach zwei erfolglosen Alben in der Versenkung und stellt Jahre später fest, dass er in einem fernen Land ein Superstar ist, ein Mythos. Dies fasst „Searching for Sugar Man“ kurz und knapp zusammen. Die Wahrheit ist viel komplexer. Auch komplexer als es der Film darstellt, der sich gegenüber der Historie durch Verschweigen den ein oder anderen dramaturgischen Kniff erlaubt.

So wird nicht darauf eingegangen, dass Sugar Man Sixto Rodríguez Ende der 70er durchaus einige Erfolge in Australien feiern konnte und seine Karriere nicht so sang- und klanglos endete wie im Film dargestellt. Passt aber eben besser zum Underdog und zur Story. Nichtsdestotrotz ist „Searching for Sugar Man“ ein bewegender und empfehlenswerter Film.

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Last Days here (2011)

„Last Days here“ über Bobby Liebling und Pentagram beginnt im Keller. Im Keller von Bobbys Eltern wo Bobby sich den Drogen und der Vergangenheit hingibt. Der Film ist schmerzvoll voyeuristisch und angeblich wollten die Regisseure Don Argott und Demian Fenton die Produktion abbrechen, weil es so aussah als ob sich Bobby mit den Drogen selbst zu Grunde richtet. Es ist ein Auf und Ab, dass einen mitnimmt. Sowohl fesselnd als auch belastend. Dass das Ganze dann relativ friedvoll endet ist kaum glaubhaft, versöhnt aber mit dem Ritt den der Film veranstaltet.

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B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989

B-Movie ist anders als ich erwartete und daher möchte ich gar nicht so viel verraten. Es ist eine schöne unterhaltende Dokumentation in deren Mittelpunkt Mark Reeder steht. Dieser persönliche Bezug macht B-Movie doch recht einzigartig. Genau so wie seine Machart mit nachgespielten Szenen, Originalmaterial unterschiedlicher Qualität, etc. sehr einzigartig ist. Eine Collage einer Dekade in West-Berlin sozusagen.

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Mistaken for Strangers (2013)

„Mistaken for Strangers“ beginnt als Tourfilm von The National, die gerade den Indie-Status verlassen und Mainstream werden. Hier muss ich dazu sagen, dass mir The National musikalisch echt ziemlich egal sind (Ich finde sie aber auch nicht schlecht!), dieser Film mich daher um so mehr begeisterte. Es beginnt also als Tourfilm und wird dann ein Portrait zweier Brüder, eine Geschichte über Erfolg, Misserfolg, Erwartungen, Vergleiche, Druck und Erwachsen werden. Der Protagonist in Mistaken for Strangers ist nicht National-Sänger Matt Beringer, sondern sein Bruder Tom, der diesen Film drehte, mit sich haderte, scheiterte, wieder aufstand und einen der wirklich besten Musikdokus aller Zeiten machte. Vermutlich, weil es gar nicht wirklich um die Band oder die Musik geht.

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Ehrenhafte Erwähnungen: Sound City, Jandek on Corwood, The Devil and Daniel Johnston, Amy, Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft, A Band called Death

    2 Kommentare:

  • Treverer schreibt am 28. Januar 2016 um 11:29

    Ich fand ‚Artifact‘ sehr gelungen. Auch für Leute interessant, die mit der Musik von ’30 Seconds to Mars‘ nicht soviel anfangen können.

  • Baeks schreibt am 30. Januar 2016 um 16:04

    kennste flüstern & SCHREIEN?

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