Fuggerei in Augsburg – Wo die Jahreskaltmiete nur 0,88 Euro beträgt

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Skurril. 1521 stiftete Jakob Fugger der Stadt Augsburg eine Sozialsiedlung, die Fuggerei. Vermutlich in Bedacht auf sein Seelenheil, denn vermietet werden die 140 Wohnungen der 67 Häuser nur an bedürftige katholische Augsburger Bürger, die dafür dreimal täglich für die Stifterfamilie Fugger beten. Hat also durchaus einen Haken.

Tatsächlich wird die Siedlung auch heute noch aus dem damaligen Stiftungsvermögen Jakob Fuggers betrieben, so dass eine Jahreskaltmiete von gerade mal 0,88 Euro möglich ist. Obendrauf ist das Ganze noch recht hübsch und komfortabel:

„Die meisten Wohnungen in der Fuggerei sind jeweils etwa 60 Quadratmeter groß und haben jeweils einen eigenen Eingang. Die im Erdgeschoss liegenden Wohnungen verfügen fast alle über einen Garten, die im Obergeschoss über einen Speicher. Die Wohnungen sind an das Fernwärmenetz der Stadt Augsburg angeschlossen. […] Die Aufnahmebedingungen sind immer noch dieselben wie zur Zeit der Gründung: Wer in der Fuggerei wohnen will, muss Augsburger, katholisch und gut beleumundet sein. Die Jahres(kalt)miete für eine Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen, inflationsunbeachteten Wert eines Rheinischen Gulden (umgerechnet 0,88 Euro). Die Nebenkosten tragen die Mieter (85,– Euro seit 1. Juli 2013).

Das Ensemble mit acht Gassen und drei Toren ist eine ‚Stadt in der Stadt‘ mit eigener Kirche, ‚Stadtmauern‘ und mehreren ‚Stadttoren‘. Seit dem Jahr 2006 ist für Besucher allerdings nur noch ein Tor geöffnet, das jeden Abend von 22 Uhr bis 5 Uhr vom Nachtwächter geschlossen wird. Fuggereibewohner, die bis 24 Uhr durch das Ochsentor zurückkehren, geben dem Nachtwächter einen Obolus von 0,50 Euro, danach einen Euro. Ab 5 Uhr ist das Haupttor wieder offen. Der Besitz der Fuggereistiftung besteht aus Wäldern und Immobilien und finanziert die Sozialsiedlung bis heute. Als neue wirtschaftliche Einnahmequelle kam ab 2006 der Tourismus hinzu.“

Fuggerei in Ausgsburg

(via reddit / Foto unter CC-Lizenz 3.0 von Martin Kluger, Wikicommons)

    2 Kommentare:

  • Maik schreibt am 15. Januar 2016 um 09:40

    „Komfortabel“ ist sicherlich das falsche Wort. Ist schon alles recht klein gehalten (gerade für Leute wie mich mit unheimlich viel Kopfstoßgefahr), aber die Einrichtung an sich ist natürlich klasse und die Leute leben dort gerne. Allerdings finde ich die „Führungen“ etwas lahm (aber so unterstützt man das System wenigstens ein wenig). Interessant finde ich die analogen Klingeln an den Türen, die per Seilzug funktionieren – und jede Wohnung hat ein eigenes Symbol daran.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 15. Januar 2016 um 10:18

    @Maik Also 60qm ist mehr als meine alte Wohnung. Ich finde das ist schon komfort… Aber vielleicht gucke ich mir das das nächste Mal an.

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