Gutmensch ist das Unwort des Jahres 2015

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Unwort des Jahres

Nach Lügenpresse 2014, Sozialtourismus 2013 und Opfer-Abo 2012 ist Gutmensch zum Unwort des Jahres 2015 gewählt wurden. Die Jury aus vier Sprachwissenschaftler*innen und einem Journalisten + Gastjuror begründet ihre Entscheidung wie folgt:

„Das Wort ‚Gutmensch‘ ist zwar bereits seit langem im Gebrauch und wurde auch 2011 schon einmal von der Jury als ein zweites Unwort gewählt, doch ist es im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema im letzten Jahr besonders prominent geworden. Als ‚Gutmenschen‘ wurden 2015 insbesondere auch diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen. Mit dem Vorwurf ‚Gutmensch‘, ‚Gutbürger‘ oder ‚Gutmenschentum‘ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm oder weltfremdes Helfersyndrom diffamiert. Der Ausdruck ‚Gutmensch‘ floriert dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern wird auch hier und dort auch schon von Journalisten in Leitmedien verwendet. Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindert somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.“

Außerdem rügen Prof. Dr. Nina Janich, Stephan Hebel, Dr. Kersten Sven Roth, Prof. Dr. Jürgen Schiewe, Prof. Dr. Martin Wengeler sowie als jährlich wechselndes Mitglied in diesem Jahr der Kabarettist Georg Schramm die ebenfalls durch Einsendungen vorgeschlagenen Worte „Hausaufgaben“ (im Zusammenhang mit Griechenland) sowie „Verschwulung“.

Anatol Stefanowitsch widmet der Entscheidung einen Beitrag im Sprachlog und kritisiert dabei u.a. das in der Pressemitteilung verwendete „rechtspopulistisch“:

„Diese (und ähnliche) Euphemismen signalisieren eine Angst, die Positionen, die sich derzeit wieder einmal vom rechten Rand in die Mitte unserer Gesellschaft ausbreiten, klar und deutlich beim Namen zu nennen. Damit tragen sie dazu bei, diese Positionen zu legitimieren, als Spielarten gesellschaftlich akzeptierter oder zumindest akzeptabler Meinungen darzustellen. Damit sind sie Teil einer subtilen, schwer erkennbaren Verschiebung von Werten, die viel gefährlicher ist als ein eigentlich schon etwas in die Jahre gekommenes Wort wie Gutmensch.“

Wie sehr in die Jahre gekommen es ist zeigt auch dieses ältere Zitat von Hagen Rether, das gleichermaßen verdeutlicht, dass sich nicht viel änderte. Vieles sogar vielleicht schlimmer wurde:

    Ein Kommentar:

  • El Barto schreibt am 14. Januar 2016 um 17:45

    Max Goldt hat sich in seinem Text „Was man nicht sagt“ schon vor über zehn Jahren zu „Gutmensch“ geäußert:

    „Die Kritik an denen, die es mit der Political Correctness übertrieben haben war wohl berechtigt und diejenigen, die das Wort ‚Gutmensch‘ prägten sind keine schlechten Menschen. Der Begriff ist inzwischen aber in der rechten Ecke angelangt, bei der Jungen Freiheit, wo er zum diskreditieren jeder emanzipatorischen Bewegung, jeder Form von Weltverbesserung verwendet wird.“

    https://www.youtube.com/watch?v=aeHFaU_Orts

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