Bakshis Der Herr der Ringe

Herr der Ringe – Die komplette Zeichentrickverfilmung

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Bakshis Der Herr der Ringe

Noch vor Peter Jackson kam „Der Herr der Ringe“ in die Kinos. Als Zeichentrick von Ralph Bakshi der zuvor mit „Die Welt in 10 Millionen Jahren“ bereits ein Zeichentrick-Fantasy-Epos auf die Leinwand brachte und Animationsfilme für ein erwachsen(er)es Publikum machte.

Bakshi selbst bemühte sich um die Rechte nachdem er erfuhr, dass John Boorman (u.a. „Excalibur“, „Zardoz“, „Beim Sterben ist jeder der Erste“)plante den gesamten „Herr der Ringe“ in einem einzigen Film abzuhandeln. Bakshi dazu:

„Das ist doch Irrsinn. Wieso sollte man etwas verfälschen was Tolkien schuf?“

Dabei bestand Tolkien selbst immer darauf, dass er ein einziges Buch schuf und keine drei Einzelbücher. Überhaupt war die Einteilung als Trilogie, die wir auch durch Jacksons Filme kennen, aus Kostengründen durch den Verlag vorgenommen. Papier war in der Nachkriegszeit teuer.

Wäre es nach Tolkien gegangen wäre das Buch in sechs Teile unterteilt wurden, deren Titel schon feststanden. Als die Verleger dann ihre Unterteilung in drei Bände durchsetzen konnten nahmen sie auch Einfluss auf die Namensgebung. So bevorzugte Tolkien den Titel „Der Ringkrieg“ für den dritten Band, da „Die Rückkehr des Königs“ zu viel spoile.

Dennoch war Bakshis Plan das Werk als Trilogie zu verfilmen. Das zuständige Studio, United Artists, sah das allerdings anders und verlangte, dass es zwei Filme sein müssten. Daher arbeitete Bakshi gleichzeitig an den ersten beiden Bänden, „Die Gefährten“ sowie „Die zwei Türme“, war aber stets bemüht möglichst Nahe an Tolkiens Vorlage zu bleiben. Die Produktion war aufwändig. So wurden nahezu der gesamte Film zuerst mit tatsächlichen Schauspieler*innen in Schwarz-Weiß gedreht und dann mit dem Rotoskopie-Verfahren in Zeichentrick umgewandelt. Dennoch sparte genau dieses Vorgehen Kosten. Insbesondere bei den Schlachtszenen war dies von Vorteil. Zeichnerisch wäre es unmöglich gewesen solch massive Kämpfe umzusetzen und als Realfilm wäre es unglaublich teuer gewesen, aber in Kombination beider Techniken schuf Bakshi einen kostengünstigen Mittelweg, der ihm künstlerische Gestaltungsmöglichkeit gab. Das Resultat ist dennoch gewöhnungsbedürftig.

So schuf Bakshi 2 1/2 Stunden Animationsfilm in der Rekordzeit von gerade Mal einem Jahr und einigen Monaten.
Auch wenn viele heute gnädiger mit Bakshis Werk sind waren sich Fans und Kritik damals uneins. Das lag vor allem daran, dass United Artists kurz vor Veröffentlichung entschied, dass es wohl besser wäre zu Verschweigen, dass es sich lediglich um einen Teil von „Herr der Ringe“ handele. Bakshi war damit unzufrieden, spielte aber mit in der Hoffnung, dass sein zweiter Teil mit Fokus auf „Die Rückkehr des Königs“ realisiert würde.
Dieser kam dennoch nicht zustande. Es ist unklar warum nicht. Mal ist es Produzent Saul Zaentz der Ausstieg, mal ist es das Studio. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen oder alles ist ein bisschen war. So sagte Bakshi, dass er nach all dem Zeitdruck – und vor allem der Entscheidung den Film ohne den Hinweis „Part 1“ zu vermarkten – ebenso wie Zaentz ausstieg, der die Produktion dieses Films als schlimmste Erfahrung seiner gesamten Karriere bezeichnete.

Oft wird auch als Grund genannt, dass Bakshis Film zu wenig Erfolg hatte, dabei war er finanziell durchaus erfolgreich. Bei einem Budget von gerademal 4 Millionen US-Dollar spielte der Film mehr als 30 Millionen ein.

Dennoch blieb sein „Herr der Ringe“ für Bakshi stets ein gebranntes Kind. Er bereute diverse künstlerische Entscheidungen wie die Rotoskopie sowie den Score und fühlte sich im Zuge des Hypes um Peter Jacksons Kinotrilogie zu wenig gewürdigt. Wenn Du Inteviews mit Bakshi liest klingt er schnell wie ein verbittertes Arschloch.
Er sollte insofern Recht behalten, dass sich die ersten beiden Realfilme deutlich auf ihn Bezogen. Auch soll Jackson „Der Herr der Ringe“ auch gar nicht durch die Bücher, sondern durch Bakshis Film kennengelernt haben was gleich an mehreren Szenen in seinen Filmen zu sehen ist, Jackson aber auch niemals abstritt.

Die Rückkehr des Königs – Wo eine Peitsche ist, ist auch ein Weg

Als bekannt wurde, dass Bakshi kein Sequel zu „Der Herr der Ringe“ realisieren würde übernahmen Jules Bass und Arthur Rankin jr. das Ruder.
Bass und Rankin arbeiteten bereits 1977 an einer Zeichentrickumsetzung von „Der Hobbit“. Statt Bakshis erwachseneren Zeichenstil aufzugreifen orientierte sich ihr inoffizielles Sequel „Die Rückkehr des Königs“ von 1980 daher auch eher an ihrem ersten tolkienschen Werk und war dementsprechend kindlicher. Zeitweise hatte es sogar den Arbeitstitel „Frodo, The Hobbit II“. Auch wurden einige Figuren wie Legolas oder Gimli aus dem Film gestrichen, obwohl sie bei Bakshis Adaption eine Rolle spielten. So bringt „Die Rückkehr des Königs“ zwar die Geschichte zu Ende, kann aber keineswegs als echtes Sequel angesehen werden.

Wer sich beim Stil an „Das letzte Einhorn“ erinnert fühlt soll recht behalten. Auch für diesen Film arbeiten Bass und Rankin wie bereits zuvor beim Hobbit mit dem japanischen Animationsstudio Topcraft zusammen.

Ironischerweise sollte sich Warner Brothers später die Rechte an allen Zeichentrickumsetzungen sichern und brachte diese zuerst als VHS, später dann als DVD-Paket auf den amerikanischen Markt, so dass der Eindruck einer nicht vorhandenen Kontinuität entstand.

In Deutschland indes ist „Die Rückkehr des Königs“ niemals offiziell erschienen. Eine deutsche Synchronisation gibt es, ebenso wie für den Hobbit von 1977, nicht.

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    Ein Kommentar:

  • Aromarat.de schreibt am 10. Februar 2016 um 18:21

    Gern erinnern wir uns hier auch an Frazetta’s „Firefox and ice“.

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