FICKO-Crowdfunding – Magazin für Gutmenschlichkeit

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Ich verfolge FICKO bereits einige Zeit, aber seitdem ich es kenne war es vor allem eine Facebookpräsenz. Nicht nur, dass meine Wahrnehmung falsch ist, auch soll sich das nun (wieder) ändern. Redaktion und Technik werden auf- und ausgebaut. Ich hab bei David, aka. form/prim, nachgefragt. Fühlt Euch ermutigt zu spenden!

Lieber David, FICKO wird jetzt gecrowdfundet. Was ist Ficko in drei Sätzen?

FICKO ist die Weltzentrale der Gutmenschlichkeit, das Magazin für gute Sachen und gegen schlechte, das gutmenschliche Schlachtschiff für die Entdeppung der Welt. Denn die Welt und die Menschen liegen uns einfach am Herzen, wir hätten gern, dass es ihnen gutgeht. Und weil wir uns auch zur Welt und Menschheit zählen, hätten wir auch gern, dass es uns selbst gutgeht, weshalb wir auch schauen, dass wir bei all dem vielen Kämpfen nicht kaputtgehen.

Bisher war FICKO vor allem eine Facebookpräsenz wo interessante Artikel geteilt wurden. Was soll sich in Zukunft ändern? Ihr wollt ja eine Redaktion aufbauen.

Tatsächlich hatten wir die ersten drei Jahre eine schöne Website und waren bei Facebook gar nicht aktiv. Nur als die Programmier- und Designleute nicht mehr in der Redaktion waren und dann ab 2012 immer wieder mal der Cache vollgelaufen war, Spambots einfielen, das Theme von irgendwelchen Krankheiten befallen war usw., ging die Seite irgendwann nicht mehr. Und in einem schleichenden Prozess verlagerte sich das alles auf Facebook. Dort schlich die Entwicklung dann auf diversen verschlungenen Pfaden in mannigfaltige Richtungen.

Ich muss die Unterstellung, FICKO wäre v.a. eine Facebookpräsenz, bei der andere Artikel geteilt werden, mit schmetternder Empörung von uns weisen! Das ist tatsächlich ein großer und sichtbarer Teil und das ist auch voll ok, wir haben nicht den Kontrollzwang, dass wir gute Artikel von anderen nicht posten wollen, wir haben aber überhaupt nicht nur das gemacht. Wir haben auch viel eigenes Material veröffentlicht: Artikel, Fotoserien, Kommentare. Wir waren offline ausführlich aktiv. Sei es in Mainz, im Gezi-Park, in etlichen Demos mit Orga, Redebeiträgen, Dokumentation, bei der Unterstützung von sehr vielen anderen Organisationen oder Leuten. Beim Aufbau von Refugees Solidarity Mainz. Und und und.

Ändern soll sich in Zukunft, dass wir das jetzt vor allem erst mal auf ein stabileres Fundament stellen, strukturell und finanziell. Ich hatte z.B. 2011 nach unserer Demo gegen Sarrazin einen Hörsturz, das ist eigentlich nicht das Paradebeispiel von nachhaltigem Aktivismus. Und damit man sich mal das Mindestmaß an Ruhe gönnen kann, um in diesem Mahlstrom des Wahnsinns, der sich momentan an vielen Orten Bahn bricht, nicht unterzugehen, ist z.B. so etwas wie Geld gar nicht so falsch. Das ist ja gern mal ein Tabuthema in v.a. linken Kreisen, aber wir wollen ja auch mit der Gutmenschlichkeit ein zwei Dinge anders machen und z.B. auch nicht nur darauf angewiesen sein, andere Leute zur Selbstausbeutung anzustiften. Das geht alles auf diesem Level nicht mehr dauerhaft ohne Geld. Wir können und wollen nicht weiterhin bei allem sagen müssen, dass es leider ohne Bezahlung ablaufen muss, weil wir null Budget haben. Und daher kümmern wir uns jetzt mal um solch ein Budget.

Das heißt ihr wollt nicht nur journalistisch aktiv sein, sondern Euer Budget wird auch aktivistisch genutzt werden?

Ja, definitiv. Genau darum geht es bei FICKO. Wir haben uns auch nie als Journalist_innen bezeichnet oder verstanden. Sondern viel näher dran als Mitmenschen in einer Welt aus Menschen. Das heißt, dass wir nicht bei der Beschreibung der Welt stehen bleiben wollen und uns dann heraushalten, sondern prinzipiell und explizit eine Haltung zur Welt haben. Und eben gute Sachen unterstützen und schlechten Sachen entgegentreten. Und natürlich die Diskussion immer auch führen, was denn gut und schlecht jeweils heißt. Und natürlich ist es am Ende auch viel differenzierter und komplizierter usw. usf. Aber man muss sich ja beim Hirn verknoten nicht ersticken, denn das lähmt auch und gelähmt zu sein heißt keine Macht zu haben. Gutmenschlichkeit ist aber auch Selbstermächtigung und loslegen, Arme hochkrempeln und machen. Natürlich mit dem höchsten Anspruch, aber eben nicht daran scheitern, dass man wie so oft diesen Anspruch in der Realität doch nicht zu 100% realisiert. Wenn ich nämlich deshalb, weil ich nur 73% des Anspruchs verwirklichen kann, gar nichts mache, erreiche ich halt 0%. Ob das nun der richtige Weg ist, sollen die Sektenbeauftragten klären.

Wo sind da die Grenzen gesteckt? Du machst ja auch Musik. Wäre eine Aktion wie der zuletzt auf Springstoff erschienene Refugee-Sampler zugunsten von antirassistischen Intiativen auch ein Ding was Ficko sich vorstellt? Oder geht es eher um Demos und Hilfe vor Ort?

Also vom Arbeitsaufwand wäre so ein Sampler momentan ganz sicher nicht zu stemmen. Vom Budget ganz zu schweigen.
Aber es wird demnächst einen anderen Sampler geben, nur eben for free. Also künstlerisch können wir das und kennen ja auch so ein paar Musikmenschen, aber der Business-Part übersteigt noch die Kapazitäten. Und die Prioritäten schieben sich jetzt zumindest FICKO-intern sowieso auch von ortsgebundenen Aktionen auf mindestens bundesweite Sachen. Wir hatten irgendwann 2013 zum ersten Mal mehr Likes aus Berlin als aus Mainz und wir haben ja auch da nie nur für Mainz gearbeitet. Nur eben auch, weil wir da vor Ort waren. Alle sollten sich Mühe geben, auch ganz konkret an den Orten, an denen sie leben, jeden Tag ein Kilo Gutmenschlichkeit zu verstreuen (Mindestverzehr).

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